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Eine Schuelerin unterzieht sich einem PCR Test, an der Evangelischen Mittelschule Schiers, am Freitag, 8. Januar 2021, in Schiers. In der Schule Malans, vor Ort und im Bildungszentrum Palottis wurden Mitarbeitende und Schueler freiwillig auf das Coronavirus getestet. Dies im Rahmen eines Pilotversuches. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der PCR-Test mit dem Nasen- und Rachenabstrich ist oft unangenehm, dafür aber sehr zuverlässig. Bild: keystone

Die Geschichte des PCR-Tests und seines exzentrischen Erfinders

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Der PCR-Test gilt als «Goldstandard» für den Nachweis einer Infektion mit dem Coronavirus. Zwar wurden seit Ausbruch der Pandemie weitere Methoden wie Antigen-Schnelltests entwickelt. Keine aber ist so zuverlässig wie der PCR-Test, um Infektionen nachzuweisen und das Ansteckungsrisiko einzudämmen.

Trotzdem oder vielleicht deshalb sind die PCR-Tests bei Corona-Skeptikern umstritten. Sie verweisen auf «falsch positive» oder «falsch negative» Resultate. Unfehlbar ist der PCR-Test nicht, doch die Nachweismethode hat sich in den verschiedensten Bereichen bewährt. Und bei Sars-Cov-2 wird ihm eine Trefferquote von über 95 Prozent attestiert.

Wo aber kommt der PCR-Test überhaupt her? PCR ist die Abkürzung von «Polymerase Chain Reaction». Das Prinzip ist eigentlich sehr einfach: In einer Probe enthaltene Spuren von Erbgut werden durch eine «Kettenreaktion» mit dem Enzym DNA-Polymerase so oft reproduziert, bis ein sicherer Nachweis der gesuchten Gen-Sequenzen möglich ist.

Gleich geht's weiter mit dem Erklärstück zum PCR-Test, vorher ein kurzer Werbe-Hinweis:

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Und nun zurück zur Story ...

«CSI» lässt grüssen

Die Methode hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, nicht nur beim Nachweis von Viruserkrankungen. PCR wird auch für die Erkennung von Erbkrankheiten oder das Erstellen eines genetischen Fingerabdrucks verwendet. Das Identifizieren von DNA-Spuren am Tatort eines Verbrechens («CSI» lässt grüssen) wird durch PCR erheblich erleichtert.

Die Idee, DNA zu vervielfältigen, hatte der norwegische Biochemiker Kjell Kleppe bereits in den frühen 1970er Jahren. Sie wurde aber nicht weiterverfolgt. Es war der Amerikaner Kary Mullis, der 1983 die Polymerase-Kettenreaktion entwickelte. Für diesen Meilenstein der modernen Molekularbiologie erhielt er zehn Jahre später den Nobelpreis für Chemie.

Ein «Aids-Leugner»

Der 2019 verstorbene Mullis war gleichzeitig eine exzentrische Figur, die sich gerne im Grenzbereich von Wissenschaft und Esoterik tummelte. Er war viermal verheiratet, glaubte an UFOs und Astrologie und war bekennender Konsument von LSD. Einmal behauptet er, vor seiner Waldhütte einen leuchtenden Waschbären gesehen zu haben.

Kary Mullis, Vater des PCR-Tests

Kary Mullis an der TED-Konferenz 2009. Bild: wikimedia

Neben solchen Marotten bestritt Kary Mullis jedoch auch wissenschaftlich erwiesene Sachverhalte etwa zum Ozonloch oder zum Klimawandel. Berüchtigt wurde er als «Aids-Leugner». Er folgte einer in der Fachwelt heftig kritisierten Lehrmeinung, wonach die Immunschwächekrankheit Aids nicht durch das HI-Virus verursacht wird. Auf diesem Feld geforscht hatte er nie.

Neuer Test von Drosten

Mullis konnte sich auf eine «Autorität» als Nobelpreisträger berufen. In Südafrika hatte die HIV-Leugnung verheerende Folgen. Zehntausende starben an Aids, weil ihnen die nötigen Medikamente vorenthalten wurden. Corona-Skeptiker sehen in Mullis’ kontroverser Haltung zum HI-Virus einen Beleg dafür, dass der PCR-Test für Viruserkrankungen nicht taugt.

Verwiesen wird auf einen Blogartikel von 1996. Die darin enthaltene Aussage stammt allerdings nicht von Kary Mullis, sondern vom Autor des Beitrags. Tatsächlich hat der Nobelpreisträger nie behauptet, die von ihm entwickelte Methode lasse sich nicht auf Viren anwenden. Bereits bei der ersten Sars-Epidemie 2003 kam der PCR-Test zum Einsatz.

Beteiligt war damals unter anderem Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Universitätsklinik Charité. Er entwickelte mit seinem Team im Januar 2020 auch den ersten, bis heute standardmässig verwendeten PCR-Test für das neuartige Virus Sars-Cov-2. Er erhielt das «Gütesiegel» der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Umstrittener CT-Wert

Wie schon Kary Mullis wird auch Christian Drosten von Corona-Skeptikern eine Aussage vorgehalten, in der er angeblich die Wirksamkeit des PCR-Tests in Frage stellte. Die Kritik fokussiert auf den CT-Wert. Er steht für «Cycle threshold» und bezeichnet die Zahl der Zyklen, die beim PCR-Test angewendet werden, bis sich das Virus nachweisen lässt.

Christian Drosten, center, Director Institute of Virology at the University Hospital Charite, talks with German  Education and Research Minister Anja Karliczek, right, and and Heyo Kroemer, Charite Chairman of the Board, left, during a news conference on the National Research Alliance of University Medicine in the fight against novel coronavirus outbreak at the  Ministry of Research in Berlin, Germany, Thursday, March 26, 2020. The new coronavirus causes mild or moderate symptoms for most people, but for some, especially older adults and people with existing health problems, it can cause more severe illness or death. (Michael Kappeler/Pool via AP)

Christian Drosten hat den ersten PCR-Test für den Nachweis von Sars-Cov-2 entwickelt. Bild: AP

Die Schlussfolgerung ist relativ einfach: Je weniger Viren im Nasen- und Rachenabstrich vorhanden sind, desto mehr Zyklen müssen angewendet werden. Corona-Skeptiker sind überzeugt, dass auf diese Weise die Zahl der positiven Fälle masslos übertrieben wird. Allerdings ist ein positiver PCR-Test noch kein Hinweis auf das Ansteckungsrisiko.

Nicht die Fallzahlen zählen

Wissenschaftler wie Vincent Racaniello, Professor für Virologie an der New Yorker Columbia-Universität, verweisen darauf, dass CT-Werte «in den hohen Dreissigern» eine sehr geringe Infektiosität bedeuten. Am Universitätsspital Zürich werden deshalb laut dem Wissenschaftsportal Higgs nur Fälle gemeldet, «die eindeutig positiv sind».

Unfehlbar ist der PCR-Test nicht, und sein «Erfinder» ist eine zwiespältige Figur. Dennoch bleibt er die wichtigste und sicherste Nachweismethode für das Coronavirus. Für den Umgang mit der Pandemie geben ohnehin nicht die Fallzahlen an sich den Ausschlag. Sondern die Auswirkungen einer Infektion auf die Menschen.

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