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Teresien da Silva, left, and Ronald Leopold of the Anne Frank Foundation show a facsimile of Anne Frank's diary with two pages taped off during a press conference at the foundation's office in Amsterdam, Netherlands, Tuesday, May 15, 2018. Researchers have used digital photo editing techniques to uncover the text on two pages from Anne Frank's world famous diary that the teenage Jewish diarist had covered with brown masking paper, revealing risque jokes and an explanation of sex and prostitution. (AP Photo/Peter Dejong)

Teresien da Silva und Ronald Leopold von der Anne-Frank-Stiftung zeigen ein Faksimile des Tagebuchs. Zwei Seiten wurden neu entziffert. Bild: AP/AP

Diese 4 Witze von Anne Frank wurden gerade entziffert – und sie sind ziemlich «derb»



Mehr als 70 Jahre lang waren zwei Seiten des weltberühmten Tagebuches von Anne Frank dicht verklebt. Die Texte darauf waren verborgen hinter dickem braunem Packpapier. Doch nun sind die bislang unlesbaren Zeilen des jüdischen Mädchens veröffentlicht worden.

Die Amsterdamer Anne Frank Stiftung präsentierte diese Woche Texte, die mit digitaler Fototechnik lesbar gemacht wurden. Die damals 13-jährige Anne hatte auf den zwei Seiten am 28. September 1942 anzügliche Witze und eine Passage über Sexualität notiert.

Auf Seite 78 ihres ersten rotkarierten Tagebuchs habe sie «geschmiert», schrieb Anne. Daher nutze sie den Platz für «derbe Witze». 

Und so lauten die vier Witze:

Solche Zoten waren «Kriegsklassiker», sagt der Wissenschaftler des Huygens-Institut für niederländische Geschichte, Peter de Bruin. Anne hatte sie womöglich im Radio gehört oder auch von ihrem Vater Otto. Aber sie schrieb auch über Sexualität und Prostitution. Das liest sich wie eine fast wörtliche Wiedergabe ihrer eigenen Sexualaufklärung.

«Die Texte sagen uns nicht wirklich etwas Neues über Anne Frank», sagt der Direktor der Anne Frank Stiftung, Ronald Leopold. «Sie ist ein 13-jähriges Mädchen in der Pubertät.»

>>> Hier können die zwei Seiten nachgelesen werden

Für zwischendurch: Der lustigste Witz der Welt – die Top 10

Ganz normales Mädchen

Über Sexualität hat sie auch an anderer Stelle geschrieben. Aber ihr Stil verrät doch viel über die beginnende Schriftstellerin. Denn das wollte Anne werden, schrieb sie später in ihrem Tagebuch.

Sie wollte einen Roman schreiben mit dem Titel «Das Hinterhaus». Das Tagebuch sollte die Basis sein. Daher redigierte sie später alle Texte und schrieb grosse Passagen neu. Die Seiten 78 und 79 klebte sie vermutlich selbst zu, weil sie sich schämte. «Wahrscheinlich hatte sie Angst, dass jemand das lesen könnte», vermutet Direktor Leopold.

Diese Textpassagen verdeutlichen, dass Anne auch ein ganz normales Mädchen war. Zugleich beleuchten sie den schrillen Kontrast zu der grossen Bedrohung im Hinterhaus an der Prinsengracht und machen den unmenschlichen Terror bis heute fühlbar. Im Hinterhaus lebte die in Frankfurt am Main geborene Anne mit ihrer Familie im Versteck vor den deutschen Nationalsozialisten.

Im August 1944 wurde die Familie verraten und deportiert. Anne starb im Alter von 15 Jahren 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Nur Vater Otto Frank überlebte. Helfer hatten Annes Tagebücher gerettet und sie Otto nach dem Krieg übergeben. 1947 veröffentlichte er Annes Texte erstmals.

Originalseiten bleiben verklebt

Die Anne Frank Stiftung habe lange gezweifelt, ob sie die überklebten Passagen überhaupt veröffentlichen sollte. «Anne Frank ist weltweit zu einer Ikone geworden», sagte Direktor Leopold. «Ihr Tagebuch gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Wir fanden, dass alle Texte dokumentiert werden mussten.»

In der neuen für 2019 geplanten wissenschaftlichen Ausgabe der Tagebücher sollen die Texte mitaufgenommen werden. Doch im alten rotkarierten Büchlein bleiben die Seiten 78 und 79 verklebt mit dem dicken braunen Packpapier – genauso wie Anne es selbst wollte. (sda/dpa)

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