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Rauchen frau

Unbewusste Vorurteile zielen auf bestimmte Menschengruppen. Frauen zum Beispiel. Oder Raucher.  Bild: pixabay.com/Pexels

Du hast bestimmt keine Vorurteile, oder? Bist du sicher? Hier findest du es heraus



Das Unbewusste ist eine vertrackte Sache. Da gehen Dinge vor sich, die uns die Schamröte ins Gesicht treiben würden, wenn sie uns denn bewusst wären. Das dürfte auch für Vorurteile gelten – jeder hat sie, aber nur wenige geben zu, dass ihr Verhalten von ihnen beeinflusst wird. 

So fällt es uns schwer zu erkennen – geschweige denn zuzugeben –, dass wir bestimmte Menschengruppen diskriminieren. Menschen mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen sexuellen Orientierung, einem anderen Geschlecht – you name it. Vielleicht können wir die Erkenntnis schlicht nicht zulassen, weil sie sich schlecht mit unserem Selbstbild verträgt. Wir möchten uns selbst nicht als voreingenommen sehen, sondern möglichst vorurteilsfrei erscheinen.

Wie aber geht es nun wirklich zu und her in unserem Unbewussten? Diskriminieren wir tatsächlich – und wen? Auskunft könnte ein psychologischer Test geben, der unausgesprochene Einstellungen und Vorurteile aufdecken soll: der Implizite Assoziationstest (IAT), der Mitte der Neunzigerjahre an amerikanischen Universitäten entwickelt wurde. 

Schwarzer Junge im Klassenzimmer (Symbolfoto)

Eine weitere Zielgruppe unbewusster Vorurteile: Menschen mit anderer Hautfarbe.  Bild: Shutterstock

Verstörende Ergebnisse

Manche Studenten, die damals als Testpersonen fungierten, waren entsetzt über ihre Ergebnisse – sie hatten sich als betont vorurteilsfreie Menschen wahrgenommen und sahen sich nun mit Resultaten konfrontiert, die ihrem Selbstbild zuwiderliefen. Die Psychologin Mahzarin Banaji, die bei der Ausgestaltung des Tests eine wichtige Rolle spielte, beschrieb, wie eine Gruppe von Erstsemestrigen an der Universität von Yale 1998 auf die Aufdeckung ihrer unbewussten Vorurteile reagierte: 

Es gab ein Chaos. Sie waren verwirrt, sie waren irritiert, nachdenklich und herausgefordert, und sie bildeten Gruppen, um das zu diskutieren.

Beim IAT, der solche Szenen auszulösen vermag, handelt es sich um ein sozialpsychologisches Messverfahren, das die Stärke der Assoziationen zwischen verschiedenen Elementen des Gedächtnisses feststellt. Informationen in unserem Gehirn sind, so die Annahme, mittels eines assoziativen Netzwerks miteinander verknüpft. Deswegen können wir schneller auf bestimmte Begriffe reagieren, wenn wir zuvor mit einem Begriff aus demselben Bedeutungsfeld konfrontiert waren.

Testpersonen reagieren beispielsweise schneller auf das Wort «Kuh», wenn ihnen zuvor der Begriff «Milch» präsentiert worden ist – und langsamer nach einem Wort aus einem anderen Bedeutungsfeld, zum Beispiel «Zwiebel». Dies gilt nicht nur für semantische Beziehungen, sondern auch für affektive, also für Wörter, die denselben affektiven Wert aufweisen, zum Beispiel «positiv» und «Glück».

Wie funktioniert der Test?

Der IAT, der am Computer durchgeführt wird, nutzt dieses sogenannte «affektive Priming», indem er Testpersonen mithilfe von zwei Tasten eine Reihe von Begriffen oder Bildern verschiedenen Kategorien – zum Beispiel «Frauennamen» oder «Männernamen» und «positiv» oder «negativ» – zuordnen lässt. Das Wort «Sarah» gehört beispielsweise zu «Frauennamen», «Liebe» hingegen gehört zu «positiv». 

ARCHIVBILD ZUR MEDIENKONFERENZ DER KAMPAGNE

Der Test soll auch unbewusste Vorurteile gegen Alte oder Behinderte aufdecken.   Bild: KEYSTONE

Je zwei Kategorien sind dabei derselben Taste zugewiesen, etwa «Frauenname» und «positiv». Es werden mehrere Testrunden durchgeführt; dabei wechselt die Tastenbelegung, so dass nun «Frauennamen» und «negativ» derselben Taste zugewiesen sind. Aus der unterschiedlichen Reaktionszeit der Probanden bei der unterschiedlichen Belegung leitet der IAT dann die Stärke der assoziativen Verbindung ab. Ist man also schneller, wenn «Frauennamen» und «positiv» auf derselben Taste liegen, ist diese Verbindung stärker – es liegt eine «implicit bias» vor, eine implizite Voreingenommenheit. Hier: Man bevorzugt Frauen.  

Animiertes GIF GIF abspielen

Beispiel für einen IAT: Die Testpersonen müssen die erscheinenden Begriffe den Kategorien zuordnen; also Tod → negativ, Liebe → positiv, Sarah → Frauenname, Frank → Männername. Die Zuordnung erfolgt durch den Druck auf eine von zwei Tasten (links unten oder rechts unten). Beide Tasten sind mit zwei Kategorien belegt. Die Zuordnung wechselt im Lauf des Tests.  Bild: Wikimedia

Möchtest du den Test machen?

>>> Hier findest du ihn.

Ein Test mit Karriere

Der IAT umfasst mittlerweile 14 Varianten, die unbewusste Vorurteile aufdecken sollen; neben Rassismus und Sexismus geht es auch um unbewusste Diskriminierung von Alten oder Behinderten. Die neuste Variante untersucht das unbewusste Verhältnis zum aktuellen US-Präsidenten Trump und einigen seiner Vorgänger, darunter Barack Obama und Bill Clinton.. 

Das waren die unbeliebtesten US-Präsidenten

Der Test hat inzwischen eine beeindruckende Karriere hingelegt. Nach Angaben der Entwickler, Anthony Greenwald und Mahzarin Banaji, haben ihn seit 1995 rund 14 Millionen Personen in 39 Ländern durchgeführt. Der IAT gilt als einflussreich; Firmen und Organisationen – darunter Google und Facebook – wenden ihn an, um ihre Mitarbeiter in Sachen Diversity zu trainieren. Und eben erst hat der Verband der US-Psychologen (American Psychological Association, APA) Greenwald und Banaji den jährlich vergebenen Preis für herausragende wissenschaftliche Beiträge verliehen. 

übergewicht obesitas symbolbild shutterstock essen fastfood

Hegst du ein unbewusstes Vorurteil gegenüber Übergewichtigen? Mach den Test!  Bild: Shutterstock

Ist der IAT wissenschaftlich haltbar?

Doch der IAT ist nicht unumstritten. Während niemand im Ernst bezweifelt, dass wir alle unbewusste Vorurteile hegen, herrscht keineswegs Einigkeit bei der Frage, ob und wie diese wissenschaftlich erfasst werden können. Die «New York Times» monierte 2008, dass die Reproduzierbarkeit des Tests mangelhaft sei. Es gebe sogar wenig Konsistenz in den Ergebnissen, wenn dieselbe Person den Test mehrmals durchführe. 

Eine Analyse aus dem Jahr 2017 weist darauf hin, dass alles, was der Test effektiv misst, ein Unterschied in der Reaktionszeit auf verschiedene Reize ist. Es sei nicht notwendigerweise so, dass dieser Unterschied, der sich notabene im Bereich von wenigen Hundert Tausendstelsekunden bewegt, tatsächlich eine implizite Voreingenommenheit gegenüber einer Minderheit belege. Implizite Voreingenommenheit verstehe man in aller Regel als psychologisches Phänomen, das jemanden dazu veranlasse, sich in realen Situationen diskriminierend zu verhalten. 

Dass unbewusste Vorurteile und diskriminierendes Verhalten nicht auf eine so einfache, direkte Weise zusammenhängen, wie der Test suggeriert, zeigt auch eine 2016 publizierte Meta-Studie, die 426 wissenschaftliche Beiträge zum Thema ausgewertet hat. Sie kam zum Schluss, dass Training gegen unbewusste Vorurteile diskriminierendes Verhalten nicht ändert. 

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • seventhinkingsteps 13.01.2018 01:41
    Highlight Highlight Der Test sagt ich habe eine leichte Vorliebe gegenüber Dunkelhäutigen. Freut mich natürlich, dennoch sehr ungenau würde ich behaupten.

    Ich kenne Menschen, die wissen nicht auswendig wo die"E" und die"I" Tasten auf einer QWERTZ Tastatur sind. Wird dort die Zeit abgezogen, die benötigt wird um nachzuschauen ob der "E" jetzt links oder rechts auf der Tastatur ist?
  • Pana 12.01.2018 21:39
    Highlight Highlight Your data suggest no automatic preference between Dark Skinned People and Light Skinned People.


    Das mag sein. Ich wurde aber auch nicht gefragt, ob ich den Obama oder Trump besser mag. Nochmals Glück gehabt, ihr Light Skinned People. Obwohl, ist orange hell oder dunkel?
  • paterpenn 12.01.2018 20:15
    Highlight Highlight Ich hege Vorurteile gegen diesen Test.
  • Luchs 12.01.2018 18:21
    Highlight Highlight Jetzt bin ich schon wieder Dikriminiert weil ich kein English kann, kann ich den Test nicht machen.










    Und die Menschen haben deshalb vorurteile über mich.
  • walsi 12.01.2018 17:54
    Highlight Highlight Alle Menschen sind voller Vorurteile, unser Hirn ist so konstruiert. Linke haben Vorurteile gegen Rechte, Rechte gegen Linke, Arme gegen Reiche und Reiche gegen Arme. Unser Hirn schätzt neue Situationen auf Grund von Erfahrungen aus früheren, ähnlichen Situationen ein. Es fällt also ein Vorurteil über die neue Situation. Man kann erst später feststellen ob das Vorurteil richtig oder falsch ist.
  • Burdleferin 12.01.2018 17:38
    Highlight Highlight Jeder hat Vorurteile.
    Ein gewisses Mass, und wenn man vor allem seine Handlungen nicht davon beeinflussen lässt, ist normal und gehört zu den Denkkonstrukten von Menschen.
  • trio 12.01.2018 16:40
    Highlight Highlight Phu... Traurig wenn das wirklich stimmt. Leider deckt es sich mit meiner Erfahrung.
    Benutzer Bild
  • Tilia 12.01.2018 14:48
    Highlight Highlight Kann es sein, dass der Test nicht funktioniert, wenn man ihn in einer Fremdsprache absolviert? Ich musste mich viel mehr auf die Sprache als auf den Inhalt konzentrieren. Das Resultat entspricht zwar meinen Erwartungen aber ich vermute ich war einfach überall gleich langsam weils ne Fremdsprache ist. Hat da jemand Angaben dazu? Gibts die Tests auch in Deutsch? Weil nur in der Muttersprache funktionieren doch Assoziationen unbewusst.
  • Lester 12.01.2018 13:58
    Highlight Highlight Dieser Test sagt, ich sei Trump-Fan😂
  • 97ProzentVonCH68000 12.01.2018 13:37
    Highlight Highlight Es ist ein Vorurteil, dass Voturteile etwas schlechtes sind.

    Erfahrungen zu ignorieren ist dumm.
    Kultur ist auch ein Resultat der Entwicklung der Gesellschaft beruhend auf Erfahrungen.

    Wenn jemand mit geballten Fäusten auf mich zu stürmt, beruht meine vorsichtige Reaktion nur auf einem Vorurteil.
  • morax 12.01.2018 12:56
    Highlight Highlight Ich habe den Test gemacht, aus reiner neugier. Ich steh dazu, dass ich absolut kein Interesse an Religion habe, und mir ist absolut egal was mein gegenüber glaubt, mir kommt es auf anderes an, nicht auf die Religion.

    Btw. mein Resultat:
    Your data suggest no automatic preference between Islam and Judaism.
  • dave1771 12.01.2018 12:54
    Highlight Highlight Habe den Race-Test gemacht! Genial, genauso findet man es raus. Wers nicht versteht, vertraut den Leuten die das gemacht haben, die verstehen was davon!
  • dave1771 12.01.2018 12:49
    Highlight Highlight wir alle haben Vorurteile, leider auch Rassistische! Ist ja bewiesen! Wir müssen einfach an uns arbeiten! Aint nobody perfect!
  • statistikus 12.01.2018 12:49
    Highlight Highlight Ich mag Schwarze etwas mehr als Weisse, meint der Test. Ich habe also Vorurteile gegenüber weissen Menschen?
    • exeswiss 13.01.2018 01:15
      Highlight Highlight jupp, ich hab "slight automatic preferences for black people over white people"
  • dmark 12.01.2018 11:57
    Highlight Highlight Ist es nicht schon ein Vorurteil zu behaupten, keine Vorurteile zu haben?
  • ATHENA 12.01.2018 11:38
    Highlight Highlight Ich verstehe schon, worauf dass der Test hinauslaufen soll. Man soll eine gewisse Gruppe Menschen mit Schlecht oder Gut verbinden. D.h. die Forscher wollen herausfinden z.B. ob Schwarze vorschnell zum Begriff "schlecht" zugeordnet werden und mehr Fehler gemacht werden, obwohl sie eigentlich mit der Taste für "Gut" verbindet werden sollen. Scheint mir aber für eine Hypothese einfach ein falscher Grundgedanke zu sein, dass man Menschen kategorisieren muss.
  • Gavi 12.01.2018 11:36
    Highlight Highlight Ich habe Vorurteile. Ich weiss das und ich stehe dazu.
    Dazu muss ich den Test gar nicht machen.
  • ChiliForever 12.01.2018 11:14
    Highlight Highlight Es ist an sich nichts verkehrt an Vorurteilen. Sie sind Ergebnis unserer Erfahrungen und Wahrnehmungen und helfen uns, uns zu orientieren.
    Wir dürfen nur nicht zulassen, daß sie die uneingeschränkte Kontrolle über uns übernehmen ohne daß wir dann noch abwägen.

    Oder um es mit den Worten meines früheren Kompaniechefs zu sagen:
    "Der kleine Mann mit dem Schnauzer steckt in uns allen. Wir dürfen ihn nur nicht rauslassen."
    • paterpenn 12.01.2018 16:27
      Highlight Highlight Dein früherer Kompaniechef hat mich gerade zum schmunzeln gebracht :)
  • Evan 12.01.2018 10:59
    Highlight Highlight Komischer Test der Muslim mit Good and Judaism mit Bad assoziiert. Was soll man denn da klicken wenn sich das überlagert, sehe den Sinn dahinter nicht.
    • Baccaralette 12.01.2018 13:13
      Highlight Highlight Ich habe den Test gemacht und verstehe es nicht. offenbar bevorzuge ich Juden etwas gegenüber Moslems.

      Mein Partner wird sich wohl ziemlich darüber amüsieren, hege ich ja von jeher mehr Sympathien gegenüber den Palästinensern als gegenüber den israelischen Siedler. Ich weigere mich auch standhaft, nach Israel zu reisen, während ich schon mehrere Male längere Reisen in muslimischen ländern gemache habe.
      Mh. Nein, eher nicht.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 12.01.2018 10:47
    Highlight Highlight "Here is your result:

    Your data suggest no automatic preference between Arab Muslims and Other People." Und dabei bin ich ein weisser, atheistischer Mann?!

    Nein im Ernst, das freut mich natürlich zu hören, allerdings bin ich diesem Test gegenüber sehr skeptisch eingestellt. Aufgrund von Reaktionszeiten auf politische und soziale Positionen zu schliessen halte ich für gewagt, zuwenig Informationen für zu viel Aussage.
    • dave1771 12.01.2018 12:50
      Highlight Highlight Eben gerade die Reaktionszeit ist das ausschlaggebende! Aber schwierig zum erklären...
    • KenGuru 12.01.2018 15:43
      Highlight Highlight Es geht eben nicht um Positionen sondern um unterbewusste Vorurteile.
      Du kannst diese Vorurteile unterbewusst haben und in Wirklichkeit ein komplett toleranter Mensch sein.
    • raues Endoplasmatisches Retikulum 12.01.2018 16:16
      Highlight Highlight Wenn sich meine "unterbewussten Vorurteile" nicht in meinem Handeln zeigen, wie misst man sie dann und welche Relvanz haben sie überhaupt?
  • Ohmann94 12.01.2018 10:46
    Highlight Highlight Na die Zahlen sprechen wohl für sich.

    Hab den Test gerade gemacht. (Übrigens auch sehr gut mit einem Smartphone möglich!)
  • Dharma Bum(s) 12.01.2018 10:39
    Highlight Highlight Ich habs wie Woody Harrelson in Rampage:

    “I'm not racist, I hate everyone equally."
  • Wilhelm Dingo 12.01.2018 10:38
    Highlight Highlight Cooler Link!

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