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Thomas Jordan, Praesident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank SNB, spricht am Jahresend-Mediengespraech der SNB, am Donnerstag, 12. Dezember 2019, in Bern. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tastet die Zinsen nicht an und fuehrt damit ihre expansive Geldpolitik fort. Konkret belaesst sie ihren Leitzins sowie den Zins auf Sichtguthaben bei -0,75 Prozent. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag in Bern. Bild: KEYSTONE

«In der Gesamtheit positiv» –SNB-Präsident Thomas Jordan verteidigt Negativ-Zinsen



Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist die derzeitige Geldpolitik angemessen für die Schweiz. Eine Normalisierung der Zinsen ist laut SNB-Präsident Thomas Jordan zur Zeit kein Thema.

«Die gegenwärtige Situation in der Schweizer ist so, dass es das Beste ist, die Geldpolitik unverändert zu lassen», sagte Thomas Jordan in der «Samstagrundschau» von Radio SRF. Er verwies dabei auf die sehr tiefe Inflation, das mässige Wirtschaftswachstum und die anhaltend hohe Bewertung des Frankens.

Diese drei Punkte sprächen dafür, dass eine restriktivere Geldpolitik oder höhere Zinsen nicht angemessen wären. Im Gegenteil: «Man könnte sogar argumentieren, dass man die Geldpolitik weiter lockern sollte», sagte Jordan. Die SNB habe immer gesagt, dass die Zinsen noch weiter sinken könnten. «Das streben wir im Moment aber nicht an», sagte er.

Politik im Gesamtinteresse

Aktuell steht der Leitzins der SNB bei -0,75 Prozent. Zur Frage, wie stark die Zinsen im Extremfall sinken könnten, wollte sich Jordan nicht äussern. «Aber es ist klar: Irgendwann kommt der Boden. Und dann werden die Leute ihr Geld von den Banken abziehen. Die Wirksamkeit dieses Instrumentes ist limitiert.» Für den Moment gelte aber: «Der Negativzins ist ein wichtiges Instrument, um die monetären Bedingungen in der Schweiz vernünftig zu gestalten.»

Jordan ging im Interview auch auf die zunehmende Kritik am Negativzins ein und betonte dabei, dass die Nationalbank bei ihren Entscheiden immer das Wohl des ganzen Landes im Auge habe. Man habe manchmal den Eindruck, die Leute glaubten, die Nationalbank wolle den Leuten schaden. «Das pure Gegenteil ist wahr», sagte Jordan.

Verschiedene Hüte

«Wir versuchen die geldpolitischen Bedingungen so zu gestalten, dass sie in der Gesamtheit etwas Positives bringen.» Dabei müsse man sehen, dass jeder Bürger verschiedene Hüte trage. Er sei entweder Arbeitnehmer oder Selbständiger, sei Sparer und in einer Pensionskasse, sei Steuerzahler und sei Mieter oder Hauseigentümer. «Der Zins tangiert die verschiedenen Hüte natürlich völlig unterschiedlich», sagte Jordan.

Im Immobilienbereich etwa würden die Hypothekarnehmer und die Mieter von den tieferen Zinsen profitieren. Und auch der Staat müsse dadurch weniger für die Schulden ausgeben. Natürlich hätten die Negativzinsen auch negative Auswirkungen, etwa im Bankensystem. Die SNB versuche aber, diese so weit wie möglich zu mildern.

Ausschüttung in «vernünftiger Dimension»

Bezüglich Ausschüttung der Notenbank-Gewinne an Bund und Kantone plädierte Jordan für eine «vernünftige Dimension». Gemäss der noch ein weiteres Jahr laufenden Gewinnausschüttungs-Vereinbarung erhalten Bund und Kantone maximal 2 Milliarden pro Jahr, wenn die Ausschüttungsreserve genügend hoch ist. Danach könnten politisch Anpassungen gemacht werden.

Thomas Jordan, left, President of the Swiss National Bank, SNB, speaks with Managing Director of the International Monetary Fund Christine Lagarde, right, during a panel session on the first day of the 46th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Wednesday, January 20, 2016. The overarching theme of the Meeting, which takes place from 20 to 23 January, is

Thomas Jordan und Christine Lagarde 2016 am WEF in Davos. Bild: KEYSTONE

Verschiedene Stimmen fordern deshalb schon heute Ausschüttungen in der Höhe von bis zu 20 Milliarden Franken, etwa um das Loch in der Altersvorsorge zu stopfen. Laut Jordan hätte das einen kontraproduktiven Einfluss auf die Geldpolitik. Bei einer Ausschüttung in diesem Ausmass müsse die SNB 20 Milliarden ihrer Devisenreserven verkaufen. «Das wäre eine Intervention in die falsche Richtung», sagte er.

Nicht zuletzt äusserte sich der SNB-Präsident sehr positiv zur neuen EZB-Chefin Christine Lagarde: «Ich habe keine Zweifel, dass sie ihre Aufgabe brillant lösen wird.» (cbe/sda/awp)

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