Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Lässt sich von künstlicher Intelligenz unterstützen: Finanzprofessor Fabio Alessandrini

Interview

Ein Finanzprofessor erklärt: Warum es derzeit Sinn macht, in Rohstoffe zu investieren

Die Aktienbörse befindet sich auf einer Achterbahn, mit Obligationen ist kein Geld zu verdienen. Derzeit macht es daher Sinn, in Rohstoffe zu investieren. Fabio Alessandrini von der Banque Cantonale Vaudoise und Finanzprofessor an der HEC Lausanne, erklärt, weshalb.



Die Aktien befinden sich auf einer Achterbahn, Obligationen leiden unter der Zinswende. Sind derzeit Rohstoffe die Rettung für Investoren?
Wir befinden uns an einem Punkt des Business-Zyklus, an dem Rohstoffe sehr interessant werden. Die Wirtschaft boomt nach wie vor, aber erste Anzeichen von Inflation machen sich bemerkbar. Obligationen leiden in dieser Phase, Investoren brauchen eine Alternative und die heisst Rohstoffe. Das zeigt uns die Finanzgeschichte.

Gilt dies für alle Rohstoffklassen?
Nein. Den besten Schutz gegen Inflation bilden Energie und unedle Metalle. Für Gold ist es noch ein bisschen zu früh.

Was ist mit Landwirtschaftsprodukten?
Keine gute Idee. Von der Rendite her gesehen sind sie uninteressant und ethisch gesehen fragwürdig.

«Die Ethikfrage stellt sich vor allem dann, wenn die Preise für Nahrungsmittel steigen.»

China ist für den Preis der Rohstoffe entscheidend geworden. Was, wenn sich der Handelskrieg zwischen den USA und China zu einem neuen Kalten Krieg ausweiten sollte?
Das ist ein offensichtliches Risiko. Doch es ist sehr schwierig abzuschätzen, was die Folgen für die Rohstoffpreise sein werden. Die grösste Gefahr liegt darin, dass Investoren und Konsumenten das Vertrauen verlieren.

Viele Staaten sind bis über beide Ohren hinaus verschuldet. Hat dies Folgen für die Rohstoffpreise?
Wir glauben, dass die Weltwirtschaft sehr robust ist. Die hohe Verschuldung ist ein strukturelles Problem, das mittel- und langfristig Folgen haben wird.

Wichtige Rohstoffländer wie Brasilien haben, milde ausgedrückt, dubiose Regierungen. Wie schätzen Sie das ein?
Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Ich bin kein Polit-, sondern ein Finanzanalyst. Aus meiner Sicht ist der entscheidende Faktor die anziehende Inflation.

«Investitionen in Rohstoffe können helfen, die schädlichen Folgen der Inflation abzuwehren. Für die Renten ist das eine gute Sache.»

Sprechen wir über Ethik. Rohstoffländer werden meist autoritär regiert, denken wir an Russland, Saudi-Arabien oder verschiedene afrikanische Staaten. Kann man da mit gutem Gewissen investieren?
Die Ethikfrage stellt sich vor allem dann, wenn die Preise für Nahrungsmittel steigen. Das war etwa 2008 der Fall, als der Preis für Getreide plötzlich in die Höhe schoss. Damals brach eine heftige Diskussion über die Spekulation mit Rohstoffen los.

epa06927718 A group of people protest the water shortage, in Caracas, Venezuela, 04 August 2018. AS the socio economic crisis continues Venezuelans are experiencing shortages of food, medicine, electricity and water.  EPA/Miguel Gutiérrez

Proteste gegen zu hohe Lebensmittelpreise in Venezuela. Bild: EPA/EFE

Was hat sie ergeben?
Studien zeigen, dass es kein schlüssiges Resultat gibt. Wir wissen nicht, ob Spekulation die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treibt oder nicht. Sicher ist, dass sie zu mehr Volatilität führt, aber auch dazu, dass sich die Preise rascher angleichen. Letztlich ist es eine Frage der persönlichen Überzeugung: Wer es unethisch findet, in Nahrungsmittel zu investieren, sollte die Finger davon lassen.

Was ist mit Öl? Gerade im Fall Khashoggi haben wir wieder erlebt, wie diktatorisch das Regime von Saudi-Arabien ist? Auch Putin profitiert von höheren Ölpreisen. Was sagen ihre Kunden dazu?
Ehrlich gesagt, wenig bis nichts. Institutionelle Investoren wie Pensionskassen sind in dieser Hinsicht vorsichtiger als private. Es gibt einzelne Pensionskassen, die ausdrücklich gar nichts mit Rohstoffen zu tun haben wollen.

FILE - This June 25, 2008 photo shows an aerial view just north of Fort McMurray in Alberta, Canada, where the world's largest oil companies are building massive open pit mines to get at the oil sands. A proposed tar sands mine on Utah's eastern Uinta basin, that would be the first commercial project of its kind in the U.S. has environmentalists concerned that shortsightedness may trump reason. A Canadian company aims to mine roughly 62 acres on the Uinta basin to produce bitumen, a tar-like form of petroleum, from oil-soaked sands. For decades, other Utah operators have used oil sands as a poor-man's asphalt, and Canada has been wringing oil from the dirt for years, but nobody has yet tried to produce petroleum from U.S. soil on such a large scale. (AP Photo/Canadian Press, Eamon Mac Mahon, File) ** NO ARCHIVE **

Der Abbau von Ölsand in Kanada zerstört grosse Landschaften. Bild: AP CP

Was ist mit ökologischen Bedenken? Investitionen in Öl sind in Zeiten des Klimawandels ebenfalls umstritten.
Es gibt tatsächlich einen Trend hin zum nachhaltigen Investieren. Doch vergessen Sie nicht: Gerade Pensionskassen haben auch eine soziale Verpflichtung. Sie müssen eine Rendite erzielen, die es ihnen ermöglicht, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Investitionen in Rohstoffe können helfen, die schädlichen Folgen der Inflation abzuwehren. Für die Renten ist das eine gute Sache.

Sie setzen bei Ihren Investitionsentscheiden vermehrt künstliche Intelligenz ein. Wie hat man sich das vorzustellen?
Maschinen können gewaltige Datenmengen verarbeiten und lassen sich nicht von Emotionen leiten. Diese beiden Vorteile wollen wir nutzen. Aber die Algorithmen, die wir einsetzen, investieren nicht selbstständig. Sie befinden sich unter menschlicher Kontrolle.

Lernen sie selbstständig?
Nein. Vorläufig bringen wir ihnen noch bei, was sie zu tun haben.

Wie sehen Sie und ihre künstlich intelligenten Helfer die Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten?
Grundsätzlich glauben wir, dass die Weltwirtschaft weiterhin wachsen wird. Risiken sehen wir in Europa und vor allem in China. Die chinesische Regierung hat jedoch schon mehrmals bewiesen, dass sie in der Lage ist, Konjunkturschwächen sehr rasch wieder aufzufangen. Das robuste Wachstum fördert die bereits vorhandene Inflationstendenz. Deshalb wiederhole ich gerne: Investitionen in Rohstoffe machen derzeit Sinn.

Gilt das auch, wenn Trump am kommenden Dienstag die Zwischenwahlen verlieren sollte?
Das könnte zu politischen Problemen führen, doch die amerikanische Wirtschaft ist so gut in Form, dass sie es verkraften sollte.

Das könnte dich auch interessieren:

Iran-Sanktionen aus US-Sicht wieder in Kraft

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

So kauft sich China Freunde in Afrika

Video: srf

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Torkar 05.11.2018 08:40
    Highlight Highlight "Wichtige Rohstoffländer wie Brasilien haben, milde ausgedrückt, dubiose Regierungen. Wie schätzen Sie das ein?
    Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung.", sagt für mich schon alles. Die sozialen Aspekte interessieren die wenigsten Wirtschaftsfachleute. Sie setzen sich kaum damit auseinander. Dies hilft wiederum ungerechte Systeme zu stützen.
    Meiner Meinung nach ändert sich nur etwas, wenn es denjenigen finanzielle Einbußen bringt, die wirtschaftlich etwas beeinflussen können.
  • Der Kritiker 05.11.2018 00:31
    Highlight Highlight "Was ist mit Öl? Gerade im Fall Khashoggi haben wir wieder erlebt, wie diktatorisch das Regime von Saudi-Arabien ist? Auch Putin profitiert von höheren Ölpreisen. Was sagen ihre Kunden dazu?" Philipp Löpfe, und die vormals "sozialistische" Regierung finanzierte mit dem hohen Ölpreis ihre Sozialprogramme (und einige andere Sachen auch) , welche sie mit dem tiefen Preis nicht mehr unterhalten konnte. Erst dadurch kam eine Regierung Bolsonaro zustande.
  • Der Kritiker 05.11.2018 00:15
    Highlight Highlight Die Rohstoffpreise sind noch immer zu tief, der Crash von 2008 - auf Grund von Finanzspekulanten - und die danach erfolgte Regulierung sitzt noch vielen Marktteilnehmern im Nacken. Der PMI (Bau, Industrie) ist auf einem sehr hohen Level, dennoch steigen die Rohstoffpreise nicht wie gewünscht an und sorgen auch hier bei vielen MEM Betrieben für tiefe, ja sogar negative Nettoergebnisse. Dank vielen Patrons, welche die vergangenen 3 Jahre auf Gewinne verzichteten, konnten Stellen in der Schweiz erhalten werden. Die Erhöhung der Rohstoffpreise wird auch hier wieder vielen KMUs Sicherheit bringen.
    • Dubio 05.11.2018 08:15
      Highlight Highlight Wieso soll ein hoher Rohstoffpreis gut für KMUs sein? Die müssen doch v.a. Rohstoffe einkaufen und provitieren von tiefen Preisen?
  • Matthiah Süppi 04.11.2018 21:32
    Highlight Highlight So Geld zu verdienen ist sowieso unethisch.
  • Beat Galli 04.11.2018 15:46
    Highlight Highlight Meine Erfahrung zeigt, wenn aus allen Löcher gekrochen wieder irgendwelche Finanzspezis der grossen Bevölkerung die Ideen für eine bessere Idee verbreiten, sind wir kurz vor einem grossen Knall.
    Dass ist der Moment, wo man hofft, dass das kleine Volk noch die letzten Kröten investiert, wo die Wolhabenden schon die Finger davon lassen.
    Denn wenns rentiert, machen sie es still und leise...
    • Der Kritiker 05.11.2018 00:18
      Highlight Highlight Beat Galli. Schau Dir die Entwicklung gewisser Industriemetalle (Preise und Mengen) an, dann wirst Du sehen, dass der Finanzspezi nicht ganz unrecht hat. Klar hat die BCV auch ein Interesse an höheren Preisen, schliesslich finanzieren sie solche Rohstofftransaktionen, aber die Preise für die Industriemetalle sind deutlich zu tief.
    • Beat Galli 05.11.2018 08:24
      Highlight Highlight Ja denn ....viel Glück.
  • Typu 04.11.2018 13:53
    Highlight Highlight Hinter jedem Investment steckt auch ein Risiko.
  • Weissbrot 04.11.2018 12:08
    Highlight Highlight Das waren noch Zeiten,als wir für Lohn noch arbeiten mussten.Heute kann man/frau investieren.Dann arbeiten die Ärmsten und die Reichen werden noch reicher.Super System (für die Reichen)
    • Paddiesli 04.11.2018 13:12
      Highlight Highlight So so, die Ethikfrage stellt sich also nur, wenn die Lebensmittelpreise steigen?
      Wie krank ist das denn!
      Wer sich Ethikfragen stellt, investiert nicht in Rohstoffe.
    • Paddiesli 04.11.2018 13:19
      Highlight Highlight Ups, sorry, Weissbrot, mein Kommentar galt nicht dir, sondern dem Artikel.
    • Der Kritiker 05.11.2018 00:24
      Highlight Highlight Paddiesli, weit gefehlt! Umkehrschluss Deiner Aussage ist, dass in ethisch handelt, wer in Rohstoffe investiert. Das betrifft dann eigentlich die gesamte Industrie, weil sie die Rohstoffe braucht, um Güter herzustelken. Und weil die Dienstleister ohne Industrie keine Dienstleistungen anbieten können (nein, es gibt dann kei e Compiüterli mehr, auf denen man herumtöggeln kann), betrifft es auch die Dienstleister. Und weil Du ein Medium benutzt, um Deine Kommentare zu posten, betrifft es auch Dich.
    Weitere Antworten anzeigen

Offen gesagt

«Liebe Frau Amherd, wir müssen reden ...»

Sollte die Schweizer Stimmbevölkerung die Beschaffung neuer Kampfjets Ende September auch im zweiten Anlauf ablehnen, wäre das gut für die Schweiz. Sie könnte dann die längst überfällige sicherheitspolitische General-Debatte führen.

Liebe Frau Amherd

Herzliche Gratulation zu den jüngsten «Polls», wie man in Amerika sagen würde. 58 Prozent der Stimmberechtigten gedenken laut einer Tamedia-Umfrage, den Kredit für die Kampfflugzeuge mit «Ja» oder «Eher Ja» anzunehmen.

Aber wie sagt man so schön? «It's not over, until it's over», und solche Abstimmungsbarometer wirken ja eher mobilisierend auf das Lager, das gerade im Rückstand ist.

Für Sie hoffe ich natürlich, dass Sie Ihr erstes grosses Geschäft als Verteidigungsministerin …

Artikel lesen
Link zum Artikel