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FILE - In this July 17, 2005, file photo, Donald Trump hits off the 17th tee at Edgewood Golf Course during the American Century Championship in Stateline, Nev. A set of golf clubs that Donald Trump gifted to a former caddie before becoming president is being auctioned off. Boston-based RR Auction says Trump used the TaylorMade RAC TP ForgedIrons clubs at the Trump National Golf Club in Bedminster, N.J. (Brad Horn/Nevada Appeal via AP, File)/

Trump ist ein ausgezeichneter Golfer. Aber kann er auch im Handelsstreit mit China einlochen? Bild: AP/Nevada Appeal

Analyse

Warum der Trump-Put seine Wirkung verliert

Der Handelsstreit zwischen den USA und China verschärft sich, weil auf beiden Seiten zwei Narzissten an der Macht sind – und weil die Wirtschaftsehe der beiden Länder zerbricht.



Was im Finanzjargon «Put» genannt wird, ist für Laien eine Art Versicherung. Mit einem Put kauft man sich die Sicherheit, dass ein Vermögenswert nicht unter ein festgelegtes Niveau sinkt.

In den Nullerjahren sprach man in der Finanzwelt von einem «Greenspan-Put». Der damalige Präsident der US-Notenbank, Alan Greenspan, pflegte regelmässig die Zinsen zu senken, wenn die Börsen wacklig wurden. Damit verhinderte er einen Crash und sicherte die Investoren ab.

FILE - In this file photo taken Wednesday, May 1, 2019, Chinese Vice Premier Liu He, right, gestures as U.S. Treasury Secretary Steven Mnuchin, center, chats with his Trade Representative Robert Lighthizer, left, before they proceed to their meeting at the Diaoyutai State Guesthouse in Beijing. President Donald Trump turned up the pressure on China on Sunday, May 5, threatening to hike tariffs on $200 billion worth of Chinese goods. Trump's comments, delivered on Twitter, came as a Chinese delegation was scheduled to resume talks in Washington on Wednesday aimed at resolving a trade war that has shaken financial markets and cast gloom over the world economy.(AP Photo/Andy Wong, Pool, File)

Diese drei Männer müssen es richten: Robert Lighthizer, Steven Mnuchin und Liu He (von links nach rechts). Bild: AP/AP POOL

Heute spricht man von einem «Trump-Put». Der US-Präsident sorgt zwar mit Drohungen permanent für Aufregung. Er setzt sie jedoch nicht oder bloss in stark abgeschwächter Form in die Realität um: So hat er den Freihandelsvertrag mit Kanada und Mexiko nicht aufgekündigt, sondern bloss ein paar harmlose Retouchen angebracht. Die Strafzölle auf Autos sind bisher eine Drohung geblieben.

Die Investoren haben sich mittlerweile an den Trump-Put gewöhnt. Deshalb reagierten sie bisher gelassen auf die präsidialen Tweets, die höhere und ausgedehnte Strafzölle für chinesische Importe ankündigten.

Doch nun hat Trump ernst gemacht: Seit Mitternacht müssen chinesische Importe in der Höhe von 250 Milliarden Dollar neu mit 25 statt wie bisher mit 10 Prozent verzollt werden. Das betrifft rund 40 Prozent aller chinesischen Güter, welche die USA importieren.

Two barges push a container ship to the dockyard in Qingdao in eastern China's Shandong province Wednesday, May 8, 2019. China's exports fell unexpectedly in April, adding to pressure on Beijing ahead of negotiations on ending a tariff war with Washington over Chinese technology ambitions. (Chinatopix Via AP)

Ein Containerschiff legt ab. In 30 Tagen wir es in einem amerikanischen Hafen ankommen. Bild: AP/CHINATOPIX

Trump wäre allerdings nicht Trump, hätte er sich nicht eine Hintertür offen gelassen. Die Erhöhung der Strafzölle tritt zwar sofort in Kraft, betroffen sind jedoch die Güter, die nun verschifft werden. Da die Schiffsreise über den Pazifik rund 30 Tage dauert, kann in dieser Zeit noch ein Deal abgeschlossen werden.

Trump hat denn auch angedeutet, dass es allen Drohungen zum Trotz noch zu einer Einigung kommen könnte. Der chinesische Präsident Xi Jinping habe ihm einen «schönen Brief» zukommen lassen, liess er die Journalisten wissen.

Wohl deshalb vertrauen die Investoren weiter auf den Trump-Put. Die Reaktionen an den Finanzmärkten sind bisher moderat ausgefallen. Doch das Vertrauen in den Trump-Put könnte sich diesmal rächen. Eine Einigung in letzter Minute ist zwar immer noch möglich, aber alles andere als sicher. Dafür gibt es zwei Gründe:

FILE - In this Nov. 9, 2017, file photo, U.S. President Donald Trump, right, chats with Chinese President Xi Jinping during a welcome ceremony at the Great Hall of the People in Beijing. The United States and China are scheduled Thursday, May 9, 2019, to resume talks to try to back off an escalating trade war. (AP Photo/Andy Wong, File)

Zwei riesige Egos: Xi Jinping und Donald Trump. Bild: AP/AP

Beide Präsidenten sind Narzissten. Das gilt nicht nur für Trump. Seit Mao Zedong ist Xi Jinping der mächtigste Mann in China. Er hat die Partei gesäubert und umgibt sich mit Speichelleckern. In der «Financial Times» stellt Jamil Anderlini fest:

«Menschen aus dem Umfeld der chinesischen Führung erzählen, dass es unmöglich sei, Mr. Xi zu widersprechen. Er hat die Amtszeitbeschränkung aufgehoben und die Tradition der kollektiven Führung, die in China seit den späten Siebzigerjahren üblich war, aufgegeben.»

Die amerikanische Seite verlangt von den Chinesen offenbar, dass sie Gesetze verändern. Damit trifft sie nicht nur den Stolz des Präsidenten, sondern den Stolz der ganzen Nation. Wang Yong, Direktor des Center for International Political Economy an der Peking University, erklärt in der «New York Times»:

«Diese Gesetzesänderungen würden schmerzhafte Erinnerungen an die Tage unserer Erniedrigung zurückbringen. Historisch gesehen hat China zu viele Konzessionen gemacht.»

In seinem Wahlkampf hat Trump den Handelskrieg gegen China nebst der Mauer zu seinem zentralen Versprechen gemacht. Er bekommt dabei breite Unterstützung. Selbst die Demokraten wollen die unfairen Praktiken der Chinesen unterbinden. Mit seinen aggressiven Tweets macht der amerikanische Präsident es seinem chinesischen Gegenpart sehr schwer, einem Deal zuzustimmen, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren.

Im Handelskrieg zwischen China und den USA geht es jedoch um mehr als die überzüchteten und hochsensiblen Egos der beiden Präsidenten. Die Wirtschaftsehe der beiden Nationen ist wohl unrettbar zerbrochen.

epa07521150 Chinese People's Liberation Army (PLA) navy soldiers perform during the multinational naval military bands performance to celebrate the upcoming 70th anniversary of the Chinese PLA Navy in Qingdao, China's Shandong province, 22 April 2019. Chinese PLA Navy will hold the navy parade to mark its 70th anniversary on 23 April 2019.  EPA/WU HONG

Chinesische Matrosen bei einer Parade. Bild: EPA/EPA

Noch vor ein paar Jahren war «Chimerica», die harmonische Verbindung der beiden Supermächte, ein beliebtes Thema unter Ökonomen. Heute diskutieren Politologen darüber, ob ein Krieg der beiden langfristig unausweichlich sei und ob die Falle des Thukydides erneut zuschnappen werde.

Thukydides war ein griechischer Historiker, der aufgrund des Schicksals von Athen und Sparta die These aufstellte, dass es zwischen einer bestehenden und einer aufstrebenden Macht zwangsläufig zu einem Krieg kommen muss.

Ob die geopolitische Rivalität nur mit einem Krieg beendet werden kann, wird sich weisen. Wirtschaftlich ist die Scheidung der beiden bereits im Gang. Amerikanische Unternehmen verlegen ihre Produktionsstätten zunehmend in andere Länder, beispielsweise Vietnam oder Mexiko. Umgekehrt sind die chinesischen Investitionen in den USA massiv rückläufig, genauso wie die Anzahl der chinesischen Studenten an amerikanischen Universitäten.

Scheidungen laufen selten harmonisch ab. In der Wertschöpfungskette der globalen Wirtschaft spielt China eine zentrale Rolle. Wird diese Kette gekappt, dann wird dies nicht ohne massive Störungen über die Bühne gehen. Die allfälligen Folgen werden heftig sein.

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