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epa08193536 Democratic candidate for United States President, Vermont Senator Bernie Sanders, addresses an audience during a campaign rally at the Hampshire Hills Athletic Club in Milford, New Hampshire, USA, 04 February 2020. The first in the Nation Primary is to be held in New Hampshire on 11 February 2020.  EPA/AMANDA SABGA

Bild: EPA

Analyse

Stell dir vor, es sind Wahlen – und Bernie wird Präsident!

Der Senator aus Vermont hat nach dem Chaos in Iowa eine realistische Chance, ins Weisse Haus einzuziehen.



Obwohl er gar nicht Mitglied ist, genoss Bernie Sanders bisher innerhalb der Demokratischen Partei den Status eines Exoten. Der Senator aus Vermont bekennt sich offen zum Sozialismus – normalerweise ist das in den USA ein Todesurteil für jeden Politiker. Daher galt Bernie als Maskottchen der Jungen und der ewigen Träumer. Als ernsthafter Kandidat für das Weisse Haus wurde er allenfalls an Universitäten und in linken Szenenlokalen gehandelt.

Nun aber marschiert Bernie durch. In Iowa hat er wahrscheinlich die Mehrheit der Stimmen erhalten – aufgrund eines für Aussenstehende unverständlichen Wahlsystems möglicherweise nicht die Mehrheit der Delegierten. In New Hampshire und in Nevada hingegen steuert er gemäss Umfragen auf einen klaren Sieg hin.

Im Establishment der Demokratischen Partei macht sich Panik breit. Hillary Clinton greift ihren Rivalen aus dem Jahr 2016 frontal an und bezeichnet ihn als «ungehobelt und wenig liebenswert». Der ehemalige Aussenminister John Kerry soll gemäss Insider-Berichten Pläne schmieden, wie man verhindern kann, dass Sanders die Nominierung gewinnt.

epaselect epa08193554 Supporters cheer as Democratic candidate for United States President, Vermont Senator Bernie Sanders, addresses an audience during a campaign rally at the Hampshire Hills Athletic Club in Milford, New Hampshire, USA, 04 February 2020. The first in the Nation Primary is to be held in New Hampshire on 11 February 2020.  EPA/AMANDA SABGA

Riesiger Enthusiasmus für Bernie bei den jungen Wählern. Bild: EPA

Die Angst vor Bernie hat gute Gründe. Joe Biden, der bislang als sein härtester Gegner galt, hat in Iowa einen schlechten Start erwischt. Die unselige Rolle, die sein Sohn in der Ukraine-Affäre gespielt hat, scheint Wirkung zu zeigen. Elizabeth Warren, Sanders Rivalin bei den Progressiven, kommt ebenfalls nicht wirklich auf Touren.

Ob das Hoch von Pete Buttigieg anhalten wird, bleibt fraglich. Nach wie vor ist der ehemalige Bürgermeister aus South Bend (Bundesstaat Indiana) bei der schwarzen Bevölkerung nicht angekommen. Amy Klobuchar scheint der Durchbruch nicht zu gelingen.

epa08193676 Democratic candidate for United States President, Former Vice President Joe Biden, greets supporters at a campaign event in Concord, New Hampshire, USA, 04 February 2020. The first-in-the-nation primary is to be held in New Hampshire on 11 February 2020.  EPA/CJ GUNTHER

Schlecht gestartet: Joe Biden. Bild: EPA

Trotz seiner 78 Jahre und eines überstandenen Herzinfarkts ist Bernie unverwüstlich. Ihm ist es gelungen, eine breite Basisbewegung aufzubauen. Damit hat er genügend Geld und viel Enthusiasmus für die kommenden Ausmarchungen.

Innerhalb der Demokraten tobt ein Richtungsstreit. Das Establishment sieht in Donald Trump eine Entartung des Politsystems. Es setzt daher auf einen moderaten Kandidaten – Biden, Buttigieg und Klobuchar –, der oder die zum Altbewährten zurückkehrt und die von Trump verursachten Flurschäden bereinigt.

Sanders und Warren zählen zum progressiven Flügel. Sie sehen in Trump das Symbol eines aus dem Ruder geratenen Systems und fordern fundamentale Änderungen wie eine einheitliche Krankenkasse für alle, einen Green New Deal, den Erlass der Schulden für Studenten und höhere Mindestlöhne.

Diese Forderungen stossen bei der Basis auf viel Verständnis. Mehr als 30 Jahre Neoliberalismus haben die USA umgepflügt. Eine Gesellschaft, in der nach dem Zweiten Weltkrieg auch nicht studierte «bluecollar worker» ein gutes Leben führen konnten, hat sich gespalten in eine unglaublich reiche Elite, eine wohlhabende «kreative Klasse» und eine breite untere Mittelschicht, die mehr schlecht als recht über die Runden kommt.

In dieser unteren Mittelschicht sind Wut und Frust riesig. Wie Trump gelingt es Sanders, diesen Frust politisch auszunutzen. «Bernie ist der wahre Trump-Jäger», sagt daher Michael Moore, der bekannte Dokufilmer und Politaktivist.

Oberste Priorität der Demokraten bei den Wahlen hat die Vertreibung Trumps aus dem Weissen Haus. Sanders sei zu riskant, behauptet daher das Partei-Establishment. Er habe als Sozialist gegen den amtierenden Präsidenten keine Chance.

Diese Argumente können einer näheren Analyse nicht standhalten. Bei Umfragen schneidet Sanders als Gegner von Trump nicht schlechter ab als Biden. Zudem hat der Sozialismus bei den demokratischen Wählern seinen Schrecken eingebüsst.

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Michael Moore erklärte, warum Bernie der Richtige ist. Video: YouTube/MSNBC

Wie Trump ist Sanders ein Populist. Seine Forderungen nach bezahlbarer Krankenkasse und höheren Mindestlöhnen entsprechen den Wünschen der unteren Mittelschicht. Von Hillary Clinton enttäuschte Wählerinnen und Wähler könnten zu dem Demokraten zurückfinden. Die «kreative Klasse» derweil ist derart von Trump angewidert, dass sie selbst den Sozialisten Sanders schlucken wird.

Rep. Alexandria Ocasio-Cortez, D-N.Y., right, greets the crowd as she arrives to speak as a surrogate for Democratic Presidential Candidate Bernie Sanders Friday, Jan.24, 2020, in Iowa City, Iowa. At left is Michael Moore. (AP Photo/Sue Ogrocki)
Alexandria Ocasio-Cortez,Michael Moore

Gemeinsam für Bernie: Alexandria Ocasio-Cortez und Michael Moore. Bild: AP

Millennials, Farbige und Frauen in den Vorstädten: Sie alle fühlen sich von Sanders angesprochen, sie alle wollen auch eine grundsätzliche Reform der bestehenden Verhältnisse. «Den Progressiven gehört die Zukunft», sagt Michael Moore. «Wenn wir jetzt auf Sicherheit setzen, dann verlieren wir.»

Das Momentum spricht derzeit für Sanders und sein Kampfgeist ist ungebrochen. Beim Abschied aus Iowa verkündete Bernie: «Wir legen uns mit dem gesamten Establishment an. Wir kämpfen gegen das Grosskapital, das die Wirtschaft kontrolliert. Wir fordern Trump heraus, die Republikanische Partei und das Establishment der Demokraten. Wer nehmen nichts als gegeben hin.»

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