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epa08982633 (FILE) - Founder and CEO of Amazon Jeff Bezos participates in the unveiling of an Amazon environmental initiative entitled 'The Climate Pledge', in Washington, DC, USA, 19 September 2019 (Reissued 02 February 2021). Jeff Bezos will step down as CEO of Amazon and will become the executive chair of Amazon?s board by the third quarter (Q3). Amazon Web Services (AWS) CEO Andy Jassy will become Amazon's new CEO.  EPA/MICHAEL REYNOLDS *** Local Caption *** 55479240

Amazon-CEO Jeff Bezos stellt seine Initiative «The Climate Pledge» vor. Bild: keystone

Analyse

So wollen Jeff Bezos & Co. die Welt retten

Werden die IT-Giganten zu den Treibern einer Öko-Revolution? Sie investieren derzeit Milliarden in Solar- und Windenergie.



Die berühmte Frage im Märchen «Schneewittchen» hat im digitalen Zeitalter eine neue Version erhalten. Sie lautet: «Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Grünste im ganzen Land?» Das fragen sich derzeit die Bosse von Amazon, Apple, Google, Microsoft und Facebook.

Wie die «Financial Times» in einem Report aufzeigt, liefern sich die Tech-Giganten einen monumentalen Wettbewerb darum, wer zuerst seinen Energiebedarf vollständig aus erneuerbarer Energie decken wird.

Die gesteckten Ziele sind ehrgeizig: Alphabet (Muttergesellschaft von Google), Microsoft und Apple wollen bereits 2030 CO2-frei sein. Facebook hat dieses Ziel bereits erreicht. Weil es auch eine riesige Flotte zur Auslieferung seiner Produkte unterhält, wird Amazon noch bis 2040 brauchen.

Amazon investiert dafür am meisten. Mit rund zwei Milliarden Dollar greift Jeff Bezos Startups unter die Arme, die ihm helfen sollen, sein Ziel zu erreichen. Bei Microsoft ist es eine Milliarde Dollar. Apple nimmt für sich in Anspruch, bereits heute alle eigenen Operationen mit Öko-Strom zu betreiben.

epa08982848 An aerial photo made with a drone shows an Amazon warehouse in Waukegan, Illinois, USA, 02 February 2021. Amazon CEO Jeff Bezos has announced that he will leave his position in the summer of 2021, turning it over to Amazon's cloud computing Chief Executive Andy Jassy. Bezos will become executive chairman. Amazon reported 125.56 billion US dollars in its quarterly revenue, its largest to date.  EPA/TANNEN MAURY

Ein Warenhaus von Amazon in Waukegan (Illinois). Bild: keystone

Was derzeit bei den Tech-Giganten abgeht, kann man nicht mehr als PR abtun. Amazon etwa ist gemäss «Financial Times» der weltweit grösste «Dealmaker» in Sachen grüner Energie. Google, Microsoft und Facebook sind derweil die grössten Kunden für erneuerbare Energie geworden. «Ihr Einfluss ist gewaltig», sagt Eduardo Gaminde, Strategiechef des Stromunternehmens Iberdrola. «Diese Typen haben eine Menge Marktmacht.»

Der Stromverbrauch der Tech-Giganten ist tatsächlich eindrücklich. Zusammen verbrauchen Amazon, Google, Microsoft, Facebook und Apple etwa gleich viel elektrische Energie wie die rund fünf Millionen Einwohner von Neuseeland. In den vergangenen Jahren ist dieser Verbrauch geradezu explodiert. Der Stromverbrauch von Google etwa hat sich zwischen 2013 und 2018 verdreifacht, bei Facebook hat er sich zwischen 2015 und 2019 gar vervierfacht. Künstliche Intelligenz und fortschreitende Digitalisierung sorgen dafür, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Die Tech-Giganten haben gute Gründe für ihr Handeln. Während der gewaltigen Waldbrände in Kalifornien haben einige von ihnen die Folgen der Klimaerwärmung direkt vor der Haustür erlebt. Google-CEO Sundar Pichai erklärt daher: «Die Warnzeichen sind unübersehbar geworden. Wir müssen uns auf der ganzen Welt vorbereiten. Unsere Handlungen sind ein kleiner Teil davon.»

[strong]2019: Greta Thunberg, Klima-Aktivistin[/strong]

Auch in den USA ein Star: Greta Thunberg als Covergirl von «Time». Bild: zvg

Die Kunden, aber auch die eigenen Mitarbeiter setzen zudem die Tech-Giganten unter Druck. Als Greta Thunberg 2019 in New York vor der UNO auftrat, traten die Mitarbeiter von Google, Amazon und Microsoft in einen kurzen Sympathiestreik. «Im harten Wettbewerb um die besten Mitarbeiter können es sich die Tech-Unternehmen nicht leisten, als Umwelt-Bummler dazustehen», schreibt die «Financial Times.»

Einen Wettbewerb der anderen Art liefern sich derweil die Giganten von einst, die Erdöl-Multis. Sie haben das schlechteste Jahr seit Menschengedenken hinter sich. Im vergangenen Jahr haben ExxonMobil, Chevron, BP und Shell zusammen einen Verlust von über 50 Milliarden Dollar eingefahren. ExxonMobil, noch vor gar nicht so langer Zeit das wertvollste Unternehmen der Welt, ist inzwischen aus dem Börsenindex Dow Jones geflogen.

Vor rund 100 Jahren wurde Rockefellers Standard Oil zerschlagen, weil das Unternehmen ein De-facto-Monopol im amerikanischen Erdölsektor errungen hatte. Heute gehen die Planspiele in die entgegengesetzte Richtung. Gerüchteweise sollen Exxon und Chevron eine Fusion planen, um so dank gewaltigen Kosteneinsparungen zumindest wieder schwarze Zahlen schreiben zu können.

In der Erdöl- und Erdgasindustrie werden derzeit - wie etwa bei Exxon Mobil - zahlreiche Stellen gestrichen. (Archivbild)

Raffinerie von ExxonMobil. Die einst so stolzen Erdöl-Multis sind in Bedrängnis geraten. Bild: sda

Weil der Erdölpreis inzwischen wieder auf rund 60 Dollar pro Fass gestiegen ist, hat sich die Situation leicht entspannt. Trotzdem bleibt die Zukunft unsicher. «Im vergangenen Frühling war die Situation verzweifelt und es bestand die Gefahr, dass es noch schlimmer werden könnte», sagt Daniel Yergin, einer der bekanntesten Erdöl-Experten.

Während die einst so stolzen Erdöl-Multis ums nackte Überleben ringen, ringen die Tech-Giganten um ihre grüne Glaubwürdigkeit. Amazon beispielsweise investiert nicht nur in nachhaltige Energie. Jeff Bezos & Co. unternehmen gleichzeitig alles, um den Konsum und damit auch das Klima anzuheizen.

Rolf Skar von Greenpeace erklärt deshalb: «Es gibt ein gewisses Mass an Scheinheiligkeit, gerade bei Amazon. Sie machen mit grünen Schlagzeilen von sich reden, lassen jedoch Transparenz vermissen.»

Generell stellt sich die Frage, ob das auf Wachstum getrimmte kapitalistische Wirtschaftssystem und ein nachhaltiger Planet überhaupt miteinander versöhnt werden können. Kritiker wie Noemi Klein verneinen dies rundweg. Jason Hickel, einer der Vordenker von Extinction Rebellion, stellt in seinem jüngsten Buch «Less is More» ebenfalls klar:

«Lasst es mich deutlich ausdrücken: Technische Innovation ist absolut wichtig. Ja, sie ist überlebensnotwendig. (…) Aber unser Problem ist nicht die Technologie. Das Problem ist der Wachstumszwang. Immer und immer wieder erleben wir, dass dieser Wachstumszwang alle dank der Technologie erzielten Fortschritte wieder auslöscht.»

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