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A screen above a trading post on the floor of the New York Stock Exchange shows the closing number of the Dow Jones industrial average, Wednesday, Oct. 10, 2018. The Dow Jones Industrial Average plunged more than 800 points, its worst drop in eight months, led by sharp declines in technology stocks. (AP Photo/Richard Drew)

Rote Zahlen, wohin das Auge blickt: Die Börsen befinden sich in Crash-Laune. Bild: AP/AP

Analyse

Der Crash ist das Zeichen eines drohenden Wirtschaftskrieges zwischen den USA und China 

Die Investoren haben realisiert, dass Trump es ernst meint mit seinem Handelskrieg gegen Peking. Deshalb bekommen sie kalte Füsse – zumindest vorübergehend.



Vor rund zweieinhalbtausend Jahren hat der griechische Historiker Thukydides eine deprimierende Gesetzmässigkeit formuliert: Zwischen einer bestehenden und einer aufstrebenden Supermacht muss es zwangsläufig zu Krieg kommen. Dieses Gesetz hat sich im Laufe der Zeit leider öfters bestätigt.

«Es geht um mehr als das Handelsdefizit. Es geht um die geopolitische Macht.»

Evan Brown

Der Harvard-Politologe Graham Allsion ist überzeugt, dass sich die USA und China derzeit in einer solchen «Thukydides-Falle» befinden. In seinem Buch «Destined for War» schreibt er: «Falls die Anführer in Peking und Washington weiter das tun, was sie in den letzten zehn Jahren getan haben, wird es mit grösster Wahrscheinlichkeit zu einem Krieg zwischen den USA und China kommen.»

Die Einsicht, dass der Handelskrieg zwischen Washington und Peking mehr als ein Geplänkel sein könnte, setzt sich allmählich auch bei den Investoren durch. «Es geht um mehr als das Handelsdefizit», erklärt etwa Evan Brown vom UBS Asset Management in der «New York Times». Es geht um die geopolitische Macht.»

Trader Peter Tuchman works on the floor of the New York Stock Exchange, Wednesday, Oct. 10, 2018. The Dow Jones Industrial Average plunged more than 800 points, its worst drop in eight months, led by sharp declines in technology stocks. (AP Photo/Richard Drew)

Die Anleger sind schockiert – zumindest vorübergehend. Bild: AP/AP

Tatsächlich hat Trump inzwischen die meisten Handelsstreitereien mehr oder weniger beendet. So hat er ein neues Abkommen mit Mexiko und Kanada abgeschlossen. Gegenüber China gibt er sich hart und verhängt immer neue Strafzölle gegen Importe aus dem Reich der Mitte. Der renommierte Börsenanalyst Ed Yardeni erklärt denn auch: «Es scheint, als ob China eine langfristige Angelegenheit werden wird.»

Überraschend ist das nicht. Der Kampf gegen China war ein zentrales Thema in Wahlkampf von Trump und dessen damaligem Chefstrategen Steve Bannon. Im West Wing des Weissen Hauses haben heute China-Hasser wie Peter Navarro und Wilbur Ross das Sagen. Die Vertreter eines gemässigten Kurses wie beispielsweise der ehemalige Wirtschaftsberater Gary Cohn haben das Handtuch geworfen.

FILE - In this March 31, 2017, file photo, National Trade Council adviser Peter Navarro waits for President Donald Trump for an event in the Oval Office at the White House. Navarro signed on with the Trump campaign as a trade adviser, only to see his contrarian views marginalized when he arrived at the White House. Now Navarro and his protectionist trade policies are on the rise as his chief ideological rival, Gary Cohn, heads for the exit. (AP Photo/Andrew Harnik, File)

Ist als China-Hasser bekannt: Trump-Berater Peter Navarro. Bild: AP/AP

Die Rivalität zwischen den USA und China nimmt ständig zu. Nicht nur Trump will «America great again» machen. Auch Xi Jinping hat grosse Pläne mit dem Reich der Mitte: Schon 2050 soll es die führende Tech-Nation der Welt sein. Gleichzeitig entwickelt sich China immer stärker zu einer globalen Macht.«One Belt, One Road» ist ein gigantisches Projekt, mit dem Asien, Afrika und Europa mit Peking verbunden werden wird.

Vor allem im Tech-Sektor ist der Konflikt zwischen den USA und China offen ausgebrochen. Soeben hat das US-Finanzministerium neue Regeln erlassen, die es leichter machen, chinesische Übernahmen von Tech-Unternehmen zu verhindern.

Tech-Unternehmen sind denn auch am meisten vom Mini-Crash betroffen. Apple, Facebook, Google & Co. mussten Federn lassen. ingesamt ist der amerikanischen Börsenindex «S & P» 3,3 Prozent eingebrochen.

Wenn die Wall Street hustet, hat der Rest der Welt eine Grippe, lautet eine alte Börsenweisheit. Sie bestätigt sich einmal mehr. In Asien haben sämtlich Börsen heute tiefrot eröffnet, auch bei uns lag der SMI mit 1,7 Prozent im Minus.

Wo die Gefahr droht

Wie gefährlich ist diese Entwicklung? Nebst dem Handelskrieg zwischen den USA und China drücken folgende Faktoren auf die Laune der Investoren:

Keep calm and carry on

Grund zur Panik besteht jedoch (noch) nicht. Das amerikanische Handelsdefizit ist vor allem ein Problem für die Psyche des Präsidenten, dessen ökonomisches Wissen überschaubar ist. In der Realität boomt die Wirtschaft. Dank den (überflüssigen) Steuergeschenken werden die meisten US-Unternehmen im dritten Quartal glänzende Gewinne ausweisen können.

Auch die Banken stehen auf viel solideren Füssen als noch vor zehn Jahren. Deshalb gilt bis auf weiteres das Motto des Kultromans «A Hitchhiker’s Guide to the Galaxy»: «Don't panic.»

So kauft sich China Freunde in Afrika

Video: srf

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