DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Secretary of State Mike Pompeo walks away after speaking during a media availability at the State Department, Thursday, June 13, 2019, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon)

US-Aussenminister Mike Pompeo glaubt zu wissen, wer die Tanker in Brand gesetzt hat. Bild: AP/AP

Analyse

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Die USA wollen den Iran mit «maximalem Druck» in die Knie zwingen. Stattdessen erhalten sie nun «maximalen Widerstand».



Für die brennenden Tanker im Persischen Golf gibt es zwei vollständig konträre Erklärungen. Die eine besagt: Die Amerikaner suchen einen Vorwand, um den Iran militärisch anzugreifen.

Die Vertreter dieser These verweisen auf die Ursprünge des Vietnamkrieges. Damals hatten die Amerikaner tatsächlich einen Angriff der Nordvietnamesen auf ein Schiff im Golf von Tonkin vorgetäuscht, um Truppen nach Indochina zu schicken. Auch George W. Bush hat seinen Irakkrieg mit erfundenen Massenvernichtungswaffen legitimiert.

epa07632525 A handout photo made available by the US Navy shows US Lt. Nicholas Yerkes, from Annapolis, Maryland, a landing signals officer aboard the Nimitz-class aircraft carrier USS Abraham Lincoln (CVN 72), standing watch as an F/A-18F Super Hornet from the 'Jolly Rogers' of Strike Fighter Squadron (VFA) 103 land on the flight deck, in the Arabian Sea, 03 June 2019 (reissued 07 June 2019). The Abraham Lincoln Carrier Strike Group (CSG) 12 is deployed in the region amid heightened tensions between the US and Iran, with both saying they don't seek war.  EPA/US NAVY/MC 3RD CLASS JEFF SHERMAN HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Drohgebärde: Kampfjets starten von der USS Abraham Lincoln. Bild: EPA/US NAVY

Dass die Amerikaner diesen Trick erneut versuchen, ist möglich, jedoch wenig wahrscheinlich. Es wäre schlicht zu offensichtlich – und man sollte selbst Trump nicht unterschätzen.

Der US-Aussenminister Mike Pompeo macht denn auch die Iraner für den Angriff auf die beiden Tanker verantwortlich. Diese zweite These wird von den meisten westlichen Geheimdiensten gestützt, und es gibt dafür auch plausible Gründe:

Die brennenden Tanker befinden sich nahe der Strasse von Hormus. Das ist kein Zufall. Die knapp fünf Kilometer breite Meerenge ist das wohl wichtigste Nadelöhr des internationalen Ölhandels. Täglich werden rund 18 Millionen Fass des schwarzen Goldes durch die Strasse von Hormus geschippert. Das sind rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfes.

An oil tanker is on fire in the sea of Oman, Thursday, June 13, 2019. Two oil tankers near the strategic Strait of Hormuz were reportedly attacked on Thursday, an assault that left one ablaze and adrift as sailors were evacuated from both vessels and the U.S. Navy rushed to assist amid heightened tensions between Washington and Tehran. (AP Photo/ISNA)

Brennender Öltanker vor der Strasse von Hormus. Bild: AP/Iranian Students' News Agency, ISNA

Wird diese Durchfahrt gesperrt, dann hat dies gravierende Konsequenzen für die Weltwirtschaft, vor allem für den Westen. Die Strasse von Hormus grenzt an Oman und den Iran. Die Mullahs in Teheran haben damit alle Trümpfe in der Hand.

Sie könnten die Meerenge unpassierbar machen, zum Beispiel, indem sie mit Raketenangriffen ein paar Tanker versenken. Die US-Navy ist zwar im Persischen Golf sehr präsent. Ob sie einen solchen Angriff verhindern könnte, ist umstritten.

Die Iraner wollen daher den Amerikanern mit den brennenden Tankern eine eindeutige Botschaft vermitteln. Sie reagieren damit auf das Vorgehen der Amerikaner. Trump hat den von seinem Vorgänger ausgehandelten Atomsperrvertrag gekündigt. Er will nun mit äussert harten Sanktionen gegen den Iran die Mullahs dazu zwingen, ein neues Abkommen abzuschliessen.

Auf Anraten seiner Hardliner, Sicherheitsberater John Bolton und Aussenminister Pompeo, wählt Trump dabei die gleiche Vorgehensweise wie gegen Nordkorea: Zuerst drohen, dann verhandeln. Auf diese Weise hofft er, die Ayatollahs an den Verhandlungstisch zu locken.

Erste Annäherungen hat Trump dabei bereits gemacht. Es gehe ihm keineswegs um einen «regime change», einen Umsturz, versicherte er und fügte hinzu, er sei jederzeit zu Gesprächen bereit.

epa07644872 A handout photo made available by the Iranian supreme leader office shows Iranian supreme leader Ayatollah Ali Khamenei (R) talking to Japanese Prime Minister Shinzo Abe during a meeting in Tehran, Iran, 13 June 2019. Abe is visiting Tehran to hold discussions with the aim of lowering tensions and contributing to peace and stability in the region.  EPA/HO HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bleibt knallhart: Ayatollah Ali Khamenei im Gespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Bild: EPA/Iranian supreme leader office

Doch der Iran ist nicht Nordkorea. Ayatollah Ali Khamenei nicht Kim Jong Un. Irans starker Mann hat keinen «schönen» Brief nach Washington übermittelt, und er wird es wohl auch künftig nicht tun.

Dem japanischen Premierminister Shinzo Abe, der derzeit in Teheran weilt und im Konflikt zu vermitteln sucht, erklärte er unmissverständlich: «Ich halte Trump nicht für eine Person, mit der ich Botschaften austausche. Wir werden nicht mit den Vereinigten Staaten verhandeln.»

Mit den harten Sanktionen sorgen die Amerikaner zwar für viel Leid bei der Bevölkerung. Ihr Ziel verfehlen sie jedoch bei weitem. Anstatt einen Aufstand gegen die Mullahs zu provozieren, wächst erneut die Wut gegen den «Grossen Teufel Amerika».

In Teheran entsteht eine ähnliche Stimmung wie nach dem Sturz des Schahs. «Amerika kann kein verdammtes Ding gegen uns unternehmen», triumphierte damals Revolutionsführer Ruhollah Khomeini.

In this photo provided by Tasnim News Agency, Iran's Revolutionary Guard members walk on the coast during a drill around Qeshm Island, Iran, Saturday, Dec. 22, 2018. State TV is reporting that Iran's Revolutionary Guard ground force has launched a drill near the strategic Strait of Hormuz, the passageway for nearly a third of all oil traded by sea. (Hamed Malekpour/Tasnim News Agency via AP)

Mitglieder der revolutionären Garden bei einem Manöver am Strand des Persischen Golfes. Bild: AP/Tasnim News Agency

Trumps Rechnung ist nicht aufgegangen. Mit der Kündigung des Atomsperrvertrages hat er auch seine Verbündeten, Deutschland und Frankreich, verärgert. Mit seinen Sanktionen stärkt er die Hardliner in Teheran. Gleichzeitig bringt er sich selbst in Zugzwang.

Als Zeichen seiner militärischen Potenz hat er den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln in den Persischen Golf beordert und die Truppen in der Gegend um 1500 Mann aufgestockt.

Diese Kriegsspiele erhöhen die Gefahr einer militärischen Konfrontation erheblich. Die ehemalige CIA-Analystin Helima Croft erklärt in der «Financial Times»: «Das ist genau die Art von Zwischenfällen, vor denen wir gewarnt haben, und die die Region an den Rand eines Krieges bringen können.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Trump will ein Politikwechsel im Iran

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Diese Art der Schuldzuweisung kann man bei der SVP immer wieder beobachten»

Der Ton in der Corona-Politik ist rauer geworden. Es werden Diktatorvorwürfe gemacht und mit Maulkorbdrohungen um sich geworfen. Warum die Medien da nicht immer mitspielen sollten und wie die SVP in die Trickkiste greift, erklärt Kommunikationsexpertin Dominique Wirz im Gespräch.

Frau Wirz, Vertreter der bürgerlichen Parteien wollen der bundesrätlichen Covid-19-Taskforce den Mund verbieten. Was halten Sie von diesem Vorschlag?Dominique Wirz: Es wäre verheerend, wenn sich genau die Personen, die sich am meisten mit dem Virus auseinandersetzen, nichts mehr sagen dürften.

Beschliesst der Bundesrat Lockerungsschritte, dauert es nicht lange, bis Vertreterinnen der Taskforce vor den Gefahren warnen. Das verwirrt doch die Bevölkerung.Natürlich ist es für die Bevölkerung …

Artikel lesen
Link zum Artikel