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Switzerland's defender Ricardo Rodriguez (R) celebrates after a Group E football match between Switzerland and Ecuador at the Mane Garrincha National Stadium in Brasilia during the 2014 FIFA World Cup on June 15, 2014.  AFP PHOTO / ADRIAN DENNIS

Bild: AFP

Wann wechselt er zu einem Topklub?

Ricardo Rodriguez – der ruhige Shooting-Star, der wirkt, als ob er schon seit zehn Jahren ein Teil der Nati wäre

Die linke Überholspur ist besetzt. Ricardo Rodriguez entfaltet sich dort nun auch im Schweizer Nationalteam immer mehr. Mit zwei Assists war der Aussenverteidiger am guten WM-Start hauptbeteiligt.



Vor dem WM-Auftakt standen immer wieder andere Schweizer im öffentlichen Zentrum. Xherdan Shaqiri beispielsweise, die schillernde Bayern-Figur, war ein beliebtes Sujet. Von Captain Gökhan Inler veröffentlichte die NZZ multimedial jedes Detail seiner Vergangenheit. Stephan Lichtsteiners Aufstieg zum internationalen Top-Verteidiger wurde in allen Facetten beleuchtet, die Formschwankungen von Granit Xhaka und Johan Djourou standen vom ersten Camp-Tag an täglich zur Debatte.

Und nahezu jeder Experte porträtierte das neue SFV-Stürmer-Juwel Josip Drmic. Nach der späten Wende im schwierigen Startspiel gegen Ecuador jubelte die Fussball-Schweiz geschlossen dem Siegestorschützen Haris Seferovic zu. Valon Behramis spektakuläres Tackling und sein wilder «Galopp» über das halbe Spielfeld lösten landesweit einen Sturm der Begeisterung aus. Einer aber blieb im Hintergrund, genoss den perfekten WM-Start ohne Tweets und laute Grussbotschaften: Ricardo Rodriguez – der eigentliche Auslöser der Glücksgefühle.

epa04263498 Switzerland's Ricardo Rodriguez is surrounded by journalists and tourists during a media conference of the Swiss national soccer team in Porto Seguro, Brazil, 17 June 2014. Switzerland will face France in a FIFA World Cup 2014 group E preliminary round match on 20 June.  EPA/PETER KLAUNZER

Plötzlich doch ein gefragter Mann: Ricardo Rodriguez im Gespräch mit Schweizer Journalisten. Bild: EPA/KEYSTONE

Keine Angst vor grossen Namen

Im nächsten Spiel am Freitag gegen Frankreich wird Rodriguez auf Mathieu Valbuena treffen, einen schnellen und dribbelstarken Spieler. «Ich weiss, wie ich mich gegen ihn verhalten muss», sagt der Schweizer gegenüber SRF und man glaubt ihm aufs Wort. Ecuadors Star Antonio Valencia meldete er komplett ab.

Der linke Aussenverteidiger ist in jeglicher Hinsicht ein Phänomen. Als knapp 18-jähriger verdrängte er beim FCZ den früheren Nati-Leader Ludovic Magnin. Zwei Saisons später verschaffte er sich in Wolfsburg ohne allzu grosse Verzögerung Zutritt zur Stammformation eines ambitionierten Bundesligisten. In der SFV-Auswahl ging er seit dem Debüt im Herbst 2011 gleich vor: immer still und leise zwar, aber keineswegs schüchtern, sondern zielorientiert.

Ricardo Rodriguez Facebook

Mit seinen Leistungen und seiner Art ist Rodriguez ein hervorragender Botschafter unseres Landes. Bild: Facebook/RicardoRodriguez34

Behrami: «Als wäre er schon zehn Jahre bei uns dabei»

In Brasilien setzt das Gros der Equipen auf der Position des linken Aussenverteidigers auf eher erfahrene Spieler. Rodriguez zählt zu den jüngsten Stammspielern. Wobei: Sein 1992er-Jahrgang trügt. Seit seinem Wechsel nach Deutschland hat er bereits 75 Bundesliga-Spiele bestritten. In der letzten Saison verpasste Rodriguez keine einzige Sekunde. Und mit 15 Skorerpunkten gehörte er zu den produktivsten Wolfsburgern.

Fussballer-Familie

Auch Ricardo Rodriguez' Brüder sind Fussballprofis. Der ältere Bruder Roberto spielt beim FC St. Gallen, der jüngere Francisco hat vor wenigen Wochen beim FC Zürich seinen ersten Profivertrag unterschrieben.

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Francisco (links) und Ricardo Rodriguez mit Heliane Canepa vom FC Zürich.

Für Klischees eignet sich der hoch anständige junge Mann aus Schwamendingen nicht. Er trägt den Haarzopf nicht, um aufzufallen. Und nur weil sein Körper von ein paar Tattoos mehr bedeckt ist, käme keiner auf die Idee, ihn als jungen Paradiesvogel zu klassifizieren. Er kopiert niemanden, Rodriguez wirkt ausnahmslos echt und unverstellt. Oder wie es Behrami sagt: «Einfach so, als wäre er schon zehn Jahre bei uns dabei.»

Lichtsteiner: «Ricardo kann eine grosse Karriere machen»

Seine Art kommt bei den Mitspielern gut an. Sie schätzen den pflegeleichten Kollegen. Und seine spielerischen Inputs auf dem Feld gewichtet der Kern als speziell hoch: «Er hat unglaubliche Qualitäten im Spiel gegen vorne», lobt Behrami und hebt die Bedeutung des Wolfsburgers gleich noch um mehrere Prozentpunkte an: «Ich zähle ihn bereits zu den wichtigsten Spielern, die wir haben.»

Lichtsteiner, der andere Wortführer aus dem Spitzensegment der Serie A im Schweizer Team, pflichtet dem Tessiner bei: «Dass er in der Bundesliga bereits alle Standards ausführen darf, spricht für ihn. Ricardo kann eine grosse Karriere machen.»

Wann kommt der Wechsel zu einem Topklub?

Rodriguez gibt die Blumen gerne zurück, sagt: «Die Schweiz hat die besten Aussenverteidiger an dieser WM. Aber natürlich haben auch andere Mannschaften auf dieser Position eine hohe Qualität.» Dass Lichtsteiner und er oft in die Offensive gehen, mache die Schweiz unberechenbar.

Noch unterscheidet die beiden die Erfahrung in der Champions League, welche Rechtsaussen Lichtsteiner mit Juventus Turin bestritt. Fällt Rodriguez an der WM-Endrunde weiterhin derart auf wie im Startspiel, ist ein Wechsel zu einem europäischen Grossklub aber wohl nur noch eine Frage der Zeit. Champions-League-Sieger Real Madrid soll die Fühler nach dem jungen Schweizer mit Wurzeln in Spanien und Chile bereits ausgestreckt haben. (ram/si)

From left: Switzerland's Stephan Lichtsteiner, Ricardo Rodriguez, Valon Behrami and Haris Seferovic pose on the beach after a media conference of the Swiss national soccer team in Porto Seguro, Brazil, Tuesday, June 17, 2014. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Weiter so: Stephan Lichtsteiner, Ricardo Rodriguez, Valon Behrami und Haris Seferovic bei einem Medientermin der Nati am Dienstag. Bild: KEYSTONE

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