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Sicher ist: Auch bei der ganz speziellen Grand Tour geht es oft hoch hinaus. illustration: shutterstock

Keine Tour, kein Giro, keine Vuelta – aber eine grosse Rundfahrt durch drei Länder?

Es bleibt vermutlich ein Hirngespinst. Aber eines, das die Fantasie anregt. Der italienische Radprofi Matteo Trentin hat die Idee ins Spiel gebracht, dass die drei Grand Tours wegen der Corona-Absagen einmalig zu einer einzigen Rundfahrt vereint werden könnten.



Die Ausgangslage

Keine Velorennen, nirgends. Der Klassiker-Frühling mit der Flandern-Rundfahrt und Paris–Roubaix ist ebenso ins Wasser gefallen wie der Giro d'Italia und die Tour de Romandie. Für die Tour de Suisse (Anfang Juni) sieht es wohl eher schlecht aus und auch die Tour de France steht auf der Kippe. Schliesslich ist Frankreich eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder. Das grösste und wichtigste Rennen der Welt sollte vom 27. Juni bis zum 19. Juli stattfinden.

Um die Tour zu retten, überlegen sich die Macher «Geister-Etappen» ohne Zuschauer. Ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen. Schliesslich finden Velorennen nicht in einem Stadion statt, sondern auf Strassen. 3470 Kilometer stehen für die Radprofis auf dem Programm zwischen Nizza und dem Ziel in Paris drei Wochen später.

Die Idee

Wie wäre es da, sinnierte der italienische Radprofi Matteo Trentin, wenn die drei dreiwöchigen Rundfahrten sich einmalig zu einer zusammenschliessen würden? Eine Woche Italien, eine Woche Frankreich, eine Woche Spanien, so der Vorschlag des 30-Jährigen, der schon Etappen bei Tour, Giro und Vuelta gewonnen hat und 2018 Europameister wurde.

Es wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht dazu kommen. Einerseits hat die Spanien-Rundfahrt, deren Beginn auf den 14. August angesetzt ist, im Moment noch weniger Termindruck. Könnte sie tatsächlich ausgetragen werden, wäre sie vermutlich so stark besetzt wie nie. Andererseits wird die Vuelta wie die Tour de France von der ASO organisiert, was bei einer «Fusion» sicher nicht hinderlich ist. Der Giro hingegen gehört RCS Sport, das Verhältnis zur ASO gilt als eher angespannt.

Hinzu kommen die logistischen Herausforderungen. Tag für Tag bewegen sich mit dem Tross der Tour de France rund 5000 Menschen. Zwar reduziert sich deren Zahl, wenn an Start und Ziel keine Zeltstadt für die Besucher auf- und abgebaut werden muss. Aber dennoch müssen Fahrer, Betreuer, Funktionäre, TV-Teams und Reporter irgendwo schlafen.

Und dennoch ist Trentins Idee als Spielerei äusserst reizvoll. Eine paneuropäische Tour, die den Menschen nach Monaten der Sorge wieder Freude bereiten kann. So wie der Giro d'Italia 1949 nach dem Zweiten Weltkrieg, wie es der italienische Schriftsteller Dino Buzzati in seinen Reportagen beschrieb.

Der italienische Radrennfahrer Fausto Coppi wird an einer Etappe des Giro d'Italia von den Zuschauern angefeuert, undatierte Aufnahme um 1950. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Der «Campionissimo»: Fausto Coppi gewinnt den Giro d'Italia 1949 mit 24 Minuten Vorsprung auf den Erzrivalen Gino Bartali. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Die Umsetzung

Machen wir doch diese schöne Spielerei – und packen in die drei Wochen, was geht!

Der Start ist in Italien, es geht durch die Alpen, ans Mittelmeer und in die Pyrenäen nach Spanien, nach einem Transfer in die Vogesen auch noch aufs Kopfsteinpflaster und das Ende der Rundfahrt ist in Paris. Dass die ASO sich im Falle des Falles auf ein anderes Ende einlässt, ist nicht vorstellbar.

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So ungefähr verläuft die Route. karte: watson

1. Etappe: Prolog in Rom, 5,7 km

Die «Ewige Stadt» als Ausgangspunkt der speziellen Rundfahrt, päpstlicher Segen inklusive. Vom Vatikan geht es zum Kolosseum.

The pack of cyclists pedals past the ancient Colosseum during the last stage of the Giro d'Italia cycling race, in Rome, Sunday, May 27, 2018. Britain's Chris Froome effectively sealed victory in the Giro d'Italia on Saturday by holding his only remaining challenger in check up the final climb of the three-week race. (Claudio Peri/ANSA via AP)

Bild: AP/ANSA

2. Etappe: Civitavecchia – Siena, 183 km

Vor den Toren Roms geht die Fahrt am Meer los, vor dem Ziel können noch einige «Strade Bianche», Naturstrassen in der Toskana, in den Parcours eingebaut werden.

The pack pedals in the typical Tuscan landscape during the

Bild: AP PRESL

3. Etappe: Pisa – Genua, 192 km

Vorbei an den Cinque Terre, ein Teilstück für die Sprinter.

Cinque Terre

Bild: shutterstock

4. Etappe: Genua – San Remo, 147 km

Ein kürzeres Teilstück mit dem klassischen Finale von Mailand – San Remo, der Cipressa und dem Poggio.

Cyclists ride along the coastline during the Milan-San Remo cycling race, in Sanremo, Italy, Sunday, March 23, 2014. Alexander Kristoff sprinted to victory in the Milan-San Remo classic on Sunday, edging out 2008 winner Fabian Cancellara on a wet and rainy course for the biggest win of his career. Kristoff pulled away in the closing meters to win the 294-kilometer (183 mile) race in 6 hours, 55 minutes, 56 seconds and become the first Norwegian to triumph in the one-day race. (AP Photo/Fabio Ferrari, Lapresse)

Bild: AP/PRESL

5. Etappe: San Remo – Vinadio, 181 km

Es geht in die Berge! Nach einem ersten Ausflug über die Grenze nach Frankreich führt die Strecke über den Col de la Lombarde ins Ziel.

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bild: shutterstock

6. Etappe: Vinadio – Briançon, 131 km

Kurz, aber heftig – über den Colle della Maddalena geht es nach Frankreich, dort warten Col de Vars und Col d'Izoard.

Britain's Chris Froome, wearing the overall leader's yellow jersey, climbs Izoard pass during the eighteenth stage of the Tour de France cycling race over 179.5 kilometers (111.5 miles) with start in Briancon and finish on Izoard pass, France, Thursday, July 20, 2017. (AP Photo/Peter Dejong)

Bild: AP

7. Etappe: Bergzeitfahren auf die Alpe d'Huez, 13 km

Eines, wenn nicht DAS Highlight.

Spectators watch from a bird's eye view the ascent to l'Alpde d'Huez in a curve of the 16th stage of the Tour de France cycling race, a 15.5-kilometer (9.6-mile) individual time trial between Bourg-d'Oisans and L'Alpe d'Huez, French Alps, Wednesday, July 21, 2004. It is the race's first ever time trial on the legendary ascent to the L'Alpe d'Huez ski station. Lance Armstrong won the stage. (AP Photo/Christophe Ena)

Bild: AP

8. Etappe: Valence – Nîmes, 174 km

Nach einem Ruhetag geht es meist bergab in Richtung Mittelmeer. Ausreisser werden ihr Glück versuchen, aber am Ende gibt es einen Massensprint.

epa07735350 The pack rides over the Pont du Gard bridge during the 16th stage of the 106th edition of the Tour de France cycling race over 177km  around Nimes, France, 23 July 2019.  EPA/GUILLAUME HORCAJUELO

Bild: EPA

9. Etappe: Nîmes – Carcassone, 213 km

Noch eine Etappe, die weitgehend flach ist. Bevor es in die Pyrenäen geht, nochmals eine Chance für die endschnellen Sprinter.

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10. Etappe: Perpignan – Barcelona, 211 km

Bis nach Girona durchs Landesinnere, nun in Spanien, dann ans Meer nach Lloret de Mar und der Küste entlang nach Barcelona, wo ein Klassiker-Finish ansteht: Das Ziel ist auf dem Olympiaberg Montjuïc.

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11. Etappe: Sort – Saint-Lary-Soulan, 145 km

Mit 3600 Höhenmetern hat es diese Pyrenäen-Etappe in sich. Es geht über den Port de la Bonaigua, den höchsten Pass Kataloniens, weiter über den Col du Portillon nach Bagnères-de-Luchon und über den Col de Peyresourde und den Col d'Azet ins Ziel.

Spain's Mikel Nieve, Britain's Chris Froome, wearing the overall leader's yellow jersey, stage winner France's Romain Bardet, and Colombia's Rigoberto Uran, from front to rear, climb Peyresourde pass during the twelfth stage of the Tour de France cycling race over 214.5 kilometers (133.3 miles) with start in Pau and finish in Peyragudes, France, Thursday, July 13, 2017. (AP Photo/Peter Dejong)

Bild: AP

12. Etappe: Payolle – Col de Marie-Blanque, 114 km

Gleich zu Beginn steht der berühmteste Pyrenäen-Pass auf dem Programm: Der Col du Tourmalet, 2115 Meter hoch. Danach führt der Weg über den Col d'Aubisque und zur Bergankunft auf dem Col de Marie-Blanque. Erneut muss Energie für 3400 Höhenmeter getankt werden.

Camping cars of spectators are parked along the road of the Tourmalet pass during the fourteenth stage of the Tour de France cycling race over 117.5 kilometers (73 miles) with start in Tarbes and finish at the Tourmalet pass, France, Saturday, July 20, 2019. (AP Photo/ Christophe Ena)

Bild: AP

13. Etappe: Aramits – Pamplona, 148 km

Die dritte, nicht mehr ganz so schwere Pyrenäen-Etappe hintereinander. Das Haupthindernis des Tages wartet gleich zu Beginn mit dem Col de la Pierre St.Martin. Danach geht es mit drei, vier kleineren Bergen nach Pamplona. Ein Terrain wie geschaffen für eine Fluchtgruppe.

epa07494340 The pack of cyclists rides through Pamplona during the second stage of the Basque Country-Itzulia 2019 cycling race, over 149,5 kilometers between Zumarraga and Gorraiz, Navarra, northern Spain, 09 April 2019.  EPA/JESUS DIGES

Bild: EPA/EFE

14. Etappe: Mannschafts-Zeitfahren Beasain – San Sebastian, 49 km

Ungewöhnlich, ein Mannschafts-Zeitfahren so spät in einer Rundfahrt. Aber es ist ja auch eine einmalige Rundfahrt. Es geht praktisch nur bergab – es darf gebolzt werden!

The Colombia team pedals during the first stage of the Giro d'Italia, Tour of Italy cycling race, in Belfast, Northern Ireland, Friday May 9, 2014. Canadian Svein Tuft powered Orica Green-Edge to victory in the team time trial in Belfast in the opening stage of the Giro d'Italia on Friday, taking the overall leader's pink jersey on his 37th birthday. Orica, which was the overwhelming stage favorite, clocked a time of 24 minutes, 42 seconds along the 21.7-kilometer (13.5-mile) course, which was lined by more than 140,000 fans. The Australian team benefited from starting second and avoiding most of the rain that fell later. Omega Pharma-QuickStep finished second, five seconds behind Orica, beating third-place BMC by just two seconds. (AP Photo/Fabio Ferrari)

Bild: AP/AP

15. Etappe: San Sebastian – Arcachon, 227 km

Nach den Strapazen der letzten Tage ist heute der Wind, der vom Atlantik her blasen könnte, der Hauptwidersacher. Die Prognose ist, dass sich rasch eine grössere Fluchtgruppe bilden wird, die man gewähren lässt und aus deren Reihen der Etappensieger kommt.

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16. Etappe: Strasbourg – Mulhouse, 172 km

Am Ruhetag geht es mit dem TGV von Bordeaux nach Strassburg. Die heutige Etappe beginnt flach, führt dann bei Ribeauvillé auf die Route des Crêtes durch die Vogesen, die ein stetes Auf und Ab ist, und in Schussfahrt ins Ziel.

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17. Etappe: Colmar – Metz, 211 km

Anfangs geht es nochmals über zwei Anstiege, danach sind die «richtigen» Berge dieser Rundfahrt Geschichte. Die Sprinter, die noch dabei sind, werden sich diesen Tag dick im Kalender anstreichen.

epa03298183 The pack is on the way during the 6th stage of the Tour de France 2012 cycling race between Epernay and Metz, France, 06 July 2012. EPA/YORICK JANSENS BELGIUM OUT

Bild: EPA

18. Etappe: Metz – Charleville-Mézières, 172 km

Ein weiteres Teilstück, das mit seinem welligen Profil für Ausreisser prädestiniert scheint. Den Anwärtern auf einen Platz auf dem Podest in Paris geht es einzig darum, unbeschadet ins Ziel zu kommen.

Cyclists pass through a little village in the French region of Champagne during the second stage of the 2003 Tour de France cycling race, Monday 07 July 2003 near Sedan. The 204.5km long second stage of the Tour leads the cyclists from La Ferte-sous-Jouarre to Sedan. EPA PHOTO/DPA/GERO BRELOER

Bild: EPA DPA

19. Etappe: Charleville-Mézières – Roubaix, 184 km

Das Ziel ist auf der legendären Rennbahn – und es geht über viele der noch legendäreren Kopfsteinpflaster-Abschnitte des Frühlingsklassikers Paris–Roubaix. Für die Teams der Favoriten auch logistisch eine Herausforderung: Eine Panne im dümmsten Moment und ohne rasche Hilfe ist der Top-Platz in Paris futsch. Das kann für einige Fahrer auch zur psychischen Belastung werden.

epa07507382 The riders pack in action at the Arenberg  cobblestone section during the 117th Paris Roubaix cycling race, France, 14 April 2019.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Bild: EPA

20. Etappe: Amiens – Paris, 166 km

Was sonst auf der letzten Etappe angesagt ist, steht 2020 bereits am vorletzten Tag an: Das Sprintfinale auf den Champs-Élysées. Nach der Anfahrt in die Hauptstadt stehen dort noch vier Zusatzschlaufen an.

epaselect epa07746324 Colombia's Egan Bernal (R) of Team Ineos wears the overall leader's yellow jersey as he passes with the pack by the Arc de Triomphe during the 21st and final stage of the 106th edition of the Tour de France cycling race over 128km between Rambouillet and the Champs Elysees in Paris, France, 28 July 2019.  EPA/GUILLAUME HORCAJUELO

Bild: EPA

21. Etappe: Zeitfahren auf den Champs-Élysées, 24 km

Die Tour de France 1989 brachte die knappste Entscheidung der Geschichte hervor: Greg LeMond entriss Laurent Fignon im Schlusszeitfahren den Gesamtsieg, der Amerikaner lag nach 3285 Kilometern exakt acht Sekunden vor dem Franzosen. Auf dem identischen Kurs wird auch die in allen Belangen aussergewöhnliche Grand Tour 2020 entschieden.

A photo dated 23 July 1989 shows French cyclist Laurent Fignon racing through the Champs Elysees, in Paris, at the end of the 1989 Tour de France. Two-time Tour de France winner Fignon has died at age 50 after a long bout with cancer, France 2 television announced on 31 August 2010. He had been diagnosed with intestinal cancer in the spring of 2009, but he continued to serve as a Tour de France on-air consultant for France 2 television even as he underwent chemotherapy. Fignon covered the 2010 Tour as well, but his fatigue was evident and the disease had reduced his voice to a raw growl. Laurent Fignon became the youngest post-war winner of the Tour when he triumphed in 1983, in his first appearance in the race. He repeated the win the following year, and was hailed as the new French superstar of racing. In 1989 Fignon suffered the most crushing defeat of his life, losing the Tour to American Greg Lemond by a scant 8 seconds, the smallest margin of victory in the history of the
race. EPA/BOUTROUX FRANCE OUT --- HANDOUT --- EDITORIAL USE ONLY EDITORIAL USE ONLY

Bild: EPA

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