Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06889855 Team Education First Drapac Cannondale rider Lawson Craddock of the USA in action during the 9th stage of the 105th edition of the Tour de France cycling race over 156,5km between Arras and Roubaix, France, 15 July 2018.  EPA/KIM LUDBROOK

Abgehängt und alleine auf weiter Flur: Lawson Craddock. Bild: EPA

Der Letzte, der auch ein Erster ist: Lawson Craddock erreicht Paris

Seit dem ersten Tag der Tour de France ist Lawson Craddock der Letztklassierte im Gesamtklassement. Aber während viele Konkurrenten das Rennen aufgeben müssen, kämpft sich der Amerikaner trotz gebrochener Schulter bis ins Ziel auf den Champs-Élysées.



Die Tour de France ist das berühmteste Velorennen der Welt. Wohl jeder aufstrebende Fahrer träumt davon, sie eines Tages gewinnen oder zumindest teilnehmen und nach drei Wochen in Paris einfahren zu können. Der Amerikaner Lawson Craddock wird letzteres bei seiner zweiten Teilnahme zum zweiten Mal schaffen – weil der 26-Jährige Tag für Tag auf die Zähne gebissen hat.

Denn dass Craddock die Champs-Élysées erreichen wird, schien nach dem Auftakt der Frankreich-Rundfahrt unwahrscheinlich. Auf der ersten Etappe stürzte er in der Verpflegungszone. Resultat: ein gebrochenes Schulterblatt und stark blutende Kopfwunden.

abspielen

Craddocks Geschichte an der Tour 2018. Video: streamable

Weiterfahren für den guten Zweck

Craddock schien ein Fall für den Besenwagen zu sein. Doch er stieg aufs Velo und fuhr weiter. Und weiter. Und weiter. 3236 Kilometer hat er seit dem Start zurückgelegt, er hat das Pavé-Gerüttel im Norden überstanden, die Alpen und die Pyrenäen. Die verbleibenden 115 Kilometer wird die «lanterne rouge», die «rote Laterne», auch noch überstehen.

«Ich bin Texaner. Wir sind zum Kämpfen geboren», sagte Craddock dieser Tage. Das vergangene Jahr sei schwer gewesen und er habe sich so darüber gefreut, die Tour bestreiten zu können. Also habe er es trotz Schmerzen versuchen wollen.

«Ich habe jahrelang auf dem Velo gelitten, mein halbes Leben lang. Aber niemals so wie jetzt.»

Lawson Craddock

Typisch amerikanisch verband Craddock seinen Kampf gegen das Aufgeben mit einer wohltätigen Geste. Für jede Etappe, die er überstehe, werde er 100 Dollar für den Wiederaufbau der durch einen Hurrikan zerstörten Velorennbahn in Houston spenden, kündigte er an. Und er fragte in die Runde, ob sonst noch jemand das Portemonnaie zücken werde.

Als einer der ersten tat dies Lance Armstrong, ebenfalls Texaner und bis zur Streichung seiner Resultate siebenfacher Sieger der Tour de France. Und es folgten viele mehr, die spendeten. Fast 160'000 Franken sind bis zum Start der letzten Etappe zusammengekommen.

4:30:56 hinter dem Sieger

Ein Detail, das besonders für jene auffällig ist, die abergläubisch sind: Craddock trägt an dieser Tour de France die Startnummer 13. Vor dem Beginn des Rennens sei ihm das egal gewesen, sagte der Fahrer, «aber als ich stürzte, habe ich sofort an die Nummer 13 gedacht».

Die letzte Etappe

Das 21. Teilstück beginnt um 16.15 Uhr in Houilles. Nach rund 60 Kilometern erreichen die Fahrer den Rundkurs in Paris, den sie neun Mal zurücklegen. Etwa um 19 Uhr fällt die Entscheidung auf den Champs-Élysées – vermutlich im Massensprint.

Über viereinhalb Stunden Rückstand hat der 145. und Letztklassierte auf Geraint Thomas, der die Tour de France 2018 heute Abend gewinnen wird. Doch Lawson Craddock ist ebenfalls ein Sieger.

Der Teufel jagte sie alle! «El Diablo» ist der berühmteste Fan der Tour de France

Vive la France! Strassburg verbannt Raucher aus Parks

Video: srf

17.06.1981: «Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!» – 2 Tage nach dem Zitat seines Lebens fliegt Beat Breu ins Leadertrikot

Link zum Artikel

17.07.1992: Der Thurgauer Rolf Järmann bodigt Ex-Gesamtsieger Pedro Delgado und gewinnt die längste Tour-Etappe

Link zum Artikel

11.10.1998: Ein halbes Jahrhundert nach Ferdy Kübler trägt mit Oscar Camenzind endlich wieder ein Schweizer das Regenbogentrikot

Link zum Artikel

22.07.2001: Sven Montgomery erlebt an der Tour den schönsten Moment seiner Karriere – und nur drei Tage später den schlimmsten

Link zum Artikel

20.07.2006: Floyd Landis begeistert die Sportwelt mit einer historischen Flucht – und wird kurz nach dem Tour-Sieg als Doper entlarvt

Link zum Artikel

30.01.2011: «Dummi huere Ruederer» und «Schiiss-Ponys» machen Reporter Hans Jucker zur Legende

Link zum Artikel

09.04.2006: Ein Lenkerbruch und ein Albtraumsturz zerstören den grossen Traum von Armstrongs Edelhelfer

Link zum Artikel

14.02.2004: Der Pirat geht von Bord – aber in den Herzen der Fans lebt Marco Pantani ewig

Link zum Artikel

24.04.1993: Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

Link zum Artikel

22.03.1995: Du kannst im Fitness-Center strampeln wie du willst – an den durchdrehenden Nüscheler kommt keiner ran

Link zum Artikel

21.07.2009: Jens Voigt stürzt fürchterlich und gibt drei Tage später ein obercooles Interview

Link zum Artikel

14.07.2003: Armstrong rettet sich nach dem Horrorsturz von Beloki mit einem Höllenritt querfeldein über das Kornfeld

Link zum Artikel

13.07.1967: Tom Simpson stirbt am Mont Ventoux – und sein Name wird zu einem Mahnmal für alle Radsport-Profis

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Typisch Breel!» Embolos Fallrückzieher und 7 weitere Highlights des gestrigen CL-Abends

Was hat Breel Embolo in den letzten Wochen für Chancen ausgelassen. Beim 1:1 gegen Augsburg am vergangenen Samstag beispielsweise vergab der Schweizer Nationalspieler gleich drei hochkarätige Chancen. Es war wie verhext, der erste Saisontreffer wollte einfach nicht gelingen.

Gestern in der Champions League beim 4:0-Sieg gegen Schachtar Donezk schien es im gleichen Stil weiterzugehen. Mal für Mal setzte sich Embolo hervorragend in Szene, doch beim Abschluss versagten ihm gleich viermal die …

Artikel lesen
Link zum Artikel