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Curdin Orlik jubelt im 6. Gang am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) in Zug, am Sonntag, 25. August 2019. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Curdin Orlik am Eidgenössischen in Zug im vergangenen August. Bild: KEYSTONE

Coming-out des Schwingers Curdin Orlik: «Ich bin so. So bin ich geboren»



Der Spitzenschwinger Curdin Orlik hat sich als schwul geoutet. Im «Magazin» des «Tages-Anzeiger» setzt er die Öffentlichkeit erstmals darüber in Kenntnis. «Ich bin so, ich kann nichts dafür. So bin ich geboren», sagt der 27-jährige Orlik.

Der Bündner, der nach einem Umzug für den Berner Teilverband antritt, ist im Sägemehl ein Böser. Curdin Orlik gewann am vergangenen Eidgenössischen in Zug einen Kranz, 2017 stand er im Schlussgang des Unspunnenfests. Bis heute gewann der ältere Bruder des noch bekannteren Armon Orlik fünf Kranzfeste.

Orlik mit seinem Lebendpreis für Rang 2 am Basellandschaftlichen Schwingfest.

«Ich will frei sein»

Der Schwinger suchte den Gang an die Öffentlichkeit von sich aus, sein Sportpsychologe kontaktierte den Journalisten. Er habe sich auch überlegt, in einem gewöhnlichen Interview beiläufig zu erwähnen, dass er schwul sei, so Orlik, «als wäre es das Normalste der Welt.» Doch davon sei er abgekommen, denn: «In der Welt, aus der ich komme, wird Schwulsein eben nicht als das Normalste der Welt betrachtet.»

Und so trafen sich Orlik und der Journalist mehrmals. Stundenlang erzählte der Sportler von sich und vom Leben, das er glaubt, führen zu müssen. «Ich will frei sein», sagt Orlik, viel zu lange habe er verdrängt, wer er wirklich sei. «Ich bin keiner, der vor Leuten herumknutscht, aber ich will mich mit einem Mann in die Badi legen und ihn berühren können.»

Orlik ist seit vier Jahren Vater und sagt, er oute sich auch deshalb. «Ich tue das auch für meinen Sohn, ihn will ich auf gar keinen Fall anlügen. Ich wusste schon immer, dass ich schwul bin, sicher seit ich zwölf war. Aber ich dachte: Das ist falsch, das kann nicht sein.»

Von Kopf bis Fuss voller Sägemehl, aber glücklich: Orlik im Training.

Der Bruder bewundert ihn für seinen Mut

Er habe seither oft ein Versteckspiel führen müssen, egal wo er war. «Auf dem Schulhausplatz habe ich Sachen gehört: Du schwule Sau, du Schwuchtel. Oder beim Fussball: So ein schwuler Pass! Auch beim Schwingen. Klar, niemand meinte das ernst, aber wenn du selbst so bist, dann denkst du: Scheisse, das ist nicht gut. Ich dachte: Ich will nicht schwul sein. Aber ich bin es. Nun ist es raus.»

Die nahen Vertrauten – die ehemalige Partnerin, die Eltern, Bruder Orlik und einige Kollegen – weihte Orlik schon vor einiger Zeit in das Geheimnis ein, das ihn so lange belastete. «Insgeheim wusste ich, dass sie mich weiterhin lieben würden – aber die Angst, sie könnten mich verstossen, war grösser», erinnert er sich an das Gespräch mit seinen Eltern. Sein Bruder Armon sagt, er bewundere Curdin: «Dass sich mein Bruder outet, ist das Mutigste, das jemand machen kann.» (ram)

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