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Houston Rockets center Clint Capela, center, goes up for a basket between Denver Nuggets forward Paul Millsap, left, and center Nikola Jokic in the first half of an NBA basketball game Tuesday, Nov. 13, 2018, in Denver. (AP Photo/David Zalubowski)

Bis im Februar 2020 spielte Clint Capela (mitte) für die Houston Rockets. Bild: AP/AP

Clint Capela: «Als Kind musste ich mir Affenlaute anhören – so etwas prägt dich»



Seit Wochen sind die USA in einem Ausnahmezustand. Nach dem Tod von George Floyd kommt es in vielen Städten zu regelmässigen Demonstrationen. «Black Lives Matter», so der Slogan der Protestanten, Schwarze sollen in den USA genauso respektiert werden wie Weisse.

Stark betroffen durch die ganze Debatte ist auch der Schweizer Basketballer Clint Capela. Man kriege überall davon mit, auch in Atlanta, wo er derzeit lebt, berichtet Capela gegenüber «L'Illustré».

«Die Situation ist sehr angespannt. Es hat seit zwei Wochen praktisch täglich Proteste. Die Leute sind auf der Strasse, es hat viele Ausschreitungen, gewisse Leute zerstören alles, was sich in ihrem Weg befindet. Die Bewegung ist Teil einer friedlichen Unterstützung für George Floyd, aber ich habe das Gefühl, dass nicht alle aus dem gleichen Grund demonstrieren.»

Clint Capela über die Proteste in den USA.

Als Schwarzer versteht Capela die Demonstranten gut. In Amerika gebe es noch viele Probleme, führt der NBA-Spieler aus. Vor allem, weil die Diskriminierung von Schwarzen den Weissen früher Erfolg gebracht hat.

«Wir Schwarzen haben alle schon Ungerechtigkeiten erlebt in unserem Leben. Wir haben genug davon. Gewisse weisse Amerikaner fühlen sich überlegen und denken, es sei normal, dass sie privilegiert sind. Aber die Sklaverei ist seit über 150 Jahren verboten! Leider ist der Rassismus Teil des Systems, weil er zum Erfolg dieses Landes geführt hat. Jedes Land baut auf der Ausbeutung von schlecht bezahlten und wenig beachteten Menschen auf.»

Clint Capela über Rassismus in den USA.

Nach seiner Ankunft in den USA habe er schnell gemerkt, wie heikel das Thema Rassismus noch ist. sagt Capela. Als Schweizer habe er neu lernen müssen, dass man über gewisse Dinge nicht sprechen darf.

«In einem meiner ersten Interviews habe ich erklärt, dass einer der grossen Unterschiede zwischen Europa und der NBA ist, dass es in Europa mehr weisse Spieler gibt und dass das Spiel dort weniger athletisch ist als in der NBA, wo es mehr Schwarze hat. Man hat mir dann erklärt, dass ich solche Dinge nicht sagen dürfe. Ich habe schnell realisiert, dass das Thema Rassismus noch bei weiten nicht erledigt ist.»

Clint Capela über seine ersten Erfahrungen in den USA.

Capela erzählt weiter, dass er in seinem Leben auch schon regelmässig rassistisch beleidigt wurden ist. Auch als Kind wurde er nicht verschont – dies präge einem, so Capela.

«Ich bin in Genf aufgewachsen, es hatte viele Ausländer in meiner Klasse. Wie andere Kinder wurde ich beleidigt. Aber meine schlimmsten Erinnerungen sind mit dem Basketball verbunden. In der U16-Nati war ich der einzige Schwarze. Bei Spielen in Italien und Serbien musste ich mir immer wieder Affenlaute anhören. So etwas mit 14 Jahren zu erleben, prägt dich.»

Clint Capela zu seinen persönlichen Erfahrungen mit Rassismus.

Bildnummer: 14146201  Datum: 04.08.2013  Copyright: imago/Majerus
Clint CAPELA (Schweiz - 13) klatscht Roberto KOVAC (Schweiz - 10) ab - 04.08.2013 Basketball Männer: Luxemburg - Schweiz - EuroBasket 2015 Qualifikation - Coque, Gymnase, Luxemburg - ; Nationalteam Länderspiel x0x xsk 2013 quer 04.08.2013 Basketball EuroBasket EuroBasket 2015 Helvetia Herren Luxembourg Luxemburg Maenner Qualifikation Schweiz Switzerland 

Image number 14146201 date 04 08 2013 Copyright imago Majerus Clint Capela Switzerland 13 claps Roberto Kovac Switzerland 10 from 04 08 2013 Basketball Men Luxembourg Switzerland Eurobasket 2015 Qualification   Luxembourg National team international match x0x xsk 2013 horizontal 04 08 2013 Basketball Eurobasket Eurobasket 2015 Helvetia men Luxembourg Luxembourg Men Qualification Switzerland Switzerland

Clint Capela bei einem Spiel für die Schweiz im Jahr 2013.

Im Rahmen seiner Stiftung «CC15 Foundation» hat Capela zudem erfahren, dass Schwarze nicht die einzigen sind, welche in den USA diskriminiert werden. Andere Minderheiten haben ebenfalls ein schwieriges Leben, allerdings werde darüber weniger gesprochen.

«Viele Afro-Amerikaner sind betroffen, aber auch Hispanics. Es ist ein Teil der Gesellschaft, der weniger gehört wird, aber ebenfalls extrem leidet. Was mich sehr getroffen hat, ist, dass gewisse Hispanics bereit waren, ihre Herkunft zu verleugnen, um akzeptiert zu werden. Dass sie sich zum Beispiel «Mary» anstatt «Maria» nennen, ihren Akzent vertuschen oder nicht mehr Spanisch sprechen.»

Clint Capela über die Erlebnisse mit seiner Stiftung.

(dab)

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Atavar 15.06.2020 14:02
    Highlight Highlight "Aber meine schlimmsten Erinnerungen sind mit dem Basketball verbunden. In der U16-Nati war ich der einzige Schwarze. Bei Spielen in Italien und Serbien musste ich mir immer wieder Affenlaute anhören."
    Stelle ich mir sehr einschneidend / erniedrigend vor.

    Die Lösung kann nicht aus der Politik kommen. Wir brauchen nicht noch eine Ausrede, um keine Zivilcourage zu zeigen. Ich erwarte von Mitspielern & Coaches - nein, eigentlich von Menschen - dass sie dort, wo es passiert, dann, wenn es passiert, die Fehlbaren klar und konkret ansprechen.

    Mit neuen Gesetzen wird sich wenig bis nichts ändern.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 15.06.2020 14:49
      Highlight Highlight @Atavar. Seit Jahrzehnten zeigen viele Fangruppierungen Zivilcourage und gehen gegen Rassimus vor. Es gibt leider Vereine, da hält man sogar im Stadion ein Trauerminute mit Ansage für einen Neonazi (Chemnitzer FC).

      Solche Vereine lernen nur, wenn ihnen ein finanzieller Schaden entsteht, z.B. Ausschluss aus der Liga.

      Mit Zivilcourage lässt sich das Problem Rassimsu nicht beheben, wie die Erfahrung der letzten Jahrzehnte auch in der Schweiz zeigt.

      Die meisten Rassisten sagen nicht laut, was sie denken, sondern man lädt den Schwarzen nicht zum Vorstellungsgespräch ein, usw.

    • Atavar 15.06.2020 15:11
      Highlight Highlight Punkt für dich: Organisationen müssen an die Leine genommen werden.

      Aber eine Organisation hat kein eigenes Interesse. Sie ist immer eine Ansammlung von Partikularinteressen.

      "Mit Zivilcourage lässt sich das Problem Rassimsu nicht beheben, wie die Erfahrung der letzten Jahrzehnte auch in der Schweiz zeigt." Hier widerspreche ich dir. Rassistische Ressentiments bedient werden oft genutzt. Unwidersprochen.

      Beispiel: am Samstag sassen 2 Frauen am Nebentisch. Frau 1: "Wie soll ich jetzt einen Schwarzen ansprechen?" Ich: "Machen sie's doch so, wie bei ihren Freundinnen auch..."

    • Stefan Morgenthaler-Müller 15.06.2020 15:37
      Highlight Highlight @Avatar. Gehen wir davon aus, dass die Zivilcouragerate in den letzten 30 Jahren gleich hoch geblieben ist, wie erklären sie sich, dass es trotzdem noch Rassismus gibt.

      Rassismus erlebt jede vom Rassismus betroffene Person in mannigfaltiger Art und Weise und meistens sind es nicht die frontale Konfrontation, sondern subtil: man wird weniger freundlich bedient, man wird nicht eingeladen zum Vortellungsgespräch, Wohnungsbesichtigung, oder wenn man sich für einen Kaufgegenstand interessiert, heisst es, schon verkauft, usw. Wie geht gegen diese Form des Rassismus die Zivilcourage?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Miicha 15.06.2020 13:31
    Highlight Highlight Das fängt doch schon bei den Kindern an. Meinen würde ich was erzählen, würden sie jemanden so behandeln. Kindern Respekt zu vermitteln ist etwas vom Wichtigsten.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 15.06.2020 13:13
    Highlight Highlight "Wir Schwarzen haben alle schon Ungerechtigkeiten erlebt in unserem Leben. Wir haben genug davon. Gewisse weisse Amerikaner fühlen sich überlegen und denken, es sei normal, dass sie privilegiert sind." D.C.

    Dies trifft auch auf gewisse Schweizer zu. Darum sind die Demos in der Schweiz auch wichtig und richtig.

    Politiker haben gesehen, dass das Thema viele in der Schweiz beschäftigt. Zehntausende sind in den letzten Tagen auf die Strasse gegangen.

    Ich erwarte, dass die Politik darauf reagiert und Strategien aufzeigt, wie Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit entgegengetreten werden soll.
    • Binnennomade 15.06.2020 21:52
      Highlight Highlight Der Wandel kann nicht von oben, sondern muss von unten kommen. Wir alle sind gefordert, im Alltag Zivilcourage zu zeigen. Die Demos am WE waren für die Bevölkerung, nicht für die Politiker.
  • Raembe 15.06.2020 12:22
    Highlight Highlight Empfehle das neue Dave Chapelle Special auf YT. Er hat ne spannende Sicht auf die Dinge die gerade in den USA abgehen.

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