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Sport
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Geisterspiele in der National League

Kommentar

Es kann nur eine Lösung geben: «Am Dienstag geht es los mit Playoffs ohne Zuschauer»

Die Eishockey-Klubs der National League und der Swiss League stecken im Dilemma. Playoffs vor leeren Zuschauerrängen sind ein emotionales und vor allem finanzielles Debakel. Aber der Druck der TV-Rechteinhaber wird sie dazu zwingen, dass die Meisterschaftsentscheidung in Angriff genommen wird.

Marcel Kuchta / ch media



Geisterspiele sind schlecht. Darüber gibt es keine zwei Meinungen. Der Autor dieser Zeilen hat selber im Stadion erlebt, wie sich der EHC Olten vor leeren Zuschauerrängen und entsprechend ohne Emotionen aus den Playoffs verabschiedet hat. Es ist surreal. Es ist traurig. Es raubt dem Sport seinen ganzen Zauber. Wenn sich die Spieler während der Partie beim Schiedsrichter-Inspektor auf der Tribüne über die Leistung der Unparteiischen auf dem Eis beschweren können, dann sagt das eigentlich alles aus über die Absurdität. Das kann niemand wollen.

Aber eben: Dass Geisterspiele schlecht sind und um jeden Preis verhindert werden sollten, ändert nichts an der Tatsache, dass es für die bis am 15. März unterbrochene Schweizer Eishockey-Meisterschaft eine Lösung braucht. Eine möglichst pragmatische. Oder anders ausgedrückt: Die am wenigsten schlechte. Wie die aussieht, darüber werden sich die Verantwortlichen der National- und der Swiss-League-Teams heute in Bern den Kopf zerbrechen.

Biels Marc-Antoine Pouliot, Mitte, freut sich ueber sein Tor zum 1:0 beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Freitag, 28. Februar 2020 in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Marc-Antoine Pouliot bejubelt einen Treffer mit den Teamkollegen – aber ohne Fans. Bild: KEYSTONE

Ein toxischer Cocktail

Dass sich die Klubs dagegen wehren, dass die Playoffs, die schönste Eishockey-Zeit des Jahres, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, ist natürlich nachvollziehbar. Die fehlenden Emotionen sind dabei der Faktor, der die kleinste Rolle spielt. Es geht natürlich letztlich einzig und allein ums Geld. Fehlende Zuschauer- und Cateringeinnahmen, gleichzeitig Stadionmieten, drohende Erfolgsprämien und sonstige Verpflichtungen: Das ist ein toxischer Cocktail für jede professionelle Sportorganisation. Logisch also, wollen die betroffenen Klubs den Schaden so gering wie möglich halten. Für sie wäre ein Meisterschaftsabbruch die beste Lösung.

Leute arbeiten in den Studios in der Romandie von UPC MySports in Rossens am Mittwoch, 6. September 2017. (KEYSTONE/Christian Merz)

Bei «MySports» ist man auf die Playoffs angewiesen. Bild: KEYSTONE

Auf der anderen Seite stehen die TV-Sender. MySports (bzw. UPC) bezahlt pro Saison 35 Millionen Franken für die Fernsehrechte. Ausgerechnet jetzt, wenn es nach dem ewigen Qualifikations-Vorgeplänkel um die sportliche Wurst geht, bleiben die Bildschirme schwarz. Oder man sucht verzweifelt nach Ersatzformaten, überträgt Schneckenrennen (!) und diskutiert über alles andere als das, was eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte: Der Sport.

Logisch also, wird der Druck vonseiten der Rechteinhaber täglich grösser. Es gilt: Wer zahlt, befiehlt. Deshalb kann es auf die Frage, wie es mit der Meisterschaft weitergeht, nur eine Antwort geben: Ab nächsten Dienstag geht es los. Playoffs unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber immerhin am TV.

Die Klubs werden diese Lösung wohl oder übel schlucken müssen. Wobei man gespannt sein darf, wie kreativ man mit der Situation umgeht. Das nächste grosse Dilemma, welches sich abzeichnet, ist nämlich ein ganz perfides: Je länger man in den Playoffs involviert ist, umso teurer wird es. Im Extremfall kann der «Geistertitel» eine Organisation an den Rand des Ruins treiben. Das ist absurd. Aber es passt zu einer Situation, in der es nur schlechte Lösungen gibt.

Und: Was passiert, wenn in einem der Playoff-Teams ein Corona-Fall auftaucht? Dann ist wohl sowieso alles Makulatur und die Meisterschaft am Ende.

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