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YBs Jean-Pierre Nsame, links, bejubelt seinen Treffer zum 1-2, St. Gallens Silvan Hefti steht daneben, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und den BSC Young Boys, am Sonntag, 11. November 2018, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Künftig trägt er selber Gelb-Schwarz: Silvan Hefti, Ex-Captain des FC St.Gallen. Bild: KEYSTONE

Kommentar

YB kopiert die Bayern – doch von Heftis Transfer kann auch St.Gallen profitieren

Der FC St.Gallen lieferte sich letzte Saison mit Titelverteidiger YB lange ein spannendes Rennen um die Meisterschaft. Ob sich dies wiederholen wird? Die Berner greifen zu einem bestens bewährten Mittel – und verstärken sich gleichzeitig, indem sie den Gegner schwächen: Silvan Hefti wechselt zu YB.



Es ist, wie es ist. Der Transfer von Silvan Hefti öffnet im Umfeld des FC St.Gallen jenen die Augen, die nach einer phänomenalen Saison mit der Vizemeisterschaft von mehr träumen. Denn der FCSG ist damit nicht automatisch ein grosser Schweizer Verein geworden. Er ist nach wie vor ein Ausbildungsklub.

St.Gallen wird auch in der neuen Saison an die Grenzen gehen müssen, wenn es oben mitspielen will. Es benötigt eine Portion Glück, dass Sportchef Alain Sutter weiterhin einem Trüffelschwein gleich diejenigen Spieler aufspürt, die das Team weiterbringen. Jene, die zum offensiven System von Trainer Peter Zeidler passen, dessen Umsetzung intensiven Einsatz und hohe Laufbereitschaft verlangt. Zuzutrauen ist es den Machern alleweil, dass sie erneut erfolgreich arbeiten.

CAPTION CORRECTION - CORRECTS NAME - St. Gallens Silvan Hefti nach dem Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und den BSC Young Boys, am Sonntag, 11. November 2018, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Nicht mehr «zämä», wie es auf seiner Captain-Binde steht: Hefti hat mit dem FC St.Gallen Schluss gemacht. Bild: KEYSTONE

Jung und doch schon erfahren

So wie es Silvan Hefti zuzutrauen ist, dass er beim Schweizer Topklub weiter reifen wird. Der 22-Jährige steht auf dem Sprung in die Nationalmannschaft – ein Ziel, das mit allfällig guten Auftritten in der Champions League näher rückt. Genauso wie ein Auslandtransfer. Entweder hat sich in diesem von Corona geprägten Sommer kein ausländischer Klub ernsthaft für den angriffigen Aussenverteidiger interessiert, oder Hefti hat bewusst auf einen Wechsel verzichtet, weil er zu geringe Aussichten auf einen Stammplatz sah. Ein Transfer zu YB ist insofern vielleicht keine mutige Entscheidung, dafür eine sicherere, vernünftigere Wahl.

Für die Berner ist es ein Toptransfer. «Jung und erfahren gibt es im Fussball nicht. Das gibt es nur auf dem Strassenstrich», kalauerte 2011 Stuttgarts Torhüter Sven Ulreich. Da war Hefti noch ein Junior. Mittlerweile ist er trotz seiner erst 22 Jahre ein gestandener Profi mit bereits über 150 Super-League-Spielen. YB erhält einen Spieler, der Sprache, Mit- und Gegenspieler und die Liga in- und auswendig kennt. Einen Spieler, der über eine gewisse Klasse verfügt, der aber zweifelsohne noch besser werden kann. Und der im Idealfall mit Gewinn weiterverkauft werden kann.

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YB-Sportchef Christoph Spycher und Silvan Hefti im Interview zum Transfer. Video: YouTube/BSC Young Boys

Am Weiterverkauf würde auch der FC St.Gallen partizipieren, der jetzt als Ablösesumme kolportierte 1,5 Millionen Franken erhält. Viel Geld für einen mittelgrossen Schweizer Klub – gerade zu Corona-Zeiten, wo dem Zuschauermagnet viele Einnahmen flöten gehen. Dank den Verkäufen von Silvan Hefti und Cedric Itten (Glasgow Rangers) haben die Grün-Weissen finanziell etwas Luft. Niemand weiss schliesslich, wie lange es bis zu einer Rückkehr zur Normalität dauern wird. Auch deshalb gilt: Der Verkauf ist bestimmt nicht populär, dafür ist er als vernünftig zu bezeichnen.

Schneller als die Grossen sein

Der Wechsel vom Captain des Vizemeisters zum Meister ist bestimmt kein alltäglicher Transfer. Aber letztlich ist es überall so: Die Grossen fressen die Kleinen. Schwächere Super-League-Klubs kaufen in der Challenge League ein. Stärkere Super-League-Klubs holen Spieler von Ligakonkurrenten. Kleine Bundesligisten engagieren Spieler aus der Schweiz. Und ruft Bayern München, zieht jeder der 17 anderen Bundesligisten den Kürzeren. Solange es finanzkräftigere Vereine gibt, solange wird es Spieler geben, die auf andere Prioritäten setzen als auf Vereinstreue.

YB kennt die Position, in der St.Gallen ist: Als der FC Basel noch die grosse Nummer im Land war, holte der FCB aus Bern etwa Gilles Yapi oder Renato Steffen. Er stärkte sich und schwächte zugleich den Konkurrenten.

Der Trick ist – und den beherrschten die St.Galler vergangene Saison vorzüglich – dass man als Kleiner schneller ist als die Grossen. Denn die Schnellen fressen die Langsamen. Das ist auch weiterhin die Chance der Espen, dass sie mutig auftreten, frech spielen, unabhängig vom Spielermaterial.

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