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epa06601740 Jose Mourinho, manager of Manchester United, reacts during the UEFA Champions League Round of 16 second leg soccer match between Manchester United and Sevilla FC held at Old Trafford, Manchester, Britain, 13 March 2018.  EPA/PETER POWELL

José Mourinho: Am Ende seines Lateins? Bild: EPA/EPA

Kommentar

Danke, Mourinho, du warst super. Aber jetzt ist es Zeit zu gehen

José Mourinho hat sich aus der Champions League gemauert. Einmal mehr zeigte sein Team eine erschreckende Leistung, die Fragen aufwirft. Der «special one» ist zwar noch immer speziell, aber nicht mehr auf der Höhe des modernen Fussballs.



Seit gut 15 Jahren prägt José Mourinho als einer der extrovertiertesten und unterhaltsamsten Trainern den europäischen Spitzenfussball. Danke dafür. Ähnlich lange und ähnlich hoch oben hielten sich in den letzten Jahren nur Grössen wie beispielsweise Roger Federer.

Bevor wir daher den aktuellen Ärger über den zweifachen UEFA Trainer des Jahres (2003 und 2004) raus lassen, blicken wir doch auf die Highlights seines bisherigen Palmares:

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Was für eine schöne Erinnerung: Der Jungtrainer José Mourinho rennt in seinem langen schwarzen Mantel zu seinen Spielern, als Costinha in der 90. Minute im Old Trafford zur Sensation trifft. Video: YouTube/UEFA.tv

Keine Frage: Von so einer Bilanz wagen die meisten Trainer nicht einmal zu träumen. Ich verneige mich so tief ich kann.

Inter Milan coach Jose Mourinho holds up the trophy surrounded by his team after winning the Champions League final soccer match between Bayern Munich and Inter Milan at the Santiago Bernabeu stadium in Madrid, Saturday May 22, 2010. (AP Photo/Matthias Schrader)

Ganz oben: Mourinho gewinnt mit Inter Mailand das grosse Triple und macht sich definitiv unsterblich. Bild: AP

Der einzige Makel: Mit Chelsea und mit Real Madrid konnte der Portugiese nie die Champions League gewinnen – dafür hatte man ihn eigentlich jeweils geholt. Aber darüber können wir mit etwas Distanz hinwegblicken: Mourinho ist schlicht einer der grössten Coaches des 21. Jahrhunderts.

Oder zumindest war er dies.

Denn was er – nicht erst jetzt – im Achtelfinal mit Manchester United gegen Sevilla zeigte war: beschämend. Fussballverweigerung im Hinspiel, uninspirierte und lethargische Darbietung im Rückspiel. Total nur vier Torschüsse in beiden Partien zusammen müssen eigentlich nicht weiter kommentiert werden. ManUtd-Legende Rio Ferdinand trifft mit diesem Tweet die Sache auf den Kopf:

Wenn du nicht mit der richtigen Einstellung antrittst, dann wirst du besiegt – egal, was du zuvor erreicht hast oder wie gut du warst.

Das grosse Manchester United mauert sich aus der Champions League. Man hätte nie gedacht, dass man dies mal sagen müsse. Jahrelang war Angriffsfussball die DNA der Red Devils. Wir erinnern uns an Giggs, Beckham, Solskjaer, Sheringham, Cole, Yorke, Cantona und wie sie alle heissen. Die Fans erwarten nicht nur Siege, sie wollen Spektakel. «Wir sind Manchester United, wir wollen Offensivfussball», singen sie immer wieder, wenn der Ball zu lange quer statt tief gespielt wird.

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Vor zwei Jahren gegen Crystal Palace unter Louis van Gaal: Die Fans wollen Angriffe sehen. Video: YouTube/telandbenjie

Klar, Mourinho war nie für Spektakel bekannt. Schon damals nicht mit Porto. Er war immer pragmatisch. Das ist legitim. Aber er eroberte die Fussballwelt als «New Kid on the Block» im Sturm. Mourinho setzte Massstäbe. Fussball des Taktikmeisters, das war das neue Nonplusultra.

Aber irgendwann zu seiner ersten Zeit bei Chelsea begann er den «Bus zu parkieren», wenn es zählte. Heute ist Mourinho so weit vom als modernen Fussball gelobten Offensivspektakel Manchester Citys oder Barcelonas – oder mit Abstrichen auch Real Madrids, Bayern Münchens oder des PSG – wie Pep Guardiola von einem Engagement bei GC.

Es ist ja auch nicht so, dass Mourinho die Hände gebunden waren in den letzten zwei Saisons in Manchester. Er durfte Paul Pogba (105 Millionen, damals weltweiter Rekordtransfer) und Romelu Lukaku (85 Millionen) holen. Dazu kamen in der Offensive Zlatan Ibrahimovic und Alexis Sanchez. Ibrahimovic ist nicht mehr der Alte, Lukaku trifft grundsätzlich nur gegen Teams wie West Ham, Crystal Palace oder Huddersfield, Sanchez wirkt noch immer wie ein Fremdkörper, Pogba sass erst auf der Bank und spielte dann in der Nachspielzeit diesen fürchterlichen Pass:

105 Millionen hat Paul Pogba gekostet. Und dann spielt er in der Schlussphase einen Ball 10,5 Meter am Mitspieler vorbei.

Und was macht Mourinho? Natürlich: Er fordert Verstärkung. Man müsse mehr investieren. Alles müsse verändert werden. Aber ein Drama will er nicht machen, wenn Manchester United an Sevilla im Achtelfinal scheitert. Angesprochen auf die vier Schüsschen in 180 Minuten kontert er: «Das ist nur Statistik.»

Als ein spanischer Reporter wissen will, ob er die Spielzeit als missratene Saison betiteln würde, antwortet er schnippisch: «Interessiert es die Spanier wirklich, was bei uns in der Premier League passiert?»

Wie man sich täuschen kann, Paul Scholes: «Sevilla ist schlecht. Die können hier kein Tor erzielen.» (Halbzeitanalyse)

Mourinho ist angezählt. Er muss etwas ändern, sonst verpasst er den Zug in die (erfolgreiche) Zukunft. Sein Palmares bleibt überragend. Im letzten Jahr kam die Europa League mit ManUtd dazu. Davor gab es seit 2010 aber nur zwei wichtige Trophäen (Meister 2012 mit Real und 2015 mit Chelsea).

18 Duelle, 14-mal der Sieger

Sevilla steht erstmals seit 60 Jahren im Viertelfinal der Champions League und dessen Vorgänger. Wissam Ben Yedder gelang nach 78 Sekunden das schnellste Joker-Tor der Königsklasse in dieser Saison. Der Angreifer steht jetzt bei acht Treffern in sieben Partien. Und von den letzten 18 K.o.-Duellen zwischen Spanien und England entschieden die Iberer 14 für sich. Wer hat da grad nochmals was von «bester Liga der Welt» gemurmelt?

Er, der einst den Fussball prägte, scheint den Anschluss verpasst zu haben. Passive Spielweise können die Fans von grossen Klubs gerade noch verzeihen, wenn es wie am Wochenende gegen Liverpool trotzdem zu einem 2:1-Sieg reicht.

Aber Mourinho verhöhnt die Anhänger nach dem CL-Aus mit solchen Aussagen: «Ich habe hier auch schon zweimal gewonnen. Mit Porto und Real Madrid. Das ist also nichts Neues für Manchester United.» Das mag stimmen, ist aber ein Stich in jedes Fanherz. Schon gestern gab es Pfiffe gegen den Portugiesen. Sie dürften in den nächsten Wochen nicht leiser werden.

Er sagt's wirklich: «Ich habe Manchester United hier auch zweimal besiegt. Das ist nichts Neues.»

Und dann ergänzt er: «Ich bereue nichts. Die Spieler und ich haben unser Bestes gegeben. Wir versuchten es, aber haben verloren. So ist Fussball. Die Welt geht nicht unter.» Mourinho bleibt in dieser Saison mit dem FA-Cup nur noch eine Titelchance. Dort steht man im Viertelfinal. Vor drei Wochen höhnte er noch, dass man sich erst als «wahres Champions-League-Team» bezeichnen darf, wenn man unter den letzten Acht steht. Jetzt klammert er sich an den Strohhalm FA-Cup.

Früher waren die Sprüche lustig und das Markenzeichen Mourinhos. Aber der Grat ist schmal. Bleibt der Erfolg aus, wird einem alles um die Ohren gehauen. Heute sind die unerwarteten Aussagen zwar weiterhin ein Markenzeichen des 55-Jährigen, aber nur noch peinlich. Welcher Trainer diskreditiert schon sein eigenes Team in diesem Stil? Ein Coach mit weniger Renommee würde für solche Aussagen entlassen. Hoffentlich geschieht dies bei Manchester United auch.

Ist Mourinhos Fussball noch zeitgemäss?

Mourinho hat eine Auszeit nötig. Ihn abzuschreiben, wäre fatal. Aber er muss über die Bücher, muss sich neu erfinden. Hoffentlich hat er Roger Federers Nummer.

Aha, der David Moyes war vielleicht doch ein Guter.

Die besten Sprüche von José Mourinho

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Die besten Sprüche von José Mourinho
quelle: epa pa / andrew parsons
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Nach dem Tod seiner Frau: Fussball-Legende wird Boxer

Video: srf

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