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Corinne Suter of Switzerland and Lara Gut-Behrami of Switzerland celebrate with the Silver and Gold medals for Super-g race during the medals ceremony after the women's Super-G race at the 2021 FIS Alpine Skiing World Championships in Cortina d'Ampezzo, Italy, Thursday, February 11, 2021. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Corinne Suter und Lara Gut-Behrami holten zusammen mehr als die Hälfte der Schweizer Medaillen. Bild: keystone

Kommentar

Die beste Ski-WM seit 32 Jahren – und trotzdem bleibt eine leise Enttäuschung

Die Schweizer Ski-Cracks haben an der Ski-WM in Cortina d'Ampezzo neun Medaillen geholt – so viele wie seit 1989 nicht mehr. Und trotzdem bleibt nach Abschluss des Ski-Highlights des Jahres die etwas bittere Erkenntnis: Es wäre noch viel mehr möglich gewesen.



Seit 32 Jahren hat die Schweiz an einer alpinen Ski-WM nicht mehr so viele Medaillen geholt wie in den letzten zwölf Tagen in Cortina d'Ampezzo. Neunmal durften eidgenössische Wintersport-Fans über Edelmetall jubeln, keine andere Nation hat mehr Medaillen geholt. Endlich sind wir im Skirennsport also wieder dort, wo wir nach unserem Selbstverständnis schon immer hingehörten: An der Spitze.

epa09012118 Third placed Beat Feuz of Switzerland celebrates with members of the Swiss team after the Men's Downhill race at the FIS Alpine Skiing World Championships in Cortina d'Ampezzo, Italy, 14 February 2021.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Auf Beat Feuz ist an Grossanlässen stets Verlass. Bild: keystone

Dennoch bleibt im Land die ganz grosse Euphorie aus. Vielerorts machte sich gegen WM-Ende gar eine leise Enttäuschung breit. Doch warum ist das so? Die Antwort ist simpel. Weil die Erwartungshaltung nach dem bisherigen Saisonverlauf fast schon unanständig hoch gewesen war und am Ende noch viel mehr möglich gewesen wäre als diese neun Medaillen.

So schlugen sich die Schweizer Ski-Cracks in Cortina. Video: SRF

Zunächst lief alles nach Plan: Der Doppelsieg im Super-G von Lara Gut-Behrami und Corinne Suter, die Kombi-Medaillen von Loic Meillard und Michelle Gisin, das Nachdoppeln von Suter und Gut sowie der «ewige» Beat Feuz, der auch in einer Abfahrt, die alles andere als auf ihn zugeschnitten war, noch aufs Podest fuhr.

Doch in der zweiten WM-Woche kam der grosse Kater auf. In den sportlich fragwürdigen Parallel-Rennen fehlte der Schweiz das Pisten- und das Hundertstel-Glück und in den Technik-Bewerben ging bis auf den zweiten WM-Titel von Gut-Behrami eigentlich alles in die Hose, was in die Hose gehen konnte.

Wendy Holdener zerbrach am selbst auferlegten Druck und weinte am Ende bittere Tränen. Erstmals seit 2015 ging die Schwyzerin an einem Grossanlass leer aus. Marco Odermatt zahlte Lehrgeld für sein Mammutprogramm und musste mit einem vierten Platz in der Abfahrt als Bestresultat aus Cortina abreisen. Für die Slalom-Cracks setzte es am Schluss die Erkenntnis, dass die anderen Nationen nicht geschlafen haben und an den Schweizern vorbeigezogen sind.

epa09014391 Wendy Holdener of Switzerland reacts in the finish area during the Slalom portion of the Women's Alpine Combined competition at the FIS Alpine Skiing World Championships in Cortina d'Ampezzo, Italy, 15 February 2021.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Für Wendy Holdener war die WM in Cortina eine zum Vergessen. Bild: keystone

Vorbeigezogen an den Schweizern sind im Medaillenspiegel auch die Österreicher. Obwohl die ÖSV-Athleten eine Medaille weniger holten als ihre Konkurrenz von Swiss Ski, stand die angeschlagene Ski-Grossmacht der Schweiz dank fünfmal Gold wieder vor der Sonne. Vincent Kriechmayr und Katharina Liensberger sei Dank, die beide zum richtigen Zeitpunkt ihre Bestleistung abriefen und sich wie Gut-Behrami Doppel-Weltmeister nennen dürfen.

Dass die Österreicher dabei das Hundertstel-Glück oft auf ihrer Seite hatten, tut der Schweizer Enttäuschung keinen Abbruch. Denn der Ski-Nation geht es am Ende vor allem darum, endlich wieder dauerhaft vor den Österreichern zu liegen. Und das haben wir in Cortina mal wieder verpasst.

Doch allzu lange wollen wir nicht hadern. Nach dem Rennen ist ja schliesslich vor dem Rennen, wie Sepp Herberger gesagt hätte, wenn er denn Ski- und nicht Fussball-Trainer gewesen wäre.

Die Ski-Saison ist noch längst nicht fertig. Im Weltcup stehen noch 22 Rennen auf dem Programm und es gibt noch viel zu gewinnen. Zunächst einmal kleine Kristallkugeln und grosse Kristallkugeln: Beat Feuz, Lara Gut-Behrami und Corinne Suter könnten ihre Saison krönen; Marco Odermatt, Ramon Zenhäusern, Wendy Holdener und Michelle Gisin sich für die nicht wunschgemäss verlaufene WM rehabilitieren.

Lara Gut of Switzerland celebrates with the cristal globe of the overall women's Super G competition in the finish area  after the women's Super G race at the FIS Alpine Ski World Cup finals, in Parpan-Lenzerheide, Switzerland, Thursday, March 13, 2014. (KEYSTONE/APA Foto/Barbara Gindl)

Holt Lara Gut-Behrami zum zweiten Mal in ihrer Karriere die grosse Kristallkugel? Bild: APA

Und dann ist da ja auch noch die Nationenwertung, in der die Schweiz zum zweiten Mal in Serie die Österreicher hinter sich lassen könnte. 749 Punkte beträgt der Vorsprung. Spätestens wenn Swiss Ski diese Führung über die Runden bringt, ist auch der leise WM-Frust vergessen.

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Der Stand im Gesamtweltcup. bild: screenshot srf

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