DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Boxing - David Haye Press Conference - Grosvenor House, Park Lane, London - 30/3/16
David Haye (L) and Arnold Gjergjaj go head to head after the press conference
Action Images via Reuters / Andrew Couldridge
Livepic
EDITORIAL USE ONLY.

Blicken sich grimmig an: Haye (links) und Gjergjaj an der Medienkonferenz vor dem Fight. Bild: Andrew Couldridge/REUTERS

Ein böser Bube aus Kalkül: Ex-Weltmeister David Haye

David Haye hat als Boxer auch darum Erfolg, weil er die Regeln des Showbusiness kennt. Der Brite ist ein Grossmaul, der gerne provoziert. Zurück aus dem Dschungelcamp will er noch einmal Weltmeister werden. Auf dem Weg dorthin boxt er am Samstag (ab 22.45 Uhr auf SRF 2) gegen Arnold Gjergjaj aus Basel.

simon steiner / schweiz am Sonntag



Soll keiner sagen, dieser Mann wisse sich nicht zu verkaufen. Natürlich hat David Haye die Aufmerksamkeit auf sich, als er sich 2008 für das Magazin «Men’s Health» in einer Fotomontage inszenieren lässt, mit dem abgetrennten Kopf von Wladimir Klitschko in der Hand.

Haye hält zu diesem Zeitpunkt die WM-Titel von drei Box-Weltverbänden im Cruisergewicht – und holt aus zum Wechsel in die Königsklasse, indem er die damaligen Schwergewichts-Champions, die Brüder Klitschko, mit Provokationen zum Duell auffordert.

epa01699259 British heavyweight boxer David Haye poses with a t-shirt which shows him  holding the heads of the Klitschko brothers during a press conference at Veltins Arena stadium in Gelsenkirchen, Germany, 16 April 2009. Ukranian WBO, IBF and IBO Heavyweight Champion Vladimir Klitschko is going to defend his titles against Haye in the stadium on 20 June 2009.  EPA/Franz-Peter Tschauner

Das umstrittene T-Shirt, auf dem Haye die abgetrennten Köpfe der Klitschkos präsentiert. Bild: EPA

Haye weiss, dass Boxen nicht nur Sport, sondern auch Show ist

Damit ist Haye quasi der Gegenentwurf zu den beiden Ukrainern, die das Schwergewicht über Jahre dominiert haben. Treten Vitali und Wladimir Klitschko als Gentlemen der Szene auf, gebärdet sich der Brite ganz in der Tradition von Mike Tyson als grossmauliger Prolet, der vor keinem verbalen Tiefschlag zurückschreckt und sein Selbstbewusstsein so offensiv zur Schau stellt, dass er fast zu platzen scheint.

Diese Rolle mag in seiner Natur liegen, vor allem aber hat Haye begriffen, dass die Boxwelt mindestens so sehr den Regeln des Showbusiness gehorcht wie jenen des Sports. Und dass es das Publikum mag, wenn einer den bösen Buben spielt. Denn so böse ist er im Grunde gar nicht.

Britain Boxing - David Haye, Arnold Gjergjaj & Shannon Briggs Open Work-Out - Jubilee Palace, Canary Wharf, London - 16/5/16
David Haye during a work-out
Action Images via Reuters / Peter Cziborra
Livepic
EDITORIAL USE ONLY.

Der «Hayemaker» im Training.
Bild: Peter Cziborra/REUTERS

Im Londoner Stadtteil Bermondsey als Sohn eines jamaikanischen Vaters und einer englischen Mutter in einfachen, aber geordneten Verhältnissen aufgewachsen, träumt Haye schon als Dreijähriger vom Weltmeistertitel im Schwergewicht. Mit 10 schlägt er Gleichaltrige reihenweise k. o., vier Jahre später boxt er gegen 30-Jährige. Mit 22 wird er Profi.

Den Riesen Walujew erlegt

Zum Duell mit den Klitschkos kommt es zunächst nicht, obwohl die Brüder den Fehdehandschuh bald aufnehmen. Haye lässt 2009 beide Kämpfe platzen. In mehreren Pressekonferenzen tritt er in einem T-Shirt auf, das ihn in Siegerpose mit den blutigen Köpfen der Klitschkos in der Hand zeigt. Den Titelkampf gegen Wladimir sagt er dann aber ab – offiziell wegen einer Rückenverletzung. Das geplante Duell mit Vitali scheitert daran, dass man sich nicht auf einen Vertrag einigen kann.

Dennoch erfüllt sich Haye noch im selben Jahr den Traum vom Schwergewichts-Titel. Am 7. November 2009 besiegt er WBA-Weltmeister Nikolai Walujew in Nürnberg nach Punkten – in einem Kampf zweier äussert ungleicher Gegner. Mit viel Laufarbeit umtanzt der athletische Brite den 20 cm grösseren und 45 kg schwereren Kontrahenten, bis dieser kaum mehr weiss, wo ihm der Kopf steht. Haye hält den Titel für knapp zwei Jahre, ehe er im Kampf gegen Wladimir Klitschko klar nach Punkten unterliegt.

Britain's David Haye, second right, celebrates with teammates after his WBA heavyweight title fight against Russia's Nikolai Valuev in Nuremberg, southern Germany, on Saturday, Nov. 7, 2009. Haye won the fight after 12 rounds by points. (AP Photo/Christof Stache) ** Eds note: German spelling of Nuremberg is Nuernberg **

Der Gürtel gehört ihm: Nach einem Sieg über Walujew ist Haye 2009 WBA-Weltmeister im Schwergewicht. Bild: AP

Die vegane Protein-Bombe

Im Gespräch zu halten weiss sich Haye, der sich auf dem Celebrity-Parkett genauso leichtfüssig bewegt wie im Boxring, auch als Ex-Weltmeister. Wie zum Beispiel mit einer Prügelei im Februar 2012, als der als Fernsehkommentator anwesende Haye bei einer Pressekonferenz vor einem Klitschko-Fight mit seinen Fäusten und einem Kamera-Stativ dreinschlägt.

abspielen

Haye taucht an der PK von Witali Klitschko auf, um dessen Gegner Dereck Chisora zu vermöbeln. YouTube/bokserorg

Nach einer Schulteroperation ist lange nicht klar, ob er nochmals in den Ring zurückkehrt. Haye, der eine Karriere als Schauspieler anstrebt, vertreibt sich die Zeit unter anderem mit der Teilnahme bei der britischen Version der TV-Reality-Show «Ich bin ein Star – holt mich hier raus». Oder mit der Entwicklung eines rein pflanzlichen Protein-Shakes, mit dem er sein stattliches Muskelpaket seit seiner Bekehrung zum Veganismus in Form hält.

abspielen

Im Dschungelcamp zeigt der Boxer, was in den Boxershorts steckt. YouTube/I'm A Celebrity... Get Me Out Of Here!

Noch einmal Weltmeister werden

Im Januar 2016 gibt Haye schliesslich gegen den Australier Mark de Mori ein siegreiches Comeback nach dreieinhalb Jahren. Nun nimmt er es mit dem Schweizer Arnold Gjergjaj auf – um dann nochmals einen WM-Titel zu erobern.

Das Selbstbewusstsein des Millionärs scheint während der langen Pause nicht gelitten zu haben. «Ich bin der beste Boxer der Welt», sagt der «Hayemaker», dessen Kampfname sich sowohl mit «langer Haken» wie mit «Geldmacher» übersetzen liesse. Seine Lieblingsgegner sind geblieben: «Ein Klitschko-Kampf ist das beste Mittel gegen Schlaflosigkeit. Meine Kämpfe sind dagegen attraktiv fürs Publikum.»

Wer gewinnt den Fight?

Seinen nächsten Gegner Gjergjaj hat Haye dagegen verbal auffällig sachte angefasst. Die Beleidigungen überlässt er Shannon Briggs. Der frühere WBO-Champion aus den USA störte vor einigen Wochen eine Pressekonferenz mit Haye und Gjergjaj mit einem filmreifen Auftritt mit wüsten Beschimpfungen – und darf nun im Vorprogramm des Kampfes antreten. Oder war der Auftritt bei der Pressekonferenz etwa inszeniert? Soll keiner sagen, David Haye wisse sich nicht zu verkaufen.

Der legendäre Kampf zwischen Mike Tyson und Evander Holyfield

1 / 12
Der legendäre Kampf zwischen Tyson und Holyfield
quelle: ap / jack dempsey
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

22.01.2010: Beim Einmarsch ist «Uzzy» mindestens Ali oder Tyson – dann fällt er wie ein Sack

Link zum Artikel

Boxer Norbert Grupe gibt ein «Interview», bei dem er einfach schweigt

Link zum Artikel

28.06.1997: Mike Tyson beisst im legendärsten Boxkampf aller Zeiten ein Stück von Evander Holyfields Ohr ab

Link zum Artikel

24.06.1998: Ein MMA-Fight mit 196 Kilo Gewichtsunterschied – und einem unerwarteten Ende

Link zum Artikel

01.10.1975: Der «Thrilla in Manila» zwischen Ali und Frazier wird zum (ewigen?) Höhepunkt der Box-Geschichte

Link zum Artikel

13.12.1997: Stefan Angehrn zermürbt Torsten May und träumt vom grossen Geld – stattdessen landet er in der Schuldenfalle

Link zum Artikel

11.02.1990: Gegen 42:1-Aussenseiter James Douglas geht Mike Tyson im 38. Kampf erstmals k.o.

Link zum Artikel

30.10.1974: Die «Biene» Ali sticht «Bär» Foreman im «Rumble in the Jungle»

Link zum Artikel

05.11.1994: 20 Jahre nach dem «Rumble in the Jungle» wird George Foreman ältester Boxweltmeister aller Zeiten

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

20.08.1931: Happy Birthday, Don King! Die schrägste und kontroverseste Figur der Sportwelt erblickt das Licht der Welt

Link zum Artikel

08.03.1971: Der «Kampf des Jahrhunderts» und die Auferstehung eines Champions

Link zum Artikel

04.01.2010: Stucki Christian fliegt nach Japan, um sich mit Sumoringern zu messen – dabei entsteht dieses witzige Bild

Link zum Artikel

Kilian Wenger stürzt König Abderhalden und darf sich selber krönen lassen

Link zum Artikel

25.01.1995: King Cantona flippt aus – er setzt zum legendärsten Kick der Fussball-Geschichte an

Link zum Artikel

06.02.1988: Der berühmteste Griff in die Eier 

Link zum Artikel

13.09.1985: Gabet Chapuisat zertrümmert Lucien Favres Knie – das schlimmste Foul im Schweizer Fussball lässt beide bis heute nicht los

Link zum Artikel

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel

03.04.1999: Titan Kahn tickt komplett aus – erst knabbert er Herrlich an, dann fliegt er in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

Link zum Artikel

24.09.1983: Der «Schlächter von Bilbao» setzt Maradona mit der «brutalsten Blutgrätsche aller Zeiten» für 108 Tage ausser Gefecht

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

UEFA belegt neun der zwölf Super-League-Klubs mit Geldstrafe

Die UEFA bestraft neun Klubs für deren Beteiligung an den Super-League-Plänen – und verschärft die Drohung gegen Real Madrid, den FC Barcelona und Juventus Turin.

Die neun Klubs, die sich als Gründungsmitglieder der geplatzten Super League zurückgezogen haben, verpflichteten sich laut einer Mitteilung der UEFA zu einer Spende von 15 Millionen Euro für den Kinder-, Jugend- und Amateurfussball. Zudem erklärten sie sich bereit, fünf Prozent ihrer Einnahmen aus dem Europacup einer Saison zur Weiterverteilung zur Verfügung zu stellen. Die Klubs hätten akzeptiert, «dass das Super-League-Projekt ein Fehler war», hiess es seitens der UEFA.

Aus dem ursprünglichen …

Artikel lesen
Link zum Artikel