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Sandra Egger (links) und Patricia Willi haben als Co-Sportchefinnen grosse Ziele mit dem FCSG.
Sandra Egger (links) und Patricia Willi haben als Co-Sportchefinnen grosse Ziele mit dem FCSG.
bild: watson
Interview

FCSG-Sportchefinnen: «Wir starten kleiner als die Konkurrenz, dafür nachhaltiger»

Das Frauenteam des FC St.Gallen-Staad ist seit Februar in die Organisation des FC St.Gallen 1879 integriert. Wie es der Konkurrenz die Stirn bieten möchte, verraten uns die beiden Co-Sportchefinnen Sandra Egger und Patricia Willi im Interview.
15.04.2021, 19:27

Die Männer und Frauen des FCSG teilen sich nun unter anderem die Website, die Social-Media-Accounts und teilweise die Trainingsplätze. Der Verwaltungsrat stärkt den Frauen den Rücken und setzt damit ein wichtiges Zeichen in puncto Professionalisierung. Mit den beiden Co-Sportchefinnen Patricia Willi und Sandra Egger will man sich längerfristig auf den vorderen Rängen der AXA Women's Super League platzieren.

Patricia Willi und Sandra Egger

Die 29-jährige Patricia Willi lief von 2009 bis 2015 für St.Gallen auf. Die Stürmerin wechselte damals als amtierende Torschützenkönigin von Grünweiss zum FCZ. Sie war Nationalspielerin, Schweizer Meisterin und Cup-Siegerin. Sandra Egger hat ebenfalls eine Vergangenheit als Spielerin und Kapitänin beim FC St.Gallen. Beide sind nun Co-Sportchefinnen des AWSL-Teams.

Konkurrenten wie GC, Basel oder Servette nehmen viel Geld in die Hand für die Frauenabteilung. Werden die FCSG-Frauen nun auch so spendierfreudig?
Sandra Egger: Nein. Wir haben durch die Integration in den FCSG 1879 nicht mehr Geld. Das Budget ist im Vergleich zu anderen Teams um einiges kleiner. Entscheidend ist das ganze Rundherum und nicht der Batzen. Es geht darum, den Frauen im Verein mehr Anerkennung zu geben, genau so wie bei uns. Wir profitieren von den professionellen Strukturen. Bis anhin waren wir im Future Champs Ostschweiz, also im Juniorinnen-Bereich, angegliedert.

«Kein einziger Klub hat solch ein Bekenntnis des Verwaltungsrates wie wir – ausser vielleicht YB.»


Patricia Willi: Es wäre absurd, wenn wir jetzt plötzlich mit einer halben Million Budget arbeiten müssten. Das würde auch nicht unseren Werten entsprechen. Das Ziel ist es, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln längerfristig ein konkurrenzfähiges Team aufzubauen.

Egger (links) und Willi nehmen Stellung:

Video: watson

Euch ist das Geld egal, den Spielerinnen aber nicht.
Egger: Uns ist das Geld auch nicht egal. Geld braucht es immer. Wir möchten den Spielerinnen auch etwas bezahlen. Wir starten einfach kleiner als die Konkurrenz, dafür nachhaltiger. Bei GC steckt ein spendabler Gönner dahinter, den wir nicht besitzen. Auch wir möchten den Spielerinnen etwas bezahlen. Natürlich liegt es uns am Herzen, unsere Spielerinnen gerecht zu entschädigen.
Willi: Es soll aber nicht vom Geld abhängig gemacht werden, ob eine Spielerin bei uns spielt oder nicht. Wir bezahlen ihnen eine Spesenentschädigung. Jede der 26 Spielerinnen hat diese Woche einen Amateur-Lizenzvertrag unterschrieben. Wir haben drei Stufen – je nach Beurteilung kommt eine Spielerin in die Stufe A, B oder C. Wichtig ist uns, dass wir alle Spielerinnen nach den gleichen Kriterien einstufen.

Marisa Wunderlin stärkt das Team als Cheftrainerin ab nächster Saison

Was bringt diese Integration nun für einen Mehrwert für die Sportlerinnen?
Willi: Für das Frauenteam ergeben sich durch die klare Positionierung und die Strukturanpassung noch mehr Synergien.
Egger: Wir arbeiten mit einer professionellen medizinischen Abteilung, sind auf der Geschäftsstelle des FCSG schon fast zu Hause, haben optimale Trainingsbedingungen, man setzt sich für uns ein und wir trainieren auf demselben Kunstrasen wie die Männer. Im Kybunpark spielen wir nicht regelmässig, was aber nicht weiter schlimm ist. Viel wichtiger ist uns etwa ein Athletiktrainer, der die Spielerinnen weiterentwickelt.

«Im Sommer starten wir dann voll durch.»
Patricia Willi

Das Image des Ostschweizer Frauenfussballs ist nicht gerade prickelnd.
Egger: Das stimmt, und genau das möchten wir auch ändern. Die letzten Jahre hat man es tatsächlich verpasst, den Frauenfussball in St.Gallen weiterzuentwickeln. Wir stecken jetzt in den Anfängen unserer Arbeit. Eine Spielerin überlegt sich heutzutage: Bekomme ich einen Lohn? Ein Auto? Wird unser Tenue gewaschen? Da hinken wir noch nach.
Willi: Aber nicht mehr lange. Wir sind überzeugt davon, mit dem Engagement des Vereins, uns Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Kein einziger Klub hat solch ein Bekenntnis des Verwaltungsrates wie wir – ausser vielleicht YB. Es kann also nur noch bergauf gehen.

Das heisst, in 10 Jahren möchten die besten Fussballerinnen zum FCSG und nicht mehr nach Zürich?
Egger: Nicht in zehn, sondern in fünf Jahren, sonst werden wir entlassen. Wir möchten uns aber auch nicht so viel Zeit geben (lacht).
Willi: Zunächst einmal müssen wir die Saison sauber abschliessen. Im Sommer starten wir dann voll durch. Sandra und ich können den wirtschaftlichen Teil mitbeeinflussen, indem wir Sponsoren aus der Region suchen. Dabei unterstützt uns auch die FC St.Gallen Event AG. Den sportlichen Teil beeinflusst der Trainer-Staff, der ab Sommer von Marisa Wunderlin geleitet wird.

Wenn die Leistung wieder stimmt, kommen auch die Sponsoren.
Willi: Das stimmt. Man muss aber trotzdem beides in Angriff nehmen. In Zukunft möchten wir uns in der Liga festigen, mit Blick nach oben. Wir begnügen uns mittelfristig nicht mit einem Rang im Mittelfeld. Zudem möchten wir die Wirtschaftlichkeit festigen und die Synergien noch besser nutzen.

In fünf Jahren seid ihr der neue FC Zürich und in 10 Jahren gewinnt ihr die Champions League.
Egger: Genau. Träumen darf man doch, oder? (lacht)

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quelle: keystone / sigi tischler
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