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Chelsea former star goalkeeper Petr Cech, at right, behind a line of policemen, tries to calm down fans protesting outside Stamford Bridge stadium in London, against Chelsea's decision to be included amongst the clubs attempting to form a new European Super League, Tuesday, April 20, 2021. Reaction to the proposals from 12 clubs to rip up European soccer by forming a breakaway Super League has ranged from anger and condemnation to humor and sarcasm. (AP Photo/Matt Dunham)

Aufgebrachte Chelsea-Fans belagern Petr Cech, der die Meute zu beruhigen versucht. Bild: keystone

Massenexodus aus Super League – das sind die Begründungen und Reaktionen

Die Clubs fielen gestern wie Dominosteine, einer nach dem anderen sagte die Teilnahme an der neuen Super League ab. Die Verantwortlichen selbst kündigten daraufhin eine «Restrukturierung» an.



Die Fans feiern es als Triumph gegenüber den vermeintlich geldgetriebenen Besitzern ihrer Lieblingsclubs: Am Dienstagabend verkündete ein Premier League Club nach dem anderen seinen Rückzug aus der Super League. Auch Inter Mailand sagte seine Teilnahme ab.

Wie begründeten die Clubs ihren Entscheid?

Man City war der erste Club, der seinen Ausstieg aus dem umstrittenen Projekt ankündigte, bevor die anderen der «Big Six» nachzogen. In einem kurzen Statement auf der Vereinswebsite distanzierte sich der Meister von 2019 von einer Teilnahme an der Super League.

Als sich herausstellte, dass Chelsea sich ebenfalls von den Vorschlägen zurückgezogen hatte, veröffentlichten Arsenal, Liverpool, Manchester United und Tottenham gegen 23 Uhr Erklärungen, in denen sie ebenfalls ankündigten, der Super League den Rücken zu kehren.

In einer Mitteilung schrieb der FC Liverpool: «In den letzten Tagen hat der Klub Stellungnahmen von verschiedenen wichtigen Interessengruppen erhalten, sowohl intern als auch extern, und wir möchten ihnen für ihre wertvollen Beiträge danken.» Und weiter: «Der Liverpool Football Club kann bestätigen, dass die Beteiligung an den vorgeschlagenen Plänen zur Gründung einer europäischen Super League eingestellt wurde.»

Arsenal wurde direkter und entschuldigte sich bei seinen Fans: «Wir haben einen Fehler gemacht, für den wir uns entschuldigen.»

Manchester United begründete seinen Schritt damit, dass man sich «die Reaktionen unserer Fans, der britischen Regierung und anderer wichtiger Interessensgruppen» genau angehört habe und so zum Schluss gekommen sei, aus der Super League auszutreten.

Weiter sagte der Club: «Wir sind weiterhin entschlossen, mit anderen aus der gesamten Fussballgemeinschaft zusammenzuarbeiten, um nachhaltige Lösungen für die langfristigen Herausforderungen des Fussballs zu finden.»

Das Tohuwabohu bei Manchester United hatte zudem noch weitere Folgen: Fan-Proteste sollen auch zum Rücktritt des Geschäftsführers Ed Woodward geführt haben. Zwar bestätigten die «Red Devils» Woodwards Abgang auf Ende Jahr, liessen im Communiqué aber offen, ob die Proteste zum Rücktritt führten.

Tottenham entschuldigte sich in einer Stellungnahme für «die Unruhe und Verärgerung, die durch den ESL-Vorschlag verursacht wurde.»

Den Fehler ganz eingestehen wollte der Club jedoch nicht: «Wir hielten es für wichtig, dass unser Club an der Entwicklung einer möglichen neuen Struktur teilnimmt, die ein besseres finanzielles Fairplay und finanzielle Nachhaltigkeit gewährleisten soll, während gleichzeitig die Unterstützung für die breitere Fussballpyramide deutlich erhöht wird.»

An der Super League teilnehmen wollte der Club laut eigenen Aussagen, weil er «der Meinung ist, dass wir niemals stillstehen sollten und dass der Sport ständig alle möglichen Neuerungen überprüfen sollte, um sicherzustellen, dass das Spiel, das wir alle lieben, sich weiterentwickelt und die Fans auf der ganzen Welt begeistert.»

Chelsea liess sich lange Zeit, um eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Gegen zwei Uhr morgens liessen sie dann knapp verlauten: «Nachdem wir Ende letzter Woche der Gruppe beigetreten sind, hatten wir nun Zeit, die Angelegenheit gründlich zu überdenken und sind zu dem Entschluss gekommen, dass unsere weitere Beteiligung an diesen Plänen nicht im besten Interesse des Klubs, unserer Fans oder der breiteren Fussballgemeinschaft wäre.»

Wie reagieren Fans und Spieler?

Euphorisch. Der Zusammenbruch der Super League wird von den Fans in ganz Europa gut aufgenommen, Tausende liessen ihren Gefühlen in den sozialen Medien freien Lauf.

Auch abseits der digitalen Welt wurde gefeiert. Vor der Ausstiegswelle protestierten rund 1000 Chelsea-Fans vor dem Premier-League-Spiel gegen Brighton & Hove Albion vor der Stamford Bridge gegen die Super-League-Pläne ihres Klubs. Sie zündeten Feuerwerkskörper, zeigten selbstgebastelte Protestschilder und skandierten Sprüche gegen die neue, zwölfköpfige Superliga und deren Initiator Florentino Perez. Ausserdem wurde verhindert, dass der Teambus zum Stadion fahren konnte.

Klubberater Peter Cech, der jahrelang als Keeper zwischen den Chelsea-Pfosten stand, versuchte die erhitzten Gemüter zu beruhigen und sprach zu den aufgebrachten Fans: «Gebt allen Zeit, die Dinge zu klären».

Als dann die Meldung die Runde machte, dass sich Chelsea wohl aus der Super League zurückziehen werde, feierten die Fans das, als hätten die «Blues» gerade einen grossen Titel gewonnen. Wenig später zog der Mob schliesslich weiter.

Doch nicht nur die Fans äusserten sich zu den Plänen ihrer Clubs, auch ehemalige Spieler taten ihre Meinung kund: James Milner gehört zu den aktuellen Spielern, die sagten, dass siehofften, dass es nicht zur Super League kommen würde. Währenddessen äusserten die ehemaligen Fussballer Gary Neville und Jamie Carragher auf humoristische Weise ebenfalls, was sie von der Super-League-Idee hielten.

Manchester City Star Raheem Sterling schaffte es mit zwei Worten, seine Haltung gegenüber dem Projekt auszudrücken:

Kollege Aymeric Laporte brauchte vier:

Ziemlich deutlich wurde auch Liverpools Jordan Henderson: «Wir mögen es nicht, und wir wollen es nicht.» Diverse seiner Teamkollegen teilten das Statement.

«Die Existenz der Super League war kürzer als die Spiele, die Perez wollte. Gut gemacht, Fussballgemeinschaft.»

«Wir haben unseren Ball zurück.»

Wie reagiert die UEFA?

Nach dem ersten Rückzug von Manchester City begrüsste UEFA-Präsident Aleksander Ceferin den Schritt umgehend: «Ich freue mich sehr, City wieder in der europäischen Fussballfamilie begrüssen zu dürfen», liess er sich in einem Statement zitieren. «Sie haben grosse Intelligenz gezeigt, indem sie auf die vielen Stimmen – insbesondere auf ihre Fans – gehört haben. [...] Wie ich auf dem UEFA-Kongress sagte, braucht es Mut, einen Fehler zuzugeben, aber ich habe nie daran gezweifelt, dass sie die Fähigkeit und den gesunden Menschenverstand hatten, dies einzugestehen.»

Was ist mit den anderen Clubs?

Nach dem Exodus der englischen Vereine hat sich auch Inter Mailand aus der Super League verabschiedet. Wie die «Gazetta dello Sport» berichtet, zog Inter kurz nach den Ankündigungen aus England die Reissleine. «Das Super League-Projekt wird derzeit von Inter nicht mehr als interessant angesehen», soll aus Inter-Kreisen verlautet worden sein. Damit bleiben noch der AC Mailand und Juventus Turin übrig in Italien.

In Spanien ist die Situation noch nicht ganz klar. Barça-Präsident Joan Laporta äusserte sich gegenüber dem TV-Sender «TV3» am frühen Dienstagabend wie folgt: «Barça wird der Super League nicht beitreten, solange nicht die Fans dafür gestimmt haben. Es ist deren Klub, also ist es auch deren Entscheidung.»

Wie spanische Medien zudem berichten, will sich auch Atlético Madrid aus der Super League zurückziehen.

Ist die Super League somit am Ende?

Noch nicht ganz. In einem Communiqué sprach die Super League lediglich davon, das Projekt restrukturieren zu wollen: «Trotz des angekündigten Abzugs der englischen Clubs, die diese Entscheidung aufgrund des öffentlichen Drucks treffen mussten», sei man überzeugt davon, dass der Vorschlag einer Super League legal sei.

Und weiter: «Wir wollen uns Gedanken machen, wie wir das Projekt restrukturieren können. Dabei haben wir immer das Ziel, den Fans die bestmögliche Unterhaltung zu bieten, während wir zeitgleich mittels Solidaritätszahlungen der gesamten Fussballgemeinschaft helfen.» (dfr)

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