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epa08300488 (FILE) - Interior view of the Wembley stadium prior to the UEFA EURO 2020 qualifying group A soccer match between England and Montenegro in London, Britain, 14 November 2019 (re-issued on 17 March 2020). The UEFA EURO 2020 has been postponed to 2021 amid the coronavirus COVID-19 pandemic, the Norwegian Football Association (NFF) announced on 17 March 2020.  EPA/NEIL HALL *** Local Caption *** 55631833

Bitte nicht betreten: Noch bleiben Europas Fussballstadien noch einige Zeit ungenutzt. Bild: EPA

Die Corona-Krise verändert den Transfermarkt – und die Schweiz ist besonders betroffen

Der Ball ruht in Europa, ja weltweit. Doch während die Fussball-Ligen pausieren, laufen heisse Diskussionen darüber, wann und wie es weitergehen soll. Auch das kommende Transferfenster wird ein grosses Thema sein. Denn es könnte sich einiges verändern.



Es ist, als hätte jemand den Pausenknopf gedrückt und danach die Fernbedienung verlegt. Der Fussball steht still – naja, fast überall. Champions League, Bundesliga, Premier League und natürlich auch die heimischen Ligen in der Schweiz – wegen der Coronavirus-Pandemie sind sie allesamt eingefroren wie draussen die Primeln im Morgenfrost.

Klar ist derzeit eigentlich nur, dass überhaupt nichts klar ist. Man weiss nicht, ob es diese Saison weitergeht. Und falls ja, ist natürlich offen, ab wann und in welcher Form eine Fortsetzung möglich ist. Mittlerweile gibt es Hinweise, dass wohl bis weit in den August gespielt werden könnte – sofern ab Juni Fussballspiele wieder erlaubt sind.

Vertragschaos im Frühsommer?

Das wäre zwar wichtig – für die Klubs wegen den TV-Geldern, für Fans wegen der Langeweile –, birgt aber natürlich auch seine Probleme. Traditionellerweise laufen Verträge im Fussball jeweils am 30. Juni aus. Alleine in der Super League sind es diesen Sommer 66 Spieler mit auslaufendem Kontrakt. Darunter auch grosse Namen wie Guillaume Hoarau, Ricky van Wolfswinkel oder Jordi Quintilla. In der Bundesliga sind es sogar 138 Profis. Oder anders formuliert: jeder vierte Spieler.

Theoretisch hiesse das dann ja, dass diese Spieler ab diesem 30. Juni den Verein wechseln können – mitten im nach hinten verschobenen Saisonfinale. Deshalb sagt Arbeitsrechtler Johan-Michel Menke in deutschen Medien, dass die FIFA nun gefordert sei: «Der Weltverband wird so schnell wie möglich handeln und möglicherweise Vereinswechsel zunächst verbieten müssen.» Sonst droht das grosse Vertragschaos im Frühsommer.

Schluss mit Megatransfers?

Hinter dem Transfersommer stehen aber sonst einige Fragezeichen. Einerseits ist auch hier noch nicht klar, wann und wie das Fenster geöffnet werden soll. Andererseits bestehen auch Zweifel daran, dass jemals wieder so mit Geld um sich geworfen wird wie in den jüngsten Jahren.

«Es wird sehr wahrscheinlich eine neue Fussballwelt geben», sagt beispielsweise der langjährige Bayern-Boss Uli Hoeness gegenüber dem «Kicker». Der 68-Jährige spricht vor allem darauf an, dass die ganze Welt von der momentanen Viruskrise betroffen ist, und darum auch die ganze Fussballwelt mit Einnahmeeinbussen rechnen muss.

FILE - In this Aug. 27, 2013 file photo Bayern Munich president Uli Hoeness watches the German first division Bundesliga soccer match between SC Freiburg and FC Bayern Munich, in Freiburg, southern Germany. German prosecutors say they have searched tax offices in Bavaria as they investigate who leaked a document on Hoeness' tax affairs to the media. Hoeness will go on trial in March on tax evasion charges, which prosecutors filed last year months after the Bayern president reported himself to authorities over a previously undeclared Swiss bank account. (AP Photo/Matthias Schrader, File)

Uli Hoeness rechnet mit einem neuen Fussballzeitalter. Bild: AP/AP

«Man kann es nicht vorschreiben, aber 100-Millionen-Euro-Transfers kann ich mir in der nächsten Zeit nicht vorstellen. Die Transfersummen werden fallen, die Beträge werden sich in den kommenden zwei, drei Jahren nicht mehr auf dem bisherigen Niveau bewegen können», sagt Hoeness.

Preise für Spieler im Keller

Am Ende werde die Krise aber die kleineren Klubs stärker treffen als die grossen, da ist sich Spieleragent Christoph Graf sicher. Das dürfte also für die meisten Schweizer Klubs zutreffen. Im Gespräch mit «Blick» sagt er, dass er bald mit Transfers rechnet, denn: «Einige Klubs verlieren Geld und brauchen flüssige Mittel. Deshalb sind sie zu Verkäufen bereit.»

Eigentlich würden die Wunschspieler nun in der entscheidenden Phase der Meisterschaft nochmals gescoutet werden. Doch auch das entfällt nun durch die virusbedingte Spielpause. Das erschwere Schweizer Spielern den Sprung ins Ausland. Und weil der Markt durch die vermutlich viel kürzere Transferperiode auch sonst stark eingeschränkt sei, habe das zur Folge, dass die Preise für Spieler im Keller seien.

Aber auch hier gilt: Die kleinen Klubs büssen mehr als die grossen. «Ein Jadon Sancho beispielsweise wird trotz Krise nicht zu einem Discountpreis verkauft werden», ist sich Graf sicher.

epa08203578 Dortmund's Jadon Sancho reacts during the German Bundesliga soccer match between Bayer Leverkusen and Borussia Dortmund at BayArena in Leverkusen, Germany, 08 February 2020.  EPA/SASCHA STEINBACH CONDITIONS - ATTENTION: The DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.

Die besten Spieler der Welt werden weiterhin viel Geld verdienen, glaubt der Spielerberater Christoph Graf. Bild: EPA

Wer sind die Profiteure?

Natürlich wird auch die momentane Situation am Ende gewisse Gewinner haben. «Weil gewisse Vereine in Probleme geraten werden und Spieler verkaufen müssen, können finanzstärkere Vereine profitieren und sich die Dienste guter Spieler unter Marktwert sichern», sagt Graf. So könne man die Konkurrenz schwächen.

Vielleicht profitiert aber auch der traditionsbewusste Fan. Der einstige YB-Boss Ilja Känzig glaubt etwa, dass der Sport wieder mehr in den Vordergrund rücken könnte. Die «ganze Show, dieses Drumherum wird ganz am Anfang dem Rotstift zum Opfer fallen», sagte er unlängst gegenüber der «Sportschau». Der Fussball werde jedenfalls demütiger aus der langen Pause zurückkehren.

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quelle: epa/epa / guillaume horcajuelo
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