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Netherlands' Wesley Sneijder, in orange, walks off the pitch while Iceland players celebrate winning with a 1-0 score after the Euro 2016 qualifying soccer match between Netherlands and Iceland, at the ArenA stadium, in Amsterdam, Netherlands, Thursday, Sept. 3, 2015. (AP Photo/Peter Dejong)

Wesley Sneijder kann es nicht fassen: Holland kassierte gestern gegen Island eine kapitale Niederlage.
Bild: Peter Dejong/AP/KEYSTONE

Weniger Einwohner als Malta und Luxemburg: Island wird wohl der kleinste EM-Teilnehmer aller Zeiten

«Ein Bier wäre heute Abend schön, aber wir dürfen nicht abheben», sagte Islands Assistenztrainer Heimir Hallgrímsson nach dem überraschenden Triumph in Amsterdam gestern Abend. Aber schon sehr bald dürfte auf der kleinen Atlantikinsel der Gerstensaft in Strömen fliessen, die Qualifikation für die EM steht kurz bevor. 



Islands Fussball-Märchen geht weiter. Das Nationalteam von der 328'000-Einwohner-Insel im Nordatlantik steht unmittelbar vor seiner ersten Teilnahme an einer EM- oder WM-Endrunde. Die Isländer fügten den favorisierten Holländern am Donnerstag eine seltene Heimniederlage zu. Seit 52 Jahren verlor die «Elftal» in der EM-Qualifikation kein Heimspiel mehr.

Goldtorschütze Gylfi Sigurdsson sprach von einem «gewaltigen Schritt» in Richtung EM 2016 in Frankreich. Für die isländische Zeitung «Frettabladid» ist es ein «Sögulegur Sigur» – «ein historischer Sieg».

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Mit etwas Glück verwandelt Gylfi Sigurdsson den entscheidenden Elfmeter. 
gif: streamable

Sechs Siege aus sieben Spielen haben die Isländer in der laufenden Qualifikationskampagne eingefahren. Mit einem siebenten Erfolg am Sonntag zu Hause in Reykjavik gegen Aussenseiter Kasachstan, das bislang erst einen Punkt gewonnen hat, wäre das EM-Ticket endgültig gelöst. «Wir müssen ruhig bleiben und den Job zu Ende bringen», mahnte der bei Swansea in der Premier League engagierte Sigurdsson.

So feierten die Isländer ihren Sieg in der Garderobe.

1 Prozent der Bevölkerung war in Amsterdam

Wohl noch nie war die Fussball-Euphorie dermassen gross auf der sportverrückten Insel. Das 15'000 Zuschauer fassende Stadion Laugardalsvöllur hätte für Sonntag mehrmals gefüllt werden können. Die bisherigen Quali-Heimspiele gegen die höher eingeschätzten Teams aus der Türkei (3:0), Holland (2:0) und Tschechien (2:1) haben die Isländer allesamt gewonnen.

Selbst nach Amsterdam wurde das isländische Nationalteam von 3'000 Fans begleitet – also von fast einem Prozent der Gesamtbevölkerung. «Das ist der grösste Erfolg unserer Fussball-Geschichte», erklärte Co-Trainer Heimir Hallgrimsson, der das Sensationsteam gemeinsam mit dem Schweden Lars Lagerbäck betreut. «Wir schweben alle auf Wolke sieben.»

Tabelle der Gruppe A nach 7 Spieltagen

1. Island 18 Punkte
2. Tschechien 16 Punkte
3. Niederlande 10 Punkte
4. Türkei 9 Punkte
5. Lettland 4 Punkte
6. Kasachstan 1 Punkt​

Was der alte Trainerfuchs mit seinem Team anstellt, ist in der Tat historisch: Island wäre das kleinste Land, das sich je für eine EM-Endrunde qualifizieren würde. Selbst Malta und Luxemburg haben mehr Einwohner.

Wenn man nicht gerade ein Sportwetten-Junkie ist, der auch während lauen Sommermonaten seine tägliche Dosis Adrenalin braucht, dann dürften einem auch die Namen der Teams der obersten isländischen Liga gänzlich unbekannt sein. FH Hafnarfjördur, KR Reykjavik und IA Akranes: Nein, das sind keine Schlachtschiffe aus einer nordländischen Fantasy-Saga, sondern in den letzten Jahren drei der erfolgreichsten Mannschaften in der «Pepsileid» (so nennt sich die oberste Liga in Island, seit sie vom Getränkeriesen gesponsert wird). 

epa04911640 Dutch player Gregory van der Wiel (L) fouls Iceland's Birkir Bjarnason (R) during the UEFA Euro 2016 qualifying round soccer match between the Netherlands and Iceland at the Arena Stadium, in Amsterdam, The Netherlands, 03 September 2015.  EPA/STANLEY GONTHA

Birkir Bjarnason vom FC Basel holt in der 49. Minute den entscheidenden Elfer heraus. 
Bild: EPA/ANP

Holland muss ohne Robben in die Türkei

Katzenjammer herrscht hingegen bei der einst so stolzen Armada aus Holland – die Oranje hat gestern Abend Schiffbruch erlitten! Der WM-Dritte startete ähnlich enttäuschend in die EM-Qualifikation wie die Schweiz: Nach drei Spielen hatte man ebenfalls nur drei magere Punkte auf dem Konto. 

Im Gegensatz zur Schweiz, welche danach den Turbo zündete, kam der Oranje-Express aber nie wirklich auf Touren. Guus Hiddink musste seinen Trainerposten nach zehn Partien und nur fünf Siegen bereits wieder räumen. So wurde gestern Abend das Debüt von «Neo-Bondscoach» Danny Blind bereits als Schicksalsspiel hochstilisiert. Mit breiter Brust betrat man die mit 47'000 Zuschauern gefüllte Amsterdam Arena – und scheiterte kläglich. 

«Rampavond Oranje bij Debuut Blind», titelt die holländische Zeitung nach der kapitalen Heimpleite. Ein «Katastrophen-Abend» sei es gewesen. Nicht nur wegen der Niederlage, sondern auch wegen der Art und Weise, wie diese zustande kam. Vor allem die Rote Karte von Verteidiger Bruno Martins Indi sorgt für rauchende Köpfe. «Ich weiss auch nicht, was in Bruno gefahren war», meinte ein ratloser Danny Blind nach der Partie. Bis zu dessen Roten Karte in der 32. Minute lief eigentlich alles ganz ordentlich im Spiel der Elftal. 

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Die Tätlichkeit von Bruno Martins Indi.
gif: footyroom

Hinzu zum Oranje-Elend kam der verletzungsbedingte Ausfall von Arjen Robben, welcher im kapitalen Spiel um den dritten Platz am Sonntag in der Türkei fehlen wird. Apropos Türkei: Das Team von Fatih Terim hat in sieben Spielen bis anhin mickrige neun Pünktchen gesammelt. Halb so viele wie Island. Einwohner hingegen, hat die Türkei rund 231 Mal mehr als der aktuelle Tabellenführer der Gruppe A. 

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