Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FC Luzern Fans verketten das Tor beim Schweizer Cup 1/4 Final Spiel zwischen dem FC Luzern und dem BSC Young Boys vom Mittwoch, 6. Maerz 2019 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Nicht nur gegen die Ticketpreise, auch gegen die Anspielzeiten im Cup wurde schon protestiert Bild: KEYSTONE

Fans sehen bei Ticketpreisen Verrat am Cup – der Fussballverband wehrt sich

Die Fans sehen das «Volksfest» Cup seiner Seele beraubt. Statt mehr Menschen einzuschliessen, würden sie ausgeschlossen. Schuld soll der Schweizerische Fussballverband mit seiner Hochpreis-Politik sein. Was ist an diesem Vorwurf dran?

sébastian lavoyer / ch media



Ein Aufschrei geht durch den Schweizer Fussball. Die Fans lehnen sich auf gegen den Verband. Das gleiche Bild bei allen Cup-Halbfinalisten. Wo man auch hinschaute – nach Basel, Luzern, Thun oder Zürich – überall Banner in den Fansektoren. Proteste gegen unfaire Preise für den Cupfinal 2019. Eine konzertierte Fan-Aktion – das gibt es nicht alle Tage. Aber das Gefühl, vom SFV ausgebeutet zu werden, einte sie.

Auf ihrer Website veröffentlicht die Muttenzer Kurve ein Schreiben im Namen der wichtigsten Fanorganisationen der vier Cup-Halbfinalisten. Man fordert faire Preise. Vor fünf Jahren hätte Jugendliche im Fansektor noch 25 Franken bezahlt, heute schon 50 (Tabelle links). Auf Haupt- und Gegentribüne zahle man heute 100 bis 120 Franken. Ermässigungen gäbe es keine mehr. «So aber müssen beispielsweise zwei Erwachsene mit zwei Kindern auf der Tribüne alleine für Tickets satte 400 Franken ausgeben», steht im Fan-Schreiben.

Weiter steht dort: «Eine Koppelung des Stadioneintritts an bestimmte Verkehrsmittel und Anfahrtswege stellt einen abzulehnenden Schritt in Richtung Kombitickets dar.» Man lechzt nach Bewegungsfreiheit, will den öffentlichen Verkehr nicht quersubventionieren. Die Fans fürchten einen Verrat des Cupgeists, den Verlust der speziellen Seele dieses Wettbewerbs, das Ende des Volksfests. Weil man durch die Preispolitik immer mehr ausschliesse – und letztlich vor halb leeren Rängen spiele.

««Wir machen keinen Gewinn mit dem Cupfinal.»

SFV-Mediensprecher Marco von Ah

Der Verband lässt die Kritik so nicht auf sich beruhen. Wie die meisten Veranstalter setze man die Preise seiner Events so an, dass man möglichst die Kosten decken könne. Sicherheit, Stadionmiete, öffentlicher Verkehr, Beteiligung und Prämie der Cupfinalisten, kleinere Posten wie die Medaillen, die Schiedsrichter oder das Ticketing – der Verband gibt pro Jahr 4,7 Millionen Franken für den Cup aus, 1,8 Millionen allein für den Final.

BILDPAKET -- ZUM JAHRESRUECKBLICK 2018 SPORT, STELLEN WIR IHNEN HEUTE FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Die Mannschaft des FC Zuerich mit Aliane und Praesident Ancillo Canepa feiern ihren zehnten Cupsieg mit den Fans auf dem Helvetiaplatz in Zuerich, am Sonntag, 27. Mai 2018. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Der FC Zürich feiert 2018 den Gewinn des Schweizer Cups Bild: KEYSTONE

Will man kostendeckend bleiben, bedeutet das bei 30 000 Zuschauern einen durchschnittlichen Ticketpreis von 60 Franken. Sonst schreibt man rote Zahlen. Wie man das beim Verband auch erwartet. «Wir machen keinen Gewinn mit dem Cupfinal. Im Gegenteil, wir werden wohl auch dieses Jahr wieder leicht drauflegen, so wie das in den vergangenen Jahren regelmässig der Fall war», sagt SFV-Mediensprecher Marco von Ah.

Die Preise seien also alles andere als unfair, kontert der Verband den Fan-Vorwurf: Ein Erwachsener mit drei Kindern zahle für Plätze auf der Gegentribüne 190 Franken, zwei Erwachsene mit zwei Kindern 260 Franken. Beide Beträge liegen deutlich unter den von den Fans behaupteten 400 Franken. Verdoppelt hätten sich auch nicht alle Preise. Schon vor zehn Jahren zahlte ein Erwachsener in der Kurve 50 Franken.

Noch nicht beinhaltet war damals die Anreise mit dem Zug. Rechnet man die Bahnpreise ein, ergibt sich zudem ein ganz anderes Bild: Einzig die Thuner würden mehr bezahlen, als es einen Jugendlichen 2014 gekostet hat, um den FCB im Wankdorf gegen den FCZ spielen zu sehen.

«Bern kann nicht einfach so 30'000 Menschen schlucken, wenn die Mehrheit nicht mit dem Zug kommt.»

Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause

Die Kombitickets (Eintritt gekoppelt mit Zugbillett) hat die Stadt Bern gefordert. Eine Forderung, die auf Vorfälle im Jahr 2014 zurückgeht. Cupfinal im Wankdorf, Zürich gegen Basel. Ausschreitungen, Zerstörung, Gewalt. Involviert sowohl Zürcher als auch Basler Anhänger. Ein solches Szenario möchten die Berner künftig verhindern.

Der Fanmarsch der FCZ-Fans durch die Berner Altstadt, vor dem Cupfinal zwishcen dem FC Basel und dem FC Zuerich, am Ostermontag, 21. April 2014 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Fans of FC Zurich march through the streets of Bern, prior to the Swiss Cup final soccer match between FC Basel and FC Zurich at the Stade de Suisse stadium in Bern, Switzerland, Monday, April 21, 2014. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Beim Cupfinal 2014 kam es zu Ausschreitungen. Bild: KEYSTONE

Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt, sagt: «Wir möchten, dass die Leute mit der Bahn anreisen. Die Verkehrssituation wird sich im Vergleich zu 2018 deutlich verschärfen, da zwei Fanlager anreisen. Bern kann nicht einfach so 30 000 Menschen schlucken, wenn die Mehrheit nicht mit dem Zug kommt.»

Vergangenes Jahr haben die SBB für die Fans aus Zürich sechs Extra-Züge bereitgestellt. Geht man von durchschnittlich 500 Reisenden pro Zug aus, wären das 3000 Menschen. Rechnet man das auf zwei anreisende Fanlager hoch, kommen 6000 Menschen mit dem Zug. Die Stadt Bern muss also noch ordentlich weibeln, wenn eine Mehrheit mit dem öffentlichen Verkehr kommen soll. An den Schweizerischen Bundesbahnen würde es nicht scheitern. «Als Beispiel: Wir stellen für den Osterverkehr 45 000 zusätzliche Sitzplätze bereit», sagt SBB-Mediensprecher Reto Schärli.

Eigentlich möchte Sicherheitsdirektor Nause so viele Fans wie möglich über die Bahnhöfe Bern Wankdorf und Ostermundigen zum Stade de Suisse lotsen. Er weiss aber, dass die treusten Anhänger auf einem Fanmarsch bestehen werden, und sagt: «Wir sind in Verhandlungen. Ich bin optimistisch, dass wir uns mit den Fans auf eine Route einigen können.» Der Marsch hilft der Stadt auch. So lassen sich die Ultras vom Rest der Fans trennen. Der Hauptbahnhof wird so zwar trotzdem beeinträchtigt, dafür aber könnten allenfalls mehr Familien mit Kindern zur Reise mit der Bahn bewegt werden, hofft man.

Alle Schweizer Cupsieger seit 1990

Wenn es 2019 ähnlich ruhig bleibt bei letztes Jahr, kostet das Polizeiaufgebot um die 700 000 Franken. Die Hälfte davon trägt der Verband. Wobei der SFV maximal 350 000 Franken bezahlt, so ist das mit Bern vereinbart. Dazu kommen für den Verband noch einmal rund 200 000 Franken für die Sicherheit im Stadion. Verband und Stadt teilten sich die Kosten also etwa im Verhältnis 60:40. Kommt es wie 2014 zwischen FCB und FCZ zu Ausschreitungen und Vandalismus, steigen die Sicherheitskosten schnell um 100 000 Franken an. Auch die Ausgaben für Schäden bewegten sich damals in der Grössenordnung von 100 000 Franken.

Übrigens: Diese Anfälle der Zerstörung haben mit dazu geführt, dass der Verband wesentlich weniger Sponsoringeinnahmen generieren konnte. Die Prämien wurden 2017 gesenkt, am stärksten für die Cupfinalisten (von 300 000 auf 100 000 Franken).

Die Fans empören sich über unfaire Preise, beklagen eine Preiserhöhung. Dabei ist ein Teil von ihnen mitverantwortlich für höhere Kosten und tiefere Einnahmen. Der Fan-Vorwurf des Verrats ist vor diesem Hintergrund heikel.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Grösster FCZ-Goalie aller Zeiten und «Bau-Chnuschti»

Diese 10 Mannschafts-Typen kennst du, leider!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Transferticker

Luganos Lungoyi gehört jetzt Juventus +++ Arsenal will Reals Ödegaard

Juventus Turin hat vom FC Lugano den 20-jährigen Flügelspieler Christopher Lungoyi verpflichtet. Es leiht den Schweizer U20-Internationalen aber für eineinhalb Jahre an die Tessiner aus. Wie das Tessiner Fernsehen RSI meldet, sieht der Vertrag zwischen Lugano und dem italienischen Rekordmeister vor, dass dieser Lungoyi bei Bedarf alle sechs Monate nach Turin holen kann. (ram/sda)

Christopher Lungoyi 🇨🇭Position: Hängende SpitzeAlter: 20Marktwert: 200'000 EuroBilanz 2020/21: 13 Spiele

Alejandro …

Artikel lesen
Link zum Artikel