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EM Qualifikation in Düsseldorf - BR Deutschland - Griechenland 1:1 - Erwin Kostedde (BRD)

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Erwin Kostedde war der erste schwarze Nationalspieler Deutschlands. Bild: IMAGO / Ferdi Hartung

«Schwarze Adler»: Deutsche Fussballer sprechen in Doku über Rassismuserfahrungen

Lukas Grybowski / watson.de



Fussball vereint und bringt Menschen verschiedenster Hautfarben, Kulturen, Religionen oder sozialer Herkünfte zusammen. «Auf dem Platz sind alle gleich» – so zumindest lautet das einheitliche Motto, mit dem der Fussball versucht zu werben. Doch das war und ist in Deutschland und dem weltweiten Fussball leider noch immer nicht so, wie das jüngste Beispiel von Mouctar Diakhaby vom FC Valencia zeigt. Er soll von einem Gegenspieler rassistisch beleidigt worden sein.

Genau dieses Thema greift nun die Dokumentation «Schwarze Adler», die ab 15. April bei Amazon Prime und am 18. Juni im ZDF gezeigt wird, auf. Ehemalige und aktuelle schwarze deutsche Fussball-Nationalspieler sprechen über rassistische Erfahrungen im Alltag und auf dem Platz. «Es sind die gleichen Probleme wie vor 20 oder 30 Jahren. Es hat sich nicht viel verändert. Sei es bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Job», stellt Otto Addo, Ex-Bundesliga-Profi und heutiger Co-Trainer bei Borussia Dortmund, resigniert fest.

«Wenn Fussballer mit so einer grossen Reichweite nicht gegen Rassismus eintreten, wer sollte es sonst machen?»

Hertha-Profi Jordan Torunarigha

Fliegende Bierflaschen und Bananen, ungläubige Blicke, das N-Wort oder die einfache Frage: «Woher kommst du denn wirklich?». Ex-Nationalspieler wie Gerald Asamoah, Patrick Owomoyela, Erwin Kostedde, Steffi Jones oder aktuelle Bundesliga-Profis wie Jordan Torunarigha (Hertha BSC) und Jean-Manuel Mbom (Werder Bremen) kennen diese Situationen und Fragen nur zu gut.

Torunarigha macht gleiche
Erfahrungen wie sein Vater vor ihm

In «Schwarze Adler» erzählen sie ihre ganz persönlichen Geschichten und was es bedeutet, von einem Millionenpublikum gleichzeitig gefeiert und gehasst zu werden. «Ich wurde geliebt als Fussballer und gehasst als Mensch», sagte Ojokojo Torunarigha, Vater von Hertha-Profi Jordan, über seine Zeit als Bundesliga-Profi in den 90er Jahren.

Und noch heute muss sein Sohn ähnliche Situationen erleben wie er damals. Während eines DFB-Pokalspiels gegen Schalke Anfang 2020 wird der Innenverteidiger vor 60'000 Zuschauern mit Affenlauten beleidigt. «Früher dachte ich immer, dass Spieler wie Balotelli oder Boateng übertreiben – bis ich es selbst erlebt habe», gibt er zu. Auf dem Platz kommen Torunarigha die Tränen, doch er spielt weiter. Wenig später überkommen ihm nach einem Zweikampf an der Seitenlinie die Emotionen. Er wirft eine Getränkekiste auf den Boden und sieht die Gelb-Rote-Karte, obwohl der Schiedsrichter von den Beleidigungen wusste.

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Jordan Torunarigha absolvierte für Hertha BSC bisher 52 Spiele. Bild: IMAGO / Sportfoto Rudel

Auch Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah berichtet von seinen Erfahrungen und sagt: «Diesen Hass habe ich vorher nie kennengelernt.» Und der ehemalige Angreifer von Schalke 04 erzählt, dass auch sein Sohn auf Fussballplätzen rassistisch beleidigt wird. Ähnlich erging es auch Erwin Kostedde, der 1974 als erster schwarzer Spieler in der Nationalmannschaft debütierte, und Sätze wie: «Guck mal der ‹Schwatte›, das hätte es bei Hitler nicht gegeben», ertragen musste.

Das Problem mit der Nationalhymne

Die rund 90-minütige Dokumentation kommt dabei ganz ohne einordnende Stimme oder Experten aus, die versuchen, die Situationen zu erklären. Die Experten sind in diesem Fall die Personen, die über ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Gefühle erzählen. Zwischen ihren Geschichten gibt es immer wieder Ausschnitte aus Werbefilmen und dem «Aktuellen Sportstudio», die alltagsrassistische Denkmuster und Verhaltensweisen zeigen.

Zwar berichten alle Protagonisten, sie hätten das Trikot der deutschen Nationalmannschaft mit einem gewissen Stolz getragen, doch es herrschte auch ein gewisses Unwohlsein. Erwin Kostedde berichtet davon, nie mit der Nationalmannschaft warm geworden zu sein und auch Jimmy Hartwig beschreibt das Gefühl, nicht dazuzugehören. Sein Opa, ein glühender Hitler-Verehrer, bezeichnete ihn auch immer wieder als Bastard.

«Man wächst in diesem Land auf, aber man gehört nicht dazu. Man soll aber dazu gehören, wenn alle da draussen wollen, dass man die Hymne mitsingen soll. Das geht nicht. Das steht im Widerspruch zu den eigenen Emotionen», erklärt Shary Reeves auch in Bezug auf die immer wieder aufkommende Diskussion, ob Nationalspieler:innen die Hymne mitsingen sollten.

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Die ehemalige Fussballerin Shary Reeves. Bild: IMAGO / MaBoSport

Trotz allem berichten junge Spieler wie der 21-jährige Bremen-Profi Jean-Manuel Mbom auch von positiveren Erlebnissen als schwarze Spieler in den Jahrzehnten zuvor. «Ich denke, dass wir schon einen weiten Weg gegangen sind. Mein Leben ist schon ganz anders als das Leben einer schwarzen Person früher», sagt Mbom. Aber es sei noch viel zu tun.

Aus diesem Grund will Jordan Torunarigha auch nicht dem Rat seines Vaters folgen und die rassistischen Bemerkungen einfach ignorieren. «Es ist ein schwieriges Thema, aber ich als Fussballer sollte was dazu sagen, dass Rassismus im Fussball und Alltag nichts zu suchen hat. Und wenn das nicht Fussballer mit so einer grossen Reichweite machen, wer sollte es sonst machen?»

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Jadon Sancho und Co. protestieren gegen Rassismus

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