Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Eismeister Zaugg

Ein grosser HCD, ein «Apfelschuss» und Langnaus heimlicher, wahrer MVP

Einer der besten «Kunstschüsse» in der neueren Hockeygeschichte sichert Langnau gegen Davos wenigstens einen Punkt. Aber der saumselige Sportchef Marco Bayer hat aus dem «Fall DiDomenico» nicht viel gelernt.



Davos, Enzo Corvi, Mattias Tedendby, Otso Rantakari , von links, jubeln waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Davos, am Freitag 3. Januar 2020 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Corvi und Co. jubeln zu Recht. Bild: KEYSTONE

Trainer bereiten Hockeyspiele sorgfältig vor. An alles denken sie. Akribisch wird die Taktik auf die Stärken und Schwächen der gegnerischen Mannschaft abgestimmt. Und die Spieler werden auf die kommende Partie eingefuchst. Im Idealfall läuft das Spiel nach dem sog. «Game Plan» und der Trainer ist dann ein grosser Bandengeneral. Im Falle einer Niederlage wird die Ausrede vorgebracht, man habe sich nicht an den «Game Plan» gehalten.

Aber es kann auch sein, dass die ganzen stundenlangen Vorbereitungen nichts anderes sind als der Versuch, ein Kartenhaus aus Bierdeckeln oder Jasskarten zu bauen. Eine einzige kleine Erschütterung genügt und eine noch so sorgfältige Aufbauarbeit ist in Sekundenbruchteilen für die Katz. Soeben ist es den beiden grossen Taktikern Christian Wohlwend - in Davos noch ein Zauberlehrling - und Heinz Ehlers - in Langnau ein alter Hexenmeister - so ergangen.

Nicht nur Berns Kari Jalonen kann Schablone. Auch Heinz Ehlers versteht es, das Spiel seiner Mannschaft zu strukturieren. In den vorangegangenen fünf Partien gegen die Lakers, Bern, Biel, Servette und die ZSC Lions hatten die Langnauer – die Verlängerungen nicht gerechnet – nur noch sieben Tore kassiert. Defensive Werte, die selbst im italienischen Fussball hohe Anerkennung fänden.

Ein nahezu perfektes Spiel

Auch gegen Davos funktioniert die Abwehr. Ivars Punnenovs ist einfach nicht zu überwinden. Und dann fällt die ganze defensive Herrlichkeit doch wie ein Kartenhaus in sich zusammen: Eero Elound Julian Schmutz werden gemeinsam auf die Strafbank geschickt. HCD-Trainer Christian Wohlwend nimmt sein Time-Out um das Powerplay (5 gegen 3) zu justieren und tatsächlich gelingt das 1:0.

Tigers, Jules Sturny, Mitte, kaempft um den Puck, gegen Davos, Fabrice Herzog, Davos, Otso Rantakari,  Goalie, Joren Van Pottelberghe, von links, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Davos, am Freitag 3. Januar 2020 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Bild: KEYSTONE

Wenn der HCD ein Spiel nicht fahren lässt wie jüngst beim Spengler Cup (1:5 gegen Kanada) sondern unbedingt gewinnen will, wird es für den Gegner also schwierig. Den Bündner gelingt in Langnau ein nahezu perfektes Spiel. Sie sind nachdem 1:0 schon auf der Zielgerade zu einem Drei-Punkte-Sieg. Verteidigung und Sturm greifen ineinander wie das Räderwerk einer Präzisionsmaschine und Enzo Corvi sorgt im offensiven Maschinenraum für das Finetuning. Er wird beide Treffer einfädeln. Ein grosser HCD. Der Gegner findet einfach keine freien Räume. Die Davoser besetzen das ganze Eis so wie wenn beim Mühlespiel der Gegner blockiert wird, seine Steine nicht mehr verschieben kann und das Handtuch werfen muss. In der 46. Minute gelingt Aaron Palushaj das 1:0. Der Sieg? So scheint es. Denn in der 51. Minute bekommt Davos mit einem Powerplay die Chance, auf 2:0 zu erhöhen. Das wäre die Entscheidung. Definitiv.

Doch nun gelingt Ben Maxwell (30) der «Apfelschuss». Er angelt sich im Boxplay die Scheibe, läuft mutterseelenallein tief in die gegnerische Verteidigungszone bis er weit draussen auf der Höhe der verlängerten Torlinie angekommen ist. Von hier aus ist es ganz einfach unmöglich, ins Tor zu treffen. Wahrscheinlich war es für Wilhelm Tell um einiges einfacher, seinem Walterli den Apfel vom Kopf zu schiessen als für den Kanadier, aus dieser Position ein Tor zu erzielen. Aber er trifft. Zum 1:1. In Unterzahl. Die ganze Herrlichkeit der HCD-Spielorganisation ist wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Langnau wird schliesslich einen Punkt retten und erst in der Verlängerung verlieren.

Grossartige 96,88-Prozent-Fangquote

epa08093299 Team Canada`s Eric Fehr (L) celebrates scoring the 3-0 lead versus Davos' goalie Joren van Pottelberghe during the game between Team Canada and HC Davos, at the 93th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, 28 December 2019.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Bald in Biel: van Pottelberghe Bild: EPA

HCD-Torhüter Joren van Pottelberghe ist Depp und Held zu gleich. Er sagt, er habe eigentlich zugemacht. «Aber irgendwie doch nicht ganz und der Puck ist reingegangen.» Aber er steckt das Missgeschick weg. So wie es mental starke, grosse Goalies tun. Am Ende hat Biels künftiger Goalie 31 Schüsse abgewehrt (96,88 Prozent Fangquote).

Ben Maxwell wie Wilhelm Tell

Ben Maxwell ist also Langnaus Tell, dem der Apfel-Schuss gelungen ist. Er sagt, es sei nicht einfach ein Befreiungsschlag gewesen. Er habe tatsächlich versucht, aus diesem unmöglichen Winkel ins Tor zu treffen. «Manchmal funktionierts, manchmal nicht.» Trainieren könne man so einen Schuss nicht. Wo er recht hat, da hat er recht: Wilhelm Tell hat seinen Apfelschuss wohl auch nicht mit dem Walterli trainiert.

Dieses 1:1 ist bereits Ben Maxwells 12. Saisontreffer. Im vergangenen Sommer ist er als 5. Ausländer mit einem Einjahresvertrag verpflichtet worden. Inzwischen ist er Langnaus bester Torschütze. Mit 23:16 Minuten pro Partie schultert er von allen am meisten Eiszeit. In der ganzen Liga wird kein anderer Stürmer so belastet. Nur zwei Verteidiger (Henrik Tömmernes und Magnus Nygren) haben noch längere Einsatzzeiten. Zudem ist Ben Maxwell ligaweit die Nummer 9 bei den Bullys. In einem Satz: er ist Langnaus heimlicher, wahrer MVP. Er rettete den Punkt. Chris DiDomenico (erstmals seit der Verkündung der Scheidung von Langnau im Einsatz) und Rückkehrer Eero Elo müssen mit statistischen Brillen (0 Tore/0 Assists) vom Eis.

Der Tiger Ben Maxwell, rechts, bezwingt den Lions Torhueter Joni Ortio, links, zum 2-3 Siegestreffer beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen die SCL Tigers   in Zuerich am Donnerstag, 2. Januar 2020. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Trifft: Ben Maxwell Bild: KEYSTONE

Kein Wunder ist Trainer Heinz Ehlers nach dem Spiel verärgert, dass ihn alle nur nach dem «Fall DiDomenico» befragen wollen. Das Fernsehen und das schreibende Medien-Fussvolk. Bekanntlich verlässt der charismatische Leitwolf per Ende Saison die Emmentaler. «Todd Elik war hier auch ein Held und es ist doch weitergegangen» ist Heinz Ehlers Kommentar zur Sache, um dann fortzufahren: «Aber warum spricht niemand von Ben Maxwell. Er war unser bester Spieler.»

«Nein, noch nicht»

Diese Frage sollte er besser an seinen Sportchef Marco Bayer richten. Ben Maxwell möchte nämlich in Langnau bleiben und seinen Vertrag prolongieren. Daran lassen seine Worte kein Zweifel. Langnau ist sein 5. Team in den letzten sechs Jahren, die er in den garstigen Wintern Finnlands und Russlands verbracht hat. Er sagt, er wäre froh, wenn er einmal an einem Ort etwas länger bleiben könnte. Das Leben in Langnau gefalle ihm und seiner Familie sehr. Kein Wunder: Langnau hat statistisch nach Davos auf der Alpennordseite am meisten Sonnentage. Folgerichtig wird er gefragt, ob denn Sportchef Marco Bayer schon mit ihm gesprochen habe. «Nein, noch nicht.» Aha.

Marco Bayer hat bereits die Vertragsverlängerung mit Chris DiDomenico verabsäumt und nun nimmt er in Kauf, dass sich die Konkurrenz um einen seiner besten und wichtigsten Spieler, um seinen Ausländer mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis bemüht und den Preis nach oben treibt. Es ist ja nicht so, dass in Langnau mit Gesprächen grundsätzlich zugewartet wird, bis die Saison vorbei ist. Den Fehleinkauf Robbie Earl (25 Spiele, 5 Tore) hat Langnaus Sportchef schon im Dezember 2018 unter Dach und Fach gebracht, als der Amerikaner ja noch bei Biel spielte.

In diesem Falle hätte er besser ein wenig zugewartet und die Sache noch einmal überschlafen.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

22 HCD-Jahre unter Arno Del Curto

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Morlock 04.01.2020 18:08
    Highlight Highlight Earl ist kein Fehlkauf, es war ein Tausch gegen Gustafsson - so gesehen ist der Deal eher ein Win für den SCL... zumindest was die Scoorerpunkte angeht.
  • AntiZ 04.01.2020 14:27
    Highlight Highlight Auch HCD nun mit dem ach so viel gescholtenen Schablonenhockey? Der Beweis, wie doof dieser Ausdruck ist und die dazugehörige Diskussion. Jedes Team hat irgend eine Schablone.
    • Meiniger 04.01.2020 16:52
      Highlight Highlight Nennt sich auch Taktik :P
  • Mamasita 04.01.2020 12:59
    Highlight Highlight Ein polemischer Einblick über den Höhenflug von Genf oder den Tiefflug von Lugano wäre zur Abwechslung interessanter, als das ständige Tigers-Geleier. Da gäbe es mehr als genug sinnvollere und spannendere Themen für Berichterstattungen.
    • kisimirö 04.01.2020 14:10
      Highlight Highlight ich als tigers fan stimme zu... lieber ein spannender bericht über ein anderes team als so ein gugus über die tigers
    • Beat-Galli 04.01.2020 14:23
      Highlight Highlight Für mich nicht.
      Es ist nicht verboten, Artikel zu diesen Höhen und Tiefen anderer zu schreiben.

      Aber scheinbar interessieren sich nicht mal die Schreiberlinge für die 😎
    • Baumi72 04.01.2020 16:36
      Highlight Highlight Falsch: es gibt nichts spannenderes als die SCL Tigers 🐅👌💪
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tim-titig 04.01.2020 12:49
    Highlight Highlight Ja, ich finde auch Maxwell sollte weiter beschäftigt werden. Aber die Schuld Bayer zu geben betref Dido ist nicht richtig. Der wollte im Kopf sowieso weg.
    • Toddyboy 04.01.2020 12:56
      Highlight Highlight Ich würde Dir gerne glauben das der DiDo weg wollte, aber es gibt kein Grund das zu tun...
    • Sverige 04.01.2020 14:32
      Highlight Highlight Toddyboy
      DiDo ging schon mal vor der wichtigsten Zeit einfach von Langnau weg, um in der NHL Fuss zu fassen. Jeder Normaldenkende, auch die naivsten DiDoFans, dass er es nicht schaffen würde. Conacher ein besserer Spieler ist als DiDo konnte sich in der NHL auch nicht durchsetzen, und kam dannweinend wie kleiner Bub zurück. Der soll endlich verschwinden, gibt bessere undvor allem charakterlich viel bessere. Kein Verlust für die Tigers, aber es gibt wieder Ruhe
    • Toddyboy 04.01.2020 22:21
      Highlight Highlight Ich denke nur... wenn ein U20 Weltmeister aus Kanada sein Traum NHL vor augen hat dann geht er nicht nur DiDO, da geht jeder... das er wieder zurück kam, um dort fort zu fahren wo vorher verblieben war das zeugt von Charakter...
    Weitere Antworten anzeigen

Hockey-Fans starten Petition – sie fordern, dass der Bundesrat die 1000er-Grenze aufhebt

Hinter den Kulissen des Sports bewegt sich viel: Eishockey-Fans haben am Donnerstagnachmittag die Petition «Verantwortungsvolle Sportevents» gestartet. Und Vertreter des Eishockey- und Fussballverbands sprachen beim Bundesamt für Gesundheit vor.

Nun kommt doch noch Druck auf die Politik – aus dem Eishockeybereich. Fans, Spieler, Klubs und sportinteressierte Politiker haben sich hinter den Kulissen zusammengerauft. Sozusagen in letzter Sekunde versuchen sie, den Bundesrat mit einer Petition davon zu überzeugen, die 1000er-Grenze für Sportanlässe aufzuheben.

Die Regierung berät am 12. August – der ersten Sitzung nach der Sommerpause – über das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als tausend Zuschauern.

Der Bundesrat werde darüber …

Artikel lesen
Link zum Artikel