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Davos Dick Axelsson freut sich ueber seinen Treffer zum 4:2 im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem HC Davos, am Samstag, 1. November 2014, in der Eishalle in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

 Dick Axelsson freut sich über seinen entscheidenden Treffer zum 4:2 gegen Biel. Bild: KEYSTONE

Der beste HCD-Herbst aller Zeiten

Eismeister Zaugg

Davoser Vorstösse in den Weltraum, doch Leonardo Genoni bleibt auf dem Planeten HC Davos

Noch nie war der HC Davos unter Arno Del Curto (58) im Herbst so gut. Kein Wunder, hat Nationaltorhüter Leonardo Genoni seinem Trainer zugesagt, zwei weitere Jahre zu bleiben.



Nach dem Rücktritt von Sandro Rizzi und den vielen Abgängen war die bange Frage, ob es dem HC Davos in der neuen Saison wohl für die Playoffs reichen wird. Arno Del Curto startete in seiner allerliebsten Rolle in die Saison: in jener des Aussenseiters.

Der Davoser Trainer Arno del Curto gibt seiner Mannschaft Anweisungen, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos, am Sonntag, 12. Oktober 2014, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Arno Del Curto macht derzeit alles richtig. Bild: KEYSTONE

Und jetzt kann HCD-Trainer in der Nationalmannschafts-Pause auf den besten Herbst aller Zeiten zurückblicken. Die erstaunliche Statistik nach 19 Runden seit der ersten Meistersaison (2001/02) unter Arno Del Curto. Ohne Gewähr, aber aussagekräftig.

2014/15 – 19 Spiele, 45 Punkte, 88:47 Tore
2013/14 – 19 Spiele, 38 Punkte, 62:46 Tore
2012/13 – 19 Spiele, 26 Punkte, 60:58 Tore
2011/12 – 19 Spiele, 38 Punkte, 63:49 Tore
2010/11 – 19 Spiele, 39 Punkte, 60:42 Tore
2009/10 – 19 Spiele, 35 Punkte, 69:47 Tore
2008/09 – 19 Spiele, 35 Punkte, 69:51 Tore
2007/08 – 19 Spiele, 39 Punkte, 56:42 Tore
2006/07 – 19 Spiele, 42 Punkte, 62:44 Tore
Ab jetzt ohne Drei-Punkte-Regel
2005/06 – 19 Spiele, 25 Punkte, 55:41 Tore
2004/05 – 19 Spiele, 23 Punkte, 66:45 Tore
2003/04 – 19 Spiele, 19 Punkte, 58:56 Tore
2002/03 – 19 Spiele, 24 Punkte, 65:41 Tore
2001/02 – 19 Spiele, 25 Punkte, 70:48 Tore

So viele Tore und so viele Punkte wie noch nie. Es ist der offensiv produktivste HC Davos seit der Amtsübernahme von Arno Del Curto im Sommer 1996.

Auf der Suche nach dem perfekten Hockey

Von allen NLA-Teams nützt der HCD die neuen Dimensionen des Spielfeldes am besten. Die neutrale Zone – dort bremsten die Gegner den HCD-Schwung – ist jetzt kleiner. Das Aufstellen der Defensiv-Falle wird erschwert. Dafür ist die Angriffszone, die offensive «Tanzfläche», grösser geworden. Die Davoser haben mehr Raum, um ihre Gegenspieler schwindlig zu laufen.

Die neue Zoneneinteilung kommt der HCD-Spielweise und der Philosophie des Trainers (immer schneller und präziser spielen) entgegen. Und Arno Del Curto wirkt mehr denn je wie ein ewiger Suchender, ja Getriebener nach dem noch schnelleren, noch intensiveren, noch präziseren, nach dem perfekten Hockey. 

HC Davos Cheftrainer Arno Del Curto, rechts, im Gespraech mit Stuermer Enzo Corvi im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Davos, am Freitag, 26. September 2014, in der Diners Club Arena in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Der HCD hat sich am besten auf den grösser gewordenen Platz auf der «Tanzfläche» eingestellt. Bild: KEYSTONE

Wir sehen im Herbst 2014 bei weitem nicht den nominell besten HC Davos. Aber stilistisch ist es eine der besten Mannschaften der «Ära Del Curto». So konsequent haben die Spieler den Tempostil vielleicht noch nie umgesetzt. Und möglicherweise ist es ja ein bisschen einfacher, mit hungrigen, jungen Spielern eine Hockeyphilosophie umzusetzen als mit Routiniers, die mehrere Meisterschaften gewonnen haben.

Keineswegs unbesiegbar

Die Statistik sagt uns, dass der HCD als Mannschaft dominiert, und nicht von einzelnen Stars lebt. Dass der Erfolg mehr mit dem Stil als mit der Besetzung der einzelnen Positionen zu tun hat. Zehn HCD-Spieler haben bereits fünf und mehr Tore erzielt. Beim SC Bern sind es vier und bei den meisterlichen ZSC Lions fünf. 

Zuletzt hat der HCD am Samstag in Biel 4:2 gewonnen. Dieses Spiel hilft uns ein wenig zu verstehen, warum Davos so gut ist. Die offensiv beste Mannschaft der Liga wirkte zwar keineswegs unbesiegbar oder so überlegen, dass etwas anderes als ein HCD-Sieg unvorstellbar schien. Ja, die Bieler waren optisch ebenbürtig, in der Start- und Schlussphase sogar überlegen. 

Biels Jarkko Ruutu, Mitte, im Duell mit Davos Jan von Arx, links, und Claude Paschoud im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem HC Davos, am Samstag, 1. November 2014, in der Eishalle in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Die Davoser gewinnen ihre Spiele auch, wenn sie nicht haushoch überlegen sind.  Bild: KEYSTONE

Wer in dieser Saison nur dieses eine Spiel in Biel gesehen hätte und sonst nichts von der laufenden Meisterschaft, wer von Arno Del Curto und seinem Wesen und Wirken nichts wüsste, der wäre nicht dazu in der Lage gewesen, mit Bestimmtheit zu sagen, welches der beiden Teams ganz oben und welches ziemlich weit unten in der Tabelle steht. 

Qualität über Quantität

Nicht die Quantität, also die Summe der Abschlussversuche und der Schüsse auf das Tor machte die Differenz. Biel gewann die Torschussstatistik sogar mit 33:28. Es war die Qualität. Kein anderes Team versteht es an einem guten Abend so gut, in lichten Momenten das Offensivspiel in den Weltraum zu heben wie der HCD.

Die Davoser spielten über weite Strecken den gleichen Rhythmus und das gleiche Tempo wie der Gegner. Aber dann gelang aus dem «Nichts» heraus die Beschleunigung einer Aktion auf ein Tempo, dem die Bieler nicht mehr folgen konnten. Das Spiel wurde für kurze Momente in eine Sphäre gehoben, in welche die Bieler nicht folgen konnten. Wir können es den Hockey-Weltraum nennen.

01.11.2014; Biel; Eishockey NLA - EHC Biel - HC Davos; Die Spieler von Davos nach dem Spiel Sandro Stutz/freshfocus)

Kann sich der HCD in dieser Saison nur selber stoppen? Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Mit drei solchen «Blitzphasen» – in den Augen der Bieler sind es eigene Aussetzer – entschied der HC Davos die Partie bereits im Mitteldrittel. Die Bieler sind in ein paar Sekunden um den Lohn ihrer grossen Arbeit und um den Sieg gebracht worden. Deshalb ist die Niederlage bitter. Sie spielten mit Mut, Leidenschaft und Disziplin auf Augenhöhe ihres Gegners. Sie hatten gegen den starken Leonardo Genoni bereits in der Startphase Chancen für mindestens vier Treffer.

Mit dem 1:0 war der offensive Ertrag viel zu gering. Und es zeigte sich, dass der HCD auch als offensiv bestes Team der Liga auf den Rückhalt eines starken Torhüters angewiesen ist. Wie einst Wayne Gretzkys Edmonton Oilers auf Torhüter Grant Fuhr.

Mündliche Abmachungen mit Genoni und Sciaroni

Arno Del Curto sagt, Leonardo Genoni (27) werde den auslaufenden Vertrag um zwei weitere Jahre verlängern. «Wir haben das mündlich so abgemacht.» Es ist also vorerst kein neuer Vertrag unterschrieben. Aber noch nie hat ein Spieler sein Wort gebrochen, der Arno del Curto mündlich eine Vertragsverlängerung zugesichert hat.

Wir können also davon ausgehen, dass es ist, wie es ist: Leonardo Genoni, seit 2007 in Davos, bleibt bis 2017 auf dem Planeten HCD. Auch Gregory Sciaroni (25) – an ihm war der SCB interessiert – hat seinem Trainer versprochen, zu bleiben. Und damit ist klar: Arno Del Curto wird seinen auslaufenden Vertrag auch erneuern und bleiben. 

Der Davoser Torhueter Leonardo Genoni, beim Eishockeyspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem EHC Biel, am Samstag, 4. Oktober 2014, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Leonardo Genoni bleibt dem HCD zwei weitere Jahre erhalten. Bild: KEYSTONE

Die Frage ist inzwischen längst nicht mehr, ob der HCD die Playoffs schaffen wird. Die Frage ist nun, wie lange der HCD auf diesem hohen Niveau spielen kann. Ob er dazu in der Lage sein wird, dieses hoch entwickelte Spiel auch in den Playoffs durchzusetzen und nach 2002, 2005, 2007, 2009 und 2011 zum 6. Mal unter Arno Del Curto die Meisterschaft zu gewinnen.

Und einigermassen ratlos fragt sich der Chronist in Biel auf der Tribune: Wie ist es möglich, dass dieser HCD kürzlich gegen eine NLB-Mannschaft verloren hat (im Cup gegen Visp)? Nun, wir wollen nicht grübeln. Die Geschichte lehrt uns: Solche Sensationen sind möglich. Die Russen haben beispielsweise bei der WM 1976 gegen Polen und 2000 gegen die Schweiz verloren. Und wir erinnern uns ja noch gut und gerne an unseren 2:0-Triumph über die kanadischen NHL-Profis beim Olympischen Turnier von 2006.

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