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Blick auf die umgebaute Suedtribuene der Vaillant Arena (Bildmitte), aufgenommen am Freitag, 18. Oktober 2019, in Davos. Die Arena wird ueber drei Soemmer fuer 25,5 Millionen Franken saniert. Die Aussenarbeiten im Sueden sollen bis Ende November abgeschlossen sein. Kommendes Jahr soll die Sanierung abgeschlossen sein. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Im Streit geht es um die Namensrechte am Davoser Eisstadion. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der 11,8-Millionen-Traum des HC Davos wird zum juristischen Albtraum

Die Namensrechte auf dem Stadion sollten dem HC Davos bis 2026 brutto nicht weniger als 11,8 Millionen einbringen. Daraus wird möglicherweise nichts. Der Käufer der Namensrechte verlangt das bereits bezahlte Geld zurück und will den Vertrag vorzeitig auflösen.



Am 18. November 2019 schliesst der HC Davos den bisher lukrativsten Vertrag für ein Stadion-Namensrecht in unserem Hockey ab. Die «Res Ubique Foundation» von Peter Buser unterschreibt einen Vertrag im Gesamtwert von 11,80 Millionen Franken. 2,95 Millionen werden mit der Vertragsunterzeichnung überwiesen. Sechs weitere Raten in der Höhe, von 1,475 Millionen werden jeweils am 1. Januar der Jahre 2021, 2022, 2023, 2024, 2025 und 2026 fällig. Der Vertrag läuft am 30. April 2027 aus.

Nun ist ungewiss, ob dieses Geld tatsächlich fliesst. Peter Buser sagt unmissverständlich: «Der HCD hat die Vertragsbedingungen (Bau einer temporären Konzerthalle – die Red.) nicht erfüllt. Ich verlange die Rückzahlung der bereits überwiesenen Summe.» Den Vertrag beabsichtigt er aufzulösen. Er sei an einer gütlichen Einigung interessiert. «Wenn die nicht möglich ist, überlasse ich meinen Anwälten die Regelung der Angelegenheit. Ich arbeite an mehreren Projekten und mag mit dieser Sache keine Zeit mehr verschwenden.»

Konkret geht es also erst einmal um die Rückforderung der am 18. November 2019 überwiesenen 2,95 Millionen. HCD-Präsident Gaudenz Domenig sieht keinen Grund für die Rückzahlung. «Wir haben alle Vertragsbedingungen eingehalten.» Er habe Peter Buser bereits zweimal schriftlich ein klärendes Gespräch angeboten. Vergeblich.

Will der HCD nicht zahlen, bleibt nur der Rechtsweg. Es ist dann am Richter zu entscheiden, ob eine Vertragsverletzung vorliegt, die eine Rückzahlung erfordert und eine vorzeitige Vertragsauflösung ermöglicht. Solche gerichtlichen Auseinandersetzungen können sich über Jahre hinziehen. Die letzten Verfahren aus dem Grounding der Swissair im Jahre 2001 wurden beispielsweise erst im Herbst 2019 abgeschlossen.

Der HCD kann sich allerdings nicht nur auf die Defensive, auf die Verteidigung der bereits erhaltenen 2,95 Millionen konzentrieren. Es geht auch um die Offensive. Also um das Eintreiben der noch ausstehenden sechs Raten in der Höhe von jeweils 1,475 Millionen, für die Peter Buser als Solidarschuldner haftet. Die erste wird am 1. Januar 2021 fällig. Für Peter Buser ist klar: «Ich werde nicht zahlen.»

Also müsste nun auch der HCD den Rechtsweg beschreiten, um zu seinem Geld zu kommen. Was ebenfalls einen jahrelangen Rechtsstreit auslösen könnte. So gesehen wird ein 11,8-Millionen-Traum zum juristischen Albtraum. Gaudenz Domenig findet die Bezeichnung «Albtraum» allerdings zu hoch gegriffen und der dichterischen Freiheit des Chronisten geschuldet. Er sehe einer allfälligen juristischen Auseinandersetzung mit grösstem Selbstvertrauen entgegen. Weil es einfach wäre, zu gewinnen.

Falls sich Gaudenz Domenig und Peter Buser (bzw. der HCD und die Res Unique Foundation) nicht einigen können, werden die Richter beurteilen müssen, ob der HCD die vertraglichen Verpflichtungen erfüllt hat oder eben nicht. Der Ausgang eines solchen Verfahrens ist ungewiss: Auf hoher See und vor Gericht sind wir alle in Gottes Hand. Dass es Bestrebungen gibt, dem HCD auf lokalpolitischem Weg die Stadion-Namensnennung zu verbieten, ist unerheblich: Im Vertrag ist festgehalten: «Ist eine der Parteien aufgrund höherer Gewalt… nicht in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen, so stehen der anderen Partei keine Ersatzansprüche zu.»

Was diesem Rechtsstreit eine ganz besondere Würze gibt: Die Auseinandersetzung zwischen Gaudenz Domenig (63) und Peter Buser (83) ist filmreif. Der HCD-Präsident ist ein hoch angesehener, international erfolgreicher Wirtschaftsanwalt. Wer annimmt, dass er darauf geachtet hat, dass der 11,8-Millionen-Vertrag juristisch wasserdicht ist, liegt wohl richtig.

Gaudenz F. Domenig, president of HC Davos, poses at the 93th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Friday, December 27, 2019. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

HCD-Präsident und Wirtschaftsanwalt Gaudenz Domenig gibt sich siegessicher. Bild: KEYSTONE

Peter Buser mag seit dem Deal mit dem HCD und einem unglücklichen TV-Auftritt als «Paradiesvogel» gelten. Aber es wäre fatal, den Nonkonformisten zu unterschätzen. Er hat den Doktor der Philosophie an der Uni Bern mit einer Dissertation über «Die Bezeichnungen für Bitten und Beten im christlichen Latein und im Altfranzösischen» gemacht. Er pflegt eine Affinität für den grossen Philosophen Friedrich Nietzsche, der lange Zeit im Kanton Graubünden lebte und einmal über sich selbst gesagt hat, er sei kein Mensch, sondern Dynamit. Was wahrscheinlich recht gut zum Selbstverständnis von Peter Buser passt.

Zur guten Unterhaltung gehört, dass Peter Buser aus seiner eigenen Homepage und in den sozialen Medien unter anderem kräftig gegen Gaudenz Domenig austeilt. Einige Ausdrücke dürften justiziabel sein. Von besonderem Interesse ist jedoch der Vertrag zwischen seiner Stiftung und dem HCD. Peter Buser hat ihn auf seiner Homepage im Original hochgeladen und damit öffentlich gemacht.

Der Vertrag zwischen dem HC Davos und der Res Ubique Foundation

Er habe sich diesen Schritt reiflich überlegt. «Aber es sind im Zusammenhang mit diesem Vertrag Unwahrheiten verbreitet worden. Ich bin zum Schluss gekommen, dass es die einfachste Verteidigung ist, den Vertrag offenzulegen. So weiss jeder, worum es geht.» Wahrlich, das ist vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit. Gaudenz Domenig ist diese Offenlegung egal. Verhindern kann er sie nicht.

Eine harmonische Geschäftsbeziehung bis ins Jahr 2027 ist unter den gegebenen Umständen eher nicht mehr zu erwarten. Die wahrscheinlichste Lösung: dem HCD gelingt es, die bereits erhaltenen 2,95 Millionen erfolgreich zu verteidigen. Aber weiteres Geld fliesst nicht mehr, der Vertrag wird vorzeitig aufgelöst und das Stadion-Namensrecht ab 2021 neu verkauft.

Aber ob es mit Bitten und Beten in christlichem Latein oder Altfranzösisch gelingt, eine gütliche Einigung zu finden, oder ob es zu einem juristischen Hauen und Stechen kommt, ist offen. Immerhin hat dann Gaudenz Domenig in der ersten Runde den Vorteil eines Heimspiels: Gerichtsstand des Kontraktes ist Davos.

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