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Bern's Head coach Kari Jalonen gestures behind his players center Gaetan Haas, left, forward Tristan Scherwey, center, and forward Marc Kaempf, right, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Lausanne HC and SC Bern, at the Malley 2.0 temporary stadium in Lausanne, Switzerland, Saturday, December 9, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Herrscher über ganz Bern? Kari Jalonen. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der Abgang von Noreau zeigt das Problem beim SC Bern

Der «Fall Noreau» ist ein Hinweis auf ein Problem, das beim SCB nicht erkannt wird: die Macht von Cheftrainer Kari Jalonen. Die «Jalonen-Bande» etabliert sich in Bern.



Erfolg auf dem Eis. Ruhe im Umfeld. Kari Jalonen beschert dem SCB die schönsten Jahre der Neuzeit. Qualifikationssieger und Meister 2017. Qualifikationssieger 2018.

Aber in den besten Zeiten laufen unter der Oberfläche Entwicklungen, die später für grosse Schwierigkeiten sorgen können. Die grössten Fehler werden oft in Zeiten der grossen Erfolge gemacht.

Nur bei einem Klub in Europa funktioniert die Allmacht des Trainers. Beim HC Davos. Dort bestimmt Arno Del Curto, was auf dem Eis und was sportlich neben dem Eis geht. Er darf, wenn es finanziell tragbar ist, transferieren wen er will.

Davos Cheftrainer Arno Del Curto in Aktion im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Davos, am Mittwoch, 28. Februar 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Nur in Davos funktioniert die Allmacht des Trainers. Bild: KEYSTONE

Bei allen anderen Sportunternehmen hängt der Erfolg von der Balance zwischen den sportlichen Wünschen des Trainers (die immer kurzfristig sind) und den längerfristigen Bedürfnissen des Klubs ab. Manchmal ist es notwendig, dass der Sportchef dem Trainer einen Wunsch nicht erfüllt.

Verliert der SCB seine Balance?

Der SCB hat in den letzten 20 Jahren diese Balance in einem langen Entwicklungsprozess erreicht – und ist nun drauf und dran, sie wieder zu verlieren. Es dauerte Jahre, bis Marc Lüthi erkannte, dass er in sportlichen Dingen besser seinem Sportchef das letzte Wort überlässt.

Marc Luethi, CEO des SC Bern, spricht waehrend einer Vorsaison-Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 5. September 2016, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Marc Lüthi wusste immer, dass er nicht die Kaderplanung machen sollte. Bild: KEYSTONE

Und tatsächlich setzte sich in mehreren Fällen Sven Leuenberger gegen Marc Lüthi durch – spektakulär etwa, als Marc Lüthi im Laufe der turbulenten Hollywood-Saison (2015/16) den in Lugano gefeuerten Patrick Fischer statt Lars Leuenberger als Cheftrainer installieren wollte. Und Sven Leuenberger arbeitete wohl eng mit dem Trainer zusammen. Aber er behielt das letzte Wort bei den Transfers und bei der Besetzung der Ausländerpositionen.

Jalonen mag Spieler wie Noreau nicht

Nun hat zum ersten Mal in der Neuzeit der Trainer beim SCB das letzte Wort. Kari Jalonen mag keine taktischen Freigeister. Er ist in dieser Beziehung zwar bei weitem nicht so extrem wie Guy Boucher. Aber er setzt gewisse Grenzen und wer sie taktisch überschreitet, kommt in die Hundehütte: die Nordamerikaner haben einen wunderbaren Ausdruck für Spieler, die mit dem Trainer nicht harmonieren. «He is in coach’s Dog House».

Berns Luca Hischier freut sich ueber seinen Treffer zum 2:0 im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Ambri-Piotta, am Samstag, 27. Januar 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Luca Hischier: Via Visp zum Nationalspieler bei Davos? Bild: KEYSTONE

Diese Situation trifft unter anderem auf Luca Hischier (den Bruder von NHL-Star Nico Hischier) und Maxim Noreau zu. Beide müssen hin und wieder auf die Tribüne. Luca Hischier ist auch schon zu Visp in die NLB verbannt worden. Er hat erkannt, dass er in Bern unter Kari Jalonen keine Zukunft hat und wechselt auf nächste Saison zum HC Davos. Er wird sich unter Arno Del Curto wahrscheinlich zum Nationalstürmer entwickeln.

Wer Maxim Noreau als besten Verteidiger der Liga bezeichnet, kommt der Wahrheit nahe. Er hat für Bern in 30 Partien 24 Punkte produziert. Beim olympischen Turnier für die Kanadier in 6 Spielen gar 7 Punkte. Er ist ins All-Star-Team des wichtigsten internationalen Turniers der Saison berufen worden.

Pyörälä statt Noreau

Der neutrale Beobachter denkt: Maxim Noreau ist ein Glücksfall für den SC Bern. Der Kanadier ist erst 30. Er hat noch vier bis sechs gute Jahre vor sich. Der Sportchef wird sicherlich alles menschenmögliche unternehmen, um diesen aussergewöhnlichen Spieler behalten zu können. Doch so ist es nicht. Sportchef Alex Chatelain sagt: «Es ist offen, ob wir den auslaufenden Vertrag verlängern. Wir werden nach der Saison entscheiden.»

Bern's Mika Pyoeraelae, left, and  Munich's Maximilian Daubner, right, fight for the puck next to Munich's goalkeeper Danny Aus den Birken, during the Champions Hockey League round of 16 match between Switzerland's SC Bern and Germany's Redbull Muenchen, in Bern, Switzerland, Tuesday, October 31, 2017. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Genügt den Ansprüchen eigentlich nicht: Mika Pyörälä. Bild: KEYSTONE

Was ist hier los? Ganz einfach: Kari Jalonen setzt nicht auf Maxim Noreau. Also setzt auch der Sportchef nicht auf Maxim Noreau. Der Sieger hat immer recht und Kritik ist nicht angebracht, wenn eine Mannschaft die Qualifikation vom ersten bis zum letzten Tag dominiert. Und doch gibt es für den neutralen Beobachter Fragezeichen.

Kari Jalonen setzte die Verpflichtung von Mika Pyörälä (35) durch. Der finnische Stürmer genügt den Anforderungen bei weitem nicht. In 31 Spielen hat er gerade mal 9 Punkte gebucht. Man komme nicht mit seinen defensiven Qualitäten. Er weist bloss eine Bilanz von +1 auf. Da ist sogar der brave Marc Kämpf besser (+8). Mika Pyörälä ist ganz einfach läuferisch überfordert. Auch beim olympischen Turnier war er im finnischen Nationalteam ein offensiver Nichtsnutz mit bloss einem Assist in fünf Partien.

Die Bande zu Kärpät Oulu

Inzwischen hat der SCB auch noch eine Ausländerlizenz für Juhamatti Aaltonen (32) verschwendet. Er war nicht einmal mehr gut genug fürs finnische Olympiateam.

Berns Juhamatti Aaltonen im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Davos, am Mittwoch, 28. Februar 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Juhamatti Aaltonen: Was bringt er dem SCB? Bild: KEYSTONE

Warum sind beide überhaupt nach Bern gekommen? Ganz einfach: Sie sind bei Kärpät Oulu gross geworden. Beim gleichen Klub wie Kari Jalonen. Und woher kommt Mikko Haapakoski, der von Kari Jalonen ausgewählte neue Assistent für nächste Saison? Richtig erraten: auch aus Oulu.

Die «Jalonen-Bande» etabliert sich in Bern. Niemanden stört es. Der SCB rockt. Aber nun wird Maxim Noreau auf nächste Saison zu den ZSC Lions wechseln. Zum gefährlichsten Rivalen der Berner.

Es wird Zeit, dass beim SCB intern hin und wieder jemand dem grossen Kari Jalonen zu widersprechen wagt. Es könnte sonst schon in absehbarer Zeit ein böses Erwachen geben.

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59 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Herren
01.03.2018 19:16registriert March 2016
Ich sehe es bildlich vor mir, wie der Chronist auf seinem Klo hockt und sich überlegt, wie er auf den Noreau-Wechsel reagieren soll. Einen Artikel über die kluge Leuenberger-Transferpolitik? Zu wenig Polemik. Er muss es anders angehen ... Hm! Jalonens finnische Mafia? Er lacht und reißt zwei Blätter seines dreilagigen WC-Papiers mit Lavendelduft ab. Grinsend putzt er sich den Hintern. Das wird ein Spaß, denkt er sich. Er zieht die Unterhosen mit dem Herzchen-Muster hoch und geht schreiben.
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c_meier
01.03.2018 18:47registriert March 2015
Oh etabliert sich da eine neue finnische Mafia, die schon diese Saison bei Langnau hingeschrieben werde sollte?
1006
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eye love two hockey
01.03.2018 18:57registriert January 2018
Die Aussage, dass Hischier verbannt wurde, stimmt nicht. Er hat lediglich 2 Spiele in Visp bestritten, als er nach einer längeren Verletzung zurückkam.
Jalonen ist ein Trainer mit viel Renommee und einer klaren Philosophie. Entsprechend braucht er Spieler, welche ihm Folgen und wer das nicht tut muss halt das Weite suchen. Er hat die Kraft, dass seine Ideen umgesetzt werden/werden müssen, welche kleinere Trainer nicht haben. Das muss für die Hockeymaschine nicht schlecht sein per se. Kommt halt drauf an, wie lange Jalonen noch in Bern bleibt.
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