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31.03.2015; Basel; Eishockey NLA - HC Fribourg Gotteron;
Sportchef Christian Dube
(Pius Koller/freshfocus)

Gottéron-Sportchef Christian Dubé hat nach dem starken Saisonstart gut lachen.
Bild: Pius Koller

Eismeister Zaugg

Gottéron steht vor dem SCB – weil Christian Dubé schlauer ist als Sven Leuenberger

Fribourg-Gottéron tanzt an der Tabellenspitze und Trainer Gerd Zenhäusern braucht einen Wintermantel. Ich werde ihm einen bezahlen.



Auf der Liste der Trainer, die keinen Wintermantel brauchen, steht Gerd Zenhäusern vor der Saison ganz oben. In den Tabellen der Saisonprognosen steht Fribourg-Gottéron ganz unten, auf dem 12. Platz.

Nach fünf Partien führt Gottéron die Tabelle an. Als einziges Team noch ohne Niederlage. Mit Siegen in Zürich und Davos. Ein Wunder? Ja, aber ein logisches Wunder.

Andrey Bykov, 2. von rechts, feiert seinen Treffer mit Teamkollegen im Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Fribourg-Gotteron und dem SC Bern am Samstag, 19. September 2015, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Thomas Hodel)

Jubelnde Freiburger: Ein Bild, an das man sich nach fünf Runden bereits erstaunlich schnell gewöhnt hat.
Bild: KEYSTONE

Dubé hat mit wenig Geld viel erreicht

Am Anfang steht eine Strategie. Christian Dubé wird im Frühjahr vom zu teuren Spieler zum Sportchef befördert. Der Kanadier hat genaue Vorstellungen davon, was er will. Er sagt bereits im Mai unter anderem: «Meine Vision ist schnelles Laufhockey und Puckbesitz. Wenn wir den Puck haben, kann der Gegner keine Tore schiessen. Das ist die beste Defensive. Wir müssen in der Abwehr so oder so besser werden.» Und erklärt seine Transferstrategie: «Die Künstler haben wir. Es geht jetzt darum, die richtige Mischung zu finden. Wir brauchen Stürmer, die sich nicht scheuen, vor dem gegnerischen Tor eine blutige Nase zu holen. In der Abwehr brauchen wir scheibensicherere, verlässlichere Verteidiger.»

Viel Geld hat er nicht zur Verfügung. Gottéron ist knapp bei Kasse. Aber wir haben Christian Dubés Geschäftstüchtigkeit unterschätzt. Gottéron hat am Samstag nicht nur den SCB besiegt (5:3). Christian Dubé war im Sommer auch schlauer als SCB-Sportchef Sven Leuenberger.

Ein sichtlich geruehrter Christian Dube hebt den Cup vor den Berner Fans, im Play Off Final, HC Lugano gegen SCB; Lugano verliert 3 : 4, SCB wird Schweizermeister, am Samstag, 10.April, 2004 in Lugano. (KEYSTONE/Edi Engeler)

Vom teuren Spieler zum tüchtigen Sportchef: Christian Dubé hat die Transformation geschafft. 
Bild: KEYSTONE

Von der Schiessbude zum Abwehrbollwerk

Beim SC Bern tauscht er den Haudegen Timo Helbling gegen den kräftigen offensiven Brecher Ryan Gardner ein. Ein Stürmer mit viel Wasserverdrängung. Helbling ersetzt er durch den 19 Jahre jungen Verteidiger Yannick Rathgeb, den er günstig vom Transferwühltisch kauft. Warum landet der Captain und Leitwolf der U20-Nationalmannschaft bei Gottéron und nicht beim SCB? Der Langenthaler hat sich zuletzt zwei Jahre im nordamerikanischen Juniorenhockey bewährt. Das alles entscheidende 5:3 am Samstag war auch eine Ohrfeige für Sven Leuenberger. Yvan Rathgeb zirkelt mit einem wunderbaren langen Pass die Scheibe auf den Stock von Julien Sprunger – und der zieht alleine davon.

Mit Sakari Salminen holte Gottérons Sportchef einen finnischen Tempoflügel, der das Spiel beschleunigt. Trainer Gerd Zenhäusern stellt ihn für den langsamer gewordenen Benny Plüss in die erste Linie neben Andrej Bykow und Julien Sprunger. Nun tanzt der erste Sturm wieder. Gottérons offensives Trio Grande hat bereits 12 Punkte produziert.

Fribourg, 15.09.2015, Eishockey NLA, HC Fribourg Gotteron - HC Genf Servette, Fribourgs Andrei Bykov (Robert Hradil/EQ Images)

Auch Andrej Bykov ist sich nicht zu schade für defensive Drecksarbeit.
Bild: EQ Images

Wenn Christian Dubé den wunderbaren Saisonstart seiner Mannschaft erklären will, kramt er allerdings keine Skorerstatistik hervor. Er hat andere Zahlen. «In einem Spiel hat Andrej Bykov in zwei Einsätzen vier Schüsse blockiert.» Diese statistische Feinheit zieht er als Erklärung für den Erfolg seiner Mannschaft heran: «Wenn Bykov Schüsse blockiert, dann können die Jungs aus dem dritten und vierten Block gar nicht anders als sich noch mutiger in Schüsse zu werfen.» Und so verbessert sich die Defensivleistung. Letzte Saison kassierte Gottéron am meisten Gegentore. 177 in 50 Partien, sage und schreibe 57 mehr als der SCB (120) und sogar die Lakers (165) waren defensiv besser. Jetzt sind es nach fünf Runden 15 Minustreffer, sage und schreibe fünf weniger als der SCB.

«Wenn der Vater auf der Tribüne sitzt, dann strengst du dich einfach mehr an.»

Christian Dubé

Andrej Bykov ist ja nicht ein Defensivstürmer. Sondern ein offensiver Schmetterling, schneller, schlauer, beweglicher als die meisten anderen Schweizer Center. Alles lässt sich auf einen Satz reduzieren: Sage mir, wie Andrej Bykov spielt und ich sage dir wie es um Gottéron steht. Die Mannschaft steht und fällt noch immer mit der Feuerkraft des ersten Sturmes – und der Dynamo dieser ersten Linie ist der Sohn des legendären Slawa Bykov.

Dass der Papa eine Auszeit nimmt, in Fribourg lebt und im Verwaltungsrat sitzt, dürfte eine zentrale Rolle spielen. Der Bub, ein stadtbekannter Rock’n’Roller, lebt unter der Aufsicht seines gestrengen Vaters wieder fürs Eishockey. Christian Dubé sieht das auch so, aber aus anderen Gründen. «Wenn der Vater auf der Tribüne sitzt, dann strengst du dich einfach mehr an weil du willst, dass er auf dich stolz sein kann. Das war schon bei mir so.»

Aebischer macht Conz wieder zum Hexer

Und eine Rolle spielt auch, dass Torhüter Benjamin Conz drauf und dran ist, endlich wieder sein bestes Hockey zu spielen – so wie damals, als er die SCL Tigers in die Playoffs hexte (2010/11). Auch seine Steigerung hat etwas mit einer klugen Massnahme des Sportchefs zu tun. Mit David Aebischer, dem Goalie, der einst bei Gottéron auszog um die NHL zu erobern, hat er diese Saison einen erfahrenen Torhütertrainer bekommen. Könnte es sein, dass David Aebischer halt doch eine Nummer grösser ist als der neue, tüchtige SCB-Goalietrainer Reto Schürch? Das sei lediglich aus Lust an der Boshaftigkeit erwähnt.

Torhueter Benjamin Conz von Fribourg stoppt Mauro Joerg von Davos im Penaltyschiessen, beim Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 11. September 2015, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Benjamin Conz ist wieder zu einem Top-Rückhalt avanciert.
Bild: KEYSTONE

«Viele Spieler sind im Stolz verletzt.»

Christian Dubé

Kann Gottéron oben bleiben? Warum nicht? Seit dem Aufstieg gilt: Unterschätze niemals Gottéron. Deshalb hat dieses erstaunliche Hockey-Unternehmen alle sportlichen und wirtschaftlichen Krisen überstanden – Gottéron ist seit dem Aufstieg von 1980 in der NLA geblieben – während in dieser Zeit selbst Titanen wie der SCB oder Davos zwischendurch abgestiegen sind. «Dass viele uns in den Prongosen auf den letzten Platz gesetzt haben, hilft uns auch», sagt Christian Dubé. «Viele Spieler sind im Stolz verletzt.» Und da er schon so lange im Geschäft ist, vergisst er nicht zu mahnen. «Wir haben erst fünf Partien gespielt. Der Weg ist noch lang.»

Aber die Leidenschaft («der heilige Zorn») ist entfacht. Gottéron wird in der oberen Tabellenhälfte bleiben. Gerd Zenhäusern kann sich einen Wintermantel kaufen. Ich werde ihm einen bezahlen. Ich hatte ihn auf der Liste der Trainer, die gefeuert werden, auf den ersten Platz gesetzt – und sein Team in den Prognosen auf Rang 12.

So sieht die National League A im «NHL 16» aus

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