Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Headcoach Patrick Fischer beim Training mit der Schweizer Eishockeynationalmannschaft in Zuerich am Montag, 30. April 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Patrick Fischer muss an der WM liefern. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Darum kann sich Patrick Fischer ein Scheitern an der WM nicht erlauben

Die Schweiz hat bei der WM 2018 das Potenzial fürs Halbfinale. Offensiv ist es nominell das beste WM-Team seit 2013. Ein Verpassen der Viertelfinals wäre ein Scheitern. Klägliches Scheitern.



Als wir 15 bis 20 international taugliche Spieler und höchstens einen Feldspieler mit NHL-Erfahrung hatten (Mark Streit), war das Viertelfinale unser grosses Ziel – und meistens (nicht immer) haben wir es zwischen 1998 und 2009 unter Ralph Krueger erreicht.

Es gab Enttäuschungen (wie 2009 bei der WM im eigenen Land), aber auch Highlights wie 1998 (WM-Halbfinale), 2000 in St. Petersburg (Sieg über Russland) oder 2006 (2:0 gegen die NHL-Kanadier beim olympischen Turner).

Einzelne Absagen für die WM wogen schwer, beschäftigten die Hockey-Schweiz und die Polemik um Reto von Arx (als bester Schweizer Center weigerte er sich ab 2002 für Ralph Krueger zu spielen) hat uns jahrelang vortrefflich unterhalten.

Diese bewährten Nationalspieler sind nicht an der WM dabei

Inzwischen haben wir mindestens 40 international taugliche Spieler. Absagen oder verletzungsbedingte Absenzen machen keine Schlagzeilen mehr. Heute kann der Nationaltrainer gar einen Silberhelden wie Simon Bodenmann zu Hause lassen. Dass Andres Ambühl, Philippe Furrer, Denis Hollenstein, Thomas Rüfenacht, Eric Blum, Damien Brunner, Tanner Richard, Pius Suter, Fabrice Herzog, Luca Cunti, Vincent Praplan oder Romain Loeffel fehlen – sei es, weil sie verletzt, zurückgetreten oder nicht aufgeboten worden sind – ist noch eine Randnotiz wert. Stell Dir vor: Unser letztjähriger WM-Topskorer fehlt (Vincent Praplan) – und niemand kümmert es.

Absagen hin, Verletzungen her – die Auswahl an Spielern ist für Patrick Fischer gross. Noch vor zehn Jahren konnte der Nationaltrainer nicht einmal von einem so reichhaltigen Angebot träumen. Der Nationaltrainer hat heute mehr Varianten und eine grössere Gestaltungskraft als noch vor zehn Jahren. Das macht es noch schwieriger, die richtige Mischung zu finden – spielerisch und taktisch - aber auch was die Chemie in der Kabine betrifft. Diese Mischung ist bei einem Turnier entscheidend.

So stellt die IIHF das Schweizer Team vor.

Die Schweiz ist, wie die Grossen, nicht mehr darauf angewiesen, in einer Olympischen Saison für das Olympische Turnier und die WM die gleiche Mannschaft aufzubieten. Lediglich neun Olympiateilnehmer stehen jetzt im WM-Team.

Es ist der gleiche Umbruch wie 2010, als ebenfalls nur neun Spieler bereit oder dazu in der Lage waren, beide Turniere zu bestreiten. Damals waren die vielen WM-Absagen ein wochenlanges Thema – und am Ende rockte Sean Simpson mit dem besten WM-Start der Neuzeit durch die Vorrunde (4 Siege in Serie, u.a. gegen Kanada und Tschechien) und die Schweizer scheiterten im Viertelfinale unglücklich an Deutschland (0:1).

Der Umbruch ist jetzt also ähnlich, wie nach den Olympischen Spielen von 2010. Patrick Fischer tritt mit zehn Spielern an, die noch nie bei einem Titelturnier (Olympia oder WM) dabei waren: Gilles Senn, Jonas Siegenthaler, Lukas Frick, Mirco Müller, Dave Sutter, Michael Fora, Chris Baltisberger, Noah Rod, Damien Riat und Joel Vermin. Für die halbe Mannschaft ist die WM also ein neues, aufregendes Abenteuer. Diese Ausgangslage bringt Dynamik ins Innenleben des Teams.

Jonas Siegenthaler beim Training mit der Schweizer Eishockeynationalmannschaft in Zuerich am Dienstag, 1. Mai 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Wie schlagen sich Jonas Siegenthaler und Co. an ihrer ersten WM? Bild: KEYSTONE

Die Voraussetzungen für eine gute WM sind also sehr gut. Reto Berra und Leonardo Genoni können die Schweiz ins Halbfinale hexen – immerhin war Berra der Torhüter, der uns 2013 sogar ins Finale gebracht hat (3:0 gegen die USA im Halbfinale).

Seit 2013 sind die Schweizer in erster Linie an ihrer fehlenden offensiven Durchschlagkraft gescheitert. Nun haben wir mit Nino Niederreiter und Sven Andrighetto zwei Stürmer, die sich diese Saison in der NHL bewährt haben. 2016 in Moskau hat es zwar auch mit Andrighetto und Niederreiter nicht fürs Viertelfinale gereicht. Aber Moskau 2016 war Patrick Fischers erste WM und es ging chaotisch zu und her. Inzwischen sorgt Assistent Tommy Albelin als taktischer Feldweibel für etwas mehr Ordnung.

Zwei «richtige» NHL-Stürmer plus Gregory Hofmann, soeben mit Lugano der beste Schweizer Playoff-Torschütze aller Zeiten, dazu der wuchtige WM-Silberheld Simon Moser, der schlaue Powerplay-Einfädler Gaëtan Haas – die offensive Feuerkraft ist durchaus vergleichbar mit jener des WM-Silberteams von 2013. Und sollte Nashville in den Playoffs scheitern, könnte im Falle einer Freigabe noch Kevin Fiala (und Roman Josi) nachrücken.

Switzerland's forward Nino Niederreiter controls the puck, during a training session of the IIHF 2018 World Championship at the practice arena of the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Thursday, May 3, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Nino Niederreiter soll für die Schweiz die Tore schiessen. Bild: KEYSTONE

Offensiv dürfen wir in Kopenhagen nicht scheitern. Und defensiv? 2013 war Josi als Verteidigungsminister einer der besten Einzelspieler des gesamten Turniers. Wir haben jetzt keinen Verteidiger, der nur annähernd seine Dominanz und Klasse hat – und doch reichte es 2014 mit Roman Josi weder beim Olympischen Turnier noch bei der WM für die Viertelfinals.

Es ist, wie es ist: Namen sind doch nur auf dem Dress aufgenähte Buchstaben. Dass gleich fünf Verteidiger noch nie bei einer WM waren – Dave Sutter, Jonas Siegenthaler, Mirco Müller und Lukas Frick, Michael Fora – muss kein Nachteil sein. Zumal zwei (Siegenthaler, Müller) sich in Nordamerika bewährt haben.

Natürlich, bei einer WM ist alles möglich. Triumph und Scheitern. Aber gut geführt, schlau gecoacht und taktisch klug eingestellt ist das Halbfinale möglich. Das Viertelfinale ist gegen Gegner wie Österreich, Frankreich, Weissrussland und Slowakei das absolute Minimalziel. Patrick Fischer hat in drei Turnieren (WM 2016, 2017, Olympia 2018) zweimal die Viertelfinals verpasst.

Wie weit kommt die Schweiz an der Hockey WM?

Wenn er die WM-Viertelfinals mit dieser Mannschaft verpasst, dann stellt sich die Frage: Ist Patrick Fischer im Hinblick auf die WM 2020 im eigenen Land tatsächlich der richtige Nationaltrainer?

24 Talente, die es an der Hockey-WM zu beachten gilt

Eishockey Saison 2017/18

Keine Eishockey-WM – Patrick Fischers verlorener Traum

Link zum Artikel

Wegen Corona-Krise: Bleibt René Fasel ein Jahr länger Hockey-Welt-Präsident?

Link zum Artikel

Die WM ist abgesagt – was die Folgen sind und wie es beim Verband weitergeht

Link zum Artikel

Die NHL pausiert, aber «gespielt» wird trotzdem – Goalie wehrt 98 Schüsse ab

Link zum Artikel

Profisportler kaufen für Ältere ein oder bieten sich als Babysitter an

Link zum Artikel

Hoffnung für Hockey und Fussball – Kurzarbeit wird bald möglich sein

Link zum Artikel

Simon Sterchi kommt – was für eine schauderhafte SCB-Transferbilanz

Link zum Artikel

Gaëtan Haas: «Das Spiel in der NHL ist nicht schneller, es sieht nur schneller aus»

Link zum Artikel

Solange man ins Stadion durfte, war Eishockey so populär wie nie

Link zum Artikel

6 grosse Schweizer Hockey-Karrieren, die durch das Coronavirus vorzeitig beendet wurden

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Nichts, einfach nichts – ein Wochenende ohne Sport und der Anfang einer neuen Zeitrechnung

Link zum Artikel

Das banale Ende aller Träume – kein Meister, keine Dramen

Link zum Artikel

Der Star aus der Hundehütte – wie Kevin Fiala vom Mitläufer zum Teamleader gereift ist

Link zum Artikel

«Als würde man zum Geburtstag keinen Kuchen kriegen» – das sagt der ZSC zur Playoff-Absage

Link zum Artikel

So sieht der neue Gästesektor in Fribourg aus (es ist ein «Käfig»)

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

21
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • San_Fernando 05.05.2018 14:40
    Highlight Highlight Es ist einfach unfassbar mit welcher abstruser Logik hier argumentiert wird! Reichen zwei international taugliche Stürmer um aus Olympia-Versager eine WM-Medaille zu erwarten? By the way: Kanada hat sich u.a. mit McDavid, Eberle, Ekblad usw verstärkt...
    Wieso kann Zaugg die Qualität des CH-Hockey einfach nicht richtig einschätzen? Oder ist das einfach nur billige Polemik?
  • Tim-titig 04.05.2018 22:47
    Highlight Highlight Wir Kuhschweizer müssen zugeben das wir zu wenig gut sind. Der Sommer kann kommen☀️
  • emptynetter 04.05.2018 20:05
    Highlight Highlight Entscheidend wird sein, ob Leonardo Genoni beschliesst, weltmeister zu werden. Ende der polemik.
  • Hansruedi @Lyss 04.05.2018 19:33
    Highlight Highlight „...und die Polemik um Reto von Arx (als bester Schweizer Center weigerte er sich ab 2002 für Ralph Krueger zu spielen) hat uns jahrelang vortrefflich unterhalten. ...“

    War wohl eher so:
    „...Wollte sich nicht für einen Fehler entschuldigen, was seiner Ansicht nach keiner war, und wurde deshalb von Ralph Krüger nicht mehr in die Nationalmannschaft aufgeboten. ...“

    Oder habe ich da etwas falsch in Erinnerung?

    Was dieses Jahr läuft, werden wir ja sehen. Bin definitiv kein Fischer Fan, nur der „Fisch stinkt vom Kopf“ und weshalb z.B. Null Interesse an der Nati hat sagt ja vieles aus...
  • Denk nach 04.05.2018 18:14
    Highlight Highlight So verbocken wie olympia wird schwer...
  • mukeleven 04.05.2018 17:52
    Highlight Highlight ich weiss nicht wieso ich so überzeugt bin: aber fischi und die jungs werden LIEFERN.
    ich kann mich irren - aber ich hoffe es sehr, dass ein VF od mehr machbar ist.

  • Gooner1886 04.05.2018 15:15
    Highlight Highlight Übers Talent und Potential müssen wir uns nicht unterhalten, das ist vorhanden. Wenn wir scheitern dann an unserer Mentalität. Wir sind gut aber um etwas zu erreichen müssen immer noch alle Spieler in jeder Minute 100% geben. Das Format von Russland oder Kanada etc. haben wir noch lange nicht. Hoffen wir das beste.

    PS: Ich hoffe die Leistung von Fischer wird am Ende des Turniers objektiv bewertet.
  • Lord_Mort 04.05.2018 14:49
    Highlight Highlight Hoffen tue ich auf einen Halbfinaleinzug, den Viertelfinaleinzug erwarte ich und den Gedanken an einen Abstieg verdränge ich. Ich wünsche mir, dass nicht nur die Mannschaft mehr aus ihrem Potenzial macht, sondern auch der Trainer zeigt, dass er die richtigen Inputs geben kann.
  • 123hüh 04.05.2018 14:43
    Highlight Highlight Ich vermute leider, dass Fischer unabhängig davon ob das VF erreicht wird nicht entlassen wird. Und das bei einer Bilanz von bisher 1 Quali fürs VF von 3 möglichen
    • Amboss 04.05.2018 15:06
      Highlight Highlight Naja, die Bilanz bisher ist nicht schlechter als diejenige von Sean Simpson nach drei Turnieren.
      Man sollte es also nicht dramatisieren.

      Aber ja, es wäre jetzt schon an der Zeit, zu liefern...

  • eye love two hockey 04.05.2018 14:35
    Highlight Highlight Mindestens 5 Punkte am Wochenende, dann kommen wir ins Viertelfinale.
  • Martinov 04.05.2018 14:30
    Highlight Highlight Bin sehr gespannt auf morgen....

    Mein Bauch sagt kein Viertelfinal... Mein durchaus optimistisches Herz sagt Halbfinal.
  • Therealmonti 04.05.2018 14:28
    Highlight Highlight Fischer wird scheitern!
    • Ursus ZH 04.05.2018 14:38
      Highlight Highlight Und warum?
    • Amboss 04.05.2018 14:45
      Highlight Highlight Wenn es aber Halbfinal oder gar Final wird, dann darfst du dann nicht mitjubeln, gell...
    • Therealmonti 04.05.2018 14:50
      Highlight Highlight Weil Fischer der Artur Jorge der Hockey-Natitrainer ist.
    Weitere Antworten anzeigen

Eismeister Zaugg

Joe Thornton kann nächste Saison mit Davos spielen – wenn er will

Am Samstag ist NHL-Star Joe Thornton (41) in Davos eingetroffen. Er kann nächste Saison für den HC Davos spielen. Sofern er das wünscht. Er hat den Schweizer Pass und würde keine Ausländerlizenz beanspruchen.

Seit der Saison 2004/05 ist Joe Thornton ein Teil der HCD-Kultur. Er verbrachte damals die verlorene NHL Saison («Lockout») zusammen mit Rick Nash und Niklas Hagmann bei Davos, feierte den Meistertitel und den Spengler Cup-Triumph. In 40 Partien produzierte er 54 Punkte und in den Playoffs schwebte er über dem Eis: 29 Punkte in 14 Partien. Beim zweiten Lockout (2012/13) kehrte er erneut zum HCD zurück (33 Spiele/36 Punkte).

Seither gehört Joe Thornton sozusagen zum HCD. Jedes Jahr «pilgert» er …

Artikel lesen
Link zum Artikel