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20.11.2015; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - HC Fribourg-Gotteron; 
Trainer Lars Leuenberger (Bern)
 (Urs Lindt/freshfocus)

«Dalton» Lars Leuenberger startet als Nachfolger von Guy Boucher fulminant – doch wann kommt Lucky Luke?
Bild: freshfocus

Eismeister Zaugg

Kommt Kari Jalonen? Das lange und bange Warten des SC Bern auf Lucky Luke

Lars Leuenberger startet mit der «Dalton-Bande» seine zweite Amtszeit als SCB-Trainer mit einem 4:2 gegen Gottéron. Eines der aufregendsten Abenteuer der neueren SCB-Geschichte hat begonnen.



Ein bisschen boshaft ist der Vergleich. Aber er drängt sich einfach auf. Neu steht die Sportabteilung des SC Bern ja unter der Leitung von Lars Leuenberger (Cheftrainer), Marco Bayer, Reto Schürch (Assistenten) und Alex Chatelain (Sportchef).

Das SCB-Quartett mahnt ein wenig an vier Mann aus der wundervollen Welt der Comics. An Joe, William, Jack und Averell Dalton aus «Lucky Luke», der erfolgreichsten deutschsprachigen Comic-Serie nach Asterix.

Lars Leuenberger, der Chef, ist mit Abstand der kleinste und wohl auch der pfiffigste der neuen sportlichen SCB-Führungscrew. Dalton-Boss Joe Dalton ist ebenfalls mit Abstand der kleinste und mit Sicherheit der cleverster der Dalton-Brothers.

18.11.2015; Bern; Eishockey NLA - SC Bern Medienkonferenz; 
Ex-Spotchef Sven Leuenberger (Bern),  der neue Sportchef Alex Chatelain (Bern) und der neue Trainer Lars Leuenberger (Bern) an der Medienkonferenz
 (Urs Lindt/freshfocus)

Zwei der vier Daltons? SCB-Sportchef Alex Chatelain und Trainer Lars Leuenberger.
Bild: freshfocus

Der Auftakt unter der neuen Leitung ist zumindest resultatmässig gelungen und den Humor hat der neue SCB-Sportchef nicht verloren. Alex Chatelain sagt: «So lange Sie mich nicht mit Averell vergleichen, lass ich das mit den Daltons durchgehen.» Averell ist der Dümmste der vier Daltons.

Zum Sieg über Gottéron getaumelt

Aber kehren wir zur seriösen Analyse zurück. Diese erste Partie nach der Entlassung von Guy Boucher verläuft nach dem klassischen Muster. Ungeliebter Chef weg, taktische Fesseln gelockert, Spieler glücklich und folglich ein Sieg über den Tabellenführer.

Die Versuchung ist gross, jetzt zu behaupten, man sehe, dass es nach der Entlassung von Guy Boucher steil aufwärts gehe. Aber so ist es nicht. Es war ein williger, ein leidenschaftlicher, aber kein grosser SCB. Die Berner taumelten gegen ein Gottéron zum Sieg, das im ersten Drittel zu passiv gespielt hatte und 0:2 in Rückstand geraten war. Sie rafften sich nach einem miserablen zweiten Drittel und einem vorübergehenden Ausgleich zum 2:2 auf und erzwangen in der Schlussphase den Sieg. Gute Unterhaltung, viel Dramatik.

Cory Conacher, Mitte, Topscorer SC Bern, nach dem ersten Goal beim Eishockeyspiel der National League A SC Bern gegen den HC Fribourg-Gotteron in der PostFinance Arena in Bern am Freitag, 20. November 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Der SC Bern kämpft sich gegen Leader Fribourg-Gottéron nach einem Fehlstart zum Sieg.
Bild: KEYSTONE

Ein interessanter Tribünengast

Der SCB hat den langen Weg zurück zur sportlichen und taktischen Normalität begonnen. Die erste Aufgabe von Alex Chatelain ist nun das Engagement eines weiteren Ausländers. Er sagt: «Wir werden wohl einen Verteidiger verpflichten.» Übrig bleibt dann nur noch eine einzige der acht Ausländerlizenzen – und die wird er wohl für einen Torhüter einlösen. «Wir müssen uns auf der Torhüterposition absichern.» Janick Schwendener hielt übrigens tadellos. Er hat nun die Möglichkeit, sich in der NLA zu behaupten und den ersten Schritt zu einer grossen Karriere zu machen. Es ist eine Chance, die er so wohl nie mehr bekommen wird. Das gleiche gilt für Lars Leuenberger und die «Dalton-Bande».

Lars Leuenberger und seine Daltons sind nur als Übergangslösung bis höchstens Ende Saison vorgesehen. Das konnte einem aufmerksamen Matchbesucher nicht entgegen: Auf der Tribüne sass nämlich Kari Jalonen (55), Finnlands Antwort auf Arno Del Curto. Der finnische Nationaltrainer ist mit seinem Agenten und Freund Juha Sintonen angereist. Offiziell, um Gottérons Sakari Salminen und Berns Sean Bergenheim zu begutachten. Es gibt einen weiteren Grund für den Besuch des sechsfachen Meistertrainers: Plaudern mit dem SCB-Sportchef. Kari Jalonen ist Wunschkandidat Nummer eins.

Finland's head coach Kari Jalonen (C) reacts during their Ice Hockey World Championship quarterfinal game against the Czech Republic at the O2 arena in Prague, Czech Republic May 14, 2015. REUTERS/David W Cerny

Wird Finnlands Nati-Coach Kari Jalonen bald ein Thema beim SCB? 
Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Nach dem Spiel steht er unten in den Katakomben und wartet auf Sean Bergenheim. Aufmerksam betrachtet er die Fotos an den Wänden. Er hat Mikko Haapakoski entdeckt. Der Finne verteidigte von 1993 bis 1995 für den SC Bern. «Er war mein Assistent, als ich in Oulu Trainer war.» Die Idee, mit ihm ein Foto vor dem grossen SCB-Logo an der Wand zu machen, amüsiert ihn. Aber wir verzichten beide darauf. Es wäre eine Respektlosigkeit sondergleichen gegenüber Lars Leuenberger und seinen Daltons.

Aber Kari Jalonen sagt: «Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich meinen Vertrag als Nationaltrainer nicht verlängern und ins Klubhockey zurückkehren will.» Trotzdem habe er mit den Bernern noch nicht verhandelt. «Das ist Sache meines Agenten. Dafür ist er ja da.» Das Spiel hat ihm gut gefallen, die Stadt mag er auch und unser Hockey sowieso.

Besser gestartet als 2013

Aber vorerst ist jetzt Lars Leuenbergers Bande am Zug. Bei seinem ersten Engagement als Nachfolger des gefeuerten Meistertrainers Antti Törmänen verlor er im November 2013 gleich in Fribourg 1:2. Dann folgte eine Serie von acht (!) Siegen in Serie (gegen Kloten, Biel, Zug, Davos, Lausanne, Lugano, die Lakers und Fribourg). Schliesslich überliess er nach 20 Partien (12 Siege) im Januar 2014 seinen Platz Guy Boucher und zog sich wieder auf die Position eines Assistenten zurück. Der Kanadier versenkte den Titelverteidiger nach der Olympia-Pause 2014 in die Abstiegsrunde.

Der neue SC Bern Trainer, Lars Leuenberger, jubelt zum 4-2 fuer Bern beim Eishockeyspiel der National League A SC Bern gegen den HC Fribourg-Gotteron in der PostFinance Arena in Bern am Freitag, 20. November 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Anders als 2013 startet Lars Leuenberger mit einem Sieg.
Bild: KEYSTONE

Nun ist Lars Leuenberger gar mit einem Sieg gestartet. Seine Aufgabe ist delikat. Im Herbst 2013 ist Meistertrainer Antti Törmänen vorgeworfen worden, er setze zu stark auf Eigenverantwortung und sei zu wenig streng. Der SCB brauche eine straffere Führung. Nun ersetzt Lars Leuenberger Guy Boucher, dem eine zu straffe Führung zum Verhängnis geworden ist. 2013 musste Lars Leuenberger die Zügel anziehen. Jetzt sollte er die Spieler von der taktischen Leine lassen.

Jalonen wie Lucky Luke

Der wuchtige Powerstürmer Simon Moser hat im ersten Spiel ohne Guy Boucher seine beste SCB-Leistung gezeigt. Er erzielt ein Tor und bereitet den dritten und vierten Treffer vor. Beim 2:0 nimmt er Gottérons Ersatzausländer Martin Reway den Puck ab. Beim Deutschland Cup hatte er sich mit dem Slowaken die legendäre Prügelei geliefert, die ihm 50 Strafminuten eingetragen hat. Die Slowakei schlug die Schweiz damals 4:0 und Simon Moser schlug den Martin Reway. Auffallend auch die Rückkehr der Spielfreude bei Verteidiger Eric Blum.

20.11.2015; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - HC Fribourg-Gotteron; 
Benjamin Neukom (Gotteron) gegen Eric Blum (Bern)
 (Urs Lindt/freshfocus)

Spielfreude pur: Eric Blum ist kaum mehr wiederzuerkennen.
Bild: freshfocus

Wenn wir nun am Schluss noch einmal auf den boshaften Dalton-Vergleich der aktuellen sportlichen Führungscrew um Lars Leuenberger zurückkommen, dann ist Trainer-Wunschkandidat Kari Jalonen eigentlich Lucky Luke. Wie der Comic-Held, der die Daltons in die Schranken weist, ist auch der Finne wortkarg und macht kein Aufheben um seine sportlichen Heldentaten.

Es könnte für die Berner Version der Daltons ein langes und banges und vielleicht gar vergebliches Warten auf Lucky Luke werden. Tja, wer hätte auch vor zehn Jahren gedacht, dass der grosse, stolze, mächtige SC Bern, das Bayern München des europäischen Hockeys, dereinst seine teuerste Mannschaft aller Zeiten Lars Leuenberger, Marco Bayer, Reto Schürch und Alex Chatelain anvertrauen wird?

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

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