Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
An eerie atmosphere in the almost empty stadium during the Swiss National League ice hockey match between EHC Bieland ZSC Lions, Friday, February 28, 2020 in the Tissot Arena in Biel, Switzerland. As a prevention against the spread of the coronavirus desease, Swiss federal authorities banned events with more than 1000 spectators to take place as of Friday. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Eishockey ohne Fans: Die Regular Season wurde mit Geisterspielen abgeschlossen, ehe die Saison gestrichen wurde. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Gottseidank wieder Verkehrsstau – oder die Leiden eines Hockey-TV-Reporters

Er lebt von Verkehrsstaus und TV-Übertragungen im Hockey. Die Virus-Krise hatte ihm gleich dreimal das Geschäft verhagelt. Aber jetzt ist Michael Krein wieder guter Dinge.



Wenn nicht mehr Eishockey gespielt werden darf, sind nicht nur die Spieler oder Trainer oder Stadionwirte betroffen. Michael Krein ist TV-Reporter beim Sportsender «MySports». Bezahlt pro Einsatz. Er konnte nicht von der Kurzarbeitsregelung profitieren. Das vorzeitige Ende der Saison hatte ihm also ein wenig das Budget verhagelt. Mit fünf bis acht Einsätzen hätte er nämlich im Laufe der Playoffs, der Platzierungsrunde, der Playouts und der Liga-Qualifikation schon rechnen können.

Bild

TV-Reporter Michael Krein. bild: mysports

Bezahlt werden die freiberuflichen Kommentatoren von «MySports» ungefähr so wie Linienrichter. Es gibt also etwa 500 Franken pro Einsatz. Michael Krein sagt, eigentlich sei er privilegiert. Er könne oben auf der Kommentatoren-Tribüne sitzen und bekomme gleich viel Geld wie die Linienrichter, die sich unten auf dem Eis abmühen, ab und an sogar Schlägereien unterbinden müssen und erst noch laufend dem Unmut des Publikums ausgesetzt sind.

Ein Batzen für die Chefin

Vielleicht gibt es ja doch noch ein wenig TV-Geld. Krein erzählt, soeben sei ein Schreiben eingetroffen, dass es als Trost für die ausgefallenen Einsätze eine kleine Pauschalentschädigung gebe. Man sei noch am Berechnen. Das sei gut, obwohl es ihm nicht in allererster Linie ums Geld gehe. Wichtiger sei der Spass bei der Sache. Und wenn jetzt noch ein wenig Geld komme, könne er das einsetzen, wenn für ein Abschiedsgeschenk für die Steffi Buchli gesammelt werde. Die Programmchefin von «MySports» wechselt zu Ringier und wird Sportchefin der «Blick»-Gruppe.

Michael Krein lebt nicht allein von seiner Tätigkeit als TV-Reporter beim Sportsender. Das wäre ihm doch ein zu karges und unsicheres Einkommen. Hauptberuflich ist er zu 80 Prozent bei «Viasuisse» beschäftigt. Dieses Kompetenzzentrum für Verkehrsinformationen aller Art ist ein Unternehmen mit Sitz in Biel, an dem auch unser staatstragendes Fernsehen beteiligt ist. Hier laufen alle Meldungen über Verkehrsstaus und -störungen zusammen. Krein gehört zu den sogenannten «Stauredaktoren», die am staatstragenden Radio zugeschaltet werden, um die Stau- und sonstige Verkehrsmeldungen zu verlesen.

abspielen

Krein macht den Kevin (ab 0:48 Min.). video: michael krein

Er kommentiert emotional flüssiges Spiel und vermeldet trocken und unaufgeregt stockenden Verkehr. Seine Stimme ist dem Hockey-Fan und dem Autofahrer wohl vertraut. Und im kleinen Kreis glänzt er auch als Entertainer: Wenn er Kevin Schläpfer parodiert, bleibt kein Auge trocken.

Wenigstens gibt es wieder Stau

Die Virus-Krise hatte Michael Krein auch die Arbeit als «Stauredaktor» verhagelt. Während des Stillstandes durch die Virus-Krise ist es auf den Strassen praktisch zu keinen Staus und Störungen mehr gekommen. Also sei die Arbeitszeit bei «Viasuisse» reduziert worden. Die rar gewordenen Verkehrsmeldungen habe er nur noch notiert und seien von den Radio-Moderatoren verkündet worden.

Der Mann aus Grossaffoltern hätte nun, da es weder Staus noch Spiele gab, mehr Zeit für sein Hobby «Hockeytrainer» gehabt. Aber eben: Auch sein Hobby fiel der Virus-Krise zum Opfer. Seine Saison als Trainer der U11-Junioren bei Lyss ist unmittelbar vor dem Höhepunkt – den Finalturnieren – abgesagt worden. Wie der gesamte Hockey-Spielbetrieb.

Ob die neue Meisterschaft am 18. September wie geplant beginnt und Michael Krein erneut Spiele für «MySports» kommentieren kann, ist zwar noch ungewiss. Aber inzwischen gibt es wenigstens wieder Staumeldungen und somit Arbeit auf der «Stauredaktion». Der Hockey- und Stau-Spezialist ist wieder guter Dinge.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

12 Sätze, die garantiert niemand während der Quarantäne gesagt hat

Journalist ohne Hosen bei Live-Schaltung

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kasatanov 31.05.2020 21:22
    Highlight Highlight Da trägt der Staat wohl eher das Fernsehen als umgekehrt
  • TanookiStormtrooper 31.05.2020 14:25
    Highlight Highlight Reporter die nur pro Einsatz bezahlt werden finde ich aber gar nicht gut. Wer da seriös arbeiten will muss doch mehr machen als während des Spiels ein bisschen das Mikro hinhalten. Wundert mich nicht, finde ich die Sportberichterstattung in der Schweiz eher mässig, wenn die ganzen Leute es nur als Hobby machen.
    Wobei einige vollbezahlte "Experten" das Niveau auch nicht unbedingt heben...
  • Tikkanen 31.05.2020 12:46
    Highlight Highlight ...Chlöisu, die Bezeichnung „staatstragend“ war in der Pre-Corona Zeit treffend👍🏻 Heute solltest du aber besser vom „Staatsfernsehen resp. -Radio“ sprechen, denn faktisch ist SRF zu diesem mutiert🤔

    Item, hiubi Pfingsten und nicht vergessen, Schweizermeister🐻
    • MacB 31.05.2020 16:25
      Highlight Highlight Item, Playout... heisst das.
    • Ranger55 31.05.2020 16:49
      Highlight Highlight Zum Schluss noch dies:
      Aus nach Regular Season
    • MQ9 01.06.2020 09:15
      Highlight Highlight Wie läuft das in der Pöstlerarena bei der Stehrampe...schrauben die dort
      Sitze rein? Es wird ja höchstens mit Personifizierten Sitzplätzen in die Saison gestarted. Da haben dann wohl kaum alle Platz die jetzt dort stehen. Gibts für die einen Essensbon vom ML. Du weisst ja sonst auch immer bescheid über den noch Schweizermeister....
  • 6030ebikon 31.05.2020 11:05
    Highlight Highlight im bezug auf den stau, habe ich den lockdown genossen... es war so friedlich auf den strassen - man kam ruckzuck zur arbeit und auch wieder nach hause...

Eismeister Zaugg

Warum Ambri den nächsten Dominik Kubalik gefunden hat

Finnlands bester Torschütze wechselt nach Ambri und nicht zu einem «Grossen». Gute Ausländer sind eben nicht nur eine Frage des Geldes. Ambris Sportchef Paolo Duca zeigt, was gute Beziehungen, gutes Scouting, ein guter Trainer und ein guter Ruf ausmachen können.

Julius Nättinen, der beste Torschütze der höchsten finnischen Liga, stürmt nächste Saison nicht für den SC Bern, Lausanne, Lugano, Zug oder die ZSC Lions. Sondern für Ambri. Wie kann das sein?

Der SC Bern ist zwar ein «Grosser» und Titelverteidiger. Aber das Unternehmen steckt in einer Spar- und Erneuerungsphase und hätte ähnlich gute Argumente wie Ambri gehabt. Wer böse ist und Polemik mag, der sagt deshalb: das miserable SCB-Scouting hat den 23-jährigen Finnen wahrscheinlich übersehen …

Artikel lesen
Link zum Artikel