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Paolo Duca, Sportchef Ambri-Piotta, spricht bei der Praesentation des neuen Teams fuer die Saison 2017/18 aufgenommen in Cademario im Tessin am Dienstag, 29. August 2017. (KEYSTONE/TI-PRESS/Benedetto Galli)

Sportchef Paolo Duca, Trainer Luca Cereda im Hintergrund. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Jammern war gestern – Ambris geniale Marketingstrategie

Einst war das Jammern und Geldsammeln für Ambri die fünfte Jahreszeit in der Leventina. Diese Zeiten sind vorbei. Sportchef Paolo Duca ist in Sachen Marketing ein «Marc Lüthi der Berge».



Tue viel, ab und an auch Gutes und rede darüber. Nach diesem Grundsatz funktioniert gute Öffentlichkeitsarbeit. Kein anderer Sportchef befolgt diese goldene Regel in Zeiten der Virus-Krise so wie Ambris Paolo Duca.

Seit Ende Februar der Spielbetrieb ruht, meldet Ambri in regelmässigen Abständen Neuigkeiten. Vertragsverlängerungen, auszukurierende Verletzungen oder kleinere Transfers. Keine spektakulären News. Aber meist gute Nachrichten, die den treuen Fans signalisieren, dass sich der Sportchef rührt und Ambri lebt. Paolo Duca sagt, er habe einige Meldungen tatsächlich für die Zeit nach der Saison aufgespart. «Wenn der Spielbetrieb läuft, ist es besser, sich auf den Sport zu konzentrieren. News oder Gerüchte über Spieler und ihre Verträge schaffen bloss Unruhe.»

Ambris Paolo Duca, rechts, und Thibaut Monnet, links, feiern das 4-3 erziehlt duch Paolo Duca beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Ambri-Piotta und dem Geneve-Servette HC am Sonntag, 6. Dezember 2015, in der Valascia Halle in Ambri. (KEYSTONE/Ti-Press/Carlo Reguzzi)

Eine Ambri-Legenda: Paolo Duca, hier als Spieler. Bild: TI-PRESS

Bis auf die Besetzung der Ausländerpositionen und der Verpflichtung eines weiteren Schweizer Spielers («aber das ist noch offen») seien inzwischen alle Transfers gemacht. Die Zusammenarbeit mit den Ticino Rockets geht weiter, nach wie vor hält Ambri mit 51 Prozent der Aktien eine Mehrheit. Auch Lugano und der HC Davos sind am Farmteam beteiligt. Ob Trainer Alex Reinhard bleibt, sei noch offen.

Und so kommt es, dass Ambri seit dem vorzeitigen Saisonende (29. Februar) seine leidenschaftlichen Fans immer mal wieder mit einer guten Nachricht bei Laune hält. Die Verträge mit Matt D’Agostini (33) und Brian Flynn (31) sind verlängert worden. Zwei Ausländerlizenzen sind noch zu vergeben. «Eine davon werden wir sicher für einen Stürmer einlösen» sagt Paolo Duca. Mit Benjamin Conz und Damiano Ciaccio (neu von Langnau) hat er die Goaliepositionen sehr gut besetzt und Trainer Luca Cereda geniesst vor seiner vierten Saison längst Kultstatus. Zwei gute Torhüter und ein charismatischer Trainer sind eigentlich schon fast die halbe Miete.

Tigers Goalie, Damiano Ciaccio, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Samstag 22. Februar 2020 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Damiano Ciaccio, hier im Dress der SCL Tigers, neu einer der beiden Torhüter des HC Ambri-Piotta. Bild: KEYSTONE

Der Sportchef hat also seine Hausaufgaben gemacht. Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Mannschaft nominell ungefähr gleich stark besetzt ist wie letzte Saison. Der österreichische Nationalstürmer Fabio Hofer wechselt zwar nach Biel. Aber er wird durch Daniele Grassi – er kehrt nach vier Jahren in der Fremde (Kloten, SCB) heim nach Ambri – mehr als nur ersetzt.

Eine mehr oder weniger gleich starke Mannschaft ist eigentlich noch kein Grund zum Optimismus. Ambri hat die letzte Qualifikation auf dem zweitletzten Platz beendet. Aber es ist eine Klassierung unter dem wahren Wert und der zu hohen Belastung (Champions League, Spengler Cup, Meisterschaft) geschuldet. Die Champions League fällt jetzt weg, die Ambri sehr ernst genommen hat und dazu führte, dass die Mannschaft schon im August in Bestform war. Im Blick zurück bestätigt Paolo Duca, dass diese Belastung wohl zu gross war.

Eine Zielsetzung für die neue Saison mag er noch nicht formulieren und sagt zum Spass: «Wir wollen den Ligaerhalt sichern …» Nächste Saison gibt es ja keinen Absteiger. Ambri ist gut genug, um die Playoffs zu erreichen. Ein Blick zurück auf die Klassierungen der letzten zwei Jahre ermöglicht uns eine Prognose: Ambri wird die Qualifikation zwischen Rang 5 und Platz 11 beenden. Wie alle anderen Clubs ist das Sommertraining auch in Ambri beeinträchtigt. Gemeinsames Training ist nicht möglich. Aber zweimal die Woche sehen sich die Spieler doch. Bei einem gemeinsamen «Video-Training», vergleichbar mit einer «Video-Konferenz» im Geschäftsleben.

«Sag, wie war das damals?»

Seit dem vorletzten Freitag werden Saisonkarten verkauft. Die Preise sind nicht erhöht worden. Paolo Duca sagt, die Rückmeldungen seien positiv. Obwohl noch niemand weiss, ob die Saison plangemäss am 18. September beginnt und ob vor Zuschauern gespielt werden darf. «Für viele Fans ist der Kauf eines Saisonabonnements gerade in schwierigen Zeiten eine Möglichkeit zu zeigen, dass sie zu uns stehen.» Das Bekenntnis zu Ambri ist eben eine «amore senza confini – per sempre». Eine Liebe ohne Grenzen und für immer. So wie es manchmal auf Transparenten im Stadion verkündet wird. Und wer jetzt eine Saisonkarte kauft, dem wird ein Platz in der neuen Arena garantiert. Das neue Stadion wird im Herbst 2021 eröffnet. Ambri steht also vor einer historischen Saison: Der letzten in der alten Valascia. Noch in 50 Jahren werden Kinder ihre Grossmutter oder ihren Grossvater fragen: «Hast du ein Spiel in der Valascia erlebt? Sag, wie war das damals?»

Das Eishockeystadion Valascia von Ambri, am Samstag, 22. Dezember 2018, in Quinto. Heute war die Grundsteinlegung fuer das neue Stadion. Das neue Eisstadion soll im Sommer 2021 bezugsbereit sein und 7000 Zuschauern Platz bieten. Die totalen Kosten inklusive des Rueckbaus der alten Valascia werden auf 53 Millionen Franken veranschlagt. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Geht in ihre letzte Saison: die alt-ehrwürdige Valascia. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Sportlich gibt es nun im Sommer keine grossen Erregungen mehr. Wohl aber politisch. Paolo Duca sagt nicht, welche Meinungen sein Klub in den nächsten Wochen bei den wegweisenden politischen Entscheidungen der Liga vertreten wird. «Was wir wollen, werden wir dort vertreten, wo die Entscheidungen fallen.» An öffentlichen hockeypolitischen Debatten oder gar Polemik hat der Sportchef kein Interesse. Ambris Macher sind gut vernetzt und die Gewährsleute nördlich vom Gotthard melden, dass Ambri bei den anstehenden Debatten und Abstimmungen im Rahmen der Liga-Versammlungen im Juni und im August eine klare Meinung vertreten wird: keine Erhöhung der Anzahl Ausländer und die Einführung einer Salärobergrenze.

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