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Tigers Ass. Coach, Rikard Franzen, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Genf-Servette, am Freitag 13. September 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Rikard Franzén wird bei den SCL Tigers Nachfolger von Heinz Ehlers. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der Mut zum «Billig-Trainer» – die Langnauer als Trendsetter

Die SCL Tigers befördern Rikard Franzén (52) vom Assistenten zum Cheftrainer. Nicht, weil sie aus tiefstem Herzen restlos davon überzeugt sind, dass er der richtige Trainer ist. Sondern, weil er wenig kostet. Trotzdem ist diese «Billig-Variante» eine gute Lösung.



Kürzlich klagte der Agent eines berühmten Trainers, sein Klient werde möglicherweise für nächste Saison gar keinen Job annehmen. Die Offerten seien so miserabel wie noch nie. Offensichtlich führt die Coronakrise dazu, dass die Klubs wenigstens bei den Trainerlöhnen vorübergehend zur Vernunft gekommen sind. Gefragt sind «Billig-Trainer».

Das beste Beispiel für den Trend zu «billigem» Führungspersonal sind die SCL Tigers. Wobei «billig» eigentlich nicht das richtige Wort ist. Weil «billig» den Eindruck von «minderwertig» erwecken kann. «Billig» heisst in diesem Fall: ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis.

Die erste «Billig-Lösung» ist Sportchef Marc Eichmann. Er war in Langenthal Torhütertrainer und der «Laufbursche» von Sportchef Kevin Schläpfer. Die Langnauer haben ihn als Torhütertrainer geholt und anschliessend zum Sportchef befördert. Ganz klar: eine «Billiglösung», die weitaus weniger kostet, als wenn Kevin Schläpfer, ein bestandener, charismatischer Sportchef mit Erfahrung aus der höchsten Liga verpflichtet worden wäre.

Die zweite «Billig-Lösung» ist Trainer Rikard Franzén. Er hat bereits in den letzten beiden Jahren als Assistent von Cheftrainer Heinz Ehlers in Langnau gearbeitet. Die Beförderung vom Assistenten zum Chef bringt ihm eine Lohnerhöhung von lediglich 25'000 Franken ein. Er kostet nur halb so viel wie zuvor Heinz Ehlers. Bei seiner Beförderung war das «Preisschild» entscheidend. Nur der guten Ordnung halber hat Marc Eichmann mit der offiziellen Bekanntgabe noch etwas zugewartet und ein oder zwei Kandidaten – unter anderem Jason O’Leary, den er aus seiner Zeit in Langenthal kennt – ins Spiel gebracht.

Unruhige Zeiten bieten Chancen

Nun können wir die Langnauer für ihre Philosophie «Geiz ist geil» kritisieren. Aber das wäre gar kurzsichtig, unfair, ja töricht. Unruhige Zeiten bieten Chancen. Dank dem Kostenbewusstsein bekommen Neulinge eine Chance. Und Marc Eichmann und Rikard Franzén sind zwei Neulinge, die alles mitbringen, um diese Chance zu packen. Verwaltungsräte neigen oft dazu, ihre Sportfirmen mit grossen Namen zu schmücken und scheuen das Risiko, einem «Nobody» eine wichtige Position zu überlassen. Das ist ein Grund für die viel zu hohen Sportchef-, Trainer- und Spielerlöhne.

Die SCL Tigers haben den Mut zum «Billig-Sportchef» und zum «Billig-Trainer» – und die Chancen, dass sie für diesen Mut reich belohnt werden, stehen gut. Marc Eichmann ist ein smarter junger Mann mit Sinn für Humor und Ironie und einem guten Gespür für die Chemie eines Teams und die Persönlichkeit und das Talent von Spielern. Zudem kann er in der Organisation auf den Rat von erfahrenen Kennern (wie Alfred Bohren, Martin Gerber) zurückgreifen. Allerdings gibt es zu dieser Beförderung eine Kritik. Marc Eichmann kann nicht Sportchef UND Goalietrainer sein. Die Langnauer unterschätzen die Wichtigkeit der Position des Torhütertrainers. Das kann fatale Folgen haben.

Rikard Franzén ist zwar ein typischer Assistent, sozusagen die schwedische Antwort auf Waltteri Immonen oder Louis und René Matte. In seiner ganzen Karriere war er nur einmal Cheftrainer (2013/14 in Stockholm) – und da ist er schon Mitte Saison gefeuert worden. Aber der 52-jährige Schwede mit Vergangenheit als Verteidiger in Bern (2001 bis 2003) hat in den letzten beiden Jahren in Langnau sein Persönlichkeitsprofil geschärft. Zwischendurch hat er im Trainerbüro die fachliche Konfrontation mit seinem Chef Heinz Ehlers nicht gescheut und ab und zu war durch die Wände hindurch zu hören, wie sie die beiden gegenseitig die Meinung gegeigt haben.

In Langenthal hat's funktioniert

Rikard Franzén bekommt in Langnau eine Chance, die er in normalen Zeiten nie bekommen hätte. Und er wird alles dafür tun, um diese Chance zu nützen und er kann für Langnau ein wahrer Glücksfall werden. So wie letzte Saison in Langenthal Jeff Campbell. Sportchef Kevin Schläpfer musste ein Sparprogramm umsetzen («100'000 Franken Salär sind genug») und beförderte aus finanziellen Gründen den bisherigen Assistenten zum Cheftrainer. Und siehe da – ein Volltreffer.

Der Kanadier hat den nominell schwächer gewordenen Titelverteidiger mit viel Gespür und taktischer Schlauheit durch die Qualifikation manövriert und exakt zum richtigen Zeitpunkt in Form gebracht. Die Langenthaler spielten in den Playoffs ihr bestes Hockey, bodigten im Viertelfinale die klar favorisierten Oltner und wenn die Saison nicht abgebrochen worden wäre, hätten sie wahrscheinlich erneut die Swiss League gewonnen.

Tigers Assistentcoach, Rikard Franzen, waehrend des Meisterschaftsspiels der National League, zwischen dem HC Fribourg-Gotteron und den SCL Tigers, am Sonntag, 5. Januar 2020, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Wird Rikard Franzén der neue Jeff Campbell? Bild: KEYSTONE

Rikard Franzén wie Jeff Campbell? Ja, sehr viel spricht dafür. Sofern es Marc Eichmann gelingt die vier Ausländerpositionen gut zu besetzen. Gute Ausländer sind zwar nicht alles, aber bei einem nominell so limitierten Team ist ohne gute Ausländer alles nichts. Zwei Positionen sind mit Einschränkungen besetzt: Leitwolf Harri Pesonen hat bis Ende Juni eine Ausstiegsklausel für die KHL und es ist ungewiss, ob sich Robbie Earl bis Saisonbeginn vollständig von seiner Gehirnerschütterung erholen kann.

Die Langnauer sind mit ihrem Mut zu «Billig-Lösungen» Trendsetter. Sie haben sich auch beim zweiten Goalie neben Ivars Punnenovs von finanziellen Überlegungen leiten lassen. Die Unzufriedenheit von Damiano Ciaccio kam ihnen gerade recht: sie haben den Helden der letzten Saison aus einem gültigen Vertrag nach Ambri laufen lassen und sparen so eine schöne sechsstellige Summe. Die neue Nummer 2 Gianluca Zaetta (20) kostet nicht einmal halb so viel wie Damiano Ciaccio. Das Risiko ist allerdings erheblich: Langnaus neue Nummer 2 hat bisher nie in der höchsten Liga gespielt und war bei Zugs Farmteam auch kein heraussragender Schlussmann in der Swiss League. Fällt Ivars Punnenovs aus, braucht es wohl einen ausländischen Goalie.

Torhueter Gianluca Zaetta von der EVZ Academy vor dem Spiel anlaesslich der ersten Runde des Swiss Ice Hockey Cups 2019/20 zwischen dem EVZ Academy und dem SC Bern am Dienstag, 10. September 2019, in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Gianluca Zaetta ist Langnaus neue Nummer 2. Bild: KEYSTONE

Mut zu «Billig-Ausländern» fehlte

Schade nur, dass die Emmentaler nicht auch noch den Mut zu «Billig-Ausländern» hatten: den Mut, Philip-Michaël Devos und Jonathan Hazen, die beiden kanadischen Stürmer von Cupsieger Ajoie zu verpflichten. Da hat die Vergangenheit dem neuen Sportchef einen Streich gespielt: «seine» Langenthaler haben in er Qualifikation seit 2015 gegen ein Ajoie mit Devos und Hazen 15 von 21 Begegnungen plus den Playoff-Halbfinal von 2017 (4:1) gewonnen. Seine Schlussfolgerung: wenn es uns in Langenthal gelungen ist, die beiden Kanadier weitgehend zu neutralisieren, dann wird dies den Gegner erst recht in der höchsten Liga möglich sein.

Jonathan Hazen, links, und Philip-Michael Devos, rechts, von Ajoie, feiern das 2-0 von Devos, im vierten Playoff-Finalspiel der National League B zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Ajoie, am Samstag, 26. Maerz 2016, in Pruntrut. (KEYSTONE/Bist/Roger Meier)

Devos und Hazen bleiben in Ajoie Bild: KEYSTONE/BIST

Nun, es war letzte Saison im Cup weder Lausanne, noch den ZSC Lions, Biel oder Davos möglich, Philip-Michaël Devos und Jonathan Hazen zu neutralisieren. Und wenn es denn so einfach wäre – warum konnten die beiden letzte Saison zusammen 181 Punkte produzieren? Immerhin können die Trainer in der Swiss League die Spielweise dieser formidablen Stürmer bereits seit fünf Jahren analysieren.

Deshalb: Schade, dass die Langnauer nach dem Mut zum «Billig-Sportchef», «Billig-Trainer» und «Billig-Goalie» nicht auch den Mut zu den beiden «Billig-Ausländer» hatten.

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Reader09 08.05.2020 23:56
    Highlight Highlight In der ersten Playoff Saison hatten die Tigers auch 0 Kredit.... Und siehe da, sie mischtwn bis um Rang 4 mit!

    Erst mal spielen lassen, fals es überhaupt möglich sein wird...... Und ich hoffe, dass eine Regelung am 11. Mai kommt, in der jedes Team min. 3 bis 4 U21 Spieler einsetzen muss. Damit würde die Förderung der Jungen gefördert und brächte das CH hockey längerfristig weiter als 5 oder 6 Söldner, welche meist 0 Bezug zu Verein und Liga haben.
  • BOSELLI 08.05.2020 12:30
    Highlight Highlight Hat denn nur einer das Gefühl dass es nur Langnau so gehen wird?
    Da kommt noch ganz anderes auf ziemlich viele Clubs zu.
    Und sowiso...die Liga wird keinen Absteiger haben.
    Also hat SCL schlussendlich gut reagiert und weitere werden folgen.
  • Universalrollercoasterflow 08.05.2020 08:46
    Highlight Highlight Anfangs April hiess es noch "Langnaus Rechnung, die nicht aufgeht – das Resultat wird der Abstieg sein". Nun 4 Wochen später: Die SCL Tigers haben den Mut zum «Billig-Sportchef» und zum «Billig-Trainer» – und die Chancen, dass sie für diesen Mut reich belohnt werden, stehen gut. Ja was denn nun?
  • jeffo56 08.05.2020 06:29
    Highlight Highlight Billig-Trainer
    Billig-Sportchef
    Billig-Goalie
    Billig-Ausländer

    Billig-Chronist
    • mukeleven 08.05.2020 12:49
      Highlight Highlight nein - aber die ueberweisung des offenen wett-batzens in die EVZ junioren-kasse wuerde ihn zum “Ehren-Chronisten” schlagen.
  • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 07.05.2020 23:20
    Highlight Highlight Naja... Ob denn Jeff Campbell die Langenthaler auch wirklich zum Sieg in der Playoff-Serie gegen den HC Ajoie gecoacht hätte, und im Anschluss auch noch zum Sieg gegen den EHC Kloten (den ich ziemlich sicher im Final sah) motivieren hätte können, werden wir nie erfahren...

    Somit ist ein grosser Teil der Argumentationen des geschätzten Chronisten betreffend des (voraussichtlichen) Erfolgs der günstigen Lösungen reines Kaffeesatzlesen...
  • mukeleven 07.05.2020 22:17
    Highlight Highlight „billig“ hat halt schon einen negativen anstrich, oder eben suggeriert „minderwertigkeit“.
    was in dieser trainerfrage ggü franzen nicht fair wäre, zumal er sich als head noch gar nicht beweisen konnte.
    nenn es doch einfach „günstig“ im vergleich mit der durchschnittlichen trainerbesoldung.
  • oneair 07.05.2020 22:17
    Highlight Highlight Richtig so Langnau - es ist an der Zeit generell mal die hochgeschraubten Löhne zu überdenken - Schlaue Politik und das Herz am richtigen Fleck in ihren Überlegungen - Simon (seelig) hätte seine Freude daran!
    Und falls es dann keinen Absteiger geben sollte, haben sie alles richtig gemacht und sind kein finanzielles Risiko eingegangen, nur um wieder unbedingt im Geschäft der Ausländer mithalten kann...
  • sansibar 07.05.2020 22:13
    Highlight Highlight „Zudem kann er in der Organisation auf den Rat von erfahrenen Kennern (wie Alfred Bohren, Martin Gerber) zurückgreifen“ - da stand bis vor kurzem jeweils noch ein dritter Name 😢
  • kisimirö 07.05.2020 22:02
    Highlight Highlight Das ist das selbe wie wenn man bei wish bestellt. sieht gut aus, ist billig und nach ein paar monaten landet es im müll....schade um langnau!
  • Bacchus75 07.05.2020 21:07
    Highlight Highlight Langnau ist da doch kein Trendsetter, sondern macht lediglich das nach was die anderen kleineren Vereine schon machen. Ambri setzte mit Duca als Sportchef und Cereda als Trainer ebenfalls nicht auf grosse Namen. Rappi hat mit Tomlinson als Trainer und jetzt Steinmann als Sportchef auf unbekanntere Namen gesetzt. Es zeigt sich, dass die kleineren Vereine ihre Chance in neuen Namen finden.
  • lushütte 07.05.2020 21:05
    Highlight Highlight Bin auch sicher, dass man mit dem bestehenden Kader solidarische Lösungen finden kann die die finanziellen Probleme (Liquidität möglichst lange sichern), es sind in Langnau Aktive die sehr wohl wissen, dass da alle im gleichen Boot sitzen und es nur eine gemeinsame Lösung gibt. Das kann Selbstvertrauen, Teambildung und Leistung bringen. Geben wir doch die Chance und freuen uns ab Oktober in der Ilfishalle.
  • lushütte 07.05.2020 21:04
    Highlight Highlight "Billig" gefällt mir nicht! Es sind Entscheidungen die klar auf der Linie der Tigers liegen, sie sind zahlbar und beide haben die Chance verdient. Ausländer..ja das Ajoje Abenteuer hätte mich auch interessiert, aber es werden vor Saisonbeginn genügend Möglichkeiten entstehen, die die Tigers echt verstärken können.
    Immerhin haben wir nun auf den wichtigsten Positionen "Steuermänner" und man weiss woran man in Langnau ist.
  • bullygoal45 07.05.2020 21:03
    Highlight Highlight Ich würde in dieser Situation niemals über Langnau lachen. Es ist nicht sportliches Unwissen, dass diese Entscheide hervorruft, sondern das Geld.

    Und sobald es um Geldmangel geht, sitzen wir wieder im selben Boot.

    Ich denke das wird für Langnau den 12. Platz bedeuten - Schadenfroh wäre ich jedoch keineswegs!
    • Beaudin 08.05.2020 14:58
      Highlight Highlight hat nicht Rappi den 12 Platz reserviert ? 😊
    • bullygoal45 08.05.2020 15:32
      Highlight Highlight @Beaudin: Nicht zu früh lachen. 2 Saisons nach dem Aufstieg mit der Laterne ist ok - die nächste kommen wir 😉
    • Beaudin 08.05.2020 22:09
      Highlight Highlight bullygoal habe nicht gelacht, hoffen wir doch das Rappi und die Tigers in die Playoffs kommen.
  • plaga versus 07.05.2020 19:19
    Highlight Highlight Langnau wie Langenthal? Dann würden sie nächste Saison Schweizermeister?
    • Gondeli 07.05.2020 19:43
      Highlight Highlight Gut möglich... Andere spielen nur für den Zahltag, die Langnauer für's Hockey Country!

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