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Pittsburgh Penguins' Sidney Crosby, Evgeni Malkin and Chris Letang, from left, gather for a photo next to a display case holding the 2017 NHL hockey Stanley Cup champions' ring that was donated to the Hockey Hall of Fame by the Penguins, in Toronto on Wednesday, Nov. 29, 2017. (Christopher Katsarov/The Canadian Press via AP)

Sidney Crosby, Ewgeni Malkin und Chris Letang posieren in der «Hockey Hall of Fame». Bild: AP/The Canadian Press

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Endlich – ab 2020 kriegt das Schweizer Hockey eine eigene «Hall of Fame»

Der Verband bestätigt offiziell die Schaffung einer helvetischen Hockey-Ruhmeshalle. Wir dürfen uns auf hochklassige Unterhaltung freuen.



Der Tempel heisst «Hall of Fame». Ruhmeshalle. In Nordamerika leistet sich jede Sportart, die etwas auf sich hält, eine «Hall of Fame».

Einer der ganz grossen Unterschiede zwischen dem nordamerikanischen und helvetischen Sport ist der Respekt vor der eigenen Geschichte. Nur wer weiss, woher er kommt und was er eigentlich ist, kann auch in der Gegenwart selbstsicher auftreten. Je ernster ein Sport seine Vergangenheit und seine alten Helden nimmt, desto mächtiger und wichtiger wird ein Sport.

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So sieht der kanadische Hockey-Tempel in Toronto aus. bild: wikimedia

In der Schweiz gibt es solche Tempel bisher noch nicht. Es gibt keine mit Nordamerika vergleichbare Pflege der Hockeykultur, der eigenen Vergangenheit, der eigenen Wichtigkeit. Nun sagt Verbands-Kommunikationsgeneral Janos Kick:

«Wir sind in der Geschäftsleitung zurzeit an der Evaluationsphase und werden das Ding bis WM 2020 zum Fliegen bringen.»

Janos Kick, Head of Communications SIHF

Grosse Worte unspektakulär ausgesprochen. Der Beschluss, im Hinblick auf die WM 2020 eine solche «Hall of Fame» für unser Hockey zu schaffen, ist wichtig und richtig. Und er wird uns grosse Unterhaltung bescheren. Weil es so viele Kompromisse braucht, so viele Eitelkeiten zu befriedigen sind und schliesslich auch noch viel Geld ausgegeben werden muss. Oder sollte.

«Hall of Fame» – Vorbild Kanada

Kanadas «Hockey Hall of Fame» ist in einem Gebäude in Toronto untergebracht. Sie wurde 1943 mit Sitz in Kingston gegründet, um die besten Eishockeyspieler zu ehren. Bisher sind 399 Persönlichkeiten aufgenommen worden. Zur Ruhmeshalle gehören ein Museum mit Ausstellungsstücken zu berühmten Spielern und Teams und eine Bibliothek.

Die «Hockey Hall of Fame» wurde durch den ehemaligen Präsidenten der Canadian Amateur Hockey Association, James T. Sutherland, gegründet. Also nicht durch die NHL. Die Ruhmeshalle trug zunächst den Namen „International Hockey Hall of Fame“ und nahm am 20. April 1940 die ersten elf Mitglieder auf. Mit dem Tod Sutherlands im Jahr 1955 verlor die Stadt Kingston seinen wichtigsten Fürsprecher und so kam es 1958 zum Umzug nach Toronto. Vorerst in das Gebäude der «Canadian Sports Hall of Fame.» Auf Grund des unerwarteten Besucherzustroms beschloss die NHL zwei Jahre später den Bau eines eigenen Gebäudes, das am 26. August 1961 auf dem Grundstück der Canadian National Exhibition eröffnet wurde. Bereits im ersten Jahr kamen 750'000 Besucher. Am 16. Juni 1993 zügelte die Ruhmeshalle schliesslich an den heutigen Standort in ein neues Gebäude an der Ecke Yonge Street/Front Street in Toronto. Die Ausstellungsfläche beträgt 50'600 m².

Wer in die «Hall of Fame» aufgenommen wird, entscheidet eine 18-köpfige Kommission.

Die unterhaltsamsten Diskussionen wird es um mehrere Punkte geben.

Der Standort

Eigentlich dürfte es zu diesem Thema gar keine Diskussion, sondern nur einen raschen Beschluss des Verbands-Verwaltungsrates geben.

Klar ist: Bern ist der einzige Ort, der einer «Hall of Fame» würdig ist und als Standort dieser Hockey-Ruhmeshalle in Frage kommen darf. Warum nicht auf dem Gelände des SCB-Hockeytempels?

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Kommt die Schweizer «Hall of Fame» in der Berner Arena unter? Bild: Martin Abegglen

Bern liegt an der Kulturgrenze zwischen Welsch und Deutsch, ist verkehrstechnisch perfekt gelegen und die wichtigste Hockeystadt der Schweiz.

Wo soll die Schweizer «Hall of Fame» hinkommen?

Die Geehrten

Kommen, wie in Kanada, neben Spielern auch Funktionäre, Politiker, Manager, Schiedsrichter oder Chronisten in die «Hall of Fame»? Und werden auch Erinnerungsstücke darin verwahrt und wird eine Bibliothek eröffnet?

Klar ist: Wenn eine «Hall of Fame», dann richtig mit allem Drum und Dran inkl. Museum und Bibliothek nach dem Vorbild der Kanadier.

Switzerland's goalkeeper Florence Schelling stops the puck during the women's preliminary Group A game between Switzerland and Finland at the XXII Winter Olympics 2014 Sochi in Sochi, Russia, on Wednesday, February 12, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Auch Frauen gehören in die «Hall of Fame». Bild: KEYSTONE

Zwingend müsste die Sammlung von Jürg Wymann in ein Museum integriert werden. Der Berner bewahrt mehr als tausend Gegenstände der Hockeygeschichte in seiner Sammlung auf.

Klar ist: Die «Hall of Fame» muss für Spieler, Funktionäre, Manager, Schiedsrichter und Chronisten offen sein. Und zwar für Frauen und Männer. Oft wird vergessen, dass wir schon vor dem Frauenstimmrecht in unserem Hockey Frauen hatten, die Geschichte schrieben – wie Jeanine Potin, die Architektin der ruhmreichen Meisterjahre des HC Villars in den 1960er Jahren.

Wer soll in die «Hall of Fame» aufgenommen werden?

Die Bestimmer

Gibt es eine Kommission, und wenn es eine Kommission gibt, wer darf darin Einsitz nehmen? Ach, wird das ein Geschacher um die Sitze in dieser Kommission!

Klar ist: Es bedarf klarer Regelungen und einer breit abgestützten Kommission. Abänderungen der Vorgaben, wie es gerade passt, wie bei den SCB-Ehrungen darf es nicht geben.

Die Kosten

Soll eine Liegenschaft erworben oder eine Immobilie bloss gemietet werden? Wer bezahlt für die laufenden Kosten? Sind die Klubs einverstanden, wenn der Verband von den TV-Millionen etwas für die «Hall of Fame» beiseitelegt und nicht an die Klubs weitergibt?

Klar ist: Der Wert einer «Hall of Fame» ist für unsere Hockey-Kultur von unschätzbarem Wert. Eigentlich müssten siebenstellige Beträge für den Kauf einer Liegenschaft in Bern gesprochen werden – was ja bei jährlichen Einnahmen von mehr als 30 Millionen alleine aus den TV-Verträgen möglich sein sollte.

Der Zeitrahmen

Nehmen wir auch Helden aus der Vergangenheit, aus den 1920er Jahren, auf wie Bibi Torriani? Oder beschränken wir uns auf die Helden der Gegenwart? Und wann beginnt diese Gegenwart?

Bild

Bibi Torriani, Joe Cattini und Pic Cattini – haben sie Platz in der «Hall of Fame»? Bild: spengler cup

Klar ist: Eine Aufnahme der Helden seit Anbeginn der Zeiten wie in Kanada ist ein Muss.

Das Erfolgsgeheimnis unseres Landes ist die Kunst, einen Kompromiss zu finden. Wenn wir aber bei der Erschaffung der «Hall of Fame» zu viele Kompromisse machen, dann kommt am Ende kein Hockey-Tempel dabei heraus. Sondern ein Flickwerk.

Bis 2020 soll das Projekt «Hall of Fame» stehen. Das ist in zwei Jahren! Wenig Zeit für eine so grosse Kiste mit einer so grossen politischen Bedeutung.

Klar ist: Gelingt das Vorhaben, dann gehört dem dafür verantwortlichen Projektleiter ein Platz in der «Hall of Fame».

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
FabiusMaximus XI
17.01.2018 09:54registriert March 2014
„Die «Hall of Fame» muss für (...) Chronisten offen sein.“
Danke für den Lacher :-)
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Mia_san_mia
17.01.2018 09:42registriert January 2014
Da hofft wohl jemand, dass er bald in der Hall of Fame ist :-)
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Hockrates
17.01.2018 09:55registriert November 2015
Ein Hockey Museum. Darauf haben wir gewartet. Die Beucherzahlen werden gigantisch sein. So wie im Fifa Museum. Oder im Dorfmuseum der Wahl.
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