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Der Eismeister blickt heute auf Servette, Ambri und die Lakers. bild: shutterstock/watson

Eismeister Zaugg

Überleben in schwierigsten Zeiten – die Saisonvorschau zu Servette, Ambri und den Lakers

Für Servette, Ambri und die Lakers ist die frühzeitige Sicherung des Liga-Erhalts als Erfolg zu werten. Ambri muss mit einer extremen Belastung (Champions Hockey League, Cup, Spengler Cup, Meisterschaft) klarkommen, für Servette beginnt eine neuen Ära und die Lakers haben eigentlich ein Team für die Swiss League.



Genf-Servette: Das alte, das wahre Servette gibt es nicht mehr

Zum zweiten Mal seit dem Wiederaufstieg versucht Servette ein Leben ohne Chris McSorley an der Bande. Eine «Mission Impossible» für den neuen Trainer Patrick Émond.

Erst einmal müssen wir die Frage nach dem wahren Servette beantworten. Das wahre Servette ist ein raues, taktisch exzellent geschultes Team mit einem charismatischen Coach, der es versteht, fehlendes Talent (weil das Geld für den Einkauf dieses Talentes fehlt) durch Taktik, Disziplin, Härte, Leidenschaft und Schlauheit zu kompensieren. Die DNA dieses Klubs ist durch und durch nordamerikanisch und Chris McSorley ist der Architekt und Poster Boy dieses Hockeyunternehmens.

Geneve-Servette's General Manager Chris McSorley speaks to the media, during a press conference of presentation of the team of Geneve-Servette's before starting the new season from the National League Swiss Championship 2018-20, in Geneva, Switzerland, Friday, August 30, 2019. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Trainer Chris McSorley. Bild: KEYSTONE

Die Fans sagen in den gegnerischen Stadien seit Jahren: «Chris McSorley kommt, da wird was los sein.» Servette ohne Chris McSorley als Trainer ist wie die Rolling Stones ohne Mike Jagger auf der Bühne. Ein Gastspiel der Genfer ohne Chris McSorley ist kein Grund mehr, den Jassabend mit Kollegen abzusagen und ins Stadion zu gehen.

Natürlich gibt es ein Servette ohne Chris McSorley. Trainer kommen und gehen, Klubs bleiben bestehen. Aber ein Servette ohne Chris McSorley ist nicht mehr das wahre Servette.

Ich verneige mich vor dem neuem Trainer Patrick Émond. Aber er wird Mühe haben, mehr Autorität zu entwickeln als sein charismatischer Assistent Louis Matte. Und vor allem muss er mit der Schwiegermutter im Schlafzimmer klarkommen. Ist es möglich die Hochzeitsnacht zu geniessen, wenn die Schwiegermutter neben dem Bett sitzt, strickt und ständig nachfragt, ob denn auch wirklich alles in Ordnung sei und ob man gerne Kaffee oder Tee haben möchte? Wahrscheinlich nicht.

Geneve-Servette's Head coach Patrick Emond, right, talks to defender Henrik Toemmernes, of Sweden, left, during a training session, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, August 6, 2019. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Patrick Émond mit Henrik Tömmernes. Bild: KEYSTONE

So ungefähr ist die Situation von Servettes neuem Trainer Patrick Émond. Zum zweiten Mal nach 2017 ist Chris McSorley zwar des Amtes enthoben worden. Aber weil er wegen seines hochdotierten Vertrags bis 2024 «unentlassbar» ist, bleibt er wie schon 2017 als Sportchef im Klub.

Zwar ist seine formelle Macht eingeschränkt worden (er ist nicht einmal mehr für das nach ihm benannte Steakhouse verantwortlich). Aber nach wie vor kontrolliert er alle Informationskanäle und bleibt allgegenwärtig.

2017 war Trainer Craig Woodcroft arrogant genug, um Sportchef Chris McSorley zu ignorieren, schaffte im Frühjahr 2018 die Playoffs, wurde trotzdem gefeuert und Chris McSorley kehrte an die Bande zurück.

Die Beförderung des erfolgreichen Juniorentrainers Patrick Émond zum Chefcoach steht für eine neue Philosophie, ja eine Revolution. Servette will bescheiden werden, die eigenen Talente fördern und nicht mehr um jeden Preis nach Ruhm und Titeln streben. Das macht Sinn.

Aber das Risiko ist erheblich. Der Glaube an Patrick Émond ist nicht eben gross. Er war nach der Absage von Christian Wohlwend bloss zweite Wahl, seine Beförderung zum Cheftrainer erfolgte – polemisch gesagt – nur mit halbem Herzen. Aber mit halbem Herzen gelingt die Revolution nicht.

Servette in der neuen Saison

Trainer: Patrick Émond (Ka, neu).
Sportchef: Chris McSorley (Ka, neu).

Switzerland's defender Marco Maurer from Geneve-Servette HC for the season 2019-2020 of the National League Swiss Championship is pictured, during an official photo session, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, August 27, 2019. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Passt mit seiner Härte zu Genf: Marco Maurer. Bild: KEYSTONE

Prognose: Platz 11

Sollten wir aus der Saison 2017/18 lernen? Da war Chris McSorley zum ersten Mal nur Sportchef und trotzdem erreichten die Genfer mit Craig Woodcroft an der Bande die Playoffs auf dem 8. Platz. Aber ein zweites Mal wird dieses Wunder nicht gelingen. Die Gefahr ist erheblich, dass Patrick Émond in der Liga-Qualifikation um den Liga-Erhalt würfeln muss – wenn er dann überhaupt noch im Amt ist.

Ambri-Piotta: Zu wenig Tore für ein neues Wunder

Ambris Sturmlauf in die Playoffs und in die Champions Hockey League war das Wintermärchen der letzten Saison. Beschert uns Ambri nun ein Drama? Die Mannschaft tanzt auf vier Hochzeiten. Das ist eine zu viel.

Ambri steht vor aufregenden Monaten. Ab dem ersten Spieltag der Kampf um die Playoffs, zwischendurch ein bisschen Schweizer Cup, im Dezember zum ersten Mal die Reise an den Spengler Cup nach Davos und dazu die Herausforderung der Champions Hockey League. Und über allem die Aussicht, 2021 in den neuen, fast 60 Millionen Franken teuren Hockey-Tempel einziehen zu können.

Der neue HC Ambri Piotta-Spieler Bryan Flynn waehrend dem ersten Eistraining fuer die Saison 19/20, am Montag, 12. August 2019 in Biasca. Die Saison der National Hockey League beginnt am 13. September 2019. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)
Brian Flynn

Ambri trainiert für eine lange Saison. Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Spengler Cup und Champions League sind der Lohn für die grandiose letzte Saison (Platz 5). Aber es könnte sich erweisen, dass es Danaergeschenke sind. Also Geschenke, die sich für den Empfänger als schadenstiftend erweisen wie einst das Trojanische Pferd.

Auf den vier Hochzeiten Meisterschaft, Champions Hockey League, Cup und Spengler Cup tanzt Ambri mit einer intakten, aber vorne und hinten schwächeren Mannschaft. Liga-Topskorer Dominik Kubalik wagt das Abenteuer NHL, Samuel Guerra, letzte Saison Ambris bester Defensiv-Verteidiger, zügelte nach Davos und Benjamin Conz, der Held im Tor, ist blessiert und bis weit in den Winter hinein zum Zuschauen verurteilt.

Sind die Energie-Tanks leer, bevor die rettenden Playoff-Ufer erreicht sind? Leidenschaft, Mut, Disziplin, Tapferkeit und Teamgeist kompensieren fehlendes Talent und können die Müdigkeit überwinden. Trainer Luca Ceredas Magie macht nach wie vor jeden Spieler ein paar Zentimeter grösser, ein paar Kilo schwerer, ein paar Stundenkilometer schneller und ein paar Prozent besser. Taktisch ist Ambri unabhängig von der Besetzung eine der besten Mannschaften der Liga. Aber Luca Cereda kann leere Energietanks nicht so nachfüllen wie einst Jesus die Brot- und Fischkörbe bei der Speisung der 5000.

ZUM BEGINN DER NATIONAL LEAGUE SAISON 2019/20 AM FREITAG, 13. SEPTEMBER 2019, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDE PORTRAITS VON LUCA CEREDA, HEADCOACH HC AMBRI-PIOTTA, ZUR VERFUEGUNG --- Luca Cereda, Coach HC Ambri-Piotta, portraitiert in der Garderobe der 1. Mannschaft von Ambri-Piotta am 3. September 2019 in der Valascia in Ambri-Piotta. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Luca Cereda holt aus Ambri das Maximum raus. Bild: KEYSTONE

Energiereserven und die Anzahl der verletzten Spieler sind im langen Zermürbungskampf um die letzten Playoffplätze entscheidende Faktoren. Die Belastung muss trotz eines Farmteams auf zu wenig Schultern verteilt, die besten Spieler müssen zu stark forciert werden und das führt zu höherer Verletzungsanfälligkeit. Schliesslich wird es so sein, dass Ambri zu wenig Tore erzielt, um erneut die Playoffs zu erreichen.

Ambri in der neuen Saison

Trainer: Luca Cereda (Sz, 3. Saison).
Sportchef: Paolo Duca (Sz, 3. Saison).

Ambri's player Dominik Kubalik celebrate the 4 - 3 goal, during the preliminary round game of National League Swiss Championship 2018/19 between HC Ambri Piotta and EV Zug, at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Friday,  February 01, 2019. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Topskorer Dominik Kubalik hat Ambri verlassen. Bild: TI-PRESS

Prognose: Rang 10

Ist es boshaft, nach dem 5. Rang der letzten Saison nun Platz 10 zu prognostizieren? Nein. Wir gehen davon aus, dass es nicht möglich ist, Liga-Topskorer Dominik Kubalik zu ersetzen, und dass der Tanz auf vier Hochzeiten seinen Tribut fordern wird. Ein Sturz in die Playouts droht hingegen nicht. Ein sicherer Ligaerhalt ist eigentlich mit Ambris Möglichkeiten bereits als Erfolg zu werten.

Rapperswil-Jona Lakers: Der letzte Platz ist wieder reserviert

Die Lakers spielen mit einer Mannschaft in der höchsten Liga, die eigentlich eine für die zweithöchste ist. So ist es nicht möglich, über den letzten Platz hinauszukommen.

Die Rapperswil-Jona Lakers haben die Infrastruktur, das wirtschaftliche Potenzial und die vermögenden Gönner, um sich ähnlich zu entwickeln wie Biel und Langnau, die nach dem Aufstieg inzwischen die Playoffs erreicht haben (Langnau) bzw. ein Spitzenteam (Biel) geworden sind. Aber haben die Lakers auch den Mut für den Schritt aus dem Keller heraus?

Zuerichs Roman Cervenka, links, gegen Davos' Sven Jung, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions, am Samstag, 23. Februar 2019, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der spektakulärste Neuzugang: Roman Cervenka. Bild: KEYSTONE

Die Geschichte mahnt die Verantwortlichen zur Zurückhaltung. Der Abstieg hat einst mit dem Wahn begonnen, ein Spitzenteam zu sein. Und so ist die Liste der spektakulären Transfers seit der Rückkehr in die höchste Liga im Frühjahr 2018 überschaubar: Timo Helbling (inzwischen im Ruhestand), Daniel Vukovic und Roman Cervenka.

Der Verwaltungsrat achtet auf Kostenkontrolle und hat eine Lohnobergrenze eingeführt und durchgesetzt. Die Frage ist, ob sich die Lakers mit dieser Politik der Vernunft auf Dauer in der höchsten Liga behaupten können. Die letzte Saison hat mit 46 Niederlagen und den sang- und klanglos verlorenen Playouts gegen Davos schonungslos aufgezeigt, dass die Mannschaft nur bedingt konkurrenzfähig ist.

Eine Euphorie wie in Langnau (in der ersten Saison nach dem Aufstieg 5868 Zuschauer pro Spiel) hat die Rückkehr auf die nationale Bühne nicht ausgelöst. Es genügt in Rapperswil-Jona offensichtlich nicht, einfach in der höchsten Liga dabei zu sein. Der Zuschauerschnitt (3985 pro Partie) des Aufsteigers war der tiefste der Liga, die Auslastung des Stadions erreichte bloss miserable 65 Prozent (zum Vergleich: in Langnau 95,78 Prozent).

Nur mit einer Vorwärtsstrategie, mit dem Mut zu Anschub-Investitionen kommen die Lakers aus diesem «Hamsterrad der Mittelmässigkeit» heraus. Die Antwort auf die Frage, ob der Verwaltungsrat den Mut und das Konzept zum «Wagnis Spitzenteam» findet oder nicht, ist für die Zukunft bedeutsamer als die Resultate der neuen Saison.

Rapperswils Stammtorhueter Melvin Nyffeler verfolgt das Spiel, im fuenften Eishockey-Spiel des Playout-Final der National League zwischen dem HC Davos und den SC Rapperswil-Jona Lakers, am Donnerstag, 4. April 2019, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der Fels in der Brandung: Melvin Nyffeler. Bild: KEYSTONE

Die Mannschaft ist eigentlich zu gut für die Swiss League und zu wenig gut für die National League. Nur Torhüter Melvin Nyffeler genügt höchsten Ansprüchen. Mit Vernunft sind in jüngster Zeit nur die SCL Tigers und Ambri vom Tabellenende weg und in die Playoffs gekommen. Beide mit aussergewöhnlichen Trainern (Luca Cereda, Heinz Ehlers). Die Lakers haben keinen Trainer wie Luca Cereda und Heinz Ehlers. Der letzte Platz ist daher für die Lakers erneut reserviert.

Rapperswil-Jona in der neuen Saison

Trainer: Jeff Tomlinson (Ka, 5. Saison).
Sportchef: Janick Steinmann (Sz, neu).

HC Davos Stuermer Anton Roedin (Rodin), hinten rechts, feiert seinen Treffer zum 3-5 mit seinen Mitspielern waehrend SC Rapperswil-Jona Lakers Verteidiger Timo Helbling (#5) enttaeuscht davon fahren waehrend Spiel 4 im Eishockey-Playout-Final der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Davos am Dienstag, 2. April 2019, in Rapperswil. (PPR/Patrick B. Kraemer)

Mit Timo Helbling verlässt ein Routinier die Lakers. Bild: PPR

Prognose: Platz 12

Der Liga-Neuling stand letzte Saison vom ersten bis zum letzten Spieltag auf dem 12. und letzten Platz (42 Punkte hinter Rang 10!), der Cup konnte nicht verteidigt werden, die Playouts gegen Davos gingen verloren und die Lakers sollten den Hockeygöttern auf den Knien danken, dass Langenthal auf die Liga-Qualifikation verzichtet hat. Die Mannschaft ist nun nominell etwas stärker (vor allem dank des besseren ausländischen Personals) – aber das reicht noch nicht, um sich wenigstens um einen Platz zu verbessern. 19 Punkte fehlten zum 11. Rang und die Lakers sind nicht 19 Punkte besser als letzte Saison.

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