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Team Suisse player Tristan Scherwey celebrates after scoring during the game between Team Suisse and Haemeenlinna PK at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Thursday, December 28, 2017. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Tristan Scherwey wirbelte auch am Spengler Cup. Bild: SPENGLER CUP

Eismeister Zaugg

Wie viel SCB erträgt unser Olympiateam? Und wie viel Olympia erträgt der SCB?

Einer hat beim Spengler Cup die Nomination der olympischen Helden durcheinandergebracht. Berns rauer Kerl Tristan Scherwey (26). Er ist Patrick Fischers heikelster Fall.



Am 17. Januar soll verkündet werden, wer in Südkorea für die Schweiz um olympische Hockey-Ehre kämpfen darf. Es ist das wichtigste Aufgebot eines Nationaltrainers im 21. Jahrhundert. Denn die NHL-Profis sind nicht dabei. Zum ersten Mal seit 1952 reisen die Schweizer mit berechtigten Medaillen-Hoffnungen zu einem olympischen Turnier. Es ist für alle eine «Jahrhundert-Chance» auf ewigen Hockey-Ruhm.

Team Suisse head coach Patrick Fischer during the game between Team Suisse and HC Davos at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Saturday, December 30, 2017. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Patrick Fischer hat wichtige Entscheidungen zu fällen. Bild: SPENGLER CUP

Nationaltrainer Patrick Fischer sagt denn auch, dass dieses Turnier kein Planschbecken für Aus- und Weiterbildung sei. Die Besten der Besten werden nominiert. Es geht darum, eine einmalige Chance zu nützen.

Wer wird ein olympischer Held? Patrick Fischer sagt, dass vor dem Spengler Cup noch vier bis fünf Plätze offen waren.

Gehen wir das Aufgebot systematisch durch. Es braucht 3 Torhüter, 8 Verteidiger und 14 Stürmer aus der NLA. Jene, die sich bei der WM 2017 in Paris bewährt haben, geniessen einen Bonus. Der Spengler Cup war die letzte Gelegenheit, sich doch noch für das olympische Turnier zu empfehlen.

Die Torhüter

Gesetzt war bereits vor dem Spengler Cup Leonardo Genoni (SC Bern). Kandidaten für die restlichen zwei Plätze sind Jonas Hiller (Biel), Tobias Stephan (Zug), Robert Mayer (Servette), Niklas Schlegel, Lukas Flüeler (ZSC) und Luca Boltshauser (Kloten).

epa06411167 Team Suisse goalkeeper Leonardo Genoni reacts during the final game between Team Canada and Team Suisse at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Sunday, December 31, 2017.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Warum so unzufrieden, Leo? Du bist an Olympia unsere Nummer 1. Bild: EPA/KEYSTONE

Die Auswahl ist gross, jedoch völlig unbrisant: Leonardo Genoni ist mit grossem Abstand die Nummer 1 und wird wahrscheinlich alle Partien bestreiten. Für die zwei anderen Torhüter im Aufgebot geht es mehr oder weniger bloss um eine schöne Reise, ein aufregendes Erlebnis und die Ehre, auch dabei gewesen zu sein. Das höchste aller Gefühle wäre ein Einsatz gegen das tapfere südkoreanische Operetten-Team.

Verteidiger

Gesetzt waren bereits vor dem Spengler Cup Raphael Diaz, Dominik Schlumpf (Zug), Philippe Furrer (Lugano), Eric Blum, Ramon Untersander (SCB), Romain Loeffel (Servette) und Joël Genazzi (Lausanne). Es ist also nur noch ein Platz zu vergeben.

Die Kandidaten für dieses letzte olympische Verteidiger-Ticket sind, in der Reihenfolge ihrer Chancen: 1. Felicien Du Bois (Davos), 2. Christian Marti, 3. Patrick Geering (ZSC). 4. Noah Schneeberger (Davos), 5. Dave Sutter (ZSC) und 6. Yannick Rathgeb (Gottéron).

Stürmer

Gesetzt waren schon vor dem Spengler Cup Thomas Rüfenacht, Simon Moser, Gaëtan Haas (SCB), Vincent Praplan, Denis Hollenstein (Kloten), Tanner Richard, Cody Almond (Servette), Pius Suter, Reto Schäppi (ZSC) und Andres Ambühl (Davos).

Team Suisse player Vincent Praplan, right, challenges for the puck  with Riga's Anssi Salmela, during the game between Team Suisse and Dinamo Riga at the 91th Spengler Cup  hockey tournament in Davos, Switzerland, Tuesday, Dec. 26, 2017.  (Gian Ehrenzeller/Keystone via AP)

Vincent Praplan ist einer der grössten offensiven Hoffnungsträger der Schweiz in Pyeongchang. Bild: AP/Keystone

Vier Plätze sind noch zu vergeben. Die Kandidaten heissen: 1. Simon Bodenmann, 2. Tristan Scherwey (SCB), 3. Damien Brunner, 4. Luca Fazzini (Lugano), 5. Fabrice Herzog (ZSC), 6. Enzo Corvi (Davos) 7. Reto Suri (Zug), 8. Noah Rod (Servette), 9. Joël Vermin (Lausanne), 10. Gregory Hofmann, 11. Luca Cunti (Lugano) und 12. Lino Martschini (Zug).

Der Kandidat namens Scherwey

Wir sehen also, dass Patrick Fischer das Team schon vor dem Spengler Cup mehr oder weniger im Kopf hatte. Das Turnier brachte nur eine einzige neue Erkenntnis: Tristan Scherwey ist auch im Nationalteam besser als erwartet. Er hat die Liste der Kandidaten, die ihren Platz noch nicht auf sicher haben, ordentlich durcheinandergewirbelt.

Wie kommt es, dass er auf einmal ein ganz ernsthafter olympischer Kandidat geworden ist? Wir können mit einer anderen Frage beginnen: Wie unterscheiden sich sehr gute von weniger guten Trainern? Natürlich durch die Resultate. Aber auch dadurch, dass sie Spieler besser machen.

Bern's Head coach Kari Jalonen gestures behind his players forward Gian-Andrea Randegger, left, center Gaetan Haas, center, and forward Tristan Scherwey, right, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Lausanne HC and SC Bern, at the Malley 2.0 temporary stadium in Lausanne, Switzerland, Saturday, December 9, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Kari Jalonen hat Tristan Scherwey «gezähmt». Bild: KEYSTONE

Kari Jalonen hat aus einem wilden, manchmal mit seiner Härte überbordenden wilden Kerl einen der besten Flügelstürmer der Liga gemacht.

Vor dieser Saison hatte Tristan Scherwey in den vorangegangenen 79 Qualifikationspartien 10 Tore erzielt. Nun sind es seit Saisonstart in 34 Partien schon 9. Beim Spengler Cup war er einer der wirkungsvollsten Aussenbahn-Feger (1 Tor/1 Assist in drei Einsätzen). Selbst im Finale gegen Team Canada ging fast jeder vielversprechende Angriff von ihm aus.

Kari Jalonen hat an der Technik und an der Hockeyseele seines rauen Energieflügels gefeilt. Unter anderem hat er ihm einen um ein paar Zentimeter längeren Stock verordnet. «Ob das etwas ausmacht, kann ich nicht sagen» erklärt Tristan Scherwey. «Wichtiger scheint mit, dass ich gelernt habe, mich aufs Spiel zu konzentrieren.» Er lasse sich nicht mehr so leicht ablenken und provozieren. Er setzt seine Energie konstruktiv ein.

Vor zehn Jahren (im Sommer 2007) zügelte er noch im Juniorenalter von Fribourg nach Bern. Mit seinen ungestümen Sturmläufen, mit Provokationen und beinharten Checks, oft am Rande der Regularität, spielte er sich in Bern rasch in die Herzen der Fans. Servette-Bandengeneral Chris McSorley jammerte einmal, Scherwey werde noch jemanden umbringen.

Der wilde Energiestürmer bestritt die U18- und zweimal die U20-WM. Aber im Erwachsenenalter hat es ihm nie mehr zu WM-Einsätzen gereicht. Glen Hanlon nahm ihn zwar mit zur WM 2015 in Prag, liess ihn aber nicht auf die Gegner los. Tristan Scherwey sass während des ganzen Turniers auf der Tribüne.

Büsst der SCB einen allfälligen Olympia-Erfolg?

Und jetzt? Olympia ohne Tristan Scherwey? Ja, er ist inzwischen zum heikelsten Fall für Nationaltrainer Patrick Fischer geworden: Kann es sich der Nationaltrainer wirklich leisten, auf den SCB-Stürmer zu verzichten? Unter Umständen wären dann mit Thomas Rüfenacht, Simon Moser, Gaëtan Haas, Simon Bodenmann und Tristan Scherwey fünf SCB-Stürmer im Aufgebot. Dazu Torhüter Leonardo Genoni und die Verteidiger Eric Blum und Ramon Untersander.

Geht so viel SCB hockeypolitisch? Ja, es geht. Schliesslich ist der SCB Titelverteidiger und mit Abstand die beste Mannschaft der laufenden Saison. Viel SCB ist logisch.

Berns Meisterumzug durch die Stadt Bern, bei der Meisterfeier des SC Bern, am Samstag, 22. April 2017 auf dem Bundesplatz in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Kein SCB-Meisterumzug durch Bern? Eine Ausrede wär schon bereit. Bild: KEYSTONE

Aber sportlich ist das olympische Turnier für den SCB nicht ungefährlich. Es kann sein, dass auch zwei oder gar drei SCB-Ausländer von den Kanadiern oder Amerikanern nominiert werden und Justin Krueger für die Deutschen nach Südkorea reist. Dann würden elf oder zwölf SCB-Spieler, die bessere Hälfte der Mannschaft, bei einem Hockeyturnier acht Zeitzonen weg kurz vor den Playoffs viel Energie verbrauchen. Trainer Kari Jalonen könnte während dieser Zeit gar nicht richtig üben. Seine Herausforderer in Zürich, Lugano, Zug und Davos hätten klar bessere Voraussetzungen.

Es könnte daher sein, dass unter diesen Umständen einem gescheiterten Titelfavoriten die schönste aller Ausreden beschert wird. Sollte der SCB nicht Meister werden, kann SCB-General Marc Lüthi sagen: «Wir haben unsere Titelhoffnungen ewigem olympischen Ruhm geopfert, für uns war das Wohl unseres Hockeys wichtiger als eine Meisterfeier auf dem Bundesplatz.» Und niemand könnte ihm widersprechen.

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48 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Tomsen2
02.01.2018 10:06registriert March 2014
Hört doch auf mit den Chancen auf Medaillen. Der Karijalacup und der Spenglercup haben ja wohl bewiesen das dies nichts als Träumereien sind. Unter Fischer wird die Schweiz keinen Blumentopf gewinnen,
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Altorez
02.01.2018 11:52registriert June 2015
Wait what?
Der laut KZ Liste beste Schweizer Verteidiger (in der NLA) und zweitbeste Schweizer Spieler (in der NLA) soll der 10. platziert Verteidiger für Olympia sein.
Interessant :)
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whatsthemaeder
02.01.2018 11:40registriert January 2017
schlumpf ist gesetzt und geering nicht? komische wahrnehmung.
10125
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48

Eismeister Zaugg

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