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Biels Goalie Jonas Hiller beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EV Zug und dem EHC Biel, am Donnerstag, 28. November 2019 in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Jonas Hiller hat seinen Rücktritt auf Ende Saison angekündigt. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Jonas Hiller: «Ich bin immer noch ein schlechter Verlierer»



Noch vor dem ersten Meisterschaftsspiel im September hatte Biels Torhüter Jonas Hiller seinen Rücktritt auf Ende Saison angekündigt. Nun spielt er mit 37 sein bestes Hockey. Ein Gespräch mit dem ehemaligen NHL-Titanen über diesen Entscheid, seine lange Karriere, seine Berufseinstellung und über das Leben nach dem Hockey.

Jonas Hiller, ist diese Saison wirklich Ihre letzte Gelegenheit, noch einmal Meister zu werden?
Auch wenn die Frage, ob es denn wirklich die letzte Saison ist, immer wieder gestellt wird und Martin Steinegger ab und zu nachfragt: Ja, so ist es nach wie vor geplant. Aber es ist das Ziel, dass diese letzte Saison möglichst lange dauern wird.

Es ist aber Ihre bislang beste Saison ...
Ich kann nicht beurteilen ob es meine beste Saison ist. Ich spiele auf gutem Niveau und es war schon immer mein Ziel, auf gutem Niveau aufzuhören und nicht, wenn ich schon auf dem absteigenden Ast bin. Aber dieses Niveau zu halten, die Bereitschaft, an die Grenzen zu gehen, wird jedes Jahr schwieriger und anstrengender und kostet mich immer mehr Überwindung. Ich bin nicht der Typ, der mit 90 Prozent zufrieden ist.

Jonas Hillers Rücktrittserklärung.

Sind Sie irgendwann aufgestanden und wussten: So, das war’s, ich werde im Frühjahr 2020 zurücktreten?
Ich habe mir schon länger Gedanken über meinen Rücktritt gemacht. Bereits im letzten Frühjahr bei der Verlängerung um ein weiteres Jahr habe ich Martin Steinegger offen gesagt, dass das wohl meine letzte sein wird. Es war nicht so, dass zu viel gegen eine weitere Saison sprechen würde. Es gibt für mich einfach nicht mehr genug Gründe dafür.

Dass es eben doch nicht Ihre letzte Saison sein könnte, hängt halt nach wie vor in der Luft.
Im Idealfall ist es die letzte Saison. Wenn mir dann in einem Jahr das Hockey fehlt, kann ich ja immer noch versuchen, den Rücktritt vom Rücktritt zu geben.

«Ich hatte das gute Gefühl, dass ich in Biel etwas bewirken kann.»

Wirkt es befreiend, wenn man weiss, dass danach Schluss ist?
Nicht unbedingt. Vielleicht denkt man beim Sommertraining mal daran, dass es ja das letzte ist und beisst sich durch. Auf dem Eis spielt es keine Rolle. Ich überlege mir höchstens mal vor einem Spiel, wie es wohl sein könnte, wenn es das letzte ist.

Wie kommt es eigentlich, dass Sie nach Ihrer Rückkehr aus der NHL in Biel gelandet sind?
Schon während meiner letzten Saison in Calgary habe ich mir Gedanken über eine Rückkehr in die Schweiz gemacht. Ich hatte von den vielen Reisen, der Zeit in den Hotels und der Ungewissheit genug. Ich war daran, in der Nähe von Bern ein Haus zu bauen und für mich war klar: Wenn ich in die Schweiz zurückkehre, dann will ich die Chance nutzen, Wurzeln wachsen zu lassen und es würde keinen Sinn machen, mit meiner Familie in der Nähe von Bern zu wohnen und etwa in Lugano zu spielen. Die Bieler haben mich früh kontaktiert und ich hatte das gute Gefühl, dass ich in Biel etwas bewirken kann. Nun kann ich rückblickend sagen: Es ist toll, was wir in den letzten drei Jahren erreicht haben und ich bin stolz darauf, dass ich dazu etwas beitragen konnte.

Was hat sich in Biel seit Ihrer Ankunft geändert?
Als ich kam, bin ich fast ein wenig erschrocken, wie viele Leute es in der Kabine gab, die so schnell zufrieden waren und bereits nach zwei Siegen glaubten, alles sei gut. Ich versuchte eine andere Einstellung hineinzubringen: Dass zwei Siege nicht gut genug sind, dass es drei, vier und immer mehr Siege braucht. Die, die nicht auf diesen Zug aufspringen wollten, sind heute nicht mehr dabei. Die Ansprüche sind heute in Biel viel höher.

Haben Sie diese Einstellung aus Nordamerika mitgebracht?
Nein. Ich glaube zwar, dass es möglich ist, diese Einstellung zu lernen. Aber es ist einfacher, wenn man diese «Competitiveness» bereits in sich trägt. Ich will noch mehr und wenn es gut ist, dann will ich noch besser werden. Das war schon immer meine Art.

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Ein Video aus Hillers Zeit bei den Calgary Flames. Video: YouTube/Calgary Flames

Ohne diese Einstellung wären Sie ja gar nicht erst in die NHL gekommen.
Nicht einmal in die National League. Mit 18 wusste ich noch gar nicht, ob ich überhaupt einmal mit Eishockey meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Ich war nicht mal in einer Junioren-Nationalmannschaft. Mir standen stets andere vor der Sonne und ich musste noch härter arbeiten, um an ihnen vorbeizukommen.

Waren Sie zu wenig talentiert?
Bei Goalies ist es halt oft ein wenig Ansichtssache, ob einer Talent hat. Wenn einer spektakulär spielt, gilt er schnell einmal als gut. Es gab in meiner Generation viele grosse Talente: Marco Wegmüller, Matthias Schoder, Tobias Stephan, oder Daniel Manzato. Bis ich mich schliesslich in Davos etabliert hatte, wusste ich gar nicht, ob ich für die höchste Liga gut genug bin. Im Training war ich das zwar. Aber es blieb offen, ob ich die mentale Belastung im Spiel aushalten konnte.

Welche Rolle spielt Torhütertrainer Marcel Kull in Ihrer Karriere?
Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Er war schon in Herisau bei den Junioren mein Trainer und dank ihm bin ich überhaupt erst nach Davos gekommen. Arno Del Curto wollte ihn als Torhütertrainer und er wiederum sagte, dass er mich gleich mitnehme. So konnte ich mit der ersten Mannschaft trainieren noch bevor ich spielen durfte und er stand in Davos immer hinter mir. Im Nachhinein weiss ich nicht, wie es ohne ihn gekommen wäre.

ARCHIVBILD ZUR VERPFLICHTUNG VON ARNO DEL CURTO ALS NEUER TRAINER DER ZSC LIONS, AM MONTAG, 14. JANUAR 2019 - Davos Cheftrainer Arno Del Curto weist seine Spieler an, im dritten Eishockey Playoff-Viertelfinalspiel der National League zwischen dem HC Biel und dem HC Davos, am Donnerstag, 15. Maerz 2018, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Arno Del Curto gab neben Hiller auch Thomas Bäumle die Chance als Torhüter. Bild: KEYSTONE

Und Arno Del Curto?
Er war der einzige, der verrückt genug war, zwei jungen Torhütern eine Chance zu geben (Jonas Hiller und Thomas Bäumle, a. d. Red.). Du kannst ja nur alles tun, um bereit zu sein, wenn die Chance heute, morgen oder auch erst übermorgen kommt. Es lag an mir, sie zu packen.

Sie verdanken diese Chance auch den finanziellen Problemen beim HC Davos.
Es kam 2003 wegen der finanziellen Schwierigkeiten zu Lohnkürzungen. Lars Weibel hatte einen frischen Dreijahresvertrag und war bereit, im ersten Jahr diese Kürzung zu akzeptieren. Danach durfte er den Vertrag auflösen. Er wechselte nach Zug und Davos hatte kein Budget mehr für Goalies. Also hat man zwei Jungen eine Chance gegeben.

Ein Torhüter braucht also mehr noch als ein Feldspieler jemanden, der ihm eine Chance gibt.
Es gibt ja nur eine Goalieposition. In der Schweiz bekommt man immerhin eine zweite und vielleicht sogar noch eine dritte Chance. In Nordamerika ist es extremer. Warum kam Andres Ambühl nie in die NHL? Weil ihm niemand eine Chance gegeben hat. Du brauchst jemanden, der auf dich setzt. Manchmal ist es der Coach, manchmal der Goalietrainer. In den Sommer-Trainingslagern in Verbier habe ich François Allaire (einer der bekanntesten Torhütertrainer Amerikas, a. d. Red.) kennengelernt. Er hielt viel von mir. Als später die NHL für mich ein Thema wurde, hatten mehrere Teams Interesse. Man sagte mir nach, ich sei dann wegen des Wetters nach Anaheim gegangen. Aber es war etwas anderes: Dort war François Allaire Goaliecoach und er hat sich für mich eingesetzt. Ich wusste, dass ich jemanden hatte, der auf mich setzt und der mir viel helfen kann. Es ist viel einfacher, wenn ein Coach viel von dir hält und nicht darauf wartet, dass du den nächsten Fehler machst und ihm den Grund lieferst, dass er dich nicht mehr einsetzen muss.

FILE - In this March 5, 2016 file photo, Calgary Flames head coach Bob Hartley gives instructions during an NHL hockey game against the Pittsburgh Penguins in Pittsburgh. The Flames have fired Bob Hartley, who was the named the NHL's coach of the year last season. (AP Photo/Gene J. Puskar, File)

Mit Bob Hartley hatte Hiller kein besonders gutes Verhältnis. Bild: AP/AP

So wie in Ihrer letzten Saison unter Bob Hartley in Calgary?
Ja, es war frustrierend. Ich hatte acht tolle Saisons in der NHL und die letzte in Calgary ist die einzige, die verkorkst war. Gewisse Sachen kann man beeinflussen, andere nicht. Bereits in der Saison zuvor stimmte vieles nicht, aber wir hatten trotzdem Erfolg. Als dieser Erfolg ausblieb, kam vieles an die Oberfläche.

Sie haben die beste und wichtigste Liga der Welt verlassen, um die Karriere in der Schweiz fortzusetzen. Eigentlich ein Abstieg. War es ein schmerzlicher Abschied?
In der letzten Saison in Calgary traten für mich die negativen Seiten in den Vordergrund: Es läuft nicht mit dem Coach und dann spürt man die vielen Reisen, die viele Zeit in Hotels und man wird nachdenklich. Ich war nicht mehr bereit, alles noch einmal in Kauf zu nehmen, womöglich mit einem Zweiwegvertrag und Spielen in den Farmteams. Das war es mir nicht mehr wert. Neun Saisons in der NHL – das hätte ich mir vorher nie erträumt. Es war gut so und Zeit für mich, heimzukehren.

War es eine grosse Umstellung?
Nach zwei, drei Trainings hat man das Winkelspiel schon wieder im Griff. Das Problem ist die Spielweise. Es braucht mehrere Monate, um sich daran zu gewöhnen, dass hier in 95 Prozent der Fälle ein Pass statt einem Schuss folgt. In der NHL ist es gerade umgekehrt.

Werden die Torhüter in der NHL stärker attackiert?
Nein, nicht wirklich. Es wird direkter aufs Tor gespielt, aber die Verteidiger sind sehr darauf bedacht, den Goalie zu schützen. Alleine in dieser Saison ist in meinem Torraum wohl mehr passiert als drüben während einer ganzen Regular Season.

Vom Lebensstil her müsste Ihnen eigentlich Nordamerika sehr zusagen: Sie mögen bekanntlich Autos und das Meer.
Im Ausland bin ich Patriot geworden. Natürlich ist das Leben in Nordamerika cool. Aber ich habe Dinge schätzen gelernt, die bei uns selbstverständlich sind: Beispielsweise das Schul- und Gesundheitssystem oder die Verlässlichkeit der Handwerker. Die USA sind ja nicht gerade ein Drittweltland, aber wir leben hier vergleichsweise schon auf einem sehr hohen Niveau. Ich gehe gerne in die USA um Ferien zu machen. Aber ich möchte nicht mein ganzes Leben dort verbringen. Ich habe es sehr genossen, ich hatte in Kalifornien sogar ein Haus am Meer. Aber es war für mich immer klar, dass ich in die Schweiz zurückkehren werde.

«Dass ein ganzer Klub und ein ganzes Team auf mich setzten, war ein gutes Gefühl und das hatte mir zuletzt in Calgary gefehlt.»

Gibt es einen grossen Unterschied zwischen dem Jonas Hiller, der 2007 das Abenteuer NHL gewagt hat und dem Jonas Hiller, der nun in Biel wieder in der Schweiz spielt?
Mein Hang zum Perfektionismus ist noch derselbe, den Unterschied macht die Erfahrung. Ich bin ja nicht zurückgekommen, um noch ein bisschen zu spielen und die Karriere ausklingen zu lassen. Das geht nicht. Entweder ist man hundertprozentig dabei oder nicht. Ich habe den Ehrgeiz, der beste Goalie zu sein und zu zeigen, was ich drüben gelernt habe.

Von Ihnen ist nicht nur erwartet worden, dass Sie gut spielen. Von Ihnen hat man sich erhofft, dass Sie den EHC Biel verändern. War das nicht eine grosse Belastung?
Nein. Von aussen gesehen war der Erwartungsdruck tatsächlich gross. In der NHL war die öffentliche Erwartungshaltung kleiner. Ich wusste einfach, dass ich nicht spiele, wenn ich nicht gut genug bin. Der Druck war teamintern. Hier in Biel kam dieser Druck von aussen. Aber das machte für mich keinen Unterschied. Ich habe an mich ebenso hohe Erwartungen und setze mich selbst am stärksten unter Druck. Dass ein ganzer Klub und ein ganzes Team auf mich setzten, war ein gutes Gefühl und das hatte mir zuletzt in Calgary gefehlt.

Welche Pläne haben Sie nach dem Hockey? Mit Ihrem Wissen und Ihrer Erfahrung könnten Sie beispielsweise Sportchef werden.
Ich habe dem Hockey extrem viel zu verdanken. Aber ich habe in den letzten 30 Jahren so viel Zeit in Eisstadien verbracht, dass ich mich auf neue Erfahrungen freue. Zum Beispiel aufs Skifahren und Reisen. Die Möglichkeit zu einer Rückkehr ins Hockey kommt schon noch früh genug. Ich muss jetzt nicht gleich als Goalietrainer anfangen.

Was werden Sie nach Ihrem Rücktritt tun?
Ich habe ja jetzt schon viele Engagements. Um die kann ich mich nach meinem Rücktritt intensiver kümmern und auch operativ stärker tätig werden.

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Mehr zu Hillers Kiteboarding-Firma. Video: YouTube/MySports

Betreiben Sie eine Goalie-Schule?
Nein, nein. Ich bin an der Firma «GIN Kiteboarding» beteiligt. Wir stellen in La Neuveville Kites her und mit «Kite Fun» in Luzern bieten wir Kiteboard-Schulungen und -Reisen an. Ich bin ausserdem Mitinhaber von «Algrano», einer Handelsplattform für Kaffee, die den direkten Handel vom Produzenten zum Verbraucher ohne Zwischenhandel ermöglicht. Und dann bin ich noch bei einem IT-Unternehmen namens «Threatray» in Biel dabei. Da werden Programme zur Abwehr von Cyberangriffen und zum Aufspüren der Täter im Netz entwickelt. Das wird in Zukunft immer wichtiger werden.

Kite-Surfer, Kaffee-Händler und Computerviren-Jäger – müssen Sie bei so vielen Tätigkeiten Kompromisse machen?
Es ist herausfordernd. Ich habe im Eishockey gelernt, im Team zu arbeiten und anderen zu vertrauen. Aber ich gehe schon davon aus, dass wir alle den gleichen Drive haben.

Ja? Überfordern Sie mit Ihrem Drive Ihre Geschäftspartner nicht?
Doch, und es ist ein Glück, dass ich nicht so viel Zeit habe, um mich um alles zu kümmern (lacht). Nein, Spass beiseite, so ist es natürlich nicht. Es funktioniert.

Sie sind auf eine Ihrer grössten Leidenschaften gar noch nicht eingegangen.
So?

Jonas Hiller ist ein grosser Auto-Fan.

Ja, die Autos. Werden Sie noch die 24 Stunden von Le Mans fahren?
Na ja, übertreiben wollen wir es nicht. Aber so ein 12-Stunden-Rennen wäre schon cool.

Werden Sie Rennfahrer?
Nein, das ist ein sehr teures Hobby. Ich könnte nicht so gut werden, um zu den Wenigen zu gehören, die damit Geld verdienen. Aber ich bin fasziniert von der Technik. Wie viele Einzelteile es braucht, um einen Motor herzustellen und wie viele Teile zusammenpassen müssen, damit ein Auto überhaupt funktioniert. Ich fahre ein Auto gerne am Limit. Nicht auf der Strasse natürlich, aber ab und zu auf einer Rennstrecke.

Wie viele Autos besitzen Sie?
Ich weiss es gar nicht genau. Es sind jedenfalls genug, um jeden Tag wieder ein anderes zu fahren. In meiner Garage haben schon ungefähr zehn Autos Platz.

Welches ist Ihr Prunkstück?
Der Tesla ist zwar super und ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich täglich von Bern nach Biel und zurückfahre. Die Energie kommt von der Solaranlage auf meinem Haus. Am liebsten fahre ich aber den Porsche 911. Er hat eine ganz besondere Kombination von Sportlichkeit und Eleganz und kommt nahe an die Perfektion heran, die ich im Hockey pflege.

Ihre Perfektion im Hockey ist regelrecht legendär. Sie schliffen sogar in der NHL Ihre Schlittschuhe selbst.
Ja, ich bin auf der ständigen Suche nach Möglichkeiten, um meine Ausrüstung noch besser zu machen und einen Puck mehr zu stoppen.

Jonas Hiller ist ein Perfektionist – auch was seine Ausrüstung anbelangt.

Was können Sie denn da bei der Ausrüstung tun? Die Masse sind ja vorgegeben.
Beispielsweise einen kleinen Riemen etwas enger anziehen, die Schoner härter oder weicher machen. Ein Beispiel: Einmal fühlte ich mich einmal bei neuen Schonern irgendwie nicht ganz wohl, obschon man mir versicherte, dass alles so sei, wie ich es bestellt hatte. Ich habe dann herausgefunden, dass die Schaumstoffschicht im Schoner fünf Millimeter dünner war. Abläufe und Bewegungen werden zu Gewohnheiten und wenn ich das Gefühl habe, dass etwas nicht perfekt ist, fühle ich mich nicht wohl.

Übertragen Sie Ihren Hang zur Perfektion auch in Ihr Privatleben?
Nein, es ist nicht bei allem ganz so schlimm. Aber manchmal habe ich eben schon hohe Anforderungen.

Aber Sie können schon eine Fünf mal geradestehen lassen?
Ja, man kann nicht alles perfektionieren. Es ist nicht so, dass ich betrüge, wenn mir im Würfelspiel mit meinen Kindern eine Niederlage droht (lacht).

Sind Sie unterdessen also ein guter Verlierer?
Nein, ich bin immer noch ein schlechter Verlierer. Manchmal ärgere ich mich über irgendetwas noch zwei Tage nach einem Spiel. Klar, wenn das nächste Spiel kommt, ist es vorbei. Dann wird aus dem Ärger ein «jetzt erst recht». Aber wenn man drei Tage lang kein Spiel hat, dann kann das dauern.

War eigentlich Ihr Rücktritt nach dem Olympischen Spielen 2018 auch eine Reaktion auf das enttäuschende Abschneiden?
Nein. Natürlich wären wir dort gerne länger im Turnier geblieben. Aber ich hatte Patrick Fischer schon vor der Selektion gesagt, dass das mein letztes Turnier sein wird. Für mich stimmte es so, der Aufwand für weitere Turniere wäre mir zu gross geworden.

Biels Goalie Elien Paupe, jubelt nach dem Sieg, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den SCL Tigers , am Samstag, 21. September 2019, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Hiller würde Elien Paupe eine Chance geben – aber nur mit einem zweiten Goalie. Bild: KEYSTONE

Mit neun Jahren in der NHL haben Sie sich in den Geschichtsbüchern neben David Aebischer und Martin Gerber einen Platz unter den grossen Pionieren unseres Hockeys gesichert. Heute haben wir aber keine NHL-Goalies mehr. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Der Markt ist nicht so gross, dass wir erwarten können, dass wir in jedem Jahrgang einen NHL-Torhüter hervorbringen. Unsere Ausbildungsarbeit ist gut. Ein Problem ist vielleicht die neue Ausgeglichenheit der Liga, die es früher so nicht gegeben hat. Die Ansprüche sind inzwischen bei allen Teams so hoch, dass sich kaum mehr einer Experimente leisten will. Vor zehn Jahren gab es noch genug Teams, die es wagen durften, einem jungen Torhüter eine Chance zu geben. Würde heute noch jemand auf zwei so unerfahrene Torhüter setzen wie damals Arno Del Curto auf Thomas Bäumle und mich? Das Problem ist, dass zu wenig junge Goalies eine Chance bekommen. Nicht nur bei uns. Auch die Kanadier haben inzwischen Probleme, Torhüter zu produzieren.

Wenn Sie nun Martin Steinegger wären: Würden Sie bei Ihrer Nachfolgeregelung Elien Paupe die Chance geben?
Ja. Aber mit einem zweiten Goalie, mit dem er die Belastung teilen kann.

Interview aus dem Eishockeymagazin «Slapshot».

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Theophilus Carter 08.12.2019 14:32
    Highlight Highlight Ein riesiges Dankeschön an Ausnahmetalente wie Jonas Hiller und Co. Sie machen ganze Teams und den eigentlichen Sport selbst besser.

    Mit Steinegger und der Verpflichtung von Jonas Hiller hat in Biel/Bienne eine neue Zeitrechnung begonnen. Hoffentlich können wir diese Reise noch länger geniessen.
  • honigkuchenpferd 08.12.2019 13:06
    Highlight Highlight cooler Typ! Habe das Gefühl, dass er noch eine weitere Saison anhängt :-) (ausser Biel wird Meister)
  • fools garden 08.12.2019 10:23
    Highlight Highlight Sackstarkes Interview, und der letzte Abschnitt bringt es wohl auf den Punkt.
    Wenn so viel heute vom Torhütter abhängt und die Jungen die Chance nicht bekommen oder gleich beim ersten Einsatz voll durchstarten, wird das Problem in der Zukunft wohl eher noch größer.
  • ben_fliggo 08.12.2019 10:09
    Highlight Highlight What a Legend...
  • geissli 08.12.2019 09:50
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