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Torhueter Leonardo Genoni, mitte, im Spiel gegen Vincent Praplan, rechts, von Bern Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und dem SC Bern vom Montag, 23. Dezember 2019 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Leonardo Genoni (Mitte) behält gegen den SCB den Überblick. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Leonardo Genoni beschliesst, wieder ein grosser Goalie zu sein

Zug übernimmt am letzten Spieltag des Jahres mit einem 1:0 gegen den SC Bern die Tabellenspitze. Noch wichtiger: Zum ersten Mal in dieser Saison hat Zug SCB-Hockey gespielt. Also meisterliches Hockey.



Eishockey ist ein Mannschaftspiel. Klar. Aber am Ende entscheidet oft der letzte, der einsamste Mann. Der Goalie.

Meister Bern hat seine Krise erst mit der Verpflichtung von Tomi Karhunen gestoppt. Mit dem Finnen haben die Berner zuletzt siebenmal in Serie gepunktet und nur zwei Niederlagen nach Penaltys erlitten (gegen Davos und Ambri).

Zug hat diese Serie im besten Saisonspiel beendet. Gegen einen SCB, der auch seine beste Leistung der laufenden Qualifikation zeigte. Was einiges über die hohe Qualität dieses «Gipfeltreffens» der beiden letztjährigen Finalisten aussagt: Intensität, Taktik und Tempo hatten europäisches Niveau. Für den SCB gilt zwar nach wie vor: Goalie gut, Schablone gut, alles gut. Allerdings gibt es nun einen Zusatz: aber nicht mehr gut genug gegen Zug.

Eigentlich gewinnen die Berner genau solche Partien. Sie sind die Spezialisten für knappe Entscheidungen, wenn es drauf ankommt. Das ist der Grund, warum sie in den letzten vier Jahren dreimal die Meisterschaft gewonnen haben.

Umgekehrt gilt: Eigentlich verlieren die Zuger genau solche Partien. Sie sind die Spezialisten für knappe Niederlagen, wenn es drauf ankommt. Das ist der Grund, warum sie in den letzten drei Jahren zweimal den Final verloren haben.

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Die Highlights des gestrigen Spiels. Video: YouTube/MySports

Aber nun haben die Berner in Zug ihren Meister gefunden. In einer Partie, die nach ihrem Drehbuch, nach der rauen, taktischen Art gelaufen ist, wie sie Hockey mögen.

Den SCB in einem solchen Spiel zu besiegen ist die wahre, die hohe Kunst. Es kann sehr wohl sein, dass wir im Rückblick diesen 23. Dezember als Wendepunkt in der neueren Geschichte des Innerschweizer Hockeykultur erkennen werden. Als den Tag, an dem die Zuger gelernt haben, die Spiele zu gewinnen, die sie bisher meistens verloren haben. Als den Tag, an dem Zug gelernt hat, SCB-Hockey zu spielen. Das Hockey der Sieger.

«Wir finden jetzt Wege, solche Spiele zu gewinnen. Wir entwickeln uns in die richtige Richtung.»

Dan Tangnes, Trainer EV Zug

Der grosse Sieg hat viele Gründe. Eine sehr hohe taktische Disziplin. Eine exzellente Defensivorganisation. Gesundes Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen in den Zweikämpfen. Santeri Alatalo besteht sogar eine Prügelei gegen Berns notorischen Bösewicht Thomas Rüfenacht in der Schlussphase unbesiegt. Die Zuger lassen sich nicht mehr einschüchtern.

Trainer Dan Tangnes sprach von einem grossen Spiel. Es sei auch eine Geduldsprobe gewesen. «Wir finden jetzt Wege, solche Spiele zu gewinnen. Wir entwickeln uns in die richtige Richtung.»

Wo er recht hat, da hat er recht. Und doch hätte alles auch anders kommen können. In der 34. Minute hat Berns Topskorer Mark Arcobello freie Fahrt gegen Leonardo Genoni. Es ist das einzige Mal in dieser Partie, dass ein Stürmer der Zuger Abwehr zu entwischen vermag. Aber Zugs letzter Mann stoppt den zweitbesten Skorer der Liga. Was, wenn da der SCB 1:0 in Führung gegangen wäre? Es ist nicht passiert. Wir müssen uns mit dieser Frage nicht mehr befassen. Und so ist die Behauptung nicht übertrieben, dieser grosse Sieg hat einen Vater: Leonardo Genoni. Er hat beschlossen, wieder ein grosser Torhüter zu sein. Also war er ein grosser Goalie. Er stoppte alle 32 Abschlussversuche seines letztjährigen Arbeitgebers.

Mit einer simplen Statistik können wir aufzeigen, wie sich beide Teams über den Torhüter stabilisiert haben. Wie sie sich letztlich über ihre Schlussmänner definieren.

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Carl Klingberg spricht über den Sieg gegen Bern. Video: YouTube/MySports

Am 28. September gewinnt Zug gegen Bern 5:2. Leonardo Genoni kann sich mit einer Fangquote von 92,31 Prozent begnügen. Auf der Gegenseite pariert Pascal Caminada nur 79,17 Prozent der Schüsse.

Am 2. November gewinnt Zug in Bern nach Penaltys 5:4. Niklas Schlegel (87,50 %) hat sogar die bessere Quote als Leonardo Genoni (86,21 %).

Es war September- und November-Hockey mit zwei Teams und zwei Schlussmännern, die so weit von einer Playoff-Form entfernt waren wie von einer Aufnahme in die NHL. Meisterschaften werde ja nicht entschieden, wenn es noch Blätter in den Bäumen hat.

Erst wenn alle Blätter gefallen sind, beginnt für einen Titelanwärter die Saison so richtig. Erst an diesem 23. Dezember sehen wir das wahre Zug und den wahren SCB in einer Direktbegegnung.

Nur mit einer Fangquote von 100 Prozent ihres Torhüters ist der Sieg für die Zuger möglich. Auf der Gegenseite pariert Tomi Karhunen 96,43 Prozent der gegnerischen Abschlussversuche. Noch nie hat der SCB unter Kari Jalonen bei einer so guten Goalie-Statistik ein Spiel verloren

Nach Spielschluss wird Leonardo Genoni verdientermassen zum ersten Mal in Zug zum besten Mann der Zuger gekrönt. Als es vollbracht ist, echot sein Name tausendfach durch die ausverkaufte Arena. Als hätte es nie Zweifel gegeben. Als sei er nie statistisch die schwächste Nummer eins der Liga gewesen. Als sei nie Luca Hollenstein, die Nummer 2, als Held gefeiert worden.

Im letzten Spiel des Jahres hat Leonardo Genoni mit seinem zweiten «Shutout» (nach dem 3:0 in Lausanne) den Zugern die Gewissheit gegeben, dass sie doch einen Meister zwischen den Pfosten haben. Und noch etwas stimmt zuversichtlich: die Art und Weise, wie der goldene Treffer im Powerplay in der 46. Minute erzielt worden ist. Erst nimmt Carl Klingberg dem überragenden Tomi Karhunen die Sicht, dann versenkt er den abprallenden Puck zu seinem 9. Saisontreffer. Und geschossen hatte Grégory Hofmann, neben Leonardo Genoni der spektakulärste Einkauf von Sportchef Reto Kläy.

Das vorweihnachtliche Spektakel ist also eine Blaupause für die Playoffs: Leonardo Genoni lässt sich nicht überwinden und vorne fädelt Grégory Hofmann die Entscheidung ein.

So hat es Reto Kläy geplant. Am 23. Dezember ist sein Plan zum ersten Mal umgesetzt worden.

Was den SCB beunruhigen muss: Wenn es so knapp wird, entscheiden Details. Viele dieser Details sind bei einem unberechenbaren Spiel auf rutschiger Unterlage nicht berechenbar.

Aber für ein Detail trägt die sportliche Führung die Verantwortung. Für die Rekrutierung der Ausländer.

Berns Andrew MacDonald, Mitte, fotografiert beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den SC Bern, am Freitag, 25. Oktober 2019, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Andrew MacDonald genügt wie Jan Mursak und Andrew Ebbett den höchsten Anforderungen nicht. Bild: KEYSTONE

Der SCB hat nur noch zwei erstklassige Ausländer: Torhüter Tomi Karhunen und Topskorer Mark Arcobello. Weder Andrew MacDonald noch Jan Mursak noch Andrew Ebbett genügen höchsten Anforderungen.

Der Meister braucht noch mindestens einen zweiten erstklassigen ausländischen Stürmer. Sonst ist er schon in drei Monaten nicht mehr Meister.

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • goldmandli 24.12.2019 11:58
    Highlight Highlight Das Beste am Spiel war, dass man schon vorher wusste, dass KZ einen Bericht darüber raushauen wird. Trotzdem war es spannend, weil Zauggs geschreibsel vom Ergebnis abgehangen hat.
  • Staal 24.12.2019 11:28
    Highlight Highlight Also mit Tangnes/Joshi H. an der Bande wird das auch 2020 nichts mit einem Titel. Spätestens im Final wird die Hofmann Linie ausgepowert sein. Da gibt es in der NL doch einige Trainergespanne die für Playoffschlachten mehr Qualität besitzen.
    • egemek 24.12.2019 12:32
      Highlight Highlight Meinst du den Coach, der Arcobello fast 25 Minuten auf dem Eis liess gestern? 🤔
    • Eiswalzer 24.12.2019 12:40
      Highlight Highlight Ausgepowert? Wieso? Diverse Zuger waren lange verletzt und werden mit der Energie kaum Probleme haben diese Saison. Auch die Eiszeiten sind normal verteilt, ein Hofmann stand gestern 5 Minuten weniger auf dem Eis als ein gewisser Gelbhelm eines anderen Teams...
    • MARC AUREL 24.12.2019 12:48
      Highlight Highlight Hört doch auf wegen Eiszeit usw.. wer gewann in den letzten 4 Jahren 3 Titeln??? Noch Fragen? GRANDE BERN!
    Weitere Antworten anzeigen
  • geissli 24.12.2019 10:21
    Highlight Highlight Wie war das? In der 34. min entwich als einziger arcobello der zuger-abwehr...?

    Warum konnte das ebbett 3 mal alleine auf leo losziehen? So sah es jedenfalls im tv aus...

    Übrigens, als scb-ler muss ich sagen: ja, ein geiles spiel, beste saisonleistung...nein.

    Nun wünsche ich euch allen erholsame festtage 😜
  • reto74 24.12.2019 10:18
    Highlight Highlight Der letzte Satz ist Balsam 😉
  • Doublethink 24.12.2019 09:57
    Highlight Highlight Im letztjährigen Final hat Zug auch einige Spiele gegen Bern gewonnen.
    Item, super Leistung. Auf eine spannende zweite Saisonhälfte.
    • CaptainObvious 25.12.2019 01:04
      Highlight Highlight Einige? Soweit ich mich erinnere war es eines (das Erste), nicht einige.
  • CaptainObvious 24.12.2019 09:08
    Highlight Highlight Hat eigentlich jemand die Wendepunkte, die Klaus gerne definiert mal zusammengefasst um sie einer Prüfung zu unterziehen? 🙂

    Zum Thema:
    Ich hab das Spiel nicht gesehen, lese nur, dass es hochstehend, ausgeglichen und knapp war.
    Was Klaus in seinem Text aber vergisst zu erwähnen ist das Playoff-Element. Es gibt Mannschaften, die sich in diesem Modus mehr zuhause fühlen als andere. Genauso wie es Spieler gibt, die für Playoff geboren scheinen.
    Und grad da hat Bern in den vergangenen Jahren seine Stärke gezeigt (letztes Jahr 2 mal fast ausgeschieden und Belle, erst im Final war es „einfacher“)
    • Hallo22 24.12.2019 10:57
      Highlight Highlight Spieler die für die Playoffs gemacht sind hat Zug auch. Zum Beispiel die neuen ausländischen Center. Jan Kovar: Czech Extraliga Playoffs MVP 2012/13 (sowohl am meisten Tore als auch am meisten Assists), KHL Playoffs most Assists 2015/16, KHL Playoffs most points 2016/17 und KHL Ironman Award 2016/17. Oscar Lindberg: SHL most points playoffs sowie SHL Playoffs MVP 2012/13.
    • CaptainObvious 24.12.2019 18:48
      Highlight Highlight Ich habe bewusst darauf vezichtet Namen zu nennen, schlicht weil ich es nicht in ein banales „mein Club hatt im Fall mehr ...“ ausarten lassen wollte.
      Mir ging es um das generelle „Playoff-Gen“ welches unterschiedlich ausgeprägt in Teams und Spielern vorkommt.

      Ja ich denke, dass Bern überdurchschnittlich viel Playoff-Gene besitzt, gleichzeitig haben sie auch mehr Erfahrung als die meisten anderen Teams der Liga.
      Sie wissen dass sie’s schaffen können, einfach weil sie’s schon mehrmals geschafft haben (besonders wenn man an den Titel vom 8. Platz und den mit 14 Spielen vor dem Final denkt).
  • Tikkanen 24.12.2019 09:05
    Highlight Highlight ...ja, gestern trat offenbar der EV Weltkonzern mit ungewohntem Schlachtenglück auf. Für üsereim egal, ab heute gilt die Konzentration ausschliesslich der Festtagsschmauserei mit feinen Speisen und dem besten aus Valpollicella🍷. Im Gegensatz zum Hockey ist beim Wein Italienisch nach wie vor angesagt😎Nach Weihnachten wird der Spengler Cup genossen, das Cüpli Turnier ist nach wie vor Kult und dem Wolwo mögte ich einen Erfolg gönnen👍🏻
    Ab Januar beginnt die Mission Titelverteidigung, der Genoni wird den🏆sicher nicht stemmen.
    Jänu, allerseits schöne Weihnachten🎄

    Item, Schweizermeister🐻🏆
    • mukeleven 24.12.2019 12:36
      Highlight Highlight 🤙 schoeni festtage und guten spenglercup!
    • Baron Swagham IV 24.12.2019 15:37
      Highlight Highlight Item- schöni festtäg u bis ni ds trurig das ni ds bieu wohnsch
    • dax80 25.12.2019 11:31
      Highlight Highlight Auch wenn ich dich aufgrund des Inhaltes fast immer Blitze. Unterhaltsam ist es. Dafür jetzt in Textform ein Herz. Schöne Weihnachten!
  • Gapunsa 24.12.2019 08:20
    Highlight Highlight Also bevor der EVZ SCB Hockey spielt , verzichte ich lieber auf den Meistertitel 😉
    • Eskimo 24.12.2019 09:04
      Highlight Highlight Genau, so langweilig wars doch gar nicht...
  • 123und456 24.12.2019 08:04
    Highlight Highlight Ich war tot vor Lachen als ich den Titel las... 😂😂😂
    • Hockeyaddict 24.12.2019 08:41
      Highlight Highlight Nun wir alle wissen wo es hinführt, wenn Genoni einen Entschluss fasst...

Eismeister Zaugg

Fussball und Hockey nur noch mit Saisonabos und Sitzplätzen?

Das Verbot für Grossveranstaltungen – also auch Fussball- und Hockeyspiele mit mehr als 1000 Zuschauern – gilt noch bis Ende August. Nun zeichnet sich eine Krisen-Lösung ab, die zum Dauerzustand werden und die Fussball- und Hockeykultur nachhaltig verändern kann: Nur noch Sitzplätze und personalisierte Tickets.

Am 24. Juni wird der Bundesrat entscheiden, wie es mit Grossveranstaltungen nach dem 31. August weiter geht. Diese bundesrätlichen Weisungen sind für den Fussball (zurzeit nur Geisterspiele) und das Eishockey (Meisterschaftsstart im September) existenziell.

Wie die Virus-Situation im September sein wird, weiss niemand. Eine Rückkehr zur völligen Normalität wird es wohl erst geben, wenn eine Impfung möglich ist. Es kann unter Umständen sein, dass es in den nächsten zwei Jahren noch keine …

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