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epa06732008 Russia's forward Mikhail Grigorenko (L) scores the 4-2 lead against Switzerland's goalie Reto Berra (R) during the IIHF World Championship Group A ice hockey match between Russia and Switzerland at the Royal Arena in Copenhagen, Denmark, 12 May 2018.  EPA/SALVATORE DI NOLFI

Bild: EPA/KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Schweizer gegen die Russen so gut wie noch nie – doch die Goalie-Frage bleibt ungelöst

Nicht vom Resultat, aber vom Spektakel her war es die beste WM-Partie, die die Schweizer je gegen die Russen gespielt haben. Eine Medaille liegt drin – wenn da nur diese Details und diese verflixte Goalie-Frage nicht wären.

klaus Zaugg, kopenhagen



Am Ende verliert die Schweiz gegen Russland 3:4. Und die Versuchung ist gross, zu sagen: eine Niederlage, die uns weiterbringt. Aber das ist natürlich Unsinn. Eine Niederlage bringt eine Mannschaft an einer WM nie weiter.

Item, die Schweizer sind für ihren Mut zum spielerischen und taktischen Risiko, zum «totalen» Hockey nicht belohnt worden. Der Versuch, die Russen im Vorwärtsgang zu überrollen, mündet auf dramatische Art und Weise in eine bittere Niederlage.

Dieser Untergang mit fliegenden Fahnen hat auch taktische Gründe. Der letzte Punktgewinn gegen Russland ist 13 Jahre her: 3:3 bei der WM 2005 in Wien (als es in den Gruppenspielen noch Unentschieden gab). Aus einer Zeit, als wir uns gegen die Titanen vor allem auf das Spiel ohne Scheibe, auf Blockieren, aufs Spiel verhindern konzentrierten. Von mitspielen konnte nicht die Rede sein. Wir haben die grossen Siege gegen die Russen bei WM-Turnieren (4:2/1998, 3:2/2000) mit «Beton-Hockey» erreicht.

epa06731540 Tristan Scherwey (C) of Switzerland in action against Russia's goalie Vasily Koshechkin (R) during the IIHF World Championship Group A ice hockey match between Russia and Switzerland at the Royal Arena in Copenhagen, Denmark, 12 May 2018.  EPA/MARTIN SYLVEST DENMARK OUT

Tristan Scherwey in Aktion gegen den russischen Keeper.  Bild: EPA/SCANPIX DENMARK

Nun haben die Schweizer die Russen spielerisch herausgefordert wie noch nie an einer WM. Sie tanzten mit dem Titanen auf eine mitreissende Art und Weise (27:23 Torschüsse!). Und am Ende fehlt nicht viel. Ein bisschen mehr Disziplin hätte beispielsweise die kleinliche Strafe gegen Tristan Scherwey und gleich anschliessend den nächsten Ausschluss wegen eines Wechselfehlers verhindert. Zwei Spieler auf der Strafbank: Das muss gegen einen Grossen wie Russland tabu sein. Die Folge ist das 3:1 – und einmal mit zwei Toren in Führung, sind die Russen nicht mehr zu packen.

Patrick Fischer sagt zum gefühlten hundertsten Mal in dieser Saison nach einem Spiel den Satz: «Wir haben zu viele Fehler gemacht.»

Patrick Fischer und Russlands Cheftrainer Ilja Worobjow werden hinterher diesen «Doppelausschluss» als die entscheidende Phase des Spiels bezeichnen. Patrick Fischer sagt zum gefühlten hundertsten Mal in dieser Saison nach einem Spiel den Satz: «Wir haben zu viele Fehler gemacht.»

Mehr Disziplin

In diesem Zusammenhang ist zu sagen: Wechselfehler ziehen sich wie ein roter Faden durch diese Saison. Auch beim olympischen Turnier kassierten wir eine Strafe wegen zu vielen Spielern auf dem Eis. Hier gilt für den Nationaltrainer: tun, nicht sagen. Mehr Disziplin beim Wechseln durchsetzen. Das liegt in seiner Verantwortung.

Mag sein, dass es mit einer Prise defensiver Seriosität wie in der «guten alten Beton-Zeit» für einen Punktgewinn gereicht hätte. Aber dieser Mut zur Offensive, zum riskanten Vorwärtsdrang, diese Dynamik und spielerische Risikobereitschaft ermöglichen es, jeden Gegner herauszufordern. Jeden Gegner ins Wanken zu bringen.

Die Schlussphase der Partie gegen Russland gehört zum Besten, was die Schweizer an einer WM gezeigt haben, die Silber-WM 2013 inklusive. Im Powerplay (der Torhüter ersetzt durch einen 6. Feldspieler) gelingt der Anschlusstreffer zum 3:4 (58:12 Min.). Zu spät. Die Russen biegen sich unter unserem Ansturm. Aber sie brechen nicht.

epa06732094 Switzerland celebrates a goal during the IIHF World Championship Group A Ice Hockey match between Russia and Switzerland in Royal Arena in Copenhagen, Denmark, 12 May 2018.  EPA/MARTIN SYLVEST DENMARK OUT

Für einen Sieg ist es trotz Jubel zu spät. Bild: EPA/SCANPIX DENMARK

Unsere WM-Mannschaft hat die Spieler für diese Art von «totalem» Hockey. Sie ist nicht gebaut für Defensivhockey und taktische «Fallenstellerei». Das talentierteste WM-Team aller Zeiten ist zur «Flucht nach vorne» verurteilt. Erst recht, wenn ab sofort auch noch Roman Josi und Kevin Fiala zur Verfügung stehen. Ja, vielleicht hätte es mit Josi und Fiala gegen die Russen zu einem Punktgewinn gereicht.

Zeit, die Fehler zu verbessern

Nun bleiben gegen Schweden (heute 20.15 Uhr) und gegen Frankreich (Dienstag, 12.15 Uhr) noch zwei Partien für die «Medaillen-Feinabstimmung.» Will heissen: zwei Partien und ein paar Trainings, um ein Details im Defensivverhalten zu verbessern, Fehler abzustellen und eine Antwort auf die Frage zu finden, wer uns im Viertelfinale unter die letzten Vier hexen kann.

Reto Berra zeigte gegen die Russen grosse Paraden und vieles spricht dafür, dass er die Gunst der Hockey-Götter geniesst (dreimal «rettete» die Torumrandung). Aber er hatte noch nicht ganz die ultimative Dominanz und Sicherheit, die ihn bei der Silber-WM 2013 im Halbfinale (3:0 gegen die USA) ausgezeichnet hat. Vielleicht doch Leonardo Genoni?

Switzerland's goaltender Leonardo Genoni saves  the puck, during the IIHF 2018 World Championship preliminary round game between Czech Republic and Switzerland, at the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Tuesday, May 8, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Muss es Leonard Genoni richten? Bild: KEYSTONE

Es ist, wie es ist: Die Torhüterleistung entscheidet in letzter Instanz, ob es fürs Halbfinale oder gar eine Medaille reicht. Wir brauchen Reto Berra in der Halbfinalform von 2013.

P.S. es gibt noch immer die theoretische Chance des schmählichen Scheiterns. Fürs Viertelfinale braucht es am Dienstag im letzten Spiel einen Sieg gegen Frankreich. Wenn wir allerdings mit dieser Mannschaft Frankreich nicht besiegen, dann muss Nationaltrainer Patrick Fischer noch in Kopenhagen gefeuert werden.

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 13.05.2018 15:14
    Highlight Highlight Ohne auf Jemanden rumhacken zu wollen, hätte meiner Meinung nach Untersander, nach dem zum Gegentor führenden Scheibenverlust, spätestens aber für das letzte Drittel, durch den bereit stehenden Genazzi ersetzt werden sollen. Er hat ausser dem schönen Tor leider einige schwerwiegende Fehler fabriziert. Und Genazzi wäre noch frisch gewesen, weil Er keine Einsätze gekriegt hatte (oder irre ich mich?).
  • SBP 13.05.2018 14:02
    Highlight Highlight Taktisch übezeugte mich der Auftritt noch nicht: Zu Beginn sehr abwartend und auf Sicherheit bedacht, zum Schluss zu früh das defensive Gewissen über Board geworfen. Kämpferisch eine tadellose Leistung, mit 0 Punkten leider wieder schlecht belohnt 😕 Schade hat gestern El Niño nicht seinen besten Tag eingezogen...
  • beeage 13.05.2018 13:43
    Highlight Highlight Ein schwacher Artikel: Die Eisgenossen zeigten ihr bestes Spiel seit langem. Es gibt daran nichts auszusetzen: Was Zaugg als Disziplin bei Scherweys Strafe einfordert, ist eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Zaugg soll sich dazu auch mal den Kommentar von Mark Streit anhören. Die zwei Minuten hätte der Russe kassieren müssen. Die Schweiz spielte mit viel Mut, grossem Herz, aber defensiv auch absolut seriös und verbessert im Vergleich zu den vorherigen Spielen. Ein absolut geiles Spiel gegen einen sehr starken Gegner, der die ersten drei Spiele mit 20:0 Toren abschloss...
  • Staedy 13.05.2018 10:58
    Highlight Highlight Klaus sind Josi und Fiala angekommen? Flugnummer? Sitzplatz?
    • eye love two hockey 13.05.2018 12:24
      Highlight Highlight Sie sind unterdessen angekommen.
  • MikeT 13.05.2018 10:37
    Highlight Highlight Alles gut und recht, aber es hängt derzeit nicht alleine vom Frankreich - Spiel ab, ob die Schweiz weiter kommt. Das Gerede vom Halbfinal ist ziemlich überflüssig.
  • Eric Lang 13.05.2018 10:24
    Highlight Highlight Man könnte auch fragen, was wäre mit dieser Mannschaft möglich, wenn man eine Trainer Staff hätte mit internationaler Klasse hätte!?
    Ich bin der Meinung, dass bisher seitens des Coachings die grossen Fehler gemacht wurden.
    • eye love two hockey 13.05.2018 12:23
      Highlight Highlight Sowas lässt sich natürlich im Nachhinein immer sehr einfach sagen.. Da sie aber nicht in der Lage sind, Beispiele zu nennen, oder sogar Verbesserungsvorschläge, ist ihr Kommentar einfach nur billiges bashing.
    • Eric Lang 13.05.2018 21:18
      Highlight Highlight Ich würde nach 30 Minuten gegen die Schweden sagen, dass mein Kommentar wohl nicht so abwegig war!
    • eye love two hockey 13.05.2018 21:27
      Highlight Highlight Natürlich 😂 ist ja vor allem Fischer, der da übermütig auf dem Eis rumkurvt und dumme Strafen holt.

      Sehen sie zum ersten mal ein Hockey-Match oder was?
  • Tikkanen 13.05.2018 09:49
    Highlight Highlight ...richtig, Chlöisu👍🏻Die beiden Spiele vs. Schweden und Frankreich müssen zuerst gespielt werden, andererseits, diese gut aufgestellte Nati würde sogar ich locker in den VF coachen😎🍻

  • kanu 13.05.2018 09:26
    Highlight Highlight Goali sollte klar sein, Berra bietet in der Summe den besseren Wert.
    Diese Mannschaft hat sicher von den einzelnen Spieler her mehr Potenzial um mal ein 1/4-Final zu gewinnen. Ein solches Spiel wie gegen die Russen muss dann aber auf seine Seite gezwungen werden.
    Zur Erinnerung; in Paris hatten wir nach der Vorrunde 15 Punkte, aber es war dann Schluss mit einem ähnlichen Spiel wie gegen die Russen.
    Das muss man ändern und solche Spiele gewinnen.
  • Nelson Muntz 13.05.2018 09:13
    Highlight Highlight Wieso spielen weder Welsche noch Tessiner in der NHL?
    • DINIMAMIISCHNDUDE 13.05.2018 12:51
      Highlight Highlight Hofmann ab nächster Saison. Ich denke aber, da die besten Ausbildungsclubs in der Deztschschweiz liegen
    • Schreiberling 13.05.2018 14:46
      Highlight Highlight @wasps: Hischier kommt aber aus Naterd -> Oberwallis und somit aus einer Deutschsprachigen Region.

      Mit Noah Rod und Valentin Nussbaumer stehen aber zwei Welsche in den Startlöchern für die NHL.
  • Raffaele Merminod 13.05.2018 09:03
    Highlight Highlight Hätte gerne das Spiel ganz geschaut, aber als mitten im ersten Drittel ein Werbeblock eingeschaltet wurde, zappte ich genervt weiter.

    • Hallo22 13.05.2018 11:43
      Highlight Highlight Das nennt sich Powerbreak. Es gibt an der WM dieses Jahr 3 Powerbreaks pro Drittel. Während denn Powerbreaks wird jeweils nicht gespielt.
    • AllknowingP 13.05.2018 12:18
      Highlight Highlight Bier-Refill / WC jeweils ? ;-)
    • Raffaele Merminod 13.05.2018 13:59
      Highlight Highlight Egal ob das anders als "Werbeunterbruch" genannt wird. Ich finde ein Sportveranstaltung durfte nicht wegen Werbung unterbrochen werden.
  • Mia_san_mia 13.05.2018 08:22
    Highlight Highlight Die Goalie Frage stellt sich mir gar nicht. Man sieht doch, dass Berra besser ist.
  • Zanzibar 13.05.2018 08:14
    Highlight Highlight Ich verstehe Zauggs Torhüterkarussell nicht. Was spricjt denn für Genoni?
    • AllknowingP 13.05.2018 12:18
      Highlight Highlight Nix. Aber er spielt halt im Bärnbiet...
  • beaetel 13.05.2018 05:08
    Highlight Highlight Gefeuert werden? Wieso? Wenn doch diese Mannschaft einen dermassigen Steigerungslauf vollzog. Wie blöd ist das denn? Der „Wechselfehler“ war einfach nur genial von russischen Goali! Das hat mit Fischer wenig bis nichts zu tun!
  • Tanner42 13.05.2018 04:49
    Highlight Highlight Auch wenn’s am Ende mit viel Pech keinen Punktgewinn gab, das war das beste, was je eine Schweizer Mannschaft geleistet hat.
    • Mia_san_mia 13.05.2018 08:33
      Highlight Highlight Warst Du z.B. 2013 noch nicht auf der Welt?
    • plaga versus 13.05.2018 09:05
      Highlight Highlight Tanner42 hat doch recht. Spielerisch und vom Spektakel her macht es heuer ungemein Spass den Schweizern zuzuschauen.
      2013 war halt resultatmässig optimal.
    • Mia_san_mia 13.05.2018 15:13
      Highlight Highlight Aber es war nicht das beste. Oder ist eine Niederlage gegen Russland besser, als 9 Siege nacheinander?
  • Marty McFly 13.05.2018 04:17
    Highlight Highlight Vieles einverstanden.

    Aber der letzte Abschnitt ist typisch Zaugg. Zuerst alles gutheissen und am Ende diese schwarz-weiss-Kritik.

    Hör auf zu polemisieren, die Nati ist auf sehr gutem Weg!
    • Hunnam 13.05.2018 11:26
      Highlight Highlight Dieser Abschnitt hat schon seine Richtigkeit. Alles was oben geschrieben wird, ist gut und schön. Aber man darf bei aller Euphorie die Realität nicht aus den Augen verlieren. Und diese sieht bei einer Niederlage gegen Frankreich ziemlich düster aus. Ich hoffe Fischer und die Mannschaft sind sich dem bewusster als sie..
    • Marty McFly 13.05.2018 22:42
      Highlight Highlight Logisch, gegen Frankreich muss ein Sieg her. Sonst bringt alles nichts.

      Aber ich sehe einen grossen Wandel. Bis vor einigen Jahren spielte man „Arbeiter-Hockey“. Inzwischen ist es (mehrheitlich) attraktives Tempo-Hockey. Ausserdem finde ich die Erwartungshaltung von gewissen „Experten“ sehr optimistisch. Bleiben wir realistisch: Die Schweiz wird nicht Jahr für Jahr um den Titel spielen. Aber der Fortschritt ist mMn klar ersichtlich.

      Fazit: Gebt Fischer seine Zeit.

      PS: Auch im Schweden-Spiel zeigte man sehr gute Ansätze. Und dies gegen einen klaren Titelkandidaten.
  • Davelus 13.05.2018 03:51
    Highlight Highlight ich denke genoni ist in diesem jahr nicht ganz so "gross" wie berra. berra wirkt aktiver, agiler und entschlossener. aber egal wer im tor steht, wir haben corvi ;-) heja svizzera
    • scarnuz 13.05.2018 11:57
      Highlight Highlight In der Tat, der Corvi blueht richtig auf, die schwedischen TV Kommentatoren sind entzueckt! Heja Schweiz...
    • Don Pablo 13.05.2018 12:27
      Highlight Highlight Corvi gefällt tatsächlich sehr :-)
      Selten so einen eleganten Spieler im CH Trikot gesehen!

Eismeister Zaugg

Joe Thornton kann nächste Saison mit Davos spielen – wenn er will

Am Samstag ist NHL-Star Joe Thornton (41) in Davos eingetroffen. Er kann nächste Saison für den HC Davos spielen. Sofern er das wünscht. Er hat den Schweizer Pass und würde keine Ausländerlizenz beanspruchen.

Seit der Saison 2004/05 ist Joe Thornton ein Teil der HCD-Kultur. Er verbrachte damals die verlorene NHL Saison («Lockout») zusammen mit Rick Nash und Niklas Hagmann bei Davos, feierte den Meistertitel und den Spengler Cup-Triumph. In 40 Partien produzierte er 54 Punkte und in den Playoffs schwebte er über dem Eis: 29 Punkte in 14 Partien. Beim zweiten Lockout (2012/13) kehrte er erneut zum HCD zurück (33 Spiele/36 Punkte).

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