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Marc Luethi, Geschaeftsfuehrer des SC Bern, waehrend einer Medienkonferenz in der PostFinance Arena in Bern am Mittwoch, 18. November 2015. Guy Boucher ist per sofort nicht mehr Trainer des SC Bern. Die Berner gaben die Trennung an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz bekannt. Nachfolger von Boucher wird der bisherige Assistent Lars Leuenberger. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Marc Lüthis (Foto) Kumpel Michael Rindlisbacher wird neuer Verbandspräsident. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Alles SCB oder was? Unser Hockey ist jetzt eine grosse Berner Familie

Sportlich dominiert der SC Bern die Liga. Nun ist auch noch alle politische Macht in Bern konzentriert. Marc Lüthis Kumpel Michael Rindlisbacher wird neuer Verbandspräsident.



SCB-General Marc Lüthi ist es gelungen, nach der sportlichen nun auch die politische Macht in Bern zu konzentrieren.

Ach, wie hat Michael Rindlisbacher (62) monatelang betont, dass er ganz, ganz, ganz, ganz sicher nicht Präsident werden wolle. Dass er nach dem Rücktritt von Marc Furrer den Verband bloss interimistisch führe, bis ein Nachfolger gefunden sei. Persönlich präsidierte er die Findungskommission. Und nun wird er doch Präsident. Er sagt: «Ich habe tatsächlich gesagt, dass ich nicht Präsident werden wolle. Aber der Nachsatz ist immer überhört worden: dass ich nicht Präsident werden wolle, wenn ich dann im Verwaltungsrat das Sportressort abgeben müsste.» Diesen Nachsatz hat der Chronist tatsächlich nie gehört.

Kein Schelm, wer nun sagt, der famosen Findungskommission sei es in erster Linie darum gegangen, nicht zu finden. Damit Michael Rindlisbacher definitiv zum Präsidenten gekürt werden kann. Sicherheitshalber, damit ja kein Verdacht aufkommen konnte, ist auch noch erklärt worden, der neue grosse Vorsitzende dürfe kein Berner sein. Und nun ist das Ziel erreicht: Michael Rindlisbacher wird, da niemand gefunden worden ist, doch Präsident und da er schon drin ist, gilt das «Mutzen-Verbot» nicht.

Bild

Michael Rindlisbacher wird nun doch Verbandspräsident.  bild: sihf.ch

«Ich pflege mit allen Klubs eine offene Kommunikation.»

Michael Rindlisbacher

Wir verneigen uns vor dem neuen Präsidenten. Seine persönliche Integrität steht ausser Frage. Der ehemalige Krankenkassen-Manager hat inzwischen seine Vermögensbildung abgeschlossen und kümmert sich noch um fünf Verwaltungsratsmandate – das Präsidium des Hockey-Verbands-Verwaltungsrates ist sein wichtigstes.

«Posterboy» Mark Streit

Aber Michael Rindlisbacher hat ein Problem: seine nahe Nähe zu SCB-Mitbesitzer Marc Lüthi. Er sass einst im SCB-Verwaltungsrat und sein Bub Sven sitzt als Gastronomieleiter in der SCB-Geschäftsführung. Michael Rindlisbacher, sind Sie bloss eine SCB-Marionette? «Nein, ganz sicher nicht. Ich pflege mit allen Klubs eine offene Kommunikation.»

ARCHIVBILD ZUM RUECKTRITT VON MARK STREIT --- Switzerland's Mark Streit answers to reporters during a press briefing after a training session, one day before the IIHF 2015 World Championship at the O2 Arena, in Prague, Czech Republic, Thursday, April 30, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Mark Streit bald als Hockey-Aussenminister? Bild: KEYSTONE

Und weil das noch nicht genug SCB ist, soll nun auch noch der ehemalige SCB-Junior Mark Streit im Verwaltungsrat die Position eines Hockey-Aussenministers und «Posterboy» der WM 2020 übernehmen. Der ehemalige NHL-Profi wohnt mit seiner Familie bereits in Bern und will sich bis Mitte März entscheiden. Er wird zusagen. Der vollendeten Form halber durfte ZSC-Manager Peter Zahner in der Findungskommission Mark Streit als Verwaltungsrat vorschlagen.

Wir sollten uns später nicht wundern, wenn Mark Streits Gattin Fabienne Assistentin von Verbands-Kommunikationschef Kick Janos wird. Sie ist als ehemalige Kommunikations-Chefin bei Swiss Ski für so ein Amt prädestiniert. Michael Rindlisbacher gibt allerdings zu bedenken: «Ein interessanter Gedanke. Aber zu viel Familie ist nicht gut …»

Die Loge von Marc Lüthi 

Die Kür von Michael Rindlisbacher zum Verbandsboss ist auch ein Triumph für Verbands-Geschäftsführer Florian Kohler. Er sass selber in der Findungskommission, die nicht finden durfte, und hatte alles Interesse an einer Wahl des neuen Präsidenten. Der Grossbub von SCB-Kultpräsident Werner Kohler ist nun der mächtigste Mann in unserem Hockey. Es spielt keine Rolle, wer unter ihm Präsident ist. Michael Rindlisbacher ist sein Kumpel.

SCB CEO Marc Luethi praesentiert die Bilanz  der SCB-Eishockey AG der vergangenen Meistersaison am Dienstag, 29. August 2017 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Alle wichtigen Verbandsfunktionäre dürften sich bei Marc Lüthi wohlfühlen. Bild: KEYSTONE

«Wir müssen ja nicht wie der Bundesrat auf eine ausgewogene Vertretung der verschiedenen Landesteile achten.»

Michael Rindlisbacher

Künftig können die Sitzungen des Verbands-Verwaltungsrates praktischerweise während eines SCB-Spiels in der Loge von Marc Lüthi abgehalten werden. Fast alle wichtigen Funktionäre unseres Hockeys werden sich dort heimisch fühlen. Denn mit Liga-Direktor Denis Vaucher, Cup- und Spielplanchef Willi Vögtlin, Ausbildungschef Markus Graf, Einzelrichter Oliver Krüger und Schiedsrichter-Co-Chef Andreas Fischer sind weitere Berner und Lüthi-Kumpel in einer Schlüsselposition.

Zu viel «Berner-Filz»?

Noch nie ist unser Hockey in der Führung und in der Administration von einem einzigen Klub so dominiert worden. Michael Rindlisbacher sieht darin kein Problem. «Wir müssen ja nicht wie der Bundesrat auf eine ausgewogene Vertretung der verschiedenen Landesteile achten. Wir hatten auch schon Zeiten, da dominierten Zuger im Verband und es hat unserem Hockey auch nicht geschadet.»

In guten Zeiten ist eine solche Machtkonzentration kein Nachteil. Es kann sogar effizienter gearbeitet werden. Aber Sportverbände sind dynamische Organisationen, die ständigen Veränderungen unterliegen, nicht nur gute Zeiten kennen und sich nur weiterentwickeln können, wenn es eine lebhafte Streitkultur gibt und wenn die verschiedenen Interessen – Amateurhockey, Juniorenhockey (Ausbildung), Schiedsrichter, Nationalteams, Profiliga – berücksichtigt werden. Ob das bei so viel SCB und «Berner-Filz» möglich ist, wird sich weisen.

Das Schweizer Aufgebot für Olympia.

So viel SCB war es jedenfalls noch nie. Der SCB hat sogar das grösste Kontingent beim olympischen Hockeyturnier. 13 SCB-Spieler – acht Schweizer und alle fünf Ausländer – werden dort auf der Weltbühne auftreten. Alles SCB oder was? Im Mundartrock heisst Bern verächtlich «Züri-West». Im Hockey schrumpft Zürich hingegen zu «Bern Ost».

Unser Hockey ist eine grosse SCB-Familie geworden. Das befeuert die Hockey-Verschwörungs-Theoretiker und garantiert beste Unterhaltung.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Sloping
31.01.2018 19:19registriert October 2014
Dieser Verbandsfilz und die daraus resultierende Inkompetenz ist derart offensichtlich, dass es sich gar nicht lohnt, Nerven und Energie für sich darüber aufregen zu verschwenden. Vorbestrafter Ex Schiedrichterchef, unfähige ex NHL Schiedsrichter als Player Safety Officer. No Name NLA Spieler ohne Leistungsausweis als Nati GM und ein narzistischer CEO mit Verbindungen zu Mysports. Dazu ein Natitrainer ohne Track Record, den sonst niemand mehr wollte. Es reicht die SIHF Homepage zu betrachten, um zu wissen, wie dort der Hase in Sachen Kompetenz läuft. What's next?
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„Lotter“Leser
31.01.2018 21:07registriert January 2014
... schrieb der, der unter anderem seine brötchen mit einer kolumne in einer zeitschrift eines verlages, die auch zum teil marc lüthi gehört, verdient! *applausapplaus* 👏
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Bruno Wüthrich
31.01.2018 20:55registriert August 2014
Es hat einen riesigen Vorteil, den KZ nicht bedacht hat, wenn die wichtigsten und die meisten Verbandsposten durch den Berner Filz besetzt sind (bzw. werden). Denn dann werden die Klubs ausserhalb von Bern künftig etwas besser aufpassen und nicht mehr - wie bisher - alles einfach durchwinken, was von den Einflüsterern vorgeschlagen wird. Wenn alles normal läuft, wird nun ein gesundes Misstrauen einkehren. Letztenslich sind (wären) es die Klubs, die in vielen Bereichen das Sagen haben (hätten). Jetzt werden deren Vertreter vor Abstimmungen wohl vermehrt ihre Gehirne einschalten (müssen).
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Eismeister Zaugg

Lüthis genialster Schachzug – Schelling kann besser werden als alle SCB-Sportchefs vor ihr

Der Hockey-Konzern SC Bern hat seine sportliche Führung endlich neu besetzt. Die ehemalige Nationaltorhüterin Florence Schelling (31) ersetzt Sportchef Alex Chatelain (42). Zum ersten Mal führt in der Macho-Welt Eishockey eine Frau die Sportabteilung eines Profi-Teams. Kann das gut gehen? Ja, warum denn nicht?

SCB-Manager Marc Lüthi (59) musste handeln. Ob nun Alex Chatelain für die völlig missglückte Saison verantwortlich ist oder nicht, spielt gar keine Rolle: Der Druck auf den Sportchef ist viel zu gross geworden.

Um der grössten Fangemeinde ausserhalb der NHL und all seinen Werbekunden zu zeigen, dass nun ein sportlicher Ruck durch den SCB geht und dass die miserablen Leistungen Konsequenzen haben, blieb ihm gar nichts anderes übrig als den Sportchef auszuwechseln.

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