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Le capitaine et defenseur jurassien Jordane Hauert, souleve la coupe de suisse apres la victoire lors de la finale de Coupe de Suisse de hockey sur glace Swiss Ice Hockey Cup, entre HC Ajoie et HC Davos ce dimanche 2 fevrier 2020 a la patinoire de la vaudoise arena a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Jordane Hauert feiert den Cup-Sieg. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Ajoie, der «Jura-Josi» und der Triumph einer grossen Hockey-Familie

Weitherum berühmt sind natürlich die beiden Kanadier Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen. Aber keiner personifiziert Ajoie so wie Verteidigungsminister und Captain Jordane Hauert (33). Er ist nicht nur der Sohn von Präsident Patrick Hauert (61). Er ist auch stellvertretender Direktor in der Firma seines Vaters.



Es ist nicht einfach, Spitzenhockey und eine Führungsposition in einer grossen Firma unter einen Hut zu bringen. Aber wenigstens dürfte das Aushandeln des Spielervertrages einfacher sein. Schliesslich ist Jordane Hauerts Vater Patrick Präsident des Cupsiegers. Aber so einfach ist es nicht. Patrick Hauert sagt nämlich: «Ich habe noch nie einen Vertrag von Jordane unterschrieben und werde es auch künftig nicht tun. Das ist ganz allein Sache unseres Sportchefs. Natürlich fragt mich Jordane um Rat und wir unterhalten uns über seine Verhandlungen. Das ist ja zwischen Vater und Sohn normal. Aber ich habe mich noch nie eingemischt.»

Womit wir wohl auch dem Erfolgsgeheimnis von Patrick Hauert als Unternehmer und Hockeypräsident auf der Spur sind: die Trennung von Kirche und Staat. Die klare Ordnung der Dinge. Nach dem Motto: der Präsident soll präsidieren, der Sportchef sportcheffen, der Coach coachen und der Spieler spielen. Zu dieser klaren Trennung gehört auch, dass er mit seiner Firma nicht Hauptsponsor seines Klubs ist und dass er sich politisch nicht engagiert. Er kümmert sich um seine Firma und den Hockey Club, der im Jura alle politischen Richtungen vereint. Da wäre politisieren in eine Richtung fatal.

So schafft er Transparenz, Glaubwürdigkeit und eine Vertrauensbasis. Das, was es braucht, um hier ein Hockey-Unternehmen erfolgreich in der lokalen Wirtschaft, Gesellschaft und in der Politik links und rechts und oben und unten zu vernetzen. Patrick Hauert hat den hoch verschuldeten HC Ajoie 1999 in der 1. Liga übernommen. Er ist inzwischen nach Walter Frey (seit Gründung der ZSC Lions im Frühjahr 1997 Präsident) der amtsälteste Vorsitzende im Schweizer Profihockey.

In den vergangenen zwanzig Jahren hat Patrick Hauert den Klub saniert, neu strukturiert und im Sommer 2018 seine Präsidentschaft neben dem Eis gekrönt (auf dem Eis ist die Krönung der soeben errungene Cup-Sieg): die 21 Gemeinden in der Ajoie haben ein «Ja» für die neue Arena und den Aufbau eines Eishockey-Leistungssportzentrums in die Wahlurne gelegt. Die 21 Gemeinden, der Kanton Jura und der Bund investieren gemeinsam rund 30 Millionen. Neben einem neuen Stadion mit knapp 5000 Plätzen wird ein Ausbildungszentrum mit einem NHL-Eisfeld gebaut. Bereits jetzt kümmert sich die Nachwuchsorganisation des Klubs um rund 300 Junioren. Sportchef ist seit 2013 Vincentu Léchenne (53), ein weitgereister ehemaliger Profi, der nebst einer Tour de Suisse in der NLB auch gute Zeiten beim SCB und in Ambri hatte. Er dürfte der fleissigste Sportchef unseres Hockeys sein. Er führt zusammen mit Trainer Gary Sheehan die Sportabteilung und assistiert seinem Trainer bei allen Trainings und Spielen.

«Die Professionalität in Bern hat mich beeindruckt. Aber wir haben hier in der Kabine mehr Spass. Bei uns wird öfter gelacht.»

Der Neubau des Stadions ist der Grund, warum der Cup-Final (Ajoie hatte Heimrecht) nach Lausanne verlegt werden musste. Diese Saison wird noch in der alten Arena gespielt. Aber dort hat es zu wenig VIP-Plätze. Erst schien es schade, dass Ajoie nicht zu Hause den Final austragen durfte. Doch nun zeigt sich: ein solches Hockey-Fest wie in Lausanne wäre daheim nicht möglich gewesen. Und gefeiert wird ja hinterher in der Stadt nach der Rückkehr aus Lausanne trotzdem.

Patrick Hauert hat von seinem Vater die Firma «MRP SA» in Alle bei Pruntrut übernommen. Das Unternehmen mit knapp 200 Arbeitsplätzen stellt Uhrengehäuse in allen Variationen her. Er ist jetzt 61 und sein Nachfolger an der Spitze der Firma wird eingearbeitet: sein Sohn Jordane. Der Vater trägt den Titel eines «Direkteur général», der Sohn amtiert als «Directeur adjoint».

Jordane Hauert ist mit ziemlicher Sicherheit der beste Verteidiger unseres Hockeys, der keine NLA-Karriere gemacht hat. Inzwischen hat für Ajoie mehr als 800 Partien bestritten und dabei mehr als einen halben Punkt pro Spiel produziert. Er ist einer der Architekten des Powerplays mit dem soeben der HC Davos im Cup-Final versenkt worden ist. Hat er eine grosse Karriere verpasst? Diese Frage treibt ihn nicht um. Er ist glücklich und zufrieden mit seinem Eishockeyleben als «Jura-Josi».

Er hat es ja ganz oben versucht. «2010 habe ich das Sommertraining und die Saisonvorbereitung mit dem SC Bern gemacht. Aber der SCB hatte damals fünf Nationalverteidiger und es war nicht möglich, einen Platz im Team zu erkämpfen.» Später half er nach NLB-Saisonschluss Biel und Langnau im Kampf um den Liga-Erhalt aus. Seither habe er ein paar Angebote gehabt aber er sei gar nicht mehr darauf eingegangen. Ohnehin hat er nie ganz aufs Eishockey gesetzt und stets nebenher in der familieneigenen Firma gearbeitet. Nach den Kurzbesuchen in der grossen Welt des nationalen Hockeys weiss er die heimische Hockeykultur noch mehr zu schätzen. «Die Professionalität in Bern hat mich beeindruckt. Aber wir haben hier in der Kabine mehr Spass. Bei uns wird öfter gelacht.»

2016 holte Ajoie im Finale gegen die Rapperswil-Jona Lakers die NLB-Meisterschaft. Ein Erlebnis, das Jordane Hauert nicht missen möchte. «Ich weiss nicht, ob ich so etwas bei einem anderen Klub hätte erleben können.» Und nun der Cup-Sieg vor mehr als 7000 eigenen Fans im ausverkauften Hockey-Tempel zu Lausanne. Es waren mehr Fans nach Lausanne gereist als die Stadt Pruntrut Einwohner zählt. Zehn Prozent der Bevölkerung des Kantons Jura war beim Cup-Final vor Ort. Mehr geht nicht. So etwas kann ein Captain nur beim HC Ajoie erleben.

Ajoie ist im Kanton Jura eine Institution. So wie Gottéron im Kanton Fribourg. Aber eine Rückkehr in die höchste Liga – insgesamt haben die Jurassier zwischen 1988 und 1993 drei Jahre in der NLA verbracht – wird nicht mehr angestrebt. Ajoie stieg zweimal in die NLA auf und büsste mit einem Absturz bis in die 1. Liga und dem wirtschaftlichen Ruin.

Heute steht der Klub mit einem Budget von rund 3,5 Millionen auf einer sehr soliden wirtschaftlichen Basis. Patrick Hauert sagt: «Wir haben in den letzten 20 Jahren das Budget von 800'000 Franken nach und nach auf 3,5 Millionen erhöht. In der National League müssten es mehr als zehn Millionen sein. Das ist für uns ganz einfach nicht machbar.»

Diese Bescheidenheit hat zuletzt Biel gerettet. Ajoie verzichtet jeweils offiziell auf den Aufstieg und kann deshalb keine Liga-Qualifikation bestreiten. Deshalb gab es nach dem NLB-Titelgewinn von 2016 keine Liga-Qualifikation zwischen dem NLB-Meister und dem Verlierer der NLA-Playouts. Biel war damals unter Kevin Schläpfer in einer so miserablen Verfassung, dass eine Liga-Qualifikation gegen Ajoie wohl den Abstieg bedeutet hätte. Kevin Schläpfer (heute Sportchef in Langenthal) dürfte am Sonntagabend ob dem Cup-Final noch einmal nachträglich der Schreck in die Glieder gefahren sein.

Jordane Hauert wird Ende Oktober 34. Sein Vertrag läuft noch bis 2021. Einmal Ajoie, immer Ajoie. Sein Vater hat sich bereit erklärt, den Aufbau des Leistungssportzentrums zu begleiten und drei weitere Jahre Präsident zu bleiben. Sein Sohn wäre dann nach Ablauf seiner Amtszeit 37 Jahre alt. Vom Captain direkt zum Präsidenten? So weit in die Zukunft mögen beide nicht blicken. Jordane sagt zu dieser Angelegenheit, durchaus mit Sinn für Ironie das, was jeder erfahrene Profi bei Fragen nach dem Morgen und Übermorgen zu sagen pflegt: «Nehmen wir doch einfach Spiel für Spiel…»

Und nun wird ja erst einmal der Cup-Sieg gefeiert. Der grösste, emotionalste sportliche Moment der Klubgeschichte und für die grosse Hockeyfamilie Hauert.

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