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Geister haengen im Stadion, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League zwischen dem HC Davos und Geneve Servette HC, am Samstag, 14. November 2020, im Eisstadion in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Das Davoser Eisstadion sollte eigentlich den Namen der Res Ubique Foundation tragen. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Eine Autofahrt mit Peter Buser und ein gescheiterter Schlichtungsversuch

Diese Autofahrt mit einem Doktor der Philosophie ist wie eine Reise in eine phantastische Wirklichkeit und beantwortet uns endlich eine Frage: Muss der HC Davos Dr. Peter Buser die drei Millionen zurückzahlen? Nein, muss er nicht.



Schreiben was ist. So lehrt es der grosse Rudolf Augstein, Gründer des «Spiegel». Daran wollen wir uns halten.

Zuerst kurz rekapituliert, worum es geht: Damit der HCD-Hockeytempel bis 2026 den Namen seiner Stiftung trägt und damit er vor dem Stadion in einem Musikpavillon während des WEF Konzerte veranstalten darf, unterzeichnete Dr. Peter Buser über seine Stiftung am 18. November 2019 mit dem HCD einen Vertrag im Wert von 11,2 Millionen Franken. 3,125 Millionen (inkl. MWSt) hat er bereits bei Vertragsabschluss an den Klub überwiesen.

Der Vertrag zwischen HCD und der Res Ubique Foundation

Inzwischen ist daraus ein überaus kurzweiliger Rechtsstreit geworden. Peter Buser will die 3,125 Millionen zurück und den Vertrag auflösen. HCD-Präsident Gaudenz Domenig will das Geld behalten. Und nun machen wir uns auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage: Muss der HCD das Geld tatsächlich zurückgeben?

Peter Buser ist Doktor der Philosophie und – das dürfen wir so sagen – ein exzentrischer Nonkonformist mit abgeschlossener Vermögensbildung. Als Hockeyspieler wäre er wohl ein rockender und rollender Schillerfalter. Er formt sein Weltbild nach ganz besonderen, eigenwilligen Vorstellungen. Und bevor ich die Berichterstattung fortsetzen darf, muss ich eine Forderung von Peter Buser getreulich erfüllen. Er hat mir per Mail unmissverständlich kundgetan:

Hallo Herr Zaugg,

Ich ersuche Sie in aller Form, Artikel über mich stets so einzuleiten:

«Ich berichte über den Mäzen Dr. Peter Buser und dessen Auseinandersetzung mit Herrn Gaudenz Domenig, Präsident des HC Davos. Die Causa Davos ist für Dr. Buser ein lästiger Nebenschauplatz. Er hat der menschlichen Gesellschaft gegenüber Aufgaben als Dichter, klassischer Musiker, Philosoph und Begründer der Währung «Busernote». All diese Belange sind mir als nicht akademisch gebildetem Journalisten ein Buch mit 7 Siegeln. Ich liebe nun mal Sport, (meine Familie?) und sonst gar nichts.»

Bitte bewahren Sie diesen Text unbedingt auf. Ich werde Sie belangen.

Ich grüsse Sie freundlich

Dr. Peter Buser.

So, das wäre also erledigt. Nun können wir fortfahren. Peter Buser meldet sich per Mail und per Telefon. Ob wir uns an seinem Wohnsitz im liechtensteinischen Triesen treffen können? Aber es müsse am nächsten Tag sein. Übermorgen habe er einen Termin in Pristina im Kosovo. Das geht. Klar doch. Kein Problem. Kurz darauf kommt ein neuer Vorschlag. Peter Buser sagt, er habe in der Innerschweiz geschäftlich noch etwas zu erledigen. Ob wir uns statt in Triesen in Sihlbrugg treffen und dann während einer Fahrt in seinem Auto über den «Fall HCD» reden können? Klar können wir.

«Ich hinterlasse der Welt meine Gedichte! Die werden noch in hundert Jahren gelesen! Aber Sie? Was bleibt von Ihnen? Nichts! Sie sind ein Nichts! Verstehen Sie? Ein Nichts!»

Peter Buser zu Klaus Zaugg

So kommt es, dass ich im VW-Cabrio von Peter Buser durch die wunderbare Landschaft des Zugerlandes kutschiert werde. Oben zieht es, unten wird geheizt und ab und zu müssen wir die Seitenfenster öffnen. So ist das halt während einer Cabriofahrt im Winter auch bei hochgeklapptem Verdeck.

Bald einmal wird mir klar, welch unbedeutender Mensch ich im Vergleich zu Peter Buser bin. Er sieht sich als Atheisten durchs Nachdenken über die Dinge. Ähnlich wie der grosse Philosoph Friedrich Nietzsche, dessen Gedankengut er fördert. Mich aber sieht er als Gottlosen aus Ratlosigkeit. Weil ich nichts wisse, könne ich auch nichts glauben. Und er fragt: «Was haben Sie aus Ihrem Leben gemacht?» Weil mir grad spontan keine Antwort einfällt, klärt er mich umgehend auf: «Ich hinterlasse der Welt meine Gedichte! Die werden noch in hundert Jahren gelesen! Aber Sie? Was bleibt von Ihnen? Nichts! Sie sind ein Nichts! Verstehen Sie? Ein Nichts!»

Ich erwidere etwas verlegen, man könne ja meine Matchberichte eventuell auch noch in hundert Jahren lesen. Das aber lässt er nicht gelten. Sportberichterstattung sieht er nicht als Form der Poesie und der Literatur. Und mit einem kritischen Blick fragt er mich: «Wie alt sind Sie eigentlich?». Auf meine gemurmelte Antwort («etwas über 60») entgegnet er: «An Ihrem zerfurchten Gesicht sieht man nicht nur Ihr Alter, sondern auch, dass Sie schwere Sorgen zu tragen haben, wohl auch finanzielle. Ja, ja, mit Journalismus ist halt heutzutage kein Geld mehr zu verdienen. Ich bedaure Sie.»

Wo er recht hat, da hat er recht. Die Fahrt geht weiter durch das sanft gewellte Land der Rohstoffhändler und Hockeymillionäre. Ob unserer anregenden Unterhaltung vergeht die Zeit wie im Fluge. Manchmal, wenn ich nicht seiner Meinung bin, sagt Peter Buser unvermittelt und schroff: «Bitte tun Sie mir einen Gefallen: schweigen Sie!». Und eine halbe Minute später plaudern wir wieder aufs lebhafteste. Aber nicht über sein Frauenbild und das öffentlich-rechtliche Farbfernsehen. Das haben wir stillschweigend so vereinbart.

Auf einmal sehen wir die Ortstafel: «Kappel a.A». Er fragt mich, den aus Unwissenheit gottlosen Chronisten: «So, sagt Ihnen Kappel etwas?». Ja, entgegne ich. Hier hätten einst die protestantischen Zürcher mit den katholischen Innerschweizern eine Milchsuppe gelöffelt und Frieden geschlossen. Das sei als Kappeler Milchsuppe in die Geschichte eingegangen.

Bild

Protestanten und Katholiken essen gemeinsam Kappeler Milchsuppe. Bild: nationalmuseum

Mein Geschichtswissen beeindruckt ihn nicht im Geringsten und er spottet: «Das lernt man ja in der Primarschule.» Und auf einmal habe ich einen Geistesblitz: «Ist es nicht eine höhere Fügung, dass wir ausgerechnet jetzt durch Kappel fahren? Ist das nicht ein Zeichen höherer Mächte, dass auch Sie mit Ihrem Feind Frieden schliessen sollten? Bei einer Prättigauer-Milchsuppe mit Gaudenz Domenig?»

So, jetzt sind wir beim Kernthema angelangt. Zorn wallt auf. Niemals werde er mit Gaudenz Domenig Frieden machen! Nie! Nie! Es sei denn, «der Domenig» sehe endlich ein, dass er, «der Domenig», komplett im Unrecht sei, niederknie und sich in aller Form entschuldige. Dann könnte es sogar sein, dass er dem HCD eine der drei rückzahlbaren Millionen erlasse.

Ich vertrete die Auffassung, «der Domenig» werde nie nachgeben. Das könne er ausschliessen. Mein Vorschlag, dem HCD doch die drei Millionen zu schenken und sich als Wohltäter für den Sport, den HCD, die Jugend und das Bündnerland (lange Jahre auch Nietzsches Sommer-Heimat) feiern zu lassen, nach dem Motto «Dr Kluge gibt na, dr Esu blibt stah» weckt bloss Entrüstung. Mein Hinweis auf die friedensstiftende Wirkung der Kappeler Milchsuppe stimmt ihn nicht gnädig.

Ich versuche es mit einem Vergleich, auch um mit historischen Kenntnissen aufzutrumpfen: Hätte der Zwingli nach der Kappeler Milchsuppe den Krieg nicht wieder aufgenommen und mit Schwert und Feuer versucht, die Reformation in die Innerschweiz zu tragen, hätte er sein Leben nicht auf dem Schlachtfeld verwirkt. Also lohne es sich einfach nicht, zu kämpfen. Aber damit dringe ich nicht durch und werde belehrt: «Aber der Protestantismus hat sich in Zürich durchgesetzt! Sehen Sie, es lohnt sich zu kämpfen.» Die Innerschweiz ist allerdings katholisch geblieben. Aber wir wollen nicht grübeln.

Ich schlage Peter Buser schliesslich vor, er solle doch einfach den HCD auf die 3 Millionen betreiben. Dann habe er bald Klarheit vor Gericht und alle juristischen Diskussionen erübrigen sich. Aber diesen einfachen Weg will er partout nicht gehen. Der Rechtsweg dauere ihm viel zu lange. Er will lieber kämpfen. «Dieser Kampf hält mich jung.» So nach dem Motto: Ich kämpfe, also bin ich.

Wenn der 82-Jährige sich über den HCD-Obmann in Rage redet, wirkt er so, als sei er noch nicht einmal 60. Der Doktor der Philosophie wirkt wie eine Mischung aus Oscar Wilde und Friedrich Nietzsche. Es ist, als ob er gegen einen Dämon kämpfe, der ihn richtiggehend besessen hat. Der Dämon heisst Gaudenz Domenig. Was Peter Buser natürlich vehement bestreitet. «Der Domenig» sei völlig unwichtig und wie ich überhaupt dazu komme, den Domenig ständig als erfolgreichen Anwalt zu bezeichnen. Ich solle mich endlich kundig machen. Der sei in Zürich nur ein kleines Lichtlein.

Und doch kreisen seine Gedanken ständig um den HCD-Obmann. Er sagt immer wieder unmissverständlich, er werde den Domenig «in die Knie zwingen» und «stürzen». Ja, er braucht noch harschere Wörter, die wir aber für uns behalten. Er gibt sich überzeugt, dass der HCD-Präsident aus dem Amt verjagt werde. «Er hat so viele Feinde in Davos oben und unter den HCD-Fans. Das bestätigen mir unzählige Leute. Erkundigen Sie sich doch endlich einmal!» Mein schüchterner Einwand, der Domenig sei ohne eine Gegenstimme, fast wie einst Fidel Castro, für eine weitere Amtszeit bestätigt worden, beeindruckt ihn nicht. Das spiele doch überhaupt keine Rolle. Er will sogar 10'000 Franken in eine Wette investieren, dass der Domenig des Amtes enthoben werde.

Ich gebe den Versuch auf, besänftigend zu wirken. Meine Wenigkeit genügt einfach nicht, um in dieser Sache ein Friedensstifter zu sein. Und ich komme zum Schluss: Eine gütliche Einigung zwischen Peter Buser und Gaudenz Domenig wird es in diesem Jahrhundert nicht mehr geben.

Kurz darauf treffen wir wieder in Sihlbrugg ein. Wir verabschieden uns freundlich. Es war ein anregender, höchst unterhaltsamer Nachmittag mit dem Doktor der Philosophie, der 1971 mit der allerhöchsten Bewertung («Summa cum laude») über «Die Bezeichnungen für ‹Beten› und ‹Bitten› im christlichen Latein und im Altfranzösischen» promoviert hat.

Er sollte eine zweite Doktorarbeit einreichen. Zum Thema: «Vergebliches Beten und Bitten um drei Millionen vom HC Davos unter Berücksichtigung der unheilvollen Rolle von Gaudenz Domenig». Ich mache gerne den Doktorvater.

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