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ARCHIVBILD ZUM VERZICHT DES SC LANGENTHALS AUF DIE LIGAQUALIFIKATION, AM FREITAG, 5. APRIL 2019 - Langenthals Spieler den Swiss League Schweizer Meistertitel, nach dem vierten Playoff Finalspiel der Swiss League, zwischen dem SC Langenthal und dem HC La Chaux de Fonds, am Mittwoch 3. April 2019 auf der Eisbahn Schoren in Langenthal. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Der SC Langenthal feiert den Meistertitel der Swiss League, April 2019. Bild: KEYSTONE

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Langenthal, Olten und Bern – oder die DNA eines Champions

Der SC Bern ist der Meister der National League von 2019 und liegt auf dem letzten Platz. Der SC Langenthal ist der Meister der Swiss League von 2019 und spielt nach dem Sieg in Olten (3.1) am nächsten Dienstag gegen Kloten um den ersten Platz. Das ist kein Zufall.



In Geisterspielen ist Wahrheit. Eishockey wird ungeschminkt zelebriert. Weil eine leere Arena gleich ist wie die andere, lenkt der Pomp der Äusserlichkeit nicht mehr ab. Dann zählt nur noch das Spiel. So wie es ist. Ehrliches Eishockey.

Zwischen einem Geisterspiel in der National League und der Swiss League ist die Differenz erstaunlich gering. Sie müsste eigentlich, wenn wir an das investierte Geld, die Saläre denken, viel, viel, viel grösser sein.

Aber Hockey ist Hockey. Das Spiel wird nicht besser, wenn alle mehr verdienen. Bern gegen Ambri: Das ist die erste Liga. Langenthal gegen Olten ist die zweite Liga.

Doch Olten gegen Langenthal ist so gut wie Bern gegen Ambri. Ein bisschen weniger taktisch, dafür unterhaltsamer. Die «Plays» sind auf einem ähnlichen Niveau. Die Intensität ist es auch.

Nehmen wir an, ich hätte Besuch aus Amerika gehabt (was jetzt nicht gut möglich ist) und meinen Gast zu mehreren Partien in der National League und eben zu Olten gegen Langenthal eingeladen (was jetzt gar nicht möglich ist) und gefragt: Waren alle Partien in der gleichen Liga? Er hätte wahrscheinlich gesagt: Ja klar, aber Bern gegen Ambri vielleicht nicht.

Olten gegen Langenthal ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Nein, es geht nicht um die Anekdoten, die es um jedes Derby gibt. Es geht ums Hockey. Langenthal hat inzwischen acht der letzten zehn Begegnungen gegen Olten gewonnen. Obwohl sich die beiden Teams spielerisch und taktisch auf Augenhöhe begegnen. Dafür gibt es einen Grund. Die DNA eines Champions.

Langenthal hat drei Titel gewonnen: 2012, 2017 und 2019. Wer Meisterschaften gewinnt, entwickelt ein eigenes Selbstvertrauen. Eine gewisse Gelassenheit. Mit Selbstvertrauen und Gelassenheit ist es ein bisschen leichter, ein Spiel zu gewinnen. Eine kluge Sportabteilung versteht es, diese meisterliche DNA zu erhalten.

Olten hat in diesem Jahrhundert noch nie etwas gewonnen. Die schier «ewige» Jagd nach dem ersehnten Triumph formt eine andere DNA. Die Spieler sind auf einer Mission. Das gibt Energie, aber kein meisterliches Selbstvertrauen und keine meisterliche Gelassenheit. Das sind die zwei Eigenschaften, die den Oltnern noch fehlen. Aber sie sind auf einem guten Weg.

Unter ihrem schwedischen Trainer Fredrik Söderström haben sie taktisch immense Fortschritte gemacht. Ihr Spiel ist weniger wild, aber besser geordnet. Die Oltner verloren gegen Langenthal 1:3, weil sie in der Startphase zu aufgeregt waren und sich bis zur 8. Minute einen 0:2-Rückstand eingehandelt hatten. Ein klares Konzept ist ersichtlich. Im Management, in der Sportabteilung unter Marc Grieder und auf dem Eis. Der SCB würde in einer Liga-Qualifikation gegen Langenthal und gegen Olten in höchste Not geraten.

Langenthal hat eine ganze Reihe von Schlüsselspielern aus dem Meisterteam von 2019 verloren, das Lohnbudget gegenüber der letzten Meistersaison um einen hohen sechsstelligen Betrag gesenkt und spielt am nächsten Dienstag gegen Kloten trotzdem um den ersten Tabellenplatz.

Langenthal ist also ein Spitzenteam geblieben. Obwohl es andere Ausländer hat als in der Meistersaison und einen anderen Torhüter. Philip Wüthrich hütet jetzt beim SCB das Tor. Verteidigungsminister Philippe Rytz organisiert inzwischen die Abwehr in Olten. Nico Dünner stürmt für Rappi und Giacomo Dal Pian für Ambri.

ZUR SUSPENSION VON KEVIN SCHLAEPFER ALS HEADCOACH BEIM EHC KLOTEN STELLEN WIR IHNEN HEUTE, 6. APRIL 2018, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - EHC Kloten Cheftrainer Kevin Schlaepfer im sechsten Eishockey Spiel der Platzierungsrunde der National League zwischen dem EHC Kloten und dem HC Ambri-Piotta am Samstag, 24. Maerz 2018, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Kevin Schläpfer hat bei Langenthal die schwierige Aufgabe eines Neuaufbaus übernommen. Bild: KEYSTONE

Langenthal hat nicht in Spielersaläre investiert. Aber in die sportliche Führung. Sportchef Kevin Schläpfer, einer der erfahrensten der Liga, hat die denkbar schwierige Aufgabe eines Neuaufbaus übernommen. Er kennt die höchste und die zweithöchste Liga aus jahrelanger Erfahrung als Spieler und in den Schlüsselpositionen Trainer und Sportchef. Er musste zentrale Positionen neu besetzen und hat alles richtig gemacht.

Kevin Schläpfer beförderte den langjährigen kanadischen Kultstürmer Jeff Campbell, der in der Meistersaison wegen einer Verletzung als Assistent diente, zum Cheftrainer. Mit Eero Elo und Jack Walker hat Langenthal diese Saison das mit grossem Abstand preisgünstigste Ausländer-Duo der Spitzenteams. Transfers von Mitläufern hat er keine gemacht. Er vertraut auf die Leitwölfe und die Entwicklung der eigenen jungen Spieler. Die sportliche Führung hat die meisterliche DNA bewahrt.

Langenthal ist als Meister von 2019 nach wie vor ungeschlagener Titelverteidiger der Swiss League – die Viertelfinalserie vor dem Meisterschafts-Abbruch im letzten Frühjahr gegen Olten wurde gewonnen. Der SC Bern ist als Meister von 2019 nach wie vor der Titelverteidiger der National League, hat aber im letzten Frühjahr nicht einmal mehr die Playoffs erreicht. Immerhin ist nun ein Kuriosum möglich, das es in der Eishockey-Weltgeschichte noch nie gegeben hat: als Titelverteidiger zweimal hintereinander die Playoffs verpassen.

Es ist kein Zufall, dass Langenthal nach wie vor ein Spitzenteam, der SC Bern hingegen bis auf den letzten Platz abgestürzt ist. Der SCB hat auch, wie Langenthal, den Meistertorhüter, den Meistertrainer und die Meisterausländer verloren. Aber nicht in die sportliche Führung investiert.

Die Persönlichkeit, die heute die SCB-Sportabteilung führt, kennt weder die National League noch die Swiss League: Sie hatte vorher noch nie einen Job in den beiden höchsten Ligen. Sie weiss weder aus eigener Erfahrung wie die anderen Sportchefs und die Spieleragenten ticken, noch ist sie mit den besonderen ungeschriebenen Gesetzen und Bräuchen des Männerhockeys vertraut oder hat Verhandlungserfahrung mit Spielern und Agenten. Der SCB ist ein Ausbildungsclub: Er bildet auf der Position des Sportchefs aus.

Der SCB hat seit dem letzten Titel nicht einen einzigen gezielten, richtigen Transfer gemacht, dafür einige der teuersten Mitläufer der Liga eingekauft, aber wenigstens das Glück, dass Philip Wüthrich, ein SCB-Junior, von Langenthal zurück nach Bern kommen musste. Der SCB hat mit Dustin Jeffrey und Ted Brithén zwei der teuersten ausländischen Stürmer der Liga. Sie stehen in der Skorerliste auf den Positionen 44 und 59. Die sportliche Führung hat die meisterliche DNA in Rekordzeit verloren.

Der SC Bern hat im Kalenderjahr 2020 schon mit vier verschiedenen Trainern gearbeitet und zwei davon gefeuert. Um der Kostenwahrheit willen sei erwähnt:

Der SCB bezahlt diese Saison die Löhne für drei Trainer: Kari Jalonen, Don Nachbaur und Mario Kogler.

Jeff Campbell ist bei Langenthal dritte Trainer seit 2017. Weil die Meistertrainer Jason O’Leary und Per Hanberg nach dem Titelgewinn neue Herausforderungen gesucht haben.

Und SCB-Manager Marc Lüthi jammert über zu hohe Lohnkosten.

Eishockey ist ein unberechenbares Spiel auf rutschiger Unterlage. Manchmal spielt zwar der Zufall in einer Partie eine Rolle. Aber nie ist es Zufall, dass eine Mannschaft oben steht und eine andere ganz unten.

Wenn wir die Kompetenz der sportlichen Führung betrachten, dann kann es gar nicht anders sein: Der SC Langenthal, der Meister von 2012, 2017 und 2019 ist nach wie vor ein Spitzenteam. Der SC Bern, der Meister von 2016, 2017 und 2019 hat in Rekordzeit ein Meisterteam durch Unverstand verloren und ist auf den letzten Platz abgerutscht. Der letzte ähnliche Fall liegt mehr als 50 Jahre zurück: 1966 wird GC Meister und steigt 1968 ab.

Die Manager und Sportchefs der Swiss League haben es in den letzten Jahren verstanden, die Lohnkosten in Griff zu bekommen und Meister Langenthal ist es gelungen, die Lohnsumme – wie schon erwähnt – zu senken und dabei die sportliche Qualität zu wahren. Die Rapperswil-Jona Lakers und die SCL Tigers haben sich in der Swiss League wirtschaftlich und sportlich erfolgreich erneuert. Zu keinem Zeitpunkt ist es den Managern und Sportchefs in der Swiss League in den Sinn gekommen, die Löhne durch eine höhere Anzahl Ausländer zu drücken. Und ein «Reform-Theater» haben sie auch nie aufgeführt.

Wenn niemand den Reform-Wahnsinn noch stoppt, beginnt ab der Saison 2022/23 eine Art von «Selbstzerstörung» der National League durch Erhöhung der Ausländer und der dauerhaften Abschaffung des Auf- und Abstieges zwischen den beiden höchsten Spielklassen.

Damit zeichnet sich eine historisch einmalige Situation ab: Die zweithöchste Liga wird zum ersten Mal in unserer Geschichte (seit 1908) zu einer Konkurrenz für die höchste Liga. Sie kann Arosa und Basel an Stelle der Farmteams aus Zug und Biasca aufnehmen, hat dann eine geographisch so gute nationale Abdeckung wie die National League, eine viel höhere «Swissness» und Glaubwürdigkeit und bietet ähnlich attraktives Hockey zum halben Preis oder noch günstiger.

Die Klotener sollten darüber nachdenken, ob es tatsächlich klug ist, in die National League zurückzukehren.

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