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Der Davoser Teemu Turunen (FIN), Mitte gegen die Berner Mika Henauer, links und Jan Neuenschwander, rechts sowie dem Goalie Tomi Karhunen, im ersten Eishockey-Pre-Playoff Qualifikationsspiel der National League zwischen dem HC Davos und dem SC Bern, am Mittwoch, 7. April 2021, im Eisstadion Davos in Davos. (KEYSTONE/Juergen Staiger)

Davos und Bern sind an den sportlichen Katzentisch verbannt worden. Bild: keystone

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Es gibt ihn noch, den wahren SCB und den wahren HCD, aber …

So viel Drama und eine ach so einfache Erklärung: Im Eishockey gewinnt immer der bessere Torhüter. Der SCB besiegt den HCD in der Verlängerung 4:3.



Der erste Abend der Wahrheit. Es wird ein Drama in vier Akten. Es sind die beiden ruhmreichsten Leibchen unseres Hockeys. 47 Meistertitel stecken in den wunderbaren, klassischen HCD- und SCB-Dresses, so viele, dass man sich leicht beim Zählen irren kann. Nie sind so viel Geschichte und Ruhm auf dem Eis vereinigt wie bei den Kollisionen dieser zwei Titanen des eidgenössischen, ja des europäischen Hockeys.

Aber eben: Es ist nicht der Abend, um Anekdoten aus hundert Jahre Geschichte zu erzählen. Es ist gleich in mehrfacher Hinsicht der Abend der Wahrheit. Nun muss sich zeigen: Wie viel wahrer SCB steckt noch im SCB-Dress? Und wie viel wahrer HCD in den HCD-Trikots?

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Die Highlights des Spiels. Video: YouTube/MySports

Und noch etwas: Der SCB tritt zur ersten Playoff-Partie nach der glorreichen «Ära Jalonen» an. Kann der SCB auch ohne den finnischen Schablonen-Magier Playoff? Und für den HCD ist es das erste Playoff-Spiel in diesem Jahrhundert ohne Arno Del Curto. Und das erste überhaupt in der Klubtrainer-Karriere für Christian Wohlwend. Kann der HCD-Trainer Playoff? Hat er auch das Gespür für dieses Eishockey ohne Ausreden? Wird er den richtigen Torhüter einsetzen?

Während der ganzen Saison ist es im Flachland und in den Bergen um solche und ähnliche Fragen gegangen. Der HCD und der SCB messen sich ja nicht im Final. Nicht im Halbfinal. Nicht einmal im Viertelfinal. Beide sind an den sportlichen Katzentisch verbannt worden. Sie spielen in den Pre-Playoffs um Platz 8. Eine Schmach. Für beide. Erst recht für den SCB, der ja nach wie vor Titelverteidiger ist.

Zuerst kommt der wahre SCB zum Vorschein. Rau, selbstsicher, diszipliniert, zielstrebig. Einfaches Handwerk. Strukturiert wie die Musik der britischen Rockband «Status Quo.» Das Hockey echter Männer. So sind die Berner oft Meister geworden.

Nach dem ersten Akt dieses Dramas scheint alles klar. Der SCB führt 3:0. Der wahre SCB hat in einem Playoff-Spiel einen solchen Vorsprung nie aus den Händen gegeben.

Aber bald wird sich zeigen: Es ist halt doch nicht mehr ganz der wahre SCB.

Christian Wohlwend sieht sich in der ersten Pause genötigt, Robert Mayer durch Sandro Aeschlimann zu ersetzen. Der dritte Gegentreffer war haltbar. Der HCD-Coach tauscht den meistüberschätzten gegen den meistunterschätzten Goalie der Liga. Robert Mayer hat 66,67 Prozent der Schüsse abgewehrt. Sandro Aeschlimann wird 95,24 Prozent halten. Christian Wohlwend hat sich bei der Goalie-Nomination geirrt.

Der Berner Miro Zrydb, rechts, jubelt nach seinem 0:1-Fuehrungstreffer und der Davoser Torhueter Robert Mayer verharrt auf den Knien, im ersten Eishockey-Pre-Playoff Qualifikationsspiel der National League zwischen dem HC Davos und dem SC Bern, am Mittwoch, 7. April 2021, im Eisstadion Davos in Davos. (KEYSTONE/Juergen Staiger)

Robert Mayer muss sich gegen Bern gleich drei Mal in 20 Minuten geschlagen geben. Bild: keystone

Der wahre HCD ist im ersten Akt noch nicht zum Vorschein gekommen. Nur ein Operetten-HCD. Tempospiel ohne Varianten, Fleiss ohne Selbstvertrauen. Defensive ohne Ordnung. Brotlose Kunst rund ums Tor. Aber nicht vor dem Tor. Eishockey eher wie bei den Junioren. Nicht wie bei den Männern.

Aber im zweiten Akt, ab der 21. Minute kommt nach und nach der wahre HCD zum Vorschein. Variantenreicher, explosiver, direkter, bissiger, dominanter. Die Störarbeit («Forechecking») zeigt Wirkung. Der SCB wankt. Wenn der Gegner in Schwung kommt, geht die Ordnung verloren. So war es oft in dieser Saison.

Bei «Halbzeit» ist der Vorsprung auf 3:2 geschrumpft. Der wahre, standhafte SCB steht jetzt dem wahren, stürmischen HCD gegenüber. Aber bald wird sich zeigen: Es ist halt doch nicht mehr ganz der wahre HCD. Es gelingt den Davosern nicht, den Schwung zur Entscheidung zu nutzen.

Und so ist es nur logisch, dass es nach 60 Minuten trotz 47:24 HCD-Torschüssen 3:3 steht und dieses Drama erst im vierten Akt entschieden wird.

Es hat durchaus seine Logik, dass in der 78. Minute Jesper Olofsson zum 4:3 trifft. Seit Anbeginn der Zeiten wissen wir: Die Torhüter sind die Hauptdarsteller jedes wahren Dramas. Tomi Karhunen ist der wahre Held des Abends. Er stoppt 57 von 60 Pucks (95 Prozent).

Der Berner Goalie Tomi Karhunen, links, schnappt den Puck vor dem Davoser Marc Aeschlimann, im ersten Eishockey-Pre-Playoff Qualifikationsspiel der National League zwischen dem HC Davos und dem SC Bern, am Mittwoch, 7. April 2021, im Eisstadion Davos in Davos. (KEYSTONE/Juergen Staiger)

Tomi Karhunen ist der wahre Held des Abends. Bild: keystone

Die Wahrheit, die niemand aussprechen darf und trotzdem die Wahrheit ist: Der HCD hat diese Partie wegen Robert Mayer im ersten Drittel verloren. Sicher: Eishockey ist und bleibt ein Mannschaftsport. Aber die Entscheidung führt in der Regel ein Einzelsportler herbei. Der Goalie ist hochgeschätztes Mitglied eines Teams und bleibt doch allein verantwortlich für den Ausgang des Spiels.

Robert Mayer ist der einzige Transferirrtum von Raeto Raffainer als HCD-Sportchef. Und dieser Irrtum ist nun sein Glück. Zumindest das Glück für einen Abend.

Er hat übrigens den Match gemeinsam mit SCB-General Marc Lüthi und Untersportchefin Florence Schelling im Stadion erlebt. Und er bestätigt: «Ich habe bei keinem einzigen Tor Emotionen gezeigt.» Und einmal wird er an einen Ausspruch des grossen Dichterfürsten Goethe gedacht haben: «Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.» Beim haltbaren 3:0. Da wird sich sein SCB-Herz gefreut haben. Und andererseits wird es ihm ein wenig schwerer ums Herz gewesen sein, als er daran denken musste, dass auch er dafür verantwortlich ist, dass sein Freund Christian Wohlwend Robert Mayer ins Tor gestellt hat.

Wissen wir jetzt, wie viel wahrer SCB noch im SCB-Dress steckt? Und wie viel wahrer HCD in den HCD-Trikots?

Nein, wir wissen es noch immer nicht. Wir haben zwar gesehen, dass noch wahrer SCB im SCB-Ehrenkleid steckt. Und wahrer HCD in den hundertjährigen Leibchen mit den ewigen Farben Blau und Gelb.

Aber wir wissen nicht, für wie viele Minuten wir den wahren SCB und den wahren HCD sehen. In den grossen Zeiten waren es meistens 60 Minuten und wenn erforderlich noch etwas länger.

Nun sind es – wie gestern – nur noch lichte Momente, die den Weg zum Sieg erhellen wie das flackernde Licht einer schwankenden Sturmlaterne. Es kann jederzeit erlöschen. Wir wissen nicht mehr so genau, wann und wie lange wir diese wahre SCB- und HCD-Grösse sehen.

Das ist der Grund, warum dieses Drama inzwischen auf dem Nebenschauplatz sogenannter Pre-Playoffs und nicht mehr auf der grossen Bühne der wahren Playoffs aufgeführt wird.

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