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HC Davos Cheftrainer Arno Del Curto waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos am Sonntag, 25. November 2018, in Zuerich. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Arno Del Curto – das Phantom unserer grossen Hockey-Oper

Noch nie hat sich im Mannschaftssport ein so berühmter Trainer freiwillig so konsequent in die Anonymität zurückgezogen wie Arno Del Curto. Nicht im Eishockey, nicht im Fussball, nicht im Handball oder im Unihockey. Gross ist deshalb die Aufregung, als er auf Schlittschuhen in einer Hockey-Arena gesichtet wird.



Arno Del Curto hat während eines Vierteljahrhunderts unser Hockey ganz wesentlich beeinflusst und grossen Anteil an der grandiosen Entwicklung dieses Spiel in unserem Land. Zeitweise war er eine der bekanntesten Personen der helvetischen Zeitgeschichte.

Können wir uns beispielsweise vorstellen, dass Roger Köppel von einem Tag auf den anderen freiwillig und ohne Not aus der Publizistik aussteigt und die Politik aufgibt, nicht mehr öffentlich auftritt und sich nicht mehr zum Tagesgeschehen in Zürich, der Schweiz und der Welt äussert? Eigentlich nicht.

Oder ist es denkbar, dass Ancillo Canepa von einem Tag auf den anderen freiwillig und ohne Not beim FCZ alles hinschmeisst, sich nicht mehr im Stadion blicken lässt und sich nie mehr irgendwo öffentlich zum FCZ oder zum Fussball äussert? Eher nicht.

Aber ungefähr so radikal und eigentlich unfassbar ist der totale Rückzug von Arno Del Curto aus dem Eishockey und der Öffentlichkeit nach dem Auslaufen des Vertrages bei den ZSC Lions im letzten Frühjahr. Er lebt heute im Berner Mittelland. Nicht mehr in den Bündner Bergen und auch nicht in der Stadt Zürich.

Zuerichs Cheftrainer Arno Del Curto im dritten Eishockey-Spiel der Abstiegsrunde der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos, am Samstag, 16. Maerz 2019, im Hallenstadion in Zuerich.(KEYSTONE/Melanie Duchene)

Arno Del Curto im dritten Eishockey-Spiel der Abstiegsrunde der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos, am Samstag, 16. März 2019, im Hallenstadion in Zürich. Bild: KEYSTONE

So intensiv wie er im Eishockey mehr als 20 Jahre lang auf der Überholspur gelebt und gearbeitet hat, so konsequent verweigert er sich jetzt diesem Spiel und der Öffentlichkeit. Weil er sich partout nicht zum Hockey äussert, nicht als Experte auftritt, keine Interviews gewährt und sich nie in einem Stadion blicken lässt, kommt er in den Medien überhaupt nicht mehr vor. Nicht einmal mehr in der Rubrik «Gerüchte».

Und doch ist der Engadiner nicht vergessen. In unserer grossen Hockey-Oper ist er noch immer präsent. Aber unsichtbar, unhörbar, unerreichbar, unfassbar wie ein Phantom. Arno Del Curto, das Phantom unserer Hockey-Oper.

Nun ist dieses Phantom also für ein paar Stunden unverhofft aufgetaucht und ins Rampenlicht geraten wie ein aufgeschreckter, eigenwilliger Dachs ins Scheinwerferlicht eines zufällig vorbeifahrenden Autos.

Weil der HC La Chaux-de-Fonds eine offizielle Medienmitteilung verschickte und die Welt wissen liess, dass Arno Del Curto seinem Kumpel Loïc Burkhalter am Donnerstag beim Training ausgeholfen habe, musste das Phantom für ein paar Augenblicke aus dem Dunkel der Anonymität auftauchen. Die Regel, dass am Hosentelefon nicht über Hockey gesprochen werden darf und ansonsten das Gespräch subito beendet wird, ist als dadurch ausser Kraft gesetzt worden. Das Phantom spricht.

Die Vorstellung ist ja aufregend: der wohl berühmteste Schweizer Trainer der neueren Geschichte übernimmt ausgerechnet in La Chaux-de-Fonds bei Loïc Burkhalter die gleiche Rolle wie Sean Simpson bei Christian Dubé in Fribourg.

Mit Loïc Burkhalter verbindet Arno Del Curto eine alte Freundschaft. Von 2005 bis 2008 stürmte der heutige Sportchef des HC La Chaux-de-Fonds für den HCD. Die Legende geht, dass er dort seinem Trainer Arno Del Curto das Schreiben von SMS-Nachrichten auf dem Natel beigebracht habe. Heute ist Loïc Burkhalter Sportchef beim HC La Chaux-de-Fonds, hat den Trainer gefeuert und vorerst das Traineramt übernommen.

Die Frage also an Arno Del Curto:

watson: Machen Sie für Loïc Burkhalter den Sean Simpson?
Arno del Curto: Ich sage kein Wort. Es gibt kein Interview.

Ja, klar. Aber der HC La Chaux-de-Fonds hat hochoffizielle Medienmitteilung verbreitet, wonach Sie jetzt Loïc Burkhalter helfen. Wir müssen also die Sachlage klären.
Ich war aus Freundschaft zu ihm bei einem einzigen Training dabei.

Werden Sie bei weiteren Trainings dabei sein?
Nein.

Werden Sie Spiele für Loïc Burkhalter beobachten?
Nein.

Wenn wir uns schon unterhalten: Werden Sie Trainer in Lugano?
Nein. So und jetzt sage ich kein Wort mehr.

Der grosse Hemingway sagte einmal, man brauche zwei Jahre um sprechen zu lernen, und fünfzig um schweigen zu lernen.

Das dürfte wohl so oder ähnlich sein. Arno Del Curto ist am 23. Juli 63 geworden.

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • wasps 20.12.2019 14:26
    Highlight Highlight Also Arno mit Köppel zu vergleichen, das ist schon sehr gewagt! Der Arno hat das Eishockey geprägt, der Köppel bleibt eine Randnotiz in der Schweizer Politik.
  • lynx 20.12.2019 11:17
    Highlight Highlight Ah, endlich mal wieder ein klassisches AdC-Interview! Was hatte ich die vermisst!
    Allerdings noch nicht ganz so gut wie das legendäre "Wir spielen morgen gegen Langnau!"-Interview 😂
  • Pegi9999 20.12.2019 08:51
    Highlight Highlight Ich fänds toll würde Adc ein Nati-B
    Team übernehmen und den jungen wilden ein wenig einheizen. Davon würde der Nachwuchs profitieren wie auch die Liga selber.
  • Useurbrain 20.12.2019 06:26
    Highlight Highlight Köppel tritt ab und verschwindet in der Anonymität… I have a dream,
    • Glenn Quagmire 20.12.2019 09:59
      Highlight Highlight juuu driiiimer duuu. 😀

      Aber es wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk für alle, wenn es eintreffen würde.
  • Hockeyaddict 19.12.2019 22:12
    Highlight Highlight Ach wie ich Arno vermisse, sein zorniger, stechender Blick durch seine dicken Brillen-Gläser... btw wieder einmal ein literarisches Meisterwerk von KZ😀
    • SörgeliVomChristophNörgeli 20.12.2019 12:22
      Highlight Highlight Ich vermisse ihn gar nicht. Er war für miese Touren wie bei Forster oder Guggisberg mitverantwortlich. Und die Spielweise seines HCD ging oft über die gesunde Härte hinaus: viele durch HCD-Spieler beendete Karrieren zeugen davon.
    • Coffey 20.12.2019 17:42
      Highlight Highlight Welche HCD Spieler haben wessen Karriere beendet?
    • SörgeliVomChristophNörgeli 20.12.2019 17:58
      Highlight Highlight HCD-Spieler Kevin Miller hat die Karriere von Andrew McKim beendet. HCD-Spieler Beat Forster hat die Karriere von Deveraux (und als er schon für Biel spielte, die Karriere von Nilsson) beendet. Etc. etc.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sverige 19.12.2019 21:12
    Highlight Highlight Arno del Curto wird ab Montag Coach des HC Lugano. Ein guter Zeitpunkt, um das Team bis zum 2. Januar wieder auf die Überholspur zu kriegen.
    Ich habe ein guter Kollege der beim HC Lugano angestellt ist. Der Name ist mir gerade entfallen.
  • Lumina 19.12.2019 20:49
    Highlight Highlight Nein Herr Zaugg - schnurzpiepegal wovon Sie nachts träumen, Arno del Curto wird NICHT der neue Trainer des HC Lugano - nicht morgen, nicht übermorgen, nicht nächste Woche und auch nicht Anfangs 2020 oder überhaupt irgendwann - EVER!
    • Sverige 19.12.2019 21:38
      Highlight Highlight Wetten dass er es wird.
    • Lumina 20.12.2019 01:38
      Highlight Highlight Er hat doch selbst schon NEIN gesagt - glauben Sie noch an den Osterhasen oder was?

      Aber sehr gerne - 150 Stutz, bar auf die Hand - Topp, die Wette gilt.
  • Zanzibar 19.12.2019 20:31
    Highlight Highlight Der del Curto scheint den Zaugg nicht sonderlich zu mögen😹
    • leu84 19.12.2019 21:43
      Highlight Highlight Nicht nur Herrn Zaugg, auch andere Sportjournalisten ;)
  • HotIce 19.12.2019 20:28
    Highlight Highlight die fakten zum interview:
    5 fragen. 30 worte als antwort. schnitt von 6 worten pro antwort.
    oder, polemisch:
    herr zaugg, mit verlaub, sind sie ein lotterchronist?

    aber ich schiebe hinterher, dass ich es liebe ihre texte zu lesen.
  • Couleur 19.12.2019 19:14
    Highlight Highlight (Hockey-) Dinosaurier gehören ins Museum ;-)

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