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Genf, 03.10.2015, Eishockey NLA, HC Genf Servette - HC Davos, Davos Mannschaft gratuliert die Fans nach dem Spiel. (Robert Hradil/EQ Images)

Wenn Arno Del Curto geht, könnte es im HCD-Team einen grossen Umbruch geben.
Bild: EQ Images

Eismeister Zaugg

Wie geht's weiter mit dem HC Davos? Ein halbes Meisterteam steht zum Verkauf

Arno Del Curto steht vor dem heissesten Oktober seiner HCD-Zeit. Aber nicht aus sportlichen Gründen. Am Montag hat er noch einmal in den Bündner Bergen bei Wildbeobachtung die Ruhe gesucht. Die Ruhe vor dem Oktobersturm.



Der HCD befindet sich in einer delikaten Situation. Beim Meister laufen Ende Saison 17 Verträge aus – so viele wie nie seit Arno Del Curto im Sommer 1996 die Mannschaft übernommen hat. Zu den «free agents» gehören so wichtigen Spieler wie die Stürmer Andres Ambühl (32), Dino Wieser (26), Marc Wieser (27) und Samuel Walser (23), Verteidiger Noah Schneeberger (27) und Torhüter Leonardo Genoni (28).

16.09.2015; Freiburg; Eishockey - Hockey Award 2014/15; 
Andres Ambuehl (HC Davos) Most Valuable Player 2014/15 und Most Popular Player 
(Urs Lindt/freshfocus)

Bleibt Ambühl dem HCD weiterhin erhalten? 
Bild: Urs Lindt/freshfocus

Hingegen ist Enzo Corvi (22) noch bis 2017 an den HCD gebunden – wenigstens die Transfergerüchte um seine Person haben also keine Grundlage. Somit steht die bessere Hälfte eines Meisterteams zum Verkauf. Das hat es so noch nie gegeben. Leonardo Genoni ist schon weg – er wechselt Ende Saison für drei Jahre zum SCB.

ZUM TRANSFER VON NATIONALGOALIE LEONARDO GENONI VOM HC DAVOS ZUM SC BERN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Der Davoser Torhueter Leonardo Genoni, beim Eishockeyspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem EHC Biel, am Samstag, 4. Oktober 2014, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Genoni spielt ab nächstem Jahr für den SCB.
Bild: KEYSTONE

Die Vertragsverhandlungen führt, wie seit Anbeginn der Zeiten, Trainer Arno Del Curto – und nicht der Sportchef oder der Präsident. «Das ist so», bestätigt Präsident Gaudenz Domenig. «Arno macht das für uns.» Dass der Trainer die Verträge aushandelt, macht die Situation delikat. Denn bei keinem anderen Team ist die emotionale Bindung zwischen Personal und Trainer so intensiv wie in Davos. Viele Spieler sind wegen Arno Del Curto beim HCD. Die erste Frage bei den Vertragsgesprächen wird deshalb sein: «Und Du Arno, bleibst Du?»

Bern führte keine Gespräche mit Del Curto

Im letzten Frühjahr hätte Arno Del Curto den HCD verlassen und wäre nach Bern gezügelt – wenn die Berner gewollt hätten. Für ein paar Wochen liessen die Hockeygötter ein Fenster offen: Der HCD war Meister geworden, das Meisterteam blieb intakt. Arno Del Curto hätte mit gutem Gewissen Davos verlassen können. Er kokettierte bis in den Mai hinein mit einem Wechsel – und die Berner, blind verliebt in Guy Boucher, merkten es nicht. Es gab keine Gespräche mit dem HCD-Trainer.

Trainer Arno Del Curto von Davos, beim Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem SC Bern, am Sonntag, 27. September 2015, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Wohin führt der Weg von Arno del Curto?
Bild: KEYSTONE

Nun ist die Situation ganz anders. Keiner der wichtigen Spieler wird seinen Vertrag verlängern, wenn Arno Del Curto nicht bleibt. Er muss diesmal so früh wie noch nie «Ja» oder «Nein» zum HCD sagen. Konkret bis Ende Oktober. Der grosse HCD-Zampano steht sozusagen vor dem heissesten Oktober seiner Karriere. Präsident Gaudenz Domenig sieht das auch so und ergänzt. «Alle beginnen immer früher mit den Transfergesprächen. Ich bin der Meinung, dass erst ab der Weihnachtspause verhandelt und transferiert werden sollte. Aber wir müssen uns den Gepflogenheiten der anderen anpassen.»

Gaudenz F. Domenig, Praesident des HC Davos, posiert nach der kombinierten Generalversammlung des Vereins und der Hockey Club Davos AG, am Sonntag, 19. Oktober 2014, in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Gaudenz Domenig muss bereits im Oktober bei der Trainerfrage für Klarheit sorgen.
Bild: KEYSTONE

«Meine Chancen, Präsident beim SCB zu werden, sind höher als die Chancen, dass Arno beim SCB Trainer wird.»

HCD-Präsident Gaudenz Domenig

Bleibt Arno Del Curto, dann bleibt auch die Mannschaft intakt und der grosse Ausverkauf findet nicht statt. Geht Arno Del Curto, weiden dort, wo jetzt das Stadion steht bald die Ziegen. Eine Situation, die durchaus als dramatisch bezeichnet werden darf. Zumal mit Kloten und Lugano, zwei Hockeyunternehmen im Besitz von Milliardären unbeschränkte finanzielle Mittel für Einkäufe zur Verfügung haben – und Kloten hat bereits auf kläglichste Art und Weise den Transfer von Leonardo Genoni verschlafen. Dass sich selbst «Ur-Davoser» wie Andres Ambühl oder die Gebrüder Wieser auch im Unterland und unter einem anderen Trainer als Arno Del Curto durchsetzen können, haben Andres Ambühl (Meister mit den ZSC Lions) und Marc Wieser (mit Biel in den Playoffs) eindrücklich bewiesen.

Biels Marc Wieser, links, im Kampf mit Visps Marwin Leu beim ersten Auf-/Abstiegsplayoff Ligaqualifikations-Spiel der NLA /NLB zwischen dem EHC Biel-Bienne und dem EHC Visp am Donnerstag, 10. April 2014, im Eisstadion in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Marc Wieser spielte zwischen 2011 und 2014 in Biel. 
Bild: KEYSTONE

Samuel Walser und Noah Schneeberger kommen sowieso aus dem Unterland. Wie gross ist die Gefahr eines Ausverkaufs beim Meister? Domenig ist nicht beunruhigt. Es gibt zwar für Arno Del Curto auch andere Optionen als den SC Bern – doch der SCB reizt ihn mehr als ein Wechsel ins europäische Ausland. Der Präsident lässt sich deswegen nicht aus der Ruhe bringen: «Meine Chancen, Präsident beim SCB zu werden, sind höher als die Chancen, dass Arno beim SCB Trainer wird. Wobei es für mich natürlich eine grosse Ehre wäre, nach einem kleinen Klub auch einmal einen grossen Klub führen zu dürfen…»

2,5 Millionen Verlust im letzten Jahr

Grundsätzlich gilt: Trainer kommen und gehen, der HCD bleibt bestehen. Aber die Geschichte lehrt uns, wie schwierig es in Davos ist, einen Meistertrainer zu ersetzen. Als der vorletzte Meistertrainer Dan Hober im Frühjahr 1985 ging, stiegen die Davoser bis in die 1. Liga ab und Arno Del Curto bekam den Job im Sommer 1996 nur, weil die Vertragsverlängerung mit Trainer Mats Waltin für den HCD zu teuer war.

Nach 1985 musste der HCD 17 Jahre auf den nächsten Titel warten. Aber selbst wenn Arno Del Curto bleibt, hat der Präsident ein wenig Sorgen. Letzte Saison hat sein Unternehmen 2,5 Millionen Verlust eingefahren. Inzwischen stehen zwar Reto und Jan von Arx (Rücktritt) nicht mehr auf der Team-Lohnliste und nächste Saison fällt auch das Salär von Leonardo Genoni weg. Aber es wird teuer, wenn bei einem Meisterteam die Verträge von mehreren Schlüsselspielern im besten Alter verlängert werden müssen. «Leider ist das so» sagt Gaudenz Domenig. «Auch wir haben noch nicht erlebt, dass ein Spieler sagt, es gefalle ihm so sehr bei uns, dass man den Vertrag mit einem tieferen Salär verlängern könne.»

Die Mannschaften von Davos und Fribourg stehen sich gegenueber zum ersten Davoser Heimspiel der Saison 2015/2016, beim Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 11. September 2015, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der Oktober wird für den HC Davos eine heikle Angelegenheit. 
Bild: KEYSTONE

Nichts ist Del Curto so ans Herz gewachsen wie der HCD

Einem «heissen Oktober» kann ein ruhiger Spengler Cup folgen. Wenn Arno Del Curto in den nächsten Wochen intern sein Ja-Wort gibt und die Verträge im Laufe des Novembers verlängert werden können, wird es rund um den HCD transfertechnisch windstill. Wenn nicht, warten stürmische Zeiten auf den Meister. Gerade weil die Situation so dramatisch ist, sind die Chancen sehr gross, dass Arno Del Curto bleibt.

Denn diese Dramatik spielt Präsident Gaudenz Domenig im Verhandlungsjass die beste Trumpfkarte zu. Er kann sagen: «Arno, Du musst noch bleiben, der HCD geht sonst zu Grunde.» Gegen so ein Argument ist Arno Del Curto machtlos. Er ist ein Trainer der auf sein Herz hört – und nichts ist ihm im Eishockey so sehr ans Herz gewachsen wie der HCD.

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