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Biel, 15.09.2015, Eishockey NLA, EHC Biel - ZSC Lions, Biels Gaetan Haas jubelt nach seinem Tor zum 3:2 (Pascal Muller/EQ Images)

Zurzeit ein heisses Eisen auf dem Transfermarkt: Gaëtan Haas.
Bild: EQ Images

Eismeister Zaugg

Es ist an der Zeit, dass SCB-Sportchef Sven Leuenberger seinem Coach mit gleicher Münze heimzahlt

Gaëtan Haas (23) ist der heisseste Spieler auf dem Transfermarkt. Biels Stürmer und Arno Del Curto bringen SCB-Sportchef Sven Leuenberger ins Fegefeuer.



Biels Gatëan Haas kann der nächste Reto von Arx werden. Weniger kantig im Persönlichkeitsprofil. Aber mit einer ähnlichen Wirkung. Der gute Saisonstart kommt Biel entgegen: die Hoffnung ist berechtigt, dass Gaëtan Haas in Biel zusammen mit Kevin Schläpfer eine Dynastie aufbaut – wie einst Reto von Arx zusammen mit Arno Del Curto in Davos.

«Er hat bei uns nicht verlängert und auch nicht bei einem anderen Klub unterschrieben.»

Kevin Schläpfer über Gatëan Haas 

Kevin Schläpfer sagt, noch sei nichts entschieden. «Er hat bei uns nicht verlängert und auch nicht bei einem anderen Klub unterschrieben. Der Entscheid soll im Oktober fallen.»

Noch ist Gaëtan Haas nicht der nächste Reto von Arx. Den Schritt vom sehr guten zum grossen Spieler hat er noch nicht gemacht – und wahrscheinlich gelingt dieser letzte Schritt am besten mit seinem aktuellen Trainer.

Biels Trainer Kevin Schlaepfer gestikuliert, im Eishockey Spiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Dienstag, 15. September 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Unter Kevin Schläpfer läuft es Gatëan Haas prächtig. 
Bild: KEYSTONE

Wenn Gaëtan Haas zum falschen Klub und zum falschen Trainer wechselt, riskiert er den Karriere-Knick. Zusammen mit seinem klugen Agenten Jaro Tuma wird er also auch darauf schauen, wer im Falle eines Falles sein neuer Chef wird. Im Klartext: Ein Wechsel zu einem Trainer wie Guy Boucher kann er sich in dieser entscheidenden Phase seiner Karriere nicht leisten.

Keinen Platz mehr für «Königs-Transfer»

Aber Gaëtan Haas wäre halt schon der perfekte künftige Leitwolf für den SC Bern. Und bringt damit den SCB-Sportchef in grösste Verlegenheit. Auf die Frage, ob er denn mit Gaëtan Haas schon verhandle, reagiert Sven Leuenberger etwa so wie wenn die Fraktionschefin einer Grünen Partei gefragt wird, wie das Rennstreckentraining mit dem Ferrari gewesen sei: er windet sich, mag nicht nein und nicht ja sagen. Jede Spekulation sei Boulevard der tiefsten Sorte. Er redet wie ein Politiker. Wie der Vorsteher des Bundesamtes für Eishockey- Transferwesen.

Sven Leuenberger, Sportchef des SC Bern, spricht an einer Medienkonferenz, am Montag, 31. August 2015, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Sven Leuenberger hat sich in eine Sackgasse gebracht.  
Bild: KEYSTONE

Was ja durchaus professionell ist. Kein Sportchef legt seine Karten irgendeinem Chronisten auf den Tisch. Aber es geht um mehr. Sven Leuenberger ist ein kluger, zurückhaltender Sportchef. Kein glühender Idealist, der ein grosses Ziel (den Aufbau eines neuen Meisterteams) mit heiligem Eifer verfolgt. Vielmehr sichert er sich nach allen Seiten ab, muss sich dem strengen Budgetauflagen seines Chefs Marc Lüthi unterziehen, begehrt nicht auf und passt heute wunderbar ins System SCB. Aber er hat sich in eine Sackgasse manövriert.

Sven Leuenberger sagt, auf einen möglichen Haas-Transfer angesprochen nämlich auch: «Es kommt darauf an, was ein Spieler will, ob er zu uns passt und ob er bei uns findet, was er sucht.» Will heissen: ein Spieler wie Gaëtan Haas besetzt keine Nebenrollen. Aber Sven Leuenberger lässt durchblicken, dass es beim SCB wohl nur noch Nebenrollen zu besetzen gibt. Weil so viele Verträge weiter laufen: «Ich habe die fünf Verteidiger und die neun Stürmer für nächste Saison.» Das bedeutet, dass sich der SCB, Stand Ende September 2015, auf nächste Saison für keinen «Königs- Transfer» gar keinen Platz mehr in der Kabine hat. Auch der Vertrag von Leitwolf Martin Plüss läuft bis Ende der nächsten Saison.

Und lohnt sich überhaupt ein «Königstransfer»? Oder ist es besser, ein bisschen Geduld zu haben? Mit dem Center Nico Hischier (16) hat der SCB in seiner Juniorenabteilung eines der grösste Talente der letzten 25 Jahre. Und vielleicht entwickelt sich ja sein grösserer Bruder Luca Hischier (20) zu einem dominierenden Center. Falls er ihn halten kann. Der Vertrag läuft aus. Sollte er unter der Wolldecke verschwinden wenn wieder alle Ausländer fit sind, wird sein Agent verschiedene Offerte prüfen.

Switzerland's Nico Hischier, left, and Russia's Alexander Yakovenko, right, vie for the puck during a ice hockey U18 World Championships quarter final match between Switzerland and Russia, at the ice stadium Bossard Arena in Zug, Switzerland, Thursday, April 23, 2015. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Nico Hischier ist zurzeit die grösste Zukunftshoffnung beim SCB. 
Bild: KEYSTONE

Die Politik der langen Verträge mit guten Schweizer Spielern hat aus dem SCB so etwas wie ein Bundesamt für Eishockey- Transferwesen gemacht. Für nächste Saison gibt es kaum mehr Spielraum. Die Mannschat für nächste Saison steht schon fast. Bis 2020 läuft der Vertrag von Scherwey. Bis 2018 die Kontrakte mit Gerber, Krueger, Untersander, Moser und Bodenmann. Bis 2017 sind Ebbet, Smith, Conacher, Plüss, Reichert, Rüfenacht, Blum, Kreis und Jobin an den SCB gebunden.

Rächt sich Leuenberger nun an Boucher?

Oder gelingt der «Königstransfer» am Ende bei den Goalies? Ein «Königstransfer» wäre eine Rückkehr von Jonas Hiller (33) oder Reto Berra (28) aus der NHL. Aber erstens ist es äusserst heikel, überhaupt solche Gespräche zu führen – ganz speziell im Fall von Reto Berra, der jetzt alles daran setzt, um sich in der NHL zu behaupten. Auch in der Goaliefrage hatte sich Sven Leuenberger mit der Neigung zu langen Verträgen (nach der Verlängerung mit Marco Bührer bis 2016) in eine Sackgasse manövriert und er war «handlungsunfähig», als Leonardo Genoni einen auslaufenden Kontrakt hatte.

Für einen allfälligen Transfer von Gaëtan Haas gibt es noch ein Problem für den SCB- Sportchef. Wer ist nächste Saison Trainer beim SCB? Falls es Guy Boucher sein sollte, ist das Thema erledigt. Ein kluger Spieler macht seinen Transfer nie offen vom Trainer abhängig – aber er achtet sehr genau darauf, wer sein neuer Trainer sein wird. Aber Sven Leuenberger kann nicht jetzt schon sagen, der Vertrag des Trainers werde im Frühjahr nicht verlängert. Das würde ihn ins Fegefeuer bringen.

HC Davos Trainer Arno Del Curto beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem HC Davos am Samstag, 12. September 2015, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Del Curto könnte schon bald der Bandengeneral beim SCB sein.
Bild: KEYSTONE

Wäre Arno Del Curto nächste Saison SCB- Trainer, wäre der Transfer von Gaëtan Haas hingegen nur noch Formsache. Arno Del Curto beim SCB? Das Gerücht macht jedes Jahr die Runde und gehört inzwischen zu unserer Hockeykultur wie das Glockengeläut zur Kuhherde. Und doch: wenn der SCB je Arno Del Curto holen will – dann auf nächste Saison. Der HCD-Kulttrainer hat früher nur mit einem Abgang kokettiert. Doch das hat sich geändert. Noch nie seit der mündlichen Zusage an St. Petersburg, die er dann auf dem Rückweg nach Davos wieder rückgängig machte, hat er so intensiv darüber nachgedacht, was wäre, wenn. Zumal er seine Freizeit heute oft im Bernbiet verbringt und fasziniert ist von der Hockeybegeisterung der Berner. Mit dem Rücktritt von Reto von Arx ist ein Teil seiner emotionalen Bindung zum HCD aufgelöst.

Ist es Verrat, wenn sich jetzt Sven Leuenberger hinter dem Rücken von Guy Boucher intensiv um Arno Del Curto bemüht? Nein, keineswegs. Guy Boucher hat sich auch um einen Job in der NHL bemüht – obwohl er doch einen (kündbaren) Vertrag beim SCB hatte. So wie Guy Boucher dem SCB sagte, er möchte halt schon lieber in der NHL arbeiten und dann reuemütig zurückkehrte, als es erwartungsgemäss nicht klappte, so kann jetzt Sven Leuenberger mit gleicher Münze heimzahlen. Und Guy Boucher sagen, dass man halt lieber Arno Del Curto hätte. Aber wenn es nicht klappe, könne man ja im Frühjahr über einen neuen Vertrag reden.

Zuerich, 09.09.2015, Eishockey NLA - ZSC Lions - SC Bern, Trainer Guy Boucher (SCB). (Marc Schumacher/EQ Images)

Boucher würde lieber in der NHL arbeiten wie beim SCB.
Bild: Marc Schumacher

Die Chancen, dass Arno Del Curto nach Bern wechselt sind jedenfalls im Quadrat grösser als Guy Bouchers Aussichten auf einen Cheftrainerjob in der NHL.

NLA-Trikotnummern die nicht mehr vergeben werden

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